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Rr. 97.

Marburg, Mittwoch, *27. April 1881.

xvi.

gMcigen nimmt entgegen: Hc Stpcbitiox b.BInttK, sowie d.Nnnoncen-Bureaux ron Th, Dietrich & So. in «affe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein L Logier in Drankfnrt a. 3R., Berlin, ZripriL ® re.; Rudolf Ma»: ix Setfix, Frank- fnrt a. M- re.

AklhkM jfituno.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b.BltM sowie d. Annonrrn-Burraxk von E. L-Daude *6o. in

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Tonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageUl»ftrtrte* Lvnatngdtlntt" durch die Expedition (Aoch'sche Buchdruckerei) bezogen U Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ertheUende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Psg. berechnet.

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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Deutsche» Reich.

Berlin. 25. April. Der Einholung des Heirats­konsenses bedarf eS, nach einer allgemeinen Verfügung des Justizministers vom 13. d. M., nur für diejenigen Justiz­beamten, welche verpflichtet sino, der Allgemeinen Wittwen- Verpflegungsanstalt beizutreten. Der Heiratskonsens wird erteilt: für sämtliche richterliche Beamte des Oberlandes­gerichtsbezirks, sowie für diejenigen Subaltern- und Unter­beamten, welche bei dem Ober-LandeSgericht angestellt sind, von dem Präsidenten des Ober-LandesgerichtS; für sämt­liche Beamte der Staatsanwaltschaft im Ober-LandeSgerichts- bezirk und für diejenigen Subaltern- und Untecheamten, welche bei der Staatsanwaltschaft des Ober-LandeSgcrichtS oder bei den auf besonderem Etat stehenden Gefängnissen angestellt sind, von dem Ober-StaatSanwalt; für die Subaltern« und Unterbeamten, welche bei dem Landgericht und den Amtsgerichten angestellt sind, von den Präsidenten deS Landgerichts; für die Subaltern« und Unterbeamten, welche bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts sowie bei dm nicht auf besonderem Etat stehenden Gefänguisieo angestcllt sind, von dem ersten Staatsanwalt des Landge­richts. Bei Nachsuchung deS Heiratskonsenses ist die be« stimmte Erklärung abzugeben, daß der Einkauf der künftigen Ehefrau in die Allgemeine Wittwen-Verpflegungsanstalt erfolgen werde. Der für die Ertellung des Konsenses zu­ständigen Behörde ist demnächst nachzuweisen, daß der Ein­kauf stattgefunden habe. Auch in BundesratSkreisen findet, wie man hört, die Mitteilung volle Bestätigung, daß bis auf einige Formalitäten die Verhandlungen zwi­schen der Reichsregierung und dem Senate der Stadt Hamburg wegen Eintritts Hamburgs in bett Zollverband zu einem Abschluß gediehen sind. Die Anwesenheit des Senators Meyer aus Bremen wird damit in Zusammen­hang gebracht, daß auch seitens BremmS alsbald Verhand­lungen mit der Reichsregierung wegen besten Eintritt in den Zollverband flattfinden werden. Das Domkapitel zu Trier hat sich, wie dieKobl. Volksztg." meldet, aus

Der Dreibirke«h,f.

Roman von August Butscher

lFortsetzung.)

Was ich sagen will," sagte er, sich auf einmal um­wendend,Sepp, es ist eine Stelle frei bei mir, Du kannst Roßknecht werden mit 20 Guldm Jahreslohn und doppelter Gewandung"

Dem Angeredeten schoß die Zornesröte ins Gesicht.

Dreibirkenbauer!" sagte er mit bebender Lippe:Wmn ich nicht wüßte, daß Du's nicht bös mit mir meinst, so würde ich meine Kraxe nehmen und Deinen Hof nimmer wieder betreten. Du bist"

Ein Händedruck Mariens brachte ihn zu sich, sie sah ihn so bittend an, daß eS ihm bis ins Herz ging. Leise hüstelnd legte sich die Kranke in den Lehnstuhl zurück.

Du bist ein Strudelkopf," sagte der Hofbauer, der schnell wieder von andern Gedanken eingenommen wurde, denn in der Ferne tönte es wie dumpfes Brausm, und fahler Lichtglanz schwebte über die Felder. An dm drei Birken standen die Knechte und Mägde des Gehöftes und sahm dem roten Scheine zu, der langsam näher kam.

In der Küche nebenan brodelte und sott eS fort, die große Schwarzwälderuhr schlug die neunte Stunde und der Kuckuck schrie dazu. Der Hofbauer schloß das Fmster und setzte sich zu Friedel, seine Ulmerpfeife anbrennenb, als ob ihn gar nichts bewege; aber sein graues Auge glänzte wie in halbunterdrückter Freude.....

2. Die Schulzenehre.

Jetzt wars auf einmal, als würde die ganze Gegend lebendig. Geschrei, Gesang, Geklimper und Geblase mischten

die ablehnende Antwort der königlichen Regierung hin in einem Schreiben an den Kaiser gewandt, worin es die Versicherung ausdrückte, den Domkapitular Dr. de Lorenzi zum Bistumsverweser in der festen Meinung gewählt zu haben, dadurch einerseits einen nicht verkennbaren Schritt zur Förderung des von allen Katholiken so heiß ersehnten Friedens zu thun. In gleichem Sinne ging ein Schreiben an Papst Leo XIII. ab. In der Angelegenheit des Domkapitulars de Lorenzi in Trier schreibt dieGer­mania" :Was die Thätigkeit des Herrn von Wolff in dieser Sache anlangt, so wird uns aus Trier bestättgt, daß er die Staatsregierung gegen die Gewährung der Dispense bestimmt hat. WaS seine Aeußerungm gegen Dr. de Lorenzi angeht, so hat er seiner Zeit bei einem Souper mit Bestimmtheit erklärt, daß Herr de Lorenzi die Bestätigung nicht erhalten werde. Hat der Herr von Wolff ungünstige Berichte gegen den erwählten Kapitels-Vikar abgeschickt, so bekundet dies eine Unkenntnis von Personen und Verhältnissen, die ein höherer Beamter in so vager Weiser sich niemals sollte zu Schulden kommen lassm; beim es ist seinerseits in Trier anerkannt, baß Herr be Lorenzi ein ebenso pflichttreuer Priester wie besonnener und friedliebender Mann ist, der ebenso gern und ebenso weit, wie die Herren Drobe und Höting, entgegengenommen würde, wenn es sich um Beilegung des Kampfes handelt." DieNat.-Ztg." schreibt:Nach hier aus Petersburg eingetroffenen Nachrichten sind infolge von Haussuchungen, welche in Paris auf Antrag der dortigm russischen Bot­schaft bei dortigen Nihilisten stattfanden, in Petersburg wiederum Verhaftungen in großem Maßstab vorgenommen worden." Dasselbe Blatt schreibt:Es ist fraglich ge­worden, ob ein deutsch-österreichischer Handels-Vertrag zu stände kommen oder ob ein neues Provisorium an feine Stelle treten wird. Das letztere scheint eher der Fall zu fein, da keine Partei nachgebm will, während dieTribüne" meldet, gutem Vernehmen nach werde beabsichtigt, den ziemlich bedeutungslosen neuen deutsch-österreichischen Han­delsvertrag auf 8 und nicht, wie mehrfach gemeldet wor­den, auf 6 Jahre abzuschließen. Als sicher ist anzunehmen, daß bis zur Stunde noch keine Entscheidung über diese Ange­legenheit getroffen. Bei Besprechung der morgen wieder be­ginnenden Reichstagsarbeiten schreibt dieGermania":Die Stellung bet Centrumssraktivn zu den Steuerfragen ist von uns wiederholt präcisiert worden; sie wirb einzig bie Börsensteuer aceeptieren unb hierbei etwaige Vorschläge auf Erhöhung berfelben prüfen. Sie vermag bagegen bie Notwenbigkeit und Zweckmäßigkeit der anderen Stenern nicht einzusehen und kann am wenigsten den unabsehbaren finanzpolitischen Projekten, mit welchen der Reichskanzler das Volk beglücken will, Geschmack abgewinneu. So wird denn die letzte Session des Reichstags in der gegenwärtigen Legislaturperiode fast resultatlos verlaufen. Die Schuld

sich in das Bellen des Hofhundes. Vom Walde her schrien die Hirsche unb ans dem Sumpfe bie Frösche. Feuerschein sprühte empor, und ein Musikantentrupp blies unbestimm­bare Weisen.

Hoch der Dreibirkenhofbauer! Hoch bet Schultheiß! Hoch! Hoch! Hoch!" rauschte es wie Meeresbranbung, und ein fürchterlicher Tusch setzte dem Lärm die Krone auf. Die Stallhofgebäude glänzten im Feuerschein, denn die Dorfbuben hatten Strohgarben angezündet, und die drei Birken schienen in dem ungewohnten Lichte zu erwachen und ihre zarten Blätter zu schütteln.

Hellauf! ES lebe der Schultheiß!"

Die im Zimmer Anwesenden waren an das Fmster getreten. Der Hofbauer steckte die Pfeife in die Tasche, und ein stolzes Lächeln schlich übet seine Lippen. Mit einem gewaltigen Rucke richtete er sich aus und öffnete das Fmster, so daß er rotangestrahlt der wirren Menge draußen sichtbar wurde. Er schickte sich an, eine Rede, die erste seines Lebens, zu halten.

Meine lieben Nachbarn und Freunde!" begann er. Es ist mir eine Ehre, daß Ihr noch so spät herauSkommt, um mir anzusagen, daß Ihr mir das Vertrauen schenkt und mit bie Wahl gegeben habt. Ich banke Euch unb werbe nach Recht und Billigkeit schalten und walten. Da es außen aber kühl wirb, bitte ich Euch, hereinzukornrnm unb einen Schluck Wein nebst einem Bissen Brot von mir anzunehmen, ohnehin ist es in der Stube gemütlicher als draußen. Und bamü Basta!"

Sauter Jubel war bie Antwort, denn die da dtaußm wußtm wohl, was ein Schluck Wein und ein Biffm Brod im Dreibirkenhofe zu bedeuten hatten. Alles drängte sich nach der HauSthüre. Aber eine schneidige Fistel übertönte

dieser immerhin bedauerlichen Thatsache liegt wesmtlich auf Seiten der Regierung, die einerseits den Reichstag wieder mit Forderungen behelligte, von deren Abweisung sie von vornherein überzeugt sein konnte, und andererseits mit Vorlagen herantrat, die einer genügenden Vorbereitung und Durcharbeitung entbehrten. Die Diskussion der Fragen, die der Reichstag jetzt nicht erledigt, wird die Wahlagitattnn um so stärker beschäftigm, in welche die Regierung mit der ParoleArbeiterhülfe und ©teueren^ lastung" hineintritt.

Eine interessante Zusammenstellung ist der dem Reichstage zugegangenen Novelle zur Gewerbeordnung bet« gefügt. Wie sich der Gesetzentwurf in der Hauptsache gegen die zu Tage getretenen Mißstände auf dem Gebiete der fogenanten Winkeladvokatur richtet, so ist auch diesem Abschnitte des Entwurfs der größte Tell der Mottve ge­widmet, und es wird in diesen namentlich der Nachweis zu führen gesucht, daß die Zahl der von dieserfreien Advokatur" lebenden Personen eine die Bedürfnisse weit übersteigende ist. Um dies recht anschaulich zu machen, ist der Vorlage als Anlage eine Ueberstcht beigegeben über die in den preußischen Regierungs- und Landdrosteibezirken, sowie im Bezirke des Polizeipräsidiums zu Berlin vorhan- benen Winkelkonsulenten, aus welcher sich folgendes ergibt: Es befinden sich im Regierungs- bezw. Landdrosteibezirke Königsberg 350, Gumbttmen 235, Danzig 137, Marien­werder 346, Posen 570, Bromberg 267, Stettin 120, KöSlin 107, Stralsund 56, Breslau 340, Liegnitz 202, Oppeln 480, Potsdam 192, Frankfurt a. O. 291, Magdeburg 182, Merseburg 149, Erfurt 70, Münster 64, Minden 80, Arnsberg 306, Coblenz 115, Düsseldorf 333, Köln 89, Trier 130, Aachen 91, Sigmaringen 13, WieS- baven 120, Kassel 194, Schleswig 225, Hannover 37, Hildesheim 68, Lüneburg 44, Stade 158, Osnabrück 34, Aurich 50 unb im Bezirke bes Polizeipräsidiums Berlin 309 Winkelkonsulenten. Die Provinz Posen steht dabei oben an, wo auf je 1813 Einwohner ein Winkelkonsulent kommt; bann folgt Stabe, wo auf je 1958 unb Bromberg, wo auf 2143 Einwohner ein Winkelkonsulent gezählt wird, In dem übrigen Telle der Provinz Hannover ist das Verhältnis ein ungleich günstigeres. Es entfallen nämlich auf Hannover auf je 11,623 Einwohner, in Lüneburg auf je 8788 und in Osnabrück auf je 8169 Einwohner nur ein Winkelkonsulent; bann folgt Köln, wo auf je 7357 Einwohner ein Winkelkonsulent kommt. In den Übrigen Bezirken ist das Verhältnis ein ziemlich gleich­mäßiges.

Die Jahresberichte über die Verwaltung btt Straf­anstalten des Ministeriums des Innern haben wiederholt vielfache Rückfragen zum Behuf von Ergänzungen und zur Erläuterung von undeutlichen Angaben nötig gemacht. Der Minister hatte deshalb den betreffenden Behörden und Be-

mTi.v. I. II. 1MJ I

den Haufen und verwies zur Ordnung. Die Sopranstimmt gehörte dem Thomas Bitterle, dem Polizeidiener des Dorfes, der sich mit Recht als die.zweite Großmacht be­trachtete.

Ruhig im Glied, Ihr Rebeller," fistelte er und warf die langen Arme in die Luft.Zuerst der Gemeinderat und die Festjungfrauen I"

Alles lachte. Es waren keine Mädchen da, als die Gundel vom Höhlenhof.

Hernach," fuhr er unbehindert fort,kommen die ledigen Mannsleute unb bann bie Buben. Sie sollen aber ihr Feuerzeug vorher ablöschen, damit kein Unglück geschieht, Zum Schluß kommt die Musik, daß sie ruhig blasen und geigen kann und bie Baßgeige nicht eingetreten wird, sie gehört dem Kirchenchor."

Alles stolperte nach Belieben über die Schwelle, sodaß der Gemeinderat an den langen Rockschößen gerissen unb die Musik um den schönsten Tusch gebracht wurde.

Friedel und Johannes hatten unterdessen mehrere Tische herreingeschleppt und sie mit den blitzblanken Kannen besetzt, sodaß die Wohnstube im Nu wie ein Schenkzimmer auSsah. Der Oberkneibt schrotete ein riesiges Bierfaß an die eine Seite des Ofens, an der anderen kauerte Marie wie eine Taube im Sessel. Der Citronensepp saß neben ihr auf der Lederpritsche.

Alle ließm sich nieder, so gut es ging; es war ein heilloser Lärm, aus beffen Wogen Marthas Stimme von Zeit zu Zeit wie eine Spritzwelle aufschnckkte, indem sie mit den Mägden in der Küche wetterte.

Die Kannen wurden gefüllt, Käse, Würste und 8ret aufgetragen, unb bie Arbeit begann.

(Fortsetzung folgt.)