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Marburg, Freitag, 13. Mai 1881.

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Bremen.

Erscheint täglich außer audeu We^tagn, nach Tonn- ualFeiettagen. Preis für das Ouattal mit der wöchentlichen BeilageJAnftrirteS SonntaalDlatt" durch die Srveditiou (R o »'s»» Buchdruckerei) bezogen 84 Warf, bur<$ bw Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark SS Pfg. (excl. Lestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg Für m bet Expedttton zu ertheilende Auskunft unb Amiabme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d-Snuoncen-Bureauk von G. L- Daube & So. in Aankfurta.M; JSgerffche Buchhandlung daselbst!;

Zur parlameutarischeu Lage.

Der Reichstag hat noch einmal eine Pause gemacht, ehe er über die wichtigsten Vorlagen der ganzen Session im Plenum seine Beschlüsse faßt. Die Pause soll den Kommissionen Raum gewähren, ihre Vorarbeiten zu Ende zu führen. Es sind die Steuervorlage, die JnnungSvor- lage und die Unfallversicherungsvorlage, welche noch der Erledigung harren. Für alle diese Vorlagen hat man eigentlich geringe Hoffnung. Die Ablehnung der Steuer­vorlage gilt so ziemlich als sicher und die Jnnungsvorlage als unsicher. Die Fortschrittler wollen gar nichts davon wissen und die nationalliberal-freikonservative Mittelpartei steht auch hier auf dem sterilen Mittelpartei-Standpunkt: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß". Sie wollen zwar die Vorlage nicht ganz zurückweisen, aber sie nur in einer Gestalt annehmen, in welcher sie dem Hand­werk gar nichts nützen und sich als unlebensfähig erweisen würde. Die Unfalls-Vorlage hat bei dieser Mittelpartei noch weniger Sympathie. Vcrstcherungszwang will man sich wohl gefallen lassen, aber die Arbeiter sollen gezwungen werden, sich bei den bestehenden PrivatverstcherungS-An- stallen versichern zu lasten; von Staats- oder Reichs-Ver­sicherungsanstalten wollen sie nichts wissen. Wem es aber um eine wirkliche Besserung der Lage der Arbeiter zu thun ist, der kann dem nicht zustimmen. Die Privatverstcherung ist immerhin bis zu einem gewisten Grade unsicher; sie kann durch schlechte Verwaltung bankerott werden, wer zahlt dann den Arbeitern ihre Versicherungen? Die Privatver- sicherung ist ein Geschäft, sie will an der Versicherung verdienen und zwar möglichst viel verdienen; der Staat kann aber unmöglich sich dazu herbeilassen, durch ein Gesetz die Arbeiter zwingen, sich bei einer solchen Anstalt zu ver­sichern, bei der reiche Aktionäre fette Dividenden verdienen wollen und die schließlich vielleicht bankerott wird, so daß die Arbeiter bez. ihre Hinterbliebenen doch nichts bekommen. Wenn der Staat den VersichernngSzwang einführt, dann muß er auch die Versicherung garantieren und das kann er nur, indem er dieselbe selbst in die Hand nimmt. Der Reichskanzler hat vorgeschlagen, daß das Versicherungswesen Reichssache werden solle, so daß also die Arbeiter überall bei den Reichsverstcherungskasten, welche nach denselben Grundsätzen verwaltet werden sollen, versichert würden, möchten sie auch hinziehen im Reiche, wohin sie wollen. Die Reichstagskommission hat aber die Reichsversicherung verworfen und die StaatSverstcherung an ihre Stelle gesetzt. Die Konservativen hätten lieber die Reichsverstcherung, weil aber die Liberalen weder Reichs- noch Staats-, sondern Privat-Versicherung wollten, so sahen sich die Konservativen genötigt, mit dem Centrum und einigen partikularistisch gerichteten Abgeordneten zu stimmen, weil sie die Staats­versicherung immerhin der Privatverstcherung vorziehen und

Der Dreibirkeuhos.

Roman von August Bütscher

(Fortsetzung.)

Glaub' das nicht", flüsterte Marie, denn die An­strengung hatte sie sehr geschwächt. Sie führte immer wieder ihr weißes Tuch an die Lippen, und wenn sie wegnahm, war es gerötet von einem Blutstropfen.

Sieh, ich hab' noch Vermögen von meiner Mutter selig und kann damit machen, was ich will. Das soll Euch gehören, wenn Ihr ein Paar werdet mit einander, Ihr könnt dann wegziehen und wohin Ihr wollt."

Wie gut und lieb Du bist", erwiderte Eva leise. Aber selbst wenn unser Herrgott Dich so bald sollte ab­rufen, könnt' nimmer sein. Meinst Du, ich wollt' mich dem Sepp anbetteln? Nein, das könnt' ich nicht!"

Laß das gut sein", sagte Marie,das muß man Alles der höheren Hand überlasten, die oft Alles so ganz anders wendet, als man denkt." Sie erhob sich an Eva's Arm.Ich werd' ihn selber bitten," sagte sie dann leise,und bevor ich zur Mutter gehe" ein trüber Strahl fiel aus ihrem Auge auf das blumengerän- derte Grabwerd' ich den Ring an Deinen Finger stecken, und das wird das Zeichen fein von einer guten Wendung für Euch und vielleicht für Alle!"

Der Citronensepp war zum Fuhrwerk zurückgekehrt. Die Mädchen stiegen ein. Er nestelte an dem Geschirr der Pferde, aber seine Hände zitterten sichtlich, und als er auf den Bock stieg, wagte er kaum umzublicken nach den Beiden, nach der roten und der weißen Rose, wie er sie still trauernd verglich.

Darf ich mit hinausfahren nach dcm Dreibirkenhvf?"

weil ste sich sagten, daß die Sache doch Reichösache bleibt, weil sie ja durch Reichsgesetz eingeführt wird und das Reich auch die Kontrolle über die Ausführung dieses Reichsgesetzes hat. Ueberdies müßte ja auch das Reich die Hilfe der Einzelftaaten bei der Verwaltung der Reichs­versicherungskassen in anspruch nehmen, den Arbeitern selbst aber kann es schließlich einerlei sein, ob sie ihre Versiche­rungssumme von der Staats- oder Reichskaste ausbezahlt erhalten. Thatjächlich wird sich die Sache auch so gestalten, daß mehrere Staaten sich zum Zwecke der Versicherungs­kassen vereinigen, und wenn die nördlichen Kleinstaaten sich an Preußen anschließen, so wird damit der Reichsver- ficherung wohl der Weg gebahnt; zu wünschen wäre freilich, wenn dieser Weg gleich von vornherein beschritten würde. Allein das werden unsere Liberalen, die sonst so gern mit ihrer Reichsfreundlichkeit prahlen, im Interesse der Privatverstcherungs-Anstalten zu verhindern suchen. Sollte aber an ihrem Widerspruche das ganze Gesetz und auch noch die Jnnungsvorlage scheitern, so muß das ganze Volk die Leute kennen, die daran die Schuld tragen, um sich vor ihnen bei den nächsten Wahlen zu hüten.

Deutsche« «eich.

Berlin, 11. Mai. Auf Anregung des deutschen handels­geographischen Vereins ist gegenwärtig in Berlin ein Mu­seum für Handelsgeographie in der Bildung begriffen, dessen gedeihliche Fortentwickelung Gegenstand lebhaften Jn- teresfes in weiteren Kreisen ist. Vor kurzem ist vom Vorstande des Vereins ein Aufruf zur Bereicherung der Sammlungen veröffentlicht worden. Derselbe wendet sich an alle Konsuln, Kapitäne der Kriegs- und Handelsflotten, wissenschaftliche Reisende und fernerhin angesessene Deutsche mit der Bitte um zweckentsprechende Auswahl und Zusendung von Gegen­ständen, welche die kommerzielle Kulturstufe der bezüglichen Völker veranschaulichen und damit zugleich ein Gesamtbild der Handels- und Jndustriethätigkeit der Nationen in Ver­gangenheit und Gegenwart ermöglichen. Man steht, daß es sich hier um ein Unternehmen im großen Stile und auf einer Basis handelt, welche für Sammlungen bisher nicht üblich gewesen. Schon darum dürfte dem jüngsten unserer Museen das beste Gedeihen zu wünschen sein. Das Gesetz über die Eichung der Schankgefäße wird ohne Zweifel die Zustimmung des Reichstages finden, auch nachdem die Kommission die Bezeichnung des Raumgehalts der Fäffer ganz aus dem Entwürfe entfernt hat. Im Publikum und besonders bei den Haupt-Interessenten, den Schankwirten, macht man sich über die Tragweite der neueinzuführeneen Bestimmungen irrige Vorstellungen. Es heißt in dem § 6 des Entwurfs, der auch von der Kommission gebilligt ist und im Reichstage Annahme finden wird, ausdrücklich: Die vorstehenden Bestimmungen finden auf festverschlossene (versiegelte, verkapselte, festverkorkte u. s. w.) Flaschen und

fragte jetzt Jemand. Es war der rasch herankommende Lehrer Brinkmann.

Warum nicht, Herr Lehrer?" fragte der Rosselenker wie erleichtert.Nur zu mir herauf!" Die Mädchen nickten dem Lehrer freundlich zu, und das Fuhrwerk rollte rasch über den knirschenden Sand in die herbstlich braune Ebene hinaus.

Sie waren eben an einem Heuschober vorübergefahren, wie deren viele noch gleich riesigen Pilzen umherstanden, da die Scheunen des Dreibirkenhofes nicht im Stande waren, den Sommersegen ganz zu fassen. Dicht an dem Schober, der an einer Biegung des Weges stand, wäre das Fuhrwerk fast mit einer zierlichen Kalesche zusammen­gestoßen, die von der Richtung des DreibirkenhofeS herkam und in der eine vornehme Dame sii einen Pelz gehüllt saß. Schnell riß der Citronensepp seine Pferde zur Seite, und der Zusammenstoß war vermieden. Die Fremde war aufgefahren. Anfangs zuckte ein ZorneSleuchtrn in ihrem Auge auf, aber schnell änderten sich ihre Gesichtszüge, die nun ein freundliches Lächeln verschönte.

Die Dame war eine hohe Gestalt mit stahlblauen Augen und langen braunen Locken, die sich unter dem Sammet­hute auf den Reisepelz niederstahlen. Ihre Gesichtsfarbe war blühend und der lleine Mund etwas stolz aufgeworfen, was aber verschwand, wenn ihn ein Lächeln wie jetzt um­kräuselte. Die Dame mochte etwa achtundzwanzig Früh­linge gesehen haben, und doch hatte sie selbst noch etwas Lenzartiges an sich. Sie hatte dem Kutscher zu halten befohlen und rief nun mit Heller (Stimme zu der kleinen Gesellschaft hinüber:

Ei wie schön, da trifft man ja liebe Bekannte!"

Der Citronensepp lüftete seinen spitzen Hut, der Lehrer

Krüge .... nicht Anwendung." Nun hat auf eine Anfrage in der Kommissionssitzung der Vertreter des Bundesrats, Geh. Regierungsrat Weymann, den Paragraphen dahin erläutert, daß Weinflaschen unter die nicht mit einer In- Haltsmarke zu versehenden, also zu den Ausnahmen von dem Gesetze gehörten, wenn der Wein in fest verschlossenen Flaschen verabreicht zu werden pflege (Flaschenwein). Werd« dagegen der Wein aus dem Fasse verzapft und dem Gaste, wie dies vielfach (besonders in Süddeutschland) üblich, in offenen Flaschen vorgesetzt (Zapfwein), so müßten diese Flaschen markiert sein und finde also bei ihnen die Aus­nahme des § 6 nicht statt. Was dem Weine recht ist, muß natürlich dem Biere billig sein, wenn eS in fest verlocken Flaschen verkauft wird, und so werden in Norddeutschland, speziell in Berlin, weder die Weinstuben (mit vereinzelten Ausnahmen), noch die Restaurants, in denen Flaschenbier verschenkt zu werden pflegt, von dem Gesetze getroffen werden. Die Probefahrt auf der von Dr. Werner Siemens erbauten elektrischen Bahn von Steglitz nach Lichterfelde hat am Sonntag stattgefunden. Die Strecke ist ca. eine viertel Meile lang, die Dauer der Fahrt beträgt fünf Mi­nuten. Es werden auf einmal 20 Personen befördert. In nächster Zeit wird eine zweite elektrische Bahn von Char- lottenburg nach Westend gebaut.

Die diesjährigen Gerichtsferien werden im gesamten Reichsgebiete am 15. Juli beginnen und am 15. September endigen. Während der Ferien werden nur in Feriensachen Termine abgehalten und Entscheidungen getroffen. Ferien­sachen sind: Strafsachen; Arrestsachen und die eine einst- weilige Verfügung betreffenden Sachen; Maß- und Mack­sachen; Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern von Wohnungö- und anderen Räumen wegen Ueberlassung, Benutzung und Räumung derselben, sowie wegen Zurück­haltung der vom Mieter in die Mietsräume eingebrachten Sachen; Wechselsachen und Bausachen, wenn über Fort­setzung eines angefangenen Baues gestritten wird. Das Gericht kann auf Antrag auch andere Sachen, soweit sie besoneerer Beschleunigung bedürfen, als Feriensachen be- zeichnen. Die gleiche Befugnis hat vorbehaltlich der Ent­scheidung des Gerichts der Vorsitzende. Auf das Mahnver- fahren, das ZwangsvollstreckungSverfahren und das Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß. Eben so wenig wird die Befugnis des Richters, Termine für die Zeit nach den Gerichtsferien auzuberaumen und die diese Termine betreffenden Ladungen und Zustellungen zu er­lassen, durch die Gerichtsferien berührt.

Dresdt«, 10. Mai. Heute Mittag ist nach voraus­gegangenem, zahlreich besuchten Gottesdienst die dritte evan- gelische Landessynode vom Kultusminister eröffnet worden. Zum Präsidenten wurde der Kammerherr v. Zehmen, zum Stellvertreter desselben der Ober-Hosprediger Kohlschütter wieder gewählt. Heute Nachmittag findet größere Hoftafel grüßte ehrerbiettg, Eva aber streckte der Dame beide Hände auS dem Wagen entgegen.

Es ist uns eine angenehme Ueberraschung", begann Brinkmann,Sie so zufällig hier zu;treffen, Frau von Bern, und auch Ihnen ist es, wie ich sehe, sehr willkommen, unfern beiderseitigen Schützling in so" er wollte sagen angenehmen Verhältnissen", aber das Wort erschien ihm wie eine Lüge und er sagte:in so treuer FreundeSgesell- schaft wiederzufinden."

Gewiß, Herr Lehrer", erwiderte Frau von Bern freundlich,aber auch meinen bieoeren Bergsänger treffe ich hier so höchst unerwartet wieder."

Ein wohlwollender Blick der Dame streifte die prächttge Gestalt des jungen Citronenhändlers, und dann betrachtete sie einige Augenblicke teflnahmSvoll die bleiche Birken- hoserin.

Marie sah trüben Auges in die blaue Ferne, und ihr Geist weilte offenbar nicht bei irdischen Dingen.

Frau von Bern fuhr in leichtem Tone fort:Ich war drüben in meinem Wald und beriet mich mit dem Förster des Verkaufes wegen. Ich werde nachgerade sehr arm, Herr Lehrer", sagte sie halb heiter, halb nachdenklich,eS ist mein letztes größeres Grundstück."

Man kann freilich bei allem Reichtum ärmer fein, als der Straßenbettler", sagte Brinkmann ernst und mit bedeutsamem Blick;aber das Aeußerliche in's Auge ge­faßt, so haben Sie, mit Erlaubnis gesagt, etwas wette Be­griffe von der Armut: der Wald ist unter Brüdern zwan­zigtausend Gulden wert. Freilich", fügte er bei,zur Zett Ihres so früh verstorbenen Gemahls, den ich auf einer Reife nach Frankreich begleitete, standen die Finanzen Ihre- Hauses bedeutend besser." (Forts, folgt.)