Marburg, Sonnabend, 7. Mai 1881.
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aber machte sie sich mit Macht los von wie einer plötzlichen Eingebung folgens, die Kelle vom Pflock und stieß mit dem daß der Nachen weit ins Wasser hinauS-
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Srschernt tüglich außer an bm Wecktagen nach Tonn, und Feieckagen. Preis für das Ouackal mit der wSchentlichen Beilage „JInstrirte» eouutaoStlott" durch di- Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Watt, durch di- Postämter d-S Deutschen Reiches 3 Wart 50 Pfg. (excl öestellgebühck. - Afle^onSg^ühr fttr di- gespiene Zckl-10 Wo Kür in der Expedition zu eckheilend« SuSlunst und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.
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Der Dreibirkenhsf.
Roman von August Butscher.
(Focksetzung.)
„So steht es mit Dir?" preßte sie endlich zwischen den knirschenden Zähnen hervor. „Das wäre also die Antwort! So, daher kommt die Feindschaft? Da kann man Glück wünschen, brecht einander nur die Hälse um die Bettelmamsell; es wird bös enden, — und es soll, ja eö soll. Dir aber sag' ich, Du Narr, daß die Gundel nimmer mit Dir redet, bis Du bei ihr mit aufgehobenen Händen bettelst."
Wie gehetzt rannte sie durch die Büsche und in den Wald, daß die Zweige ihr ins Gesicht schlugen. Johannes sah ihr wie gelähmt nach, lange, starr und still, als aus einmal Eva vor ihm stand.
Sie wollte erschrocken zurückweichen, als sie so plötzlich vor Johannes stand, aber dieser vertrat ihr den Weg. Mit fieberhaft brennendem Auge sah er auf die schöne Gestalt, und als sie an ihm vorüberwollte sagte er ihre
Hände wie mit.Eiscnschrauben und sprach wirre, zusammenhanglose Worte von seiner glühenden Leidenschaft und schloß mit einer stürmischen Brautwerbung.
Eva war anfangs übcrwälttgt von dem Ungestüm des Redenden. Dann
glitt. Johannes, überrascht wie er war, hatte keine Zeit, sie zurückzuhalten. Er uiachle schon Miene, sich in das Wasser zu stürzen, als Eva ihm zurückries:
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Anzeigen nimmt entgegen; »ir Expedition d.lvlatteS, sowie d.Annoncen-Bur-aur oon LH, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; LH. Dietckch in Frankfurt aM.; Saasenstem & Logier in Krankftrrt a- M., Berlin, Zripzig, Cöln re.; Rudolf Stosse i?. Berlin, Front»
Berlin, 5. Mai. Die Kommission des Reichstags zur Vorberawng des UnfallversicherungS.GesetzentwurfeS setzte ihre Beratungen bis zu § 47 fort; dieselbe genehmigte die §§ 14 bis 18 unverändert, den § 19 mit einem Amendement deS Abg. von Frankenberg, wonach die staatliche Versicherungsanstalt verpflichtet ist einen Bescheid über die Annahme oder Ablehnung des Versicherungsantrags binnen vier Wochen zu erteilen, und mit einem Anträge des Abg. Dr. Lieber, wonach der Unternehmer im Ablehnungsfälle für die Prämie allein haftet. Zu den §§ 23 und 36 wurden unwesentliche Aenderungen beschlossen. — Die Stempelsteuerkommisston beendete die erste Lesung des Entwurfs unter Hinzufügung einer UebergangSbestim- mung und beauftragte eine aus drei Mitgliedern bestehende Redaktionskommission mit der Vorberettung der zweiten Lesung. Die Kommission für daS Gerichtskostengesetz lehnte die auf Herabsetzung der Pauschquanta im Prozesse abzielenden Anträge ab. — Nach dem „Tageblatt" liegt die Vorlage wegen Errichtung eines Reichlagsgebäudes auf dem Terrain deS Palais RadzinSki dem Kaiser zur Unterschrift vor.
Dresden, 5. Mat. DaS Dresdener Journal meldet: Der König und die Königin reisen am 11. Mai nach Ems, wo der König die Badekur gebraucht. Morgen Mittag treffen der Prinz und die Prinzessin Wilhelm von Preußen zum Besuch am Königlichen Hose ein und reisen abends nach Wien weiter.
Müttche«, 5. Mai. Der ReichSrat nahm daS Gewerbesteuergesetz inkl. dem Steuertarif mit geringen Modifikationen nach der Fassung deS Abgeordnetenhauses an. — Die vorgestrige unter dem Vorsitze des Herrn von Schauß abgehaltene nationalliberale Versammlung, die zu einer möglichst imponierenden gestaltet werden sollte, hatte ein klägliches Fiasko. ES erschienen lediglich an 60 Personen und war infolge deffen die Stimmung eine keineswegs animierte. (Die Korr. Hoffm. spricht von 100, ein anderer Bericht von 22 Anwesenden. Red.) Ein deutticherer Beweis, daß es dahier mit der Herrschaft des Nationalliberalismus zu Ende ist, konnte wohl nicht erbracht werden. Der zur Sezession hinneigende Flügel war in der Versammlung gar nicht »erbeten. Derselbe vermeidet zwar jede offene Fehde mit den Rechts-Nationalliberalen und giebt sich den äußeren Anschein, als thäte er immer noch mit, allein es ist kein Geheimnis, daß er den rechten Flügel nur lau unterstützen wird. In der Versammlung wurde beschloffen, die Kandidatenfrage erst nach einer allgemeinen Wählerversammlung zu erledigen. — Die von den „Gemäßigten" vorgeschlagenen Kandidaten gehörten früher sämtlich der nationalliberalen Partei und zwar dem äußersten rechten Flügel derselben an. Die Auswahl ist keine ungeschickte. Insbesondere muß die Aufstellung des Regierungs- direktorS Jodlbauer, der eine Kapazität im Versicherungs-
„Johannes, es giebt ein Unglück, ich schmettere Dir das Ruder an den Kopf, wenn Du zu mir in den Kahn willst I"
Er blieb stehen und schaute mit glanzlosen Singen auf daS entschlossene Mädchen, das mtt erhobenem Ruder im Kahne stand, der nun in der Mitte der Ausbuchtung unruhig schwankte. Als Johannes nicht weiter versuchte, ihr zu folgen, setzte Eva sich nieder und sagte ruhig:
„So, und jetzt kann ich Dir meine Antwock geben."
ES klang wie Mitleid aus ihrer Stimme, denn Johannes bot das Bild der Verzweiflung. Sein Hut war ihm mt- falle», und die Haare hingen wirr über seine Stirn.
„Johannes, sei ein Mann!" rief Eva mahnend „Sieh, ich sollt' Dir gram sein meiner Lebtage, aber ich will Dir vergeben, wenn Du wieder wirst wie vernünftige Leute."
Johannes setzte sich verstört auf den gleichen Platz, auf dem vorhin die Höhlengundel geseffen, und, wie sie, verschränkte er die Arme über den Knieen. So harrte er wie ein Verbrecher seines Urteilsspruches.
„So, Johannes, jetzt bist Du doch ruhiger; hör' also", sagte Eva hastig. „Schau, für mich ist es nichts mit dem Lieben und Heiraten. Mir ist der ledige Stand bestimmt; ich kann Dir nicht sagen, warum, aber es soll so fein. Schlag' Dir deswegen alle Gedanken an mich aus dem Kopf und verdirb Dir Dein junges Leben nicht so; ich kann nicht ja sagen und bitt' Dich, laß mich unbehelligt von heut an, dann will ich schweigen. Wenn Du'S aber nicht thust, so geh' ich fort, weit fort von hier/
»O geh nicht, Ev'!" sagte er bittend und senkte daS Haupt. Auf einmal aber schrie er, wie von einem häßlichen Gedanken erfaßt: „O, Ihr falschen, tückischen Weiberleute! Du willst mich nur narren, Du willst Hofbäuerin werden '
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie b. Amwncen-Bureanx von G L- Taube &Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung bafeleffi; Hennerm'sche Buchhandl. befett ft; Jnoaltdendank in »D. Thienes « ; 6. Schlotte in Bremen.
wesen und in landwirtschaftlichen Dingen ist, als geschickt anerkannt werden, wenn man denn doch Verwaltungsbeamte zu Volksvertretern haben will. Die „gemäßigte" Partei hat mit diesem ganz selbstständigen Vorgehen neuerdings bekundet, daß sie sich stark genug fühlt, um auf den Na- tionalliberaliSmuS keine Rücksicht nehmen zu muffen.
Straßburg, 28. April. Wie vielleicht erinnerlich, so schreibt man bet „Post" von hier, hatte sich vor einiger Z«t in der hiesigen Preffe eine Polemik von mehr als gewöhnlicher Heftigkeit abgespielt, nämlich zwischen der „Preffe von Elsaß und Lothringen" und dem „Elsäffer Organ". Das autonomistische Organ, durch die Angriffe seiner protestlerischen Gegnerin schließlich zur schärfften Abwehr gereizt, hatte dabei in einer Sprache geantwortet, durch welche der Chefredakteur der „Preffe", Herr Eduard Heim, sich persönlich getroffen fühlte, — zum besseren Verständnisse sei bemerkt, daß dieser Herr selbst früher der Redaktion deS von ihm nun fortwährend befehdeten „Els. Journ." angehöcke und dortselbst seine ganze publizistische Erziehung genossen hatte. Herr Heim sandte zwei seiner Freunde als Kartellträger an den Chefredakteur „Els. Journal", Herrn Fischbach junior; Letzterer aber nahm die Herausforderung nicht an und erklärte, daß er die Angelegenheit alS „kompensiert" erachte. Herr Heim ist Optant und französischer Bürger; er schien nicht zu wissen, daß nach deutschem Rechte die Herausforderung zum Zweikampf strafbar ist. Sonst würde et wohl nicht die ganze Kartellgeschichte Tags darauf in seiner Presse veröffentlicht haben. Er mag also nicht wenig erstaunt gewesen sein, als die Staatsanwaltschaft einschritt und gegen ihn eine Untersuchung einleitete. Diese Untersuchung ist nun aber dem Vernehmen nach niedergeschlagen worden, und zwar, wie erzählt wird, deshalb, weil Herr Heim nachträglich erklärte, die von seinen Freunden bei Herrn Fischbach unternommenen Schritte hätten gar nicht auf einen Zweikampf abgezielt.
Auslaad.
Paris, 4. Mai. Die englischen Minister werden hier nur wenig Dank für die Beharrlichkeit finden, mit der sie stch immer auf die Erklärungen Barthslemy Saint-HilaireS berufen, die dieser zu Beginn der tunesischen Expedition abgab und in denen er aussprach, daß es sich nur um Züchtigung der Krumirs und Sicherung der Grenzen handle. Man glaubt hier, daß niemand das Recht haben sollte, Frankreich in der tunesischen Angelegenheit drein zu reden, am allerwenigsten England und sie Pforte, der man das sehr unzweideutig erklärt hat. Das französische Protektorat und „zur Sicherung ter guten Beziehungen und zur Aufrechterhaltung der Ordnung" ftanzöflsche Garnisonen in Tunis nebst gewissen Grenzberechtigungen, die vielleicht recht gründlich sein werden, sind im Anzuge. Daß, wenn alles dies erfüllt sein wird, der Bey von Tunis in seinem Lande und den Friedel heiraten, Du Schlange! Aber wenn das geschieht", setzte er mit einem schrecklichen Blicke hinzu, „dann mach' ich ihn kalt".
„Johannes!" rief Eva entsetzt, „red' nicht so fürchterliche Sachen, denk', unser Herrgott hört'S. Hör' mich und glaub' mir aufs Wort: ich will nicht Hofbäuerin werden und will den Friedel nicht, so wenig als Dich, da könnt' ich Dir einen Schwur thun, daß eö so ist."
„O, jetzt ist rnir'S kerzenhell vor den Augen", rief Johannes zornig und riß wie unbewußt einen Büschel Gras aus der Erde. „Du hast Deine Augen auf ben Citronen- sepp, den möchtest Du einsädeln. Aber ich sag' Dir: daS darf in Ewigkeit nicht sein, und wenn'S Blut kostet!"
Johannes war wütend aufgesprungen.
Bei der Nennung des TirolerS war in des Mädchens Wangen eine hohe Röte geschossen, die aber bei der Drohung einer fahlen Bläffe wich. Mit bebender Stimme sagte dann Eva:
„Jetzt kommt mein letztes Wort, Johannes. Ich hab' Dir gesagt, daß ich zum ledigen Stand bestimmt bin, und daS muß Dir genug sein. Und jetzt geh' heim und werd' wieder ein vernünftiger Mensch. Sonst sag' ich alles Deinem Vater und ich geh' heute noch vom Hof hinaus in'S Blaue."
Sie trieb den Kahn mit einem kräftigen Ruderschlag um eine Biegung und verschwand in dem Buschwerk. Johannes preßte die Hände an die Stirn und schritt betäubt, gleich einem Schlafwandler, dem Dreibirkenhof zu.
Eva'S Hand war das Ruder entfallen. Sie sank im Kahne nieder und legte den Kopf auf die Kante der Seitenwand des Rachens. Ihre langen Flechten fielen in’S Wasser und zogen wie Wasserschlangen hinter dem Boote her.
(Focksetzung folgt)
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Deutsche- Reich.
#• Berlin, 5. Mai. Die neueren Mittellungen über einen veränderten Stand der Ministerstage sind Konjekturen ohne jeden thatsächlichen Anhatt. Die Lösung bleibt vertagt, in den Dispositionen aber hat sich nichts verändert. — Der Beschluß der Kommission über den Unfallversicherungs-Gesetzentwurf ist bereits in meinem gestrigen Briefe als bedenklich bezeichnet worden. Der ReichSregle- ning ist die partikulariftische Amendierung deS Entwurfs, wie sie die Kommission vorschlägt, ohne Zweifel unerwünscht. Aber wohl ist die Frage berechtigt, wie die Regierung im stände sein soll, parlikularistische Tendenzen abzuwehren, wenn sie von den nationalgesinnten Kreisen im Stiche gelassen wirb. Der Reichskanzler hat bereits in seinen bekannten Reden von 1878 und 1879 besonders aber in der Rede vom 8. Mai 1880 die Schuld an dem Wiedererwachen des PartikularismuS vorzugsweise dem Mangel an Verständigung zwischen denjenigen Elementen, aus denen er die Bildung einer Majorität erwartete, zugeschrieben. Die Geschichte deS UnfallverstcherungS- gesetzcs scheint ein neuer Beleg für feine Ansicht zu werden. — Heute sand die Einführung des zum Direktor der wirtschafllichen Abteilung im Reichsamt des Innern ernannten Geh. OberregierungSratS Bosse in dieses Amt durch den Staatssekretär v. Böttcher statt. Nachdem der Minister in Gegenwart sämtlicher Räte und Hilfsarbeiter des Reichsamts eine Ansprache gehalten, leistete der neue Direktor den Eid des Reichsbeamten. Der Unterstaats- fecretär Dr. v. Möller hat bereits vor einigen Tagen sein Amt im Ministerium für Handel und Gewerbe angetreten. — Im Monat März wurden auf den 47 größeren Eisenbahnen und Bahnkomplexen Deutschlands fahrplanmäßig befördert 12121 Courier« und Schnellzüge, 81940 Personen-, 51956 gemischte, und 79 332 Güterzüge und außerfahrplanmäßig 1795 Kourier- und Personenzüge und 27 239 Güter-, Materialien- und Arbeiterzüge. Von den 146017 fahrplanmäßigen Zügen verspäteten sich 1021, davon 435 infolge verspäteter Anschlußzüge.
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