Skr. 117.
31iar6urg, Freitag, 20. Mai 1881.
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Befestigung und die Sicherheit der Nation. Heute fteht die deutsche Rechtseinheit, das innere deutsche Volks- l«>en selbst in Frage. Heute stimmt wiederum die Fort- jchrlttsparlei gegen die Justizgesetze, welche nach jahrelanger -Vorberatung und nach schweren Mühen und Arbeiten des Reichstages und der Bundesregierungen zum Abschluß gekommen sind, weil einige in betreff der Presse gewünschte neue Freiheiten noch nicht erreicht sind. Die Freunde der nationalen Einheit, insbesondere die nationalliberale Partei, werden auch diesmal von den Organen der Fortschrittspartei im unnatürlichen Bunde mit der klerikalen, radikalen und socialdemokralischen Presse des Verrats an den Freiheiten der Nation beschuldigt. Verdächtigungen der schmäh- lrchsten Art werden gegen den Charakter und die Gesinnung der Männer geschleudert, die durch ihr gewissenhaft erwogenes Votum dem deutschen Volk die Wohlthat der Rechtseinheit retteten."
So stand eö vor wenigen Jahren mit den gemeinsamen Grundanschaunngen, so mit der „großen liberalen Partei."
. Der Dretzirke«h,j.
Roman von Agust Butscher iFortftzuns.)
„Ganz in Ordnung," be-lte sich „der Wiener" zu bemerken, als er den Schultheißn in seiner Nähe sah. Dann fuhr er fort: „Nach § 25, dn ich selber aufgesetzt habe, heißt es folgendermaßen: Es'ann jeder werfen, wer will, der seinen Einstand zahlt undvon unbescholtener Herkunft ist, bis das Spiel aus ist - und das Spiel geht aus am Allerseelen, wenn es Alnd wird und dunkel ist. — Das ist sonnenklar, sollt ich leinen," fügte er mit Nachdruck bei, indem er das Pa>er zusammenlegte und sich setzte. „Ergo, wie die Gelehen sagen, muß der Bastian von der Masserkandel, der tz jetzt das meiste geworfen hat, warten, bis der Friedel rchgcworfen hat. Er hat 6 Schuß, wie Jeder, und ichgin der Präsident von dem Spiel, wie man in Wien soL würde. Aber von Euch ist ja keiner dort gewesen aua mir" — setzte er verächtlich hinzu.
Unter allgemeinem Murn ließ man Friedel endlich gewähren. Dieser hatte au bierseligem Uebermut sich zum Spiel gemeldet, denn imIrunbe war ihm sehr wenig daran gelegen.
Der Schultheiß hatte de Wiener für seine kräftige Auslegung des Spielgesetzes rd gleichsam als Schmerzensgeld für die vorherige Absetzung einen SechSbätzner in die Hand gedrückt, den dieser it Gleichmut in seine Hosentasche gleiten ließ.
Der Höhlenhofbauer ab> hatte unterdessen seinem Sohne einen bedeutungSvolleiorippenstoß versetzt. Dieser, sonst etwas schwerfällig im Steifen, verstand ihn sofort
.Der Lenz vom Höhlenhof", fistelte Bitterle und lehnte sich m s-men Stuhl zuruck, indem er seine langen, dürren Seme verschränkte. 0 '
Der Gerufene trat an'S Wurfbrett. Die Pfeife hina ihm wie ein Maiskolben auf die rote Weste nieder und er dampfte wie ein Kohlenmeiler. So wenig er sich geistig hervorthat, so sehr war man von seiner Bärenkraft über- zeugt. • Er warf und schwenkte jedesmal das rechte Bein über das linke, indem er den Oberleib wie in Krämpfen v-rorehte, so daß seine Silberketten wie Panzerringe ras- jelten. Die Zuschauer waren kaum zu Athem gekommen, als er schon vleruudzwanzig Kegel liegen hatte und mit einem dummstolzen Lächeln sich Friedel gegenüberstellte, der einen Lsluch zwilchen den Zähnen zerbiß. Der alte Höhlen- Hofbauer klopfte dem Sieger klatschend auf die Schulter und ließ dabei m seiner Hosentasche die harten Thaler
Johannes ward aufgerufen; mürrisch suchte er sich eine Kugel aus. Sein Vater schickte ihm einen ermunternden Mick zu, denn an ihm hing jetzt die Ehrenrettung der Buckenhofer. Schon nach der ersten Kugel ging es hell auf in den Zügen des Keglers, beim er hatte fünf Kegel medergeftreckt. Der zweite Wurf lieferte das gleiche Ergebnis und die Gesichter der Höhlenhofer verlängerten sich um mehrere Zoll. Der nächste Wurf ging fehl, und es dämmerte wieder Hoffnung im feindlichen Lager. Die vierte Kugel warf sechs Kegel um, die fünfte die gleiche Zahl, und die sechste erlegte vier. Johannes drehte sich dreimal aus dem rechten Absätze um und stieß einen Juh- schrel aus, den ersten wieder seit langer Zeit. Er war uitt sechsundzwanzig Kegeln Sieger gebliebm.
Fortsetzung folgt )
Hansi Hoss i
Die „grotze liberale Partei".
Unter dieser Ueberschrift bringt die heute ausgegebene „Prov.-Corr." den nachfolgenden Artikel:
Um die Rückkehr der Nationalliberalen zur Fortschritts- partei zu rechtfertigen, wird jetzt erklärt, daß man den Gegensatz des letzten Jahrzehnt „heute von anderen Gesichtspunkten zu beurteilen habe als während des Parteikampfes jener Zeit"; eö seien nur „Gegensätze der Taktik" gewesen und „die liberale Partei" sei nur „in mehreren Gruppen gesondert marschiert."
Wir erfahren, wie es nur „offiziöse Weltanschauung" sei, daß an den Schöpfungen jenes Dezenniums nur mit» gewirkt habe, wer in der Schlußabstimmung mit „Ja" votierte; dagegen habe es noch eine andere Mitwirkung gegeben, die Fortschrittspartei habe durch ihren heftigen Widerspruch gegen unzulängliche Entwürfe geholfen, manche Einrichtung freisinniger zu gestalten. Jetzt seien die Gegensätze der Taktik vorüber und die Gemeinsamkeit der Grundanschauungen trete wieder in den Vordergrund.
Wie freilich diese Gemeinsamkeit der Grundanschauungen bisher von den Nationalliberalen selbst betrachtet wurde, das möge eine Ansprache des nationalliberalen Comitsö bei den Wahlen von 1877 zeigen.
Dieselbe beginnt:
„Als nach den Siegen von 1866 die Verfassung des Norddeutschen Bundes unter langen uno schwierigen Verhandlungen mit den Regierungen zum Abschluß gelangte, stimmte die Berliner Fortschrittspartei gegen dieselbe, indem sie die vereinbarte Verfassung für einen sreiheitSgcfährlichen Rückschritt erklärte.
Als das preußische Abgeordnetenhaus diese neue Verfassung genehmigte, stimmte die Fortschrittspartei gegen diesen Beschieß, weil die Verfassung die Volksrechte beschränke und gefährde.
Als nach den noch gewalttgeren Siegen von 1870 die Verträge mit ten süddeutschen Staaten die einzig gegebene Grundlage zur Herstellung des seit Jahrhunderten ersehnten deutschen Reichs gewähren sollten, stimmte die Fortschrittspartei gegen diese Verträge, lediglich weil Baiern, einzelne Vorbehalte hatten zugestanden werden müssen.
Als im Jahre 1874 über unsere Heeresverfassung eine Einigung erzielt Wirde, welche die Stärke und Festigkeit unseres Heereswesem mit den konstitutionellen Rechten der Nation in Einklang brachte und die Rechte und Pflichten aller wehrfähigen Lutschen gleichmäßig regelte, stimmte die Fortschrittspartei »egen den Ausgleich, obwohl das deutsche Volk laut und deutlich seinen Widerwillen gegen einen neuen Militärkonflkt in dem jungen deutschen Reich kund gab.
Damals handelte eö sie um die Herstellung des Ver- fassungsgebäudes und die rotwendigen Schutzwehren für
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schränken haben werde, welche den Schutz der Zollgrenze erfordern. Die Zollvereins-Niederlage verliere ihre Berechtigung, sobald sie als eine definittve und nicht als eine Uebergangseinrichtung aufgesaßt werden müsse, Hur Erleichterung des Verkehrs innerhalb des Freihafens, so lange die nötige Entrepoteinrichtung für den Eintritt in daS Zollgebiet nicht getroffen war, konnte eine solche Konzession vorübergehend gemacht werden; sie als eine definitive zu behandeln, dazu fehlt es nach der Verfassung und den Zollvereinsvertragen an jedem Grunde. Die preußische Regierung sehe sich daher veranlaßt, den obigen Antrag zu stellen, indem sie für den Fall, daß durch Anträge Ham- burgS ln kurzer Zett die Sachlage sich verändern sollte, die solcher Aenderung entsprechenden Beschlüsse des BundeS-
Nach Maßgabe des Artikels 3b der Relchsverfassung werde es Preußen als Grenzstaat obliegen die zur Sicherung der Zollgrenze erforderlichen Einrichtungen zu treffen. Insoweit cs sich dabei empfehlen werde, die als vereinsländische aufzuhebenden Zollstellen einstweilen als preußische bestehen oder solche Stellen auf Hamburger Gebiet neu zu errichten, würde es dieser Regierung zu überlassen sein, im Einvernehmen mit dem Hamburger Senats die entsprechenden Anordnungen zu treffen. — Der Reichskanzler hat dem Bundesrat den Entwurf einer Verordnung vorgelegt, durch welche die Bestimmungen des Gesetzes, betreffend die Fürsorge für die Wlttwen und Walsen der Reichsbeamten der Civilver- waltung vom 20. April d. I. auch auf die Retchsbank- Beamten Anwendung finden sollen, mit der Maßgabe, daß die Wlttwen- und Waisengeldbeiträge bei der Reichsbank zu einem besonderen Fonds angesammelt und verwaltet werde- Jnsofein derselbe nicht zu den laufenden Zahlungen von Wlttwen- unEaisengeld zu verwenden ist, erfolgt bte zinS- bare Anlegung in Schuldverschreibungen des Reichs oder deutscher Bundesstaaten nach Bestimmung des Reichsbank-Direk- torlums. Diese Verordnung soll mit demjl. Juli in Kraft treten. — Im Anschluß an meine kürzlichen Mitteilung, daß die Angelegenheit der Errichtung eines RcichstagSgebäudeS noch in den Vorentscheidungen sich befinde, bemerke ich heute gemachten Angabe, daß dle,e Vorlage bereits allerhöchst sanktioniert sei, daß auch zur Zett die Sache noch in Cer Vorentscheidung liegt unt daher allerhöchst noch keine Entschließung getroffm werden konnte. — Inwieweit die von der Unsallversiche- rungs-Kommlssion vorgeschlagene Acnverung zu dem Ge- setzentwurs der verbündeten Regierungen acceptiert werden S S ÄJeUte' bie Äußerungen des Bundesrat« erst im Reichstage erfolgen, noch nicht positiv angegeben
±Mt-hen, daß eine Verwerfung des Slaatszuschuffes zu den Prämien der Unfallversicherung Seitens des Reichstags jeder Vereinbarung die Möglichkeit nehmen wurde. Gegenüber den wiederholt auftretenden
Anieigen nimmt entgegen: )tt Expedition d.vkatteS, lvmie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt ; Haasenficia & Bögler in ffrsickfl-rt 6- Di., Berlin. 8-ipzi?, tu; Rudolf Ließt tu Lrrlin, greni- snrt s. M. tc.
Anzeigen nimmt entgegen die Erpeditton d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L Daube fc So. in
lüller.
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________________________ S°r m derÄpedition zu ettLndk^ Mr die gespaltene Zeü'e 10
bindn
Kankfutt a-M; JLger-sche
Buchhandlung daselbst,;
Hermann'sche Bnchhaudl. ♦ daselbst; ^»oslideudm-r in
Berlin; W. Lhieues in
Elberfeld; L. Schlotte in
Deutscher Reich.
•• Berti«, 18. Mai. Seitens Preußens ist beim Bundesrat der Antrag aus Auflösung des in Hamburg bestehenden Hauptzollamtes und auf Aufhebung der dortigen Zollvereins-Niederlage bis zum 1. Oktober d. I. gestellt worden. Es soll der preußischen Regierung überlassen bleiben, die zur Führung der Zollgrenze gegen das Hamburger ^rechasengebiet und zur Erhebung der Zölle an dieser Grenze erforderlichen Einrichtungen zu treffen. In der Begründung wird ausgeführt, daß jene Anstalten, welche in der Reichsverfassung keine rechtliche Unterlage haben, an sich für die Sicherung der Zollgrenze nicht erforderlich waren. Sie hatten keine stärkere Berechtigung, als die einer vorübergehenden, durch das vorläufige Verbleiben Hamburgs außerhalb des Zollvereins veranlaßten Zweckmäßigkeitseinrichmng und sollten die Einnahmen des Freihafengebiets für die Dauer der UebergangSzeit bis zum Eintritt in den Zollverein zur Erleichterung dienen. Die preußische Regierung hält nach 13 Jahren den Zeitpunkt gekommen, wo eine definitive Einrichtung an die Stelle des Provisoriums zu treten hat. Wenn sie zunächst das Verhältnis zu Hamburg ins Auge fasse, so erblicke sie in neueren Vorgängen auch einen gewissen Anhalt zu der Hoffnung, daß in naher Zett der Anschluß des größeren Teils von Hamburg und seinem Gebiet an das Zollgebiet werde erfolgen können. Da alsdann ein Hamburgisches Zollamt an die Stelle des vereinsländischen treten würde, o könnte es als thunlich erscheinen, bis dahin zu warten. Die preußische Regierung dürfe aber auch den Fall des Fehlschlagens jener Hoffnung als ausgeschlossen nicht ansehen und gehe davon aus, daß in dem Falle der Zollverein seiner Verfassung nach sich auf die Einrichtungen zu be- und meldete sich sogleich auch zum Wurf. Er warf sechs Uanke Zwölfer als Einzahlung auf den Tisch, spreizte die Beine auseinander und sah spöttisch lächelnd nach Friedel hinüber, der sich eben an der Rinne eine geeignete Kugel auswählte.
Als Johannes merkte, daß es sich eigentlich um einen Wettkampf der zwei Höfe handle und er vielleicht zugleich seinen Bruder und den Höhlenlenz ärgern konnte, ließ auch er sich sogleich einschreibcn — und erstaunt räumten die Uebrigen den Dreien die Wahlstatt.
Mit neugierig.vorgestreckten Hälsen stellten sich Alle der Bahn entlang aus. Der Schultheiß hatte Johannes einen zufriedenen Blick zugeworfen, denn für jetzt wollte er nur die Ehre des Dreibirkenhofes gewahrt wissen. An seiner Seite standen der Lehrer und der Citronensepp.
Friedel hatte die sechs ersten Würfe. Er blinzelte höhnisch nach seinen Nebenbuhlern hinüber und warf dann. Die Kugel flog wie aus dem Rohre geschossen hinaus, verfehlte aber den Vorberkegel: dieser Wurf zählte also nicht. Rot vor Beschämung uno Zorn griff er zur zweiten Kugel und warf sechs mit dem Vorbern: der Kegeljunge machte einen Purzelbaum, und Friedel warf ihm einen blanken Zwölfer in den Sand. Die übrigen vier Würfe lieferten das Ergebnis von je vier Kugeln, und so hatte der junge Birkeilhofer also im Ganzen 22 „Hoiz" geworfen, zwei mehr als der bisherige Sieger Bastian von der Wasserkandel, der ingrimmig fast die Mundspitze seiner Pfeife durchbiß. Freudenrufe und verhaltenes Murren verteilten sich fast gleichmäßig und glichen einer Abstimmung zwischen Freund uno Feind.
Friedel stellte sich beiseite; fein Gesicht verriet nichts von dem Triumph, den er empfand.
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Preis