Ne. 105.
Marburg, Freitag, 6. Mai 1881
xvi. Mrgaig
kru eigen trimmt emgegen: Mc Lrpedttio» d.vlatte«, sowie d-Ännoncen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in Kassel and Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaseustein & Bögler in » A., Vertu».
S^iVzitz, LSln k.; Siib&if jkcät is Berlin, AranL- fntt e. 9R ic
AttlMchk jfitniij.
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Die Exped. 6. Oberh. Zeitung.
Deutscher «eich.
•* Berti«, 4. Mai. Der Kaiser hatte nach dem Tode des bayerischen Generals v. Hartmann eine Marmorbüste desselben anfertigen lasten. Jetzt ist als Pendant dazu eine solche von dem General v. d. Tann bestellt worden. Es ist dies einerseits in Anerkennung der Verdienste der bayerischen Generale im letzten Kriege geschehen , zugleich aber auch, um der bayerischen Armee den warmen Anteil deS obersten Kriegsherrn an dem Hingange ihres ersten Feldherrn zu bekunden. — Die Ernennung deS bisherigen Geh. Oberregierungsrats im Reichsamt des Innern v. Möller zum Uuterstaatssckretär im Ministerium für Handel und Gewerbe ist, wie ich höre, allerhöchst vollzogen worden. Ebenso ist der bisherige Geh. Oberregierungsrat im Staatsministerium Bosse zum Direktor der wirtschaftlichen Abteilung im Reichsamt des Innern, in welche drr Geh. Ober- regierungSrat Lohmann als erster Rat eintritt, ernannt.— Wiewohl ein definitives Resultat der Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn In betreff eines Handelsvertrages noch nicht vorliegt, wird in verschiedenen Blättern bereits ein solches gemeldet. Zunächst muß abgewartet werden, ob die zur Zeit zwischen den Bevollmächtigten getroffenen Vereinbarungen die Zustimmung der beiden Regierungen erhalten. Mit Sicherheit läßt sich gegenwärtig nur angeben, daß es keinem Zweifel unterliegt, daß die diesjährigen Verhandlungen ein mehr zufriedenstellendes Ergebnis gehabt haben, als die früheren, da beide Teile einen resultatlosen Ausgang abzuwenoen entschlosten waren. — Bekanntlich setzte die Prästdial-Vorlage in betreff der Errichtung eines deutschen VolkSwirtschaftLrats die Mitgliederzahl desselben auf 125 fest. Der Ausschuß für Handel und Verkehr, dem der Entwurf zur Vorberatung übergeben war, erhöhte diese Zahl auf 135. Die auf Grund dieses Antrags mit den verbündeten Regierungen gepflogenen Verhandlungen haben das Resultat ergeben, daß sich dieselben der ursprünglichen Fassung anschließen. Die gestern im Bundesrat erfolgte Beratung hat denn auch, wie die« bereits die Morgenblätter
melden, die Wiederherstellung der ursprünglichen Vorlage herbeigeführt. Damit erledigt sich die irrtümliche Meldung, als habe ein Gegensatz innerhalb der Regierungen bestauben. — Die Kommission des Reichstags, welche über das sogenannte UnfallverstcherungSgesetz in Beratung getreten ist, hat, wie bereits gemeldet, statt der ReichöversicherungS- anstalt Versicherungsanstalten der Einzelstaaten vorgeschlagen. Inwieweit eine solche Aenderung des Gesetzes die Zustimmung der Reichsregierung erhalten wird, darüber kann man jedenfalls noch kein Urteil haben, doch dürfte zu bemerken sein, daß eine solche Einrichtung sich schwerlich auf die Dauer bewähren würde. ES ist auch ziemlich wahrscheinlich, daß eine Anzahl kleinerer Staaten sich an die in Preußen zu fundierende Slaatsanstalt anschließen würde. Hierdurch schon ginge der Zweck der Staatsanstalten zum großen Telle verloren. Noch weniger aber dürfte sich die von der Kommission vorgeschlagene Einrichtung in der Praxis bewähren, wenn man bedenkt, daß die Einheitlichkeit der GeschäftSprinzipien eines solchen Instituts, die doch für den Zweck unentbehrlich erscheint, alsdann nicht bestehen würde, da die verschiedenen Staaten je nach ihren Ver- hältniffen und Bedürfnissen wohl verschiedene Prinzipien festsetzen dürften. Hieraus könnte alsdann eine gewisse Rivalität unter den einzelnen Staaten entstehen, die den Intentionen des Gesetzes nicht nur nicht entsprechen, sondern auch zu Mißhelligkeilen Anlaß geben könnte. Der Vorschlag der Kommission wird daher kaum als eine Verbesserung der Bestimmungen des Entwurfs anzusehen sein. — Aus dem Bericht über die Sitzungen der LandeS-Pserde- zucht-Kommisston, welche ihre Beratungen voraussichtlich heute beenden wird, ist ersichtlich, daß die auf diesem Gebiet seitens der Staatsregierung angeordneten Maßnahmen als solche anzusehen sind, welche dem wichtigen Zweige der Landes-Pferdezucht jedwede Förderung zn Teil werden lasten. Es ist anerkennenswert, daß die Centralverwaltung des Gestütwesens im Ministerium für die Landwirtschaft, die Initiative gegeben hat, Meinungsaustausch über die weiter zu verfolgenden Ziele herbeizuführen. — Nach einer neueren Bestimmung kann von der im § 2 des Reglements über die Ausbildung und Prüfung der Stations- und Expeditionsbeamten der Eisenbahnen geforderten Vorprüfung derjenigen Militäranwärter, welche sich jenem Dienste widmen wollen, abgesehen werden, wenn nach dem Vorleben des Anwärters anzunehmen ist, daß derselbe daß erforderliche Maß allgemeiner Bildung unzweifelhaft besitzt.
Btrli«, 4. Mai. Die „Provinzial-Korrespondenz" sagt in einem „Fälschung der Geschichte" betitelten Artikel gegenüber dem Leitartikel in der Morgmnummer der „Nalional- zeitung" vom 29. April: Dieser Versuch, die Nationalliberalen zum Aufgeben ihrer selbst und zur allmähliche» Rückkchr zu der Fortschrittspartei zu überreden, verdiene insofern ernste Beachtung, als hier zum erstenmale versucht
werde, diese Rückkehr als eine naturgemäße und notwendige Entwickelung darzustellen und für deren Verwirklichung den liberalen Wählern Geschmack beizubringen, was bisher nur seitens der FortschrittSblätter geschehen sei. ES widerspreche den geschichtlichen Thatsachen, daß die Nationalliberalen einen Ausgleich der verschiedenen Gruppen einschließlich der Fortschrittspartei vertreten; die bedeutendsten Abstimmungen zeigten, daß die Natioualliberalen stets mit der Regierung, nicht aber mit der Fortschrittspartei einen Ausgleich gesucht und gefunden hätten. Der Artikel schließt mit den Worten: Nun denn, wir werden die Fortschrittspartei in allen Erscheinungsarten und mit allen Anhängseln offen und auS allen Kräften bekämpfen. Die Sezessionisten rechnen wir schon jetzt zu ihrem Gefolge; die aufrichtigen und verständigen Nationalliberalen aber hoffen wir trotz der Mahnungen des verschämten Fortschrittsblattes und trotz besten Fälschung der parlamentarischen Geschichte nicht in unserer Schußlinie zu finden. — Die Stempelsteuer - Kommission fetzte den Stempel für inländische und ausländische Aktien auf 5 pro Mille, für inländische und ausländische Renten-Schuldver- schreibungen auf 2 pro Mille, für Anleihen der Provinzen, Kreise, Gemeinden, des ländlichen und städtischen Grundbesitzes, sowie für einheimische Bahnprioritäten auf 1 pro Mille, für Schlußnoten auf Zeitgeschäfte auf 1 Mark, für andere Schlußno en und Rechnungen auf 10 Pfg. fest.
Die Gerichtskostenkommiffion hat heute etwas weitergehende Ermäßigungen der Gerichtökosten angenommen, als die Vorlage sie enthält. — Nach der „Kreuzzeilung" werden die Befchlüste der Kommistion zur Vorberatung der Militär- strafprozeßordnung, welche eine vollkommene Uebereinftim- mung mit den bayerischen, sächsischen und württembergischen Kommistarien konstatiert haben, nun einer Redaktion unter« zogen und sodann dem Kaiser zur weiteren Entschließung unterbreitet. Sollte der Entwurf die allerhöchste Genehmigung finden, so dürfte derselbe dem nach den Neuwahlen zusammentretenden Reichstage zur Beratung vorgelegt werden. — Mit Bezug auf die Verlegung des Sitze« der Neichsregierung und des Reichstags von Berlin schreibt der „Reichsbote": „Auch zur Bekämpfung des Anwachsen« der großen Städte halten wir die Verlegung der Regierung nicht für wirksam genug. Käme z. B. die Reichsregierung nach Frankfurt a. M., so würde Frankfurt bald ebenso riesenhaft wachsen, wie Berlin seit 1870, und es würde bald eine zweite Großstadt neben der ersten stehen. Einer Verlegung des Reichstags auS Berlin hinweg können wir nicht zustimmen. Der Reichstag gehört in die Hauptstadt des Reiches, in die Residenz des Kaisers; das ist aber Berlin und wird eS bleiben. Der Kaiser und König von Preußen wird nie seine Residenz dauernd in eine andere Stadt — wohl gar nach Kastel oder Frankfurt a. M. — verlegen. Die preußischen Könige werden nie Berlin, ihr historische Residenz in der Mitte ihres Volkes verlassen;^das wäre
Der Dreibirkeahos.
Roman von August Butscher
(Fortsetzung.)
Auf einmal raschelte das gefallmeLaub am Ufer unter einem schlürfenden Tritt. Johannes sah kaum auf, wurde aber doch aufmerksamer, als er die Gundel vom Höhlenhof gewahrte. Sie war sichtlich erschrocken bei seinem Anblicke. Am Arme trug sie ein rotes Tuch, aus dem der Rand ’ einer Schüssel und der Hals einer Flasche hervorsah. Schon wanote er sich zum Gehen, besann sich aber schnell und blieb stehen.
„Machst Kalender, Johannes?" redete sie ihn an, indem ihr ob ihrer Keckheit ein schönes Rot nt die runden Wangen stieg.
„Was schert'S Dich?" war die barsche Antwort, „laß mich in Frieden!"
„Hast Du den Frieden?" fragte sie, indem ihr Fuß mit der Kahnkette spielte. „Du siehst mir nicht darnach aus. . Darfst schon mit mir reden, Johannes," fügte sie gutmütig und doch in halbem Stolze hinzu. „Wir zwei haben einander nichts vorzuwerfen, und das andere — ist vorbei, vergessen freilich nicht I"
Sie warf dabei den Kopf heftig zurück.
„Ich hab' nichts mit Dir, Gundel, aber Du weißt, der Birkenhof und der Höhlenhof sind getrennt wie durch eine große Mauer. Laß mich zufrieden und alle« schlafen, ich möcht' auch schlafen, lang, immer."
„Was Du da für halbgares Zeug redest, Johannes I Was ficht Dich an? Sieh, es muß über meine Lippen, weil wir so geschickt zusammengekommm."
Sie errötete noch mehr als vorher und setzte sich am Anger nieder.
„Meinst Du, Johannes," fing sie zögernd an, „eö hab' nicht wehgethan dazumal, wo mau uns schier hinaus- getoorfen hat aus dem Birkenhof? Ich hab' mir nie viel aus dem Friedel gemacht, aber ich Hütt' ihn genommen, weil es so hat fein sollen. Da kommt der böse Abend, an den ich immer denken muß, so wenig ich auch will, und den ich ihm nie vergessen will. Er hat mich weggestoßen wie eine Gans und uns alle beschimpft. Von ihm möcht' ich in alle Ewigkeit nichts mehr wissen, ober einen Possen will ich ihm spielen, dem stolzen, dummen Burschen. Und mein Vater will es auch. Und — und — es ist noch was anderes dabei, und ich schäm' mich schier, daß ich'« sag'. Johannes — steh, Dich hab' ich gern, und wenn Du willst, so kannst Du Bauer auf dem Höhlenhof werden, denn der Lenz heiratet nach auswärts. ES ist alles gut mit dem Vater im Reinen, Der Höhlenhof ist fast so groß als der Birkenhof, und Du kannst dann dem Friedel die Zähne zeigen, dem HoffartSnarr! So, jetzt ist eS heraus," und ste atmete sichtbar leichter.
Johanne« hatte mit immer größer werdenden Augen zugehört und wollte jetzt sprechen. Die Gundel war einmal im Zuge, winkte ihm Stillschweigen zu und fuhr fort :
»Wenn Dein Vater im Ausding ist, und es wird wohl heute ober morgen so weit kommen, bann kann er feine Freude erleben am Friedel. Du weißt, der große Herrschaftswald drüben, der, der Frau von Bern gehört, die in der Stadt drinnen wohnt, wird bei Nächstem verkauft. Dein Vater und Dein "Bruder spannen schon lang daraus; wir aber kaufen ihnen den Wald vor der Nase
weg, mag« kosten, was will. Dir muß der Vater Dein Vermögen herauszahlen, der Marie ihr Geld dürfen sie nicht anrühren, weil es von Der Mutter selig ist, und dann wiro man sehen, werö weiter bringt. Dann kann der Friedel meinetwegen die blutarme Ev' heimführen, wir lachen sie beide auS!"
Sie lachte gellend auf und sprang in die Höhe.
Johannes hatte mit stockendem Äthern zu Ende gehört. Einigemal war eS wie Sonnenschein übet sein Gesicht gegangen, ein stolzes Lächeln irrte über seine Lippen, wenn er sich den Reichtum auSmalte, der seiner wartete, und ben Zorn des verhaßten Bruvetö. AlS aber bie Gunbel zum Schluß Eva's erwähnte, bie er im Falle der Heirat mit bet Höhlengundel dem Nebenbuhler überlasten mußte, lohte seine Eifersucht wie eine verzehrende Flamme auf.
„Nimmermehr!" rief er, inbem er auS bem Kahne sprang und vor bas Mädchen hintrat. „Ich kann nicht, ich laß sie nicht. Ha! ihm, ihm—", die Aufregung nahm ihm den Athem. „Nein, nein, bem soll ich sie verschachern um einen Hof? Sie ist mein Leben, unb bas ist mehr als alles Gelb bet Welt. Ich könnte närrisch werben, nein, nein!” — Seine Augen sprühten, unb bie Lippen vermochten nicht mehr hervorzusptudeln, was in ihm gährte unb kochte.
Die Gunbel wat leichenbleich geworben. Ihre Hanb hatte wie im Krampf ben Hals ber Flasche umfaßt, baß er zerbrach unb ihr bie Scherben in die ginger schnitten. Tröpfelnd rann da« tote Blut über ihre Kleidet. Sie fühlte eS nicht.
(Soctfetying folot)