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Nr. 104.

Marburg, Donnerstag, 5. Mai 1881.

xvi. )ihWiz

Un-eigen nimmt entgegen: He Expedition r.vlattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & 6o. in staffel und Hannover; Lh. Dietrich in Frankfurt tM; Haasen-ein L Bögler In IraiÄssrt e. M., Berlin, Leipzig, Löln re.; Rudolf Swff- sa Berlin, Frank« fxrie.8Jl.it.

WkWschk Mm.

Anzeigen nimmt1 entgegen die Expedition d. Buttel sowie d. Lnnonten-Bmeaur von ®. L. Daube A Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'fche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin: W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

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Die Expev. I. Oberh. Zeitung.

V Fürst Bismarcks Gegner.

Fürst Bismarck hat sich, seitdem er an der Spitze des preußischen Ministeriums steht, der heftigen Gegnerschaft der Fortschrittspartei zu erfreuen, einer Gegnerschaft, welcher bei genauerer Betrachtung keinen Zweifel darüber läßt, daß cs für sie sich nicht um einen von Zeit zu Zeit in einzelnen Fragen wiederkehrenden sachlichen Kampf gegen den preußischen Ministerpräsidenten und deutschen Reichs­kanzler handelt, sondern daß sie zu unserm ersten Staats­mann in prinzipielle Opposition getreten ist und alles verwirft, was seinen wohlwollenden Absichten für das Beste deS Volkes entspringt.

Die Fortschrittspartei ist von der Wahrheit durch­drungen, daß Fürst Bismarck ihre Endziele erkannt hat, uud weil sie weiß, daß der^Fürst niemals ihr die Hand zur Erreichung dieser Endziele leihm wird, bekämpft sie das feste Bollwerk, welches sich ihren verderblichen Plänen entgegengcstellt.

Durch demagogische Umtriebe war eS der Fortschritts­partei geglückt, vor Jahren, einen erheblichen Einfluß auf einen Teil der Bevölkerung zu gewinnen. Dieser Einfluß wurde erhöht durch allerlei Einrichtungen, die angeblich demkleinen Manne" und dem Mittelstände zum Segen gereichen sollten. Thatsächlich war es hiermit der Fort­schrittspartei gelungen, eine gcwifle Herrschaft über ver- fchiedene Bevölkerungskreise zu erlangen, und sie suchte diese Herrschaft dahin auszubeuten, daß sie Haß und Verachtung gegen den ihren Plänen unzugänglichen Staatsmann zu säen befliflen war.

Der erste Angriff galt der auswärtigen Polittk des Fürsten Bismarck. Das Wort vomverlaffcnen Bruder- stamm", vomBruderkrieg" unddiesem Ministerium keinen Mann und keinen Groschen" steht noch in aller Andenken, und ebenso ist das Fiasco noch nicht vergessen, welches die Fortschrittspartei mit dieser von ihr auSge- gebenen Parole erlitt.

Unbekümmert um die gehässigen Angriffe seiner fort-

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schriftlichen Gegner schritt der große Staatsmann weiter auf der Bahn, welche er zum Helle Deutschlands und zum Segen des preußischen und des deutschen Volles be­treten hatte, und mehr und mehr in dieser Richtung er­reichend, sah man Zweig auf Zweig von dem ehemals so blütenreich dastehenden Fortschrittsbaume fallen, weil sich die Erkenntnis von Jahr zu Jahr in allen Schichten des Volke« verbreitete, daß die Wege des Fürsten Bismarck denn doch zu glücklicheren Zielen für Volk und Vaterland führen müssen, als jene, welche die Fortschrittspartei im Auge hat.

Rach diesem gründlichen FiaSco im Kampfe gegen die auswärtige Politik des Fürsten Bismarck wendet sich daS noch übrig gebliebene Häuflein der ehemaligen Fortschritts­partei, an seiner Spitze der bekannte fortschrittliche Ring der Reichshauptstadt, nunmehr in seiner Ohnmacht gegen die innere Politik unseres großen Staatsmannes, um ihm, seinem größten Gegner, auf dem Wege, den er zum Segen des Volkes eingeschlagen hat, Hinderntffe zu bereiten und durch demagogische Agitation den Versuch zu machen, die Bevölkerung mit Haß und Verachtung gegen den Mann zu erfüllen, dem sie Dank, ewigen Dank schuldet für die errungene Machtstellung nicht allein in Europa, sondern in der Welt überhaupt.

Angesichts der großen Erfolge der auswärttgen Polittk des Fürsten Bismarck darf das preußische und deutsche Voll aber zweifellos der Zuversicht leben, daß auch die Wege der inneren Politll des großen Staatsmannes die richtigen sind, und daß daher die abermaligen Versuche der Fortschrittspartei, die Wege deS Fürsten BiSmarck zu kreuzen, vergeblich bleiben werden.

An Jedermann aus dem deutschen Volle tritt aber die ernste Mahnung heran, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dem demagogischen Treiben der sogenannten Fort­schrittspartei entgegenzuwirkeu und mitzuhelfen, daß die Gegner des Fürsten BiSmarck, wie einst in ihrem selbst­süchtigen Kampfe gegen die auswärtige Politll, so auch in ihren Angriffen gegen die innere Politik deS ersten Staats­mannes aus dem Felde geschlagen und endlich als eine ' Partei in Aller Augen hingestellt werden, für deren Ten­denzen es im großen deutschen Vaterlande keinen Raum mehr geben darf, wenn die Ruhe und Wohlfahrt deffelben dauernd gesichert werden soll.

Deutsches «eich.

Berlin, 3. Mai. In Aussicht auf die bevorstehende DiSkuffion des Gesetzentwurfs über die zweijährige Budget­periode kommen einige Blätter auf den Vorgang im Jahre 1857 zurück. Damals aber handelte eS sich um die Verfassung

vom 31. Januar 1850, welche eine sehr bedeutende Ein­schränkung des königlichen Berufungsrechtes enthielt. Die Kammer von 1857 hat ihrerseits nichts anderes gethan, als den Berufungstermin zu Gunsten der Krone zu erweitern, während der der jetzigen Regierungsvorlage entgegengesetzte Anttag in die Reichsverfassung, welche keine Beschränkung des Berufungsrechtes enthält, eine solche bringen will. Mit Bezug auf eine frühere Zirkularverfügung der Minister der Finanzen und des Innern, betreffend die Verrechnung der durch den Staatshaushaltsetat zu einmaligen und außer­ordentlichen Ausgaben bewilligten Fonds, bestimmen die ge­nannten Minister in einer Verfügung vom 27. v. M., daß die dort getroffenen Anordnungen in gleicher Weise An­wendung zu finden haben auf die durch die RebenfondS- rechnungen nachzuweisenden Ausgaben, welche den Provinzial­kassen zu bestimmten Zwecken aus allerhöchstem Dispositions­fonds Sr. Majestät des Königs bei der General-StaatSkaffe zur Verfügung gestellt sind. Die speziell an die zustän- dige Behörde gestellte Frage, ob die Bestimmung in 8 7 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Febr. 1870 sich auch auf das aus fremden Ländern importterte Wildgeflügel, insbesondere Haselhühner, Birkhühner und Wachteln aus Rußland, Fasanen und Rebhühner aus Böhmen, Schnepfen und Wachteln aus Italien und Frank­reich beziehen, ist durch eine Bescheidung der Minister für Landwirtschaft und des Innern dahin beantwortet worden, daß nach der richtigen, neuerdings auch in einer Entschei­dung des höchsten Landesgerichtshofes gebilligten Auffassung der § 7 des Gesetzes das Feilhalten von Wild während der für die betreffende Wildart am Orte de« Feilhaltens gel­tende Schonzeit absolut und ohne Rücksicht auf das in dieser Beziehung an dem Orte der Erlegung deS Wildes geltende Recht hat untersagen wollen. Hiernach ist überall da« Fell- halten nicht nur des vorgedachten Wildgeflügels, sondern überhaupt aller Wildarten, für welche in § 1 des Gesetzes keine Schonzeit festgesetzt ist, nach Ablauf von 14 Tagen nach Beginn der Schonzeit am Orte des Feilhaltens unbe­dingt und ohne Rücksicht auf den Ort der Erlegung des Wildes verboten. Eine Ausnahme von diesem Verbot findet nur statt bezüglich desjenigen WildeS, daS nach den in ein« zelnen Landesteilen zum Schutz gegen Wildschaden bestehen­den gesetzlichen Bestimmungen mit Zustimmung oder auf Anordnung der Aufsichtsbehörden während der Schonzeit nlegt worden ist. ES ist nunmehr ein ausführlicher Bericht über die 15. Generalversammlung des Vaterlän­dischen Frauenvereins vom 20. März d. I. erschienen, der auch die Stiftungs-Urkunde über die Errichtung der Sttf- tungFrauen-Trost" mit einem Kapital von 68 985,52 M. enthält. Der Kgl. Eisenbahn-Direktion in Hannover ist der Auftrag erteilt, die Vorarbeiten für eine Eisenbahn untergeordneter Bedeutung von Berlin über Mölln nach Elmshorm, sowie zur Fortsetzung der Lüneburg-Lauenburger

Der Dreibirkeuhus.

Roman von August Butscher ; fartfegunj.)

2Bte gehts Eurer Marie? warf der Lehrer wie ab­lenkend ein.

Ach das arme Kindl" seufzte der Hofbauer und klang wie weicher Ton in seiner Stimme; denn an ihr hieng sein Herz, an den Söhnen und an dem Hofe haftete nur sein Stolz.Es geht bergab mit ihr, sie ißt nicht und lebt doch, ich weiß nicht von was sie zehrt. Und ge- sund muß sie werdenI" ries er dann wieder erregt;so war ich der Dreibirkenbauer bin, sie muß nach Jtalim, mag's kosten was es will wir haben's Gott Lob dann kann sie heiraten, wen sie will, es muß nicht g'rad der Höhle lenz sein I"

lieber die Züge Brinkmann'S lief ein sanfter Strahl der Freude und nach kurzem Besinnen begann er:

Wer weiß, ob das nicht ein Wegweffer ist, der wenig­stens eine große Sorge verscheucht oder doch in die gerne rückt. Nicht die Krankheit allein ist eS, die Eure Tochter niederdrückt, und vielleicht könnte sie noch viele Jahre leben, wenn ihr Herz Genüge fände. Unterbrecht mich nicht. Ihr wißt toenig vom Herzen, von seinem Sehnen, seinem Hoffen und seinen Schmerzen. Ich aber beobachte die Menschen, und so schaute ich denn auch das Keimen einer zarten Neigung zwischen Eurer lieben Marie und"

Und?" (ragte erregt der Bauer.

Und dem braven Tiroler."

Der Eitronensepp!" schrie verblüfft der Hofbauer. Das sind mir saubere Geschichten. Wa«, der Schleicher, der Habenichts, der Windmacher aus dem Wälschlanv? So, jetzt ist mir's klar, warum er sich hat halten lassen

auf meinem Hof und warum die Marie ihm das Wort redet, so oft sie kann; heute noch soll er mit aui dem Haus!"

Ein Weheruf drang schrill durch die Oeffnung in der Decke, und erbleichend schwieg der Hofbauer. Seine Hand, die sich auf den Schreibtisch stützte, zitterte. Im nächsten Augenblick stand Eva vor ihm. Ihre Wangen waren ge­rötet und ihre sonst so sanften Augen funkelten. Der volle Sonnenschein fiel auf ihr anmutiges Gesicht und vergoldete ihr reiches Haar. Mit bebender (Stimme begann sie:

»Wir haben's wohl gehört droben, wie es endlich oa unten klar geworden ist über das, was ich schon lang weiß. Ihr freilich, Vetter, habt in Eurem Stolz nichts gesehen von dem reichen Herzensschatz, der auch den armen Leuten gegeben ist und den sich die Beiden geschentt haben vor langer Zeit. Von dem zehrt sie, die gute Marie. Und wcil's denn heraus ist, so wißt, Vetter, daß nur daS allein helfen kann, was mein Wohlthäter Euch schon gesagt hat. Daß Ihr ihn schimpft, w-il er arm ist, das ist schlecht; daß er arm ist, ist keine Schande. Er hält Euren Hof bei einander, denn Eure Buben laufen ja wie Mondsüchtige tn der Wett herum."

.^r Dreibirkenbauer stand wortlos. Endlich sagte er in spöttischem Tone:Ei, ei, Du braune Hexe, Du trittst ja auf, tote wenn Du Birkeubäuerin wärest. Der Tiroler hat Dir S wohl auch angethau mit (einen südländischen Augen?" ...

Wieder stieg dunkles Rot in Eva'S Wangen, und sie entgegnete jetzt in beinahe schneidendem Tone:

Nehmt's, wie Ihr wollt, Hofbauer, aber mit der Hof­bäuerin braucht Ihr mich nicht aufzuztehen, die werd' ich nicht und will sie nicht werden; wenn'sZett ist; will ich's

noch an einem andern Ort vorbringen." Und plötzlich überleitend in die schmeichelndsten Laute, setzte sie bei :Und so bitt' ich denn recht schön, laßt die Beiden ein Paar werden, der Himmel wird's zum Guten wenden!"

«Ja, hört diese Bitte, Schultheiß", sagte mahnend der Lehrer.Ihr seht den rechten Weg vor Euch liegen, be­tretet ihn."

Der Dreibirkenbauer besaß auch eine diplomatische Ader und entgegnete deswegen ausweichend:

Laßt's gut sein miteinander. Vom Heiraten kann vor der Hand bei meiner kranken Marie keine Red' fein, aber ten Scpp will ich auch noch da lassen, will aber ein scharfes Aug auf chn haben. Geh', Ev', und wart' die Kranke, daß ich darüber ruhiger sein kann. Die Buben machen mich so schon alt vor der Zeit; Gott besser'«l"

Eva ging, und lange saßen die beiden Männer schweigend. Wieder hörte man das Nagen der Totenuhr.

So nagt es fort, bis das Gebälk morsch und mürb ist", begann der Schultheiß endlich nachdenklich.So nagt es auch in mir und frißt weiter an meinem Mark. Das Unglück mit der Marie und meine Buben sind die Bohrwürmer. Was doch das Leben so arm ist und so elend!"

Er schaute hinüber nach den drei Birken.

Wer macht das Leben so oft elend?" fragte Brink­mann mit Nachdruck.Der Mensch, weil er nicht zu leben versteht. Der Ungläubige sieht das Leben an als einen kurzen Tanz der Lust oder, wenn er arm oder krank ist, als ein Verbrechen, das ein tückisches Schicksal an ihm verübt; der Gläubige aber steht eS an als ein Geschenk, das ihm wieder entzogen wird, um ihm ein größeres, die Unsterblichkeit, zu geben. Der wahrhaft Gute wird schon