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Nr. 109.

Marburg, Mittwoch, 11. Mai 1881.

xvi. Jahkgasg

e**eigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blattet, fomie dAnnoueen-Bureaux von 35, Dietrich & So. in Saffei und Hannover; Tb. Dietrich in Kankfutt a.M.; hsefenftcüs & Bögler in gfffwthtrf e. M., Berlin, g^jig, ©Is »c.; Rudolf «is«: ix Berlin, gras!» fett «. 3R. it.

WtWHk jfituiifl.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Anuoucen-Bureaux von B-L-Daube &6o. io Frauifutt a. M; Jäger'schc Buchhandlung daselbst;

Hermamrsch« Ltuchdaudl. dejrlbst; y$»4ßitnbaa: m tietün; ll Lhienek in «berfUd: L. Schlotte in Bremen.

«scheint täglich außer au den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen BeilageJlnstrirte» LomttagüblUtt" durch die Srpedition (Koch'sche Buchdruckerei.- bezogen 3i Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). - Jusettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ettheUende Auskunft und Annahme von Ldreffen werden 35 Pfg. berechnet-

Deutsches Reich.

» Berlin, 9. Mai. Obwohl es zum Heberdruß gercichrn muß, immer zu wiederholen, daß in betreff der definitiven Besetzung der Ministerien ein neuer Schritt nicht erfolgt ist, so muß doch gegenüber den immer wieder auftretenben Gerüchten auf- neue hervorgehoben werden, daß sie ohne jeden Anhalt find. Die Quelle der uner­müdlichen Kombinationen dürfte im Parlament zu suchen sein. Auch ist darauf aufmerksam zu machen , daß die Präsidentenstellen in Kasiel und Königsberg nicht erledigt sind und daß auch ihre Erledigung voraussichtlich in nächster Zeit nicht bevorsteht. Nach dem Naturalleistungs­gesetze sollen Holzschonungm von jeder Benutzung bei Truppenübungen ausgeschlossen bleiben. In neuerer Zeit sind bei derartigen Hebungen wiederholt innerhalb des Hebungsterrains oder in der Nähe derselben betegene junge Holzanpflanzungen mitbetreten worden, well dieselben bei dem niedrigen Stande der meist von hohem Haidekraut umgebenen Pflänzlinge und wegen unterlassener Anbrin­gung von Warnungstafeln nicht rechtzeitig haben erkannt werden können. Wenngleich eine Verpflichtung der Grund­besitzes, ihre nach Maßgabe des Gesetzes vorzugsweise zu schonenden Ländereien als solche zu kennzeichnen, nicht nach­weisbar ist, so werden sie doch voraussichtlich zu einer solchen Kenntlichmachung bereit sein. Die Landratsämter sind nun angewiesen worden, eintretenden Falls auf Ersuchen der Militärbehörden mit den beteiligten Gemeinden und Gutsbezirke in jener Beziehung in Verbindung zu treten. Die verschiedenen Gewebe, welche bei den Seggen der Lailddrosteibezirke Hannover, Hildesheim, Lüneburg und Osnabrück im Jahre 1880 vorkommen, bezifferten sich auf 2998917 Meter zu einem Werte von 1527 084 M. 81 Pf. Der größte Anteil hiervon gebührt Hildesheim. Wenn nun auch der Gesamteindruck welchen der Rückblick auf die ^Geschäftslage des verflossenen Jahres macht, ein befriedigenderer als in den Vorjahren ist, so kann man doch nicht sagen, daß das letzte Jahr schon einen nachhaltigen Awschwung des Geschäfts herbeigeführt hat. Ob die zu Tage getretenen Anzeichen der Besserung als Vorboten eines solchen Aufschwungs angesehen werden können, erscheint in bezug auf die Hausleinen-Jndrustrie um so fraglicher, als die ungünstige Lage derselben unverkennbar zu einem großen Teile daraus zurückzusühren ist, daß die technische Seite ihres Betriebes seither noch nicht die den veränderten Anforderungen an die Fabrikation entsprechende Beachtung und Würdigung gefunden hat. Die Folgen hiervon zeigen sich gerate jetzt, wo die mechanische Weberei in ein gün­stigeres Betriebsstadium getreten ist. Der Betrieb der in den Leggebezi'.ken der obengenannten Landdrofteien mit Ausnahme Osnabrücks vorhandenen Lohn- und Privat­bleichen beziffert sich auf insgesamt 2460540,7 Meter

Zum 10. Jahrestage des Frankfurter Friedens.

Es schallte durch die Lande ein lauter Jubelruf, Der in den deutschen Gauen gar frohe Herzen schuf: Vom Riemen bis zur Mosel, vom Felsen bis zum Meer, Am heimatlichen Herde, auch fern im deutschen Heer. In Frankfurt an dem Maine, der alten Kaiserstadt, Die deutsche Macht und Größe so oft gesehen hat, Da schloß des Kaisers Kanzler den Frieden kühn­lich ab,

Der uns die R e i ch e s 1 a n d e zurück nun wieder gab. Vorüber war das Ringen auf Leben und auf Tod, Das viele Thränen brachte, viel Jammer, Leid und Not; Viel tausend, tausend Männer in vollster Lebenskraft Hatt' Flut und Wut des Krieges gar jäh hinweggerafft.

Doch ruhmvoll aus dem Kampfe ging Deutschland ja hervor;

Es ward errungen wieder, was schmachvoll man verlor. In solchem Hochgefühle da schwieg selbst schweres Leid;

Man feierte begeistert die neue große Zeit. Man eilte zum Altäre, von Lob und Dank erfüllt, Den Lenker der Geschicke zu preisen unveihüllt;

Kanon' und Glocken riefen nicht mehr zu blut'gem Kampf, Der Friedensfeier galten Geläut' und Pulverdampf. Was war es, das der Feier verlieh den höchsten Glanz? War es allein der Friede nach schwerem Waffentanz? Das war cs: daß geeinigt das weite deutsche Land

Hub an der Spitze wieder ein mächt'ger Kaiser ftanbl

verschiedener Seinen. Die Kgl. Musterbleiche zu Söhlingen hat im Etatsjahr 1879/80 gebleicht: Seinen, Drell und Damast 340061 M , Seinengarn und Leinenzwirn 175,3 Kilogr. und 30995 Kilogr. Baumwollenzeug und Baum­wollengarn. Oeffentliche Nachrichten zufolge wird die sogenannte Allgemeine deutsche Lehrerversammlung am 7. und 8. Juni d. I. in Karlsruhe ihre 24. Zusammenkunft abhalten. Nach den Ergebniffen, welche die vorangegangenen Verhandlungen geliefert haben und in der Voraussicht, daß die bevorstehende Versammlung auch von preußischen Volksschullehrern besucht werden wird, hat der Kultusmi­nister Veranlaffnng genommen, darauf aufmerksam zu machen, daß durch die Teilnahme an derartigen dem eigent­lichen Beruf der Lehrer fremden Vereinigungen der regel­mäßige Hnterrichtsbetrieb in ter öffentlichen Volksschule unter keinen Hmständen eine Störung erleiden darf. Der Minister hat daher angeordnet, daß keinem die Versamm­lung besuchenden Lehrer ein über die Ferien hinausreichen­der Urlaub erteilt werden darf. Vielmehr ist streng darauf zu halten, daß der Unterricht sofort nach Beendigung der Ferien wieder aufgenommen wird.

Berlill, 9. Mai. Betreffs der Verlegung des Reichs­tags schreibt dieNorddeutsche":Ganz wunderlich und verworren werden die thatfächlichen Begriffe des Abgeord­neten Richter, wenn er darauf kommt, daß, wie er sich ausdrückt, der Reichstag von Berlin fortverlegt werden soll. Er stellt sich so an, als ob der Reichstag oder selbst der Bundesrat ein Recht darauf hätten, gerade nach Berlin be­rufen zu werden. Die Artikel 12 und 13 der Verfassung kennen darin keine Beschränkung. Der Kaiser beruft den Reichstag und den Bundesrat und der Reichstag würde, wenn es Seiner Majestät gefiele, ihn an einen anderen Ort Deutschlands zu berufen, dagegen verfassungsgemäß nichts einwenden können. Wir sehen nicht ein, welchen An­spruch Berlin für das Monopol hätte, den Reichstag in jedem Jahre in feinen Mauern zu sehen. Städte wie Ham­burg, Bremen, Köln, Frankfurt a. M., Nürnberg, Erfurt, Kassel, Hannover, Leipzig, Augsburg, Stuttgart haben darauf gerade so viel Recht, wie Berlin, sind zum Teil geographisch günstiger gelegen und würden dem Reichstag und Bundesrat, wenn sie in ihren Mauern Sitzung halten wollten, gewiß freundlich entgegenkommen, mehr als dies in Berlin der Fall ist. Wir zweifeln auch nicht, daß es zur Belebung des in Berlin unter der Herrschaft des fortschrittlichen Ringes ermattenden Gefühls der natio­nalen Zusammengehörigkeit führen werde, wenn auch andere deutsche Städte und Reichsländer mit der Gesamtheit der Vertreter der Nation in persönliche Beziehungen treten könnten, deren Monopol Herr Richter für Berlin in An fpruch nimmt. Daß die Herren, welche in Berlin ge­wählt sind und dem deutschen Reichstage einen nicht Jeder­mann anheimelnden Ausdruck des konzentrierten Berliuis-

Zehn Jahre sind verflossen, ein voll Dezennium, Seitdem wir Deutsche stiegen zu Ehre, Macht und Ruhm.

Der Gott des Friedens schirmte das Reich in dieser Zeit, Damit der Bau sich fcftge und dehne weit und breit.

In seinen räum'gen Hallen, aus Quadern stark erbaut, Da herrschte reges Leben, oft übermäßig laut;

Den stolzen Bau durchwehte ein kühner, freier Geist, Durch Milliardensegen gefördert und gespeist.

Doch als die Hochflut brachte auch trübes Element, Das, feindlich jeder Ordnung, nur bare Willkür kennt, Da führt mitFngundRechte man starke Dämme auf, Zu hindern unv zu brechen der wilden Wogen Lauf.

Jetzt spukt der deutsche Erbfeind, der alles miß­vergnügt,

Was ihm nicht nach dem Sinne, nur fabelt, schwärzt und rügt.

Well sich nach fetten Jahren auch magre stellten ein, Da soll nun Großes nichtig und Kleines wichttg fein.

Hinweg mit solchem Geiste! er lähmt die deutsche Kraft. Nach dem nur laßt uns ringen, was Macht und Frieden schafft.

Zum nationalen Ausbau reich' jeder feine Hand; Denn nur durch Fleiß und Opfer gedeiht das Vaterland.

Sind's nicht bewährte Hände, in denen'S Steuer ruht? Sie leiten durch die Wogen mit Hmsicht Kraft und Mut.

mus barbieten, daß diese in ihrem Berliner PartiknlariSmus damit unzufrieden sein würden, daS glauben wir gern. Aber die gesamten Berliner bitten doch eben nur 2 pCt. der deutschen Bevölkerung, und die politischen Freunde des Herrn Richter in Berlin noch lange nicht 2 pro Mille. Es handelt sich aber bei Reichssachen in gleichem Grade um die Interessen der übrigen 90 pCt. ober 998 pro Mille der beutscheu Nation." Nach derKreuz-Ztg." ist der ReichstagSabgcorbnete Fritzsche aus Nordamerika zu­rückgekehrt und heute von Leipzig hier eingetroffen, nach kurzem Aufenthalte aber wieder abgereift.

Breslau, 8. Mai. Die fortschrittliche Versammlung, für welche Rechtsanwalt Mnnckel ans Berlin sein Er­scheinen zugesagt, fand gestern Abend im großen Liebig- scheu Saale bei einer Beteiligung von etwa 1200 Personen statt. Neues bot die lange Rede des Gastes nicht, sie kann am besten als ein getreuer Abklatsch der bekannten Philippiken des Herrn Engen Richter gegen den Fürsten Reichskanzler charakterisiert werden. Die Bemerkungen des Redners über die Ersetzlichkeit des Fürsten Bismarck und dessen Abkömmlichkeit wurden von Dem dankbaren Audi­torium durch lebhaften Beifall ausgezeichnet. Nachdem Herr Mnnckel seinen Hörern den Beweis geliefert, daß Fürst Bismarck den erleuchteten Führern der Fortschrittspartei gegenüber eigentlich ein Stümper sei, ging er schließlich auf das Hauptthema seiner Gastrolle, die bevorstehenden Wahlen, ein. selbstredend fällt, wenn je, so jetzt Herm Mnnckel muß man es ja glauben die Führung bei diesen Wahlen der liberalen Partei zu, und zwar dem linken Flügel, da der rechte wankend geworben sei. Der entschiedenste Kandibat werde diesmal der beste sein. Der Vorsitzende der Versammlung brachte auf Herrn Mnnckel das übliche dreifache Hoch mit dem Zusatzun­seren zukünftigen Abgeordneten" aus. Die Fassung dieser Opposition ließ es dunkel, ob Herr Mnnckel in Breslau ober in einem anderen fortschrittlichen Wahlkreise als Reichs­tags-Kandidat aufgestellt werden soll. Sollte er in BreSlan kandidieren, so wird hoffentlich die stets wachsende Zahl der nichtfortschrittlichen Wähler der schlesischen Hauptstadt dafür sorgen, daß das Hoch auf den zukünftigen Abge­ordneten Mnnckel ein verfrühtes war, indem die fortschritt­liche Bescheidenheit den Kandidaten mit dem Abgeordneten verwechselte.

Maiuz, 9. Mai. Heute Mittag um *»2 Hhr traf Se. Mas. der deutsche Kaiser von Wiesbaden kommend zum Besuche des hier weilenden Großherzogs von Hessen im großherzoglichen Palais hier ein.

Würzburg, _9. Mai. Der Präsident der Kammer der Reichsräte Gras schenk von Stauffenberg ist gestern Abend nach längerer Krankheit gestorben.

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Dmm tretet kühn entgegen dem Tabel aus Prinzip;

Den alten Erbfeinb meibet bem Vater- lanb zulieb!

Marburg, 10. Mai. Friedrich Dorsche!.

Der Dreibirkeuhas.

Roman von August Butscher.

(Fortsetzung.)

Sanft löste nun bet Citronenfepp ben Atm ber Ge­retteten von seinem Halse. Sie schlug wie erschrocken ihre langen Wimpern nieder und richtete sich an seinem Arme auf. Sie war aber doch zu schwach, um zu gehen, und rasch entschlossen hob sie der Citronensepp aufs Pferd und schwang sich selbst hinter ihr auf.

Johannes folgte schweigend; hinter ihm keuchte Friedel daher, der die Ausbuchtung umschntten hatte und über den Bach gesprungen war.

So gelangten sie ht den Dreibirkenhof.

Eva erzählte nur kurz von dem Unglück. Edelmütig verschwieg sie Friedels Verschulden, aber in Allen dämmerte eine Ahnung vorn wahren Sachverhalt.

Die beiden Brüder waren jeder in seine Kammer ge­gangen, ebenso der Citronensepp. Eva ruhte an Mariens Seite in dem blütenweißen Bette. Die alte Martha saß an dem Lager der beben Mädchen. Au den drei Birken flüftette das Gesinde. In der dunklen Hofftube faß der Hofbauer zusammengekauert im Lehnstuhle und murmelte oft die Worte vor sich hin:

Der Mensch denkt und Gott lenkt."