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Marburg, Sonnabend, 30. April 1881.
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gngeigen nimmt emgegen: Ht Expedittox d.vlatte», sowie d.Amloueen-Bureauk yvo Th, Dietrich & So. in staffel and Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaserchein & Bögler in agamffsrt n 3H,, Berlin,
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Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncm-Bureanr von G. L Daube & So. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung baseldit; Hermannlch« Buchhandl. daseldfi; Invalid endauk in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Breme».
Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JluftrtrlrS «onntagSdlatt" durch di- Sxpedition («och'sche
Buchdruckereil bezogen 31 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Bfe 3flt m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
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Die Ex-ed. I. vberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. April. Der Kaiser nebst Gemahlin find kurz vor 11 Uhr gemeinsam nach Frankfurt abgereist, von wo der Kaiser sich nach Wiesbaden uno die Kaiserin nach Baden-Baden begicbt. Der Kronprinz gab bis zum Bahnhof daS Geleite. — Die „Post" schreibt: „Die von englischen Blättern zuerst gebrachte und gehässig kommentierte, wie sich ergeben hat, völlig aus der Luft gegriffene Nachricht, daß der deutsche Reichskanzler einen Antrag auf Beschränkung des Asyls politischer Verbrecher an die Mächte richten werde, hat, wie man uns schreibt, unter den internationalen Mordverschwörern, eine besondere Erregung gegen die deutsche Negierung erzeugt. In Kreisen, in welchen man um die verschiedenen in Rußland geplanten Attentate vorher zn wissen pflegte, geht das Wort um, es müsse sich ein deutscher Ryssakow finden. Wir veröffentlichen diese Mitteilung, die wir für zuverlässig halten, um deßhalb, weil sie die Aufmerksamkeit des Publikums auf Umstände, die sonst unbeachtet bleiben, richten und vielleicht den Behörden in ihrer schwierigen Aufgabe, Verbrechen zu verhüten, förderlich werden könnte."
*• Berlin, 28. April. Gewisse Blätter bemühen sich, eine grundsätzliche Wandlung in der Tarifpolitik der preußischen Negierung anzukündigen, weil einige Eisenbahn- Direktionen über die Höhe und über eine eventuelle Ermäßigung der Gütertarife der deutschen Seehäfen in Beratung getreten sind. Hierin wird eine grundsätzliche Anmerkung der Differentialtarife, vermeintlich im Widerspruch mit der bisherigen Politik gefunden. Die Mitteilung jener Blätter beruhen — gelinde gesprochen — auf gänzlicher Unkenntnis sowohl der bisherigen Politik als der neuerlichen Beratungen. Differentialtarife an sich sind niemals für absolut unzulässig erachtet, wohl aber dann, wenn sie sich wichtigen Interessen des Landes als schädlich und verderblich erweisen, insbesondere, wenn sie daS Ausland zum Nachteil der vaterländischen Produktion und Arbeit begünstigen. Der beste Beweis dafür, daß Differentialtarife
Der Dreibirkeuhof.
Roman von August Butscher.
v (Fortsetzung.)
Friedel zürnte offenbar den Thränen Evas denn er stieß klirrend sein Glas um, daß der Wein wie ein roter Bach über den Tisch hinfloß; Johannes dagegen sah nur das holde Angesicht, von Thränenperlen verschönt, er träumte auch, wohl von glücklichen Stunden der Zukunft. Die alte Martha schüttelte wieder und wieder den grauen Kopf.
Diese Stimmung hielt aber nicht lange vor, bald klirrten wieder die Gläser, und man verlangte stürmisch ein „Lustiges". Der Citronensepp raffte sich auf mit der Spannkraft, die kräftigen Naturen eigen zu sein pflegen, und sang ein „Schnaderhüpfel" nach dem andern mit glockenreiner Stimme, den Hut setzte er keck auf’« linke Ohr, und nach jedem „Gsetzl" jodelte er hell hinaus. Die Bauern schnalzten mit den Fingern und und stampften mit den Füßen dm Takt dazu; die Dorfmusikanten waren rein vergessen. Jetzt begann der Tiroler auf einmal das herrliche Volkslied zu singen:
„Mei Mutter mag mi nit Und kein Schatz hab i nit, Ei warum stirb i nit?
Was sang i a?"
Allgemeines und wortloses Staunen maste sich auf jedem Gesichte, als bei der Wiederholung des „Ei warum stirb i nit?" Eva mit einem sonoren Alt einsetzte und in richtigen Intervallen dm Tenor Sepp's begleitete. Dieser nickte ihr lächelnd zu, und so sangen Beide ruhig werter, zwei Stimmen wie für einander geschaffen, die seine aufstrebend wie eine Lerchd, die ihre sich anschmiegend wie die Taube.
an sich nicht absolut unzulässig find, ist das thatsächliche Bestehen einer Anzahl von Ausnahme- und Differentialtarifen, welche als nützlich für die einheimischen Interessen erkannt worden sind, namentlich auch im Verkehr mit den deutschen Seeplätzen, insbesondere im Transit (so mit Königsberg, Danzig, Stettin, Hamburg, Bremen u. s. w.) Durch den Ministerial-Erlaß vom 23. April 1878 ist s. Z. zur Kenntnis der Eisenbahnen und der sämtlichen wirtschaftlichen Körperschaften des Landes ausdrücklich ausgesprochen worden, daß Differentialtarife im internationalen Verkehr dann nicht für unzulässig zu erachten sind, „wenn entweder eine Benachteiligung inländischer wirtschaftlicher Interessen überhaupt nicht zu besorgen ist, oder durch überwiegende Interessen anderer Zweige der inländischen Volkswirtschaft für die beantragte Ermäßigung der Tarife sprechen. In letzterer Beziehung werden insbesondere die Interessen des deutschen Seehandels u. s. w. in Frage kommen." An diesen Grundsätzen wird nach wie vor festgehalten. Die Interessen des Landes sind es, welche die preußische Staats-Eisenbahnverwaltung in dieser wie in anderen Verkchrsfragm sich zu ihrer Richtschnur genommen hat und in Zukunft nehmen wird. Auf diesem Boden uno aus gleichen Erwägungen sind auch die jüngsten Beratungen einiger Eisenbahndirektionen über das Verhältnis der Eisenbahntarife der deutschen Nordseehäfen zu den Tarifen der konkurrierenden fremden Hafenplätze und über die Beseitigung etwaiger, dem deutschen Handel nachteiliger Frachtungleichheiten hervorgezogen, wozu allerdings nunmehr nach dem Uebergang der großen westlichen Bahnsysteme in die Staatsverwaltung besonderer Anlaß geboten war. Das Ergebnis dieser Beratungen ist übrigens, wie man bestimmt versichern kann, bisher dem Minister der öffentlichen Arbeiten nicht unterbreitet, und es ist also auch hierin jene Mitteilung unrichtig.
Wilhelmshaferr, 28. April, lieber den Unglücksfall wird noch gemeldet: Die Langgranate, welche vorschriftsmäßig untersucht und gut eingesetzt war, krepierte im Momente, als die Kartusche eingesetzt werden sollte, wodurch auch diese explodierte. Das Zusammenwirken der nach hinten herausgeschleuderten Sprengstücke der Granate mit der Pulverflamme der Kartusche hat die schweren Verluste herbeigeführt. Eine gerichtliche Untersuchung wurde sofort angeordnet, cs läßt sich aber schon jetzt auf Grund der sofort nach der Katastrophe protokollierten Aussagen der Augenzeugen bestimmt behaupten, daß daS Unglück nicht auf ein Versehen bei der Bedienung des Geschützes zurückzuführen ist. An Aufsicht fehlte cs nicht; unter anderem gab Lieutenant Rcincke zu Protokoll, daß das Geschütz vorschriftsmäßig bedient worden sei.
Weimar, 27. April. Der Großherzog empfing heute den bisherigen preußischen Gesandten Grafen Ltmburg- Slirum, welcher sein Abberufungsschreiben überreiche, uuo
„Eil" rief der Citronensepp freudestrahlend, als das Lied beendet war, „Du singst ja wie ein richtiger Engel, da muß man ja nur so aufschauen. Wo hast Du's denn gelernt?"
Eva war rot geworden über und über.
„Bei der Frau von Bern in der Stadt," gab sie schüchtern zur Antwort, während ein scheuer Blick wie ab- bitlcnd zu Marien hinüberflog, die mit einem tiefen und schmerzlichen Seufzer in den Sessel zurückgesunken war und mit einem heftigen Hustenausall kämpfte. Dann fuhr Eva fort:
„Ich bin bei ihr zwei Jahre in Dienst gewesen und bin von ihr einmal überrascht worden, wie ich auf ihrem Clavier geklimpert und eins von unfern schönen Volksliedern gesungen hab'; da hat sie denn mich noch mehr in die schul' genommen, so daß ich so erträglich singen kann."
„Ä der Tausend!" beeilte sich Johannes zu sagen, „Du kannst Clavier schlagen? Ja wo um alle Welt hast Du's gelernt?"
„Beim Lehrer Brinkmann im Dorf drüben", erwiderte Eva. „Er hat meine selige Mutter gut gekannt, und ich ging als kleiner Wildfang jede Woche zweimal von meinem Orte zu ihm hinüber und hab' auf seinem schönen Clavier spielen gelernt. O, er ist ein so gescheidter und braver Mann 1" setzte sie im Tone aufrichtiger Bewunderung hinzu.
„Za, ja", fiel Martha ein. „Ich weiß noch wie heut, wie er heimgekommen ist von den Reisen, die er mit großen Herren gemacht hat; er wollte ruhen in dem stillen Dorfe und studieren und Deine Mutter selig heimführen, die ihm so lieb war. Aber da ist sie schon verheiratet gewesen, und Du warst schon auf der Welt, Ev'. Er hat Dir's aber nie entgelten lassen, der herzbrave Mann, und, wie Du sagst, er hat. Dir viel Gutes gcthan und Dich viel
nahm sodann die Beglaubigungsschreiben des neuernannten Gesandten v. d. Stinten entgegen.
Stuttgart, 25. April. Unsere Demokraten glauben ihrem alten Glanze, dessen sie sich vor 1866 erfreuten, und der seitdem immer mehr und mehr erloschen ist, dadurch wieder aufhelfen zu können, daß sie mit den Sozialdemokraten paktieren, wo immer sich nur eine Gelegenheit dazu darbietet. Die Herren verlieren eben, seitdem sie so gründlich in die Decadence geraten, jedes politische Anstandsgefühl. Sie lassen sich keine Mühe verdrießen, den Sozialdemokraten aufs neue wieder zu schmeicheln. Ihre Versammlungen, welche sie in der letzteren Zeit veranstalteten, uno bei deren Einberufung sie stets extra bekannt machten, daß Gäste willkommen seien, waren nur auf Umgehung des Sozialistengesetzes angelegt und sollten den Sozialdemokraten unter den Fittichen ihrer Gastfreundschaft Gelegenheit geben, öffentlich zu sprechen. Die Sozialdemokraten, die sehr wohl herausmerken, daß die Demokraten sie nicht ihrer schönen Augen willen so protegieren, behandeln in diesen Versammlungen ihre Wirte möglichst schlecht und sagen ihnen allerlei anzügliche Sachen in« Gesicht. Von irgend welcher Bedeutung kann diese Allianz, wenn sie per- fett wird, für die tommenden Wahlen nicht werden; daß sie aber nicht zu Stande tommt, ist schon deshalb sicher, weil die Sozialdemokraten sich schon mehrfach von den Demokraten bei Gelegenheit früherer Wahlen hintergangen glaubten und sich nicht dazu verstehen werden, aufs neue auf den Leim zu gehen. — Das Ereignis der letzten Woche war, daß Herr Sennemann von Frankfurt mit Herrn Bebel bei uns auf Wahlreise war. In Stuttgart hüteten sich die Herren aus mehr als einem Grunde aufzutreten, sie hatten sich zu ihrer gemeinsamen Aktion als ersten Ort die kleine Stadt Eßlingen ausgesucht, für welche Karl Mayer im Landtag sitzt. Die Rollen waren alle schlau verteilt. H-rr Sonnemann hielt einen jener Speechs, welche er schon hundertmal zum Besten gegeben hat, die er immer aufs neue wieder vor seinen Zuhörern entwickelt. Nachdem auf diese Weise die Versammlung vorbereitet war, betrat Herr Bebel die Tribüne. Dieser halle aber kaum zu einigen fulminanten Redestreichen auSgeholt, al« ihm ein Polizeikommissar da« Wort abschnitt. Nach dem Fiasko, welches die DioSkuren Sonnemann uno Bebel gleich bei ihrem ersten gemeinsamen Auftreten auf ihrer Tonrnse machte», trennten sie sich, und Herr Sonnemann zog nach einigen Tagen allein im Lande herum, um die Landsleute in seiner Art anzubiedern. Als er aber sah, daß man eigentlich gar nichts von ihm wollte, fuhr auch er wieder nach Hause. Neuerdings befolgen die Demokraten die Taklik, daß sie daS gemeinsame Auftreten SonnemannS und Bebels als ein zufälliges darstellen. Dadurch kann sich aber nur Derjenige täuschen lassen, welcher von den Bemühungen der Demokraten, die Sozialdemokraten zu
......" ' ' 7 " ' ■" 7 BBB ■ Schönes gelehrt, seitdem Deine Eltern untet’m Kirchhofsgras schlafen. Er ist ledig geblieben und ist doch erst jetzt zwei und vierzig Jahre alt."
„Und hat der Lehrer Dich in die Stadt empfohlen, Eva?" nahm die Kranke jetzt das Wort.
„Kein Anderer", sagte Eva. „Er hat's aus der Zeitung gelesen, daß die Frau von Bern ein Mädchen suchte von meinem Schlag, und da hat er mich dann hingebracht."
„Da hält' er auch mich zuerst fragen können", versetzte rasch der Dreibirkenbauer und richtete sich mit dem gewöhnlichen Ruck in die Höhe, während er mit der Faust auf den Tisch schlug, daß die Gläser tanzten. „Ich bin Dein leiblicher Vetter und er ist nur der Liebhaber Deiner Mutter, der —"
„Vetter!" rief Eva, und ihre Augen blitzten zornig. „Vetter Ihr habt Euch dazumal nichts um mich gekümmert, ich bin oft an Euch borbeigegangen im zerlumpten Kleid und bloßen Füßen, aber Ihr habt ins Blaue gesehen und nicht aufö arme Waisenkind. Ihr habt mich jetzt kommen heißen, weil ich groß und stark bin, und wenn Euchs reut, so kann ich morgen gehen l"
.Der Hofbauer war wieder in seine gebückte Stellung zurückgesunken und spielte verlegen mit einem Messer.
„Sei nur nicht gleich so hitzig," sagte er bann klein- laut, und, wie um das Gespräch von diesem Gegenstände abzulenken, wandte er sich an den Citronensepp mit den Worten: „Auch Du bist ein Hitzkopf und hast vorhin auf- gebraust, wo ich Dich im Spaß als Knecht hab hingen wollen. Aber einen Gefallen thuft mir doch und bleibst da, bis der Heuet vorbei ist. Du brauchst nicht viel zu schaffen' Also schlag ein."
(Fortsetzung folgt )