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Nr. 96

Jliaröutfl, Dienstag, 26. April 1881.

xvi.

n* eigen nimmt entgegen pie Expedition b.Blatte*, sowie dLmrouceu-Dureaux von Th. Dietrich L So. in gsffel und Hannover; Th Dietrich in Aranifnrt a.SUL; Saaseukein & »cglet in Z»vifsrt « 38., Berlin. Feip.i^ 65ls ic.; Rudolf «off-- in Setlin, Staab

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WchkMk jfitimg.

Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition b. Blatte* sowie d- Annoncen-Vuremls von E-L- Daube L So.in

Frankfurt a. M; Jigerffch« Buchhandlung bmetro; tzeru-mm'sch« Buchh«»dl, daselbst, MvalideÄauk in Eerlin: &. Thienes in «derfels: 4. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Bonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageMnstrirtes SonutagSSlatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen U Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet-

Bestellungen für die Monate Mai und

Juni der

SberheMschen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrivtes Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

86Ä* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. I. Oberh. Zeitung.

Deutscher Reich.

Berlin. 23. April. Der Kaiser hat heute Nachmittag seine regelmäßigen Spazierfahrten wieder ausgenommen. Die Kaiserin begiebt stch nach den jetzigen Bestimmungen am nächsten Mittwoch nach Baden-Baden, um dort wie alljährlich ihren Frühlingsaufenthalt zu nehmen. Die Ab­reise des Kaisers nach Wiesbaden soll gleichfalls im Laufe der nächsten Woche erfolgen. In einem polemisierenden Artikel gegen polnische Blätter, welch« den Zusammenhang der polnischen Revolutionäre mit den russischen Nihilisten zurückwcisen, sagt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung", es entspreche durchaus der deutschen Politik, daß die Be­wohner der russisch - polnischen Provinzen ihre Blicke nach Petersburg und Moskau richten und nicht, wie früher, nach Paris mit der Rechnung, jede französisch-deutsche Schwierigkeit gegen Deutschland auszunutzen. Wenn die Polen des russischen Reiche* sich aufrichtig an da* letztere anschlösfen, so werden Preußen und Deutschland mit ihnen in denselben fteundschaftlichen Beziehungen und guter Nach­barschaft leben, die zwischen Preußen und Rußland seit über hundert Jahren bestanden 'nnv nach jedem Versuche der Polen, sie zu stören, stch nur mehr befestigt haben. Wir sehen jede Bestrebung der polnischen Elemente zum ehrlichen Anschluß an Rußland mit Befriedigung an. DieKreuzzeitung" schreibt:Ueber da* schon erwähnte russische Rundschreiben, mit welchem eine Konferenz in Sachen des Nihilismus angeregt wird, erfahren wir, daß die russische Note noch keinen förmlichen Konferenz-Vorschlag enthält, sondern nur die Anregung giebt, die Eventualitäten einer solchen Konferenz - Berufung in* Auge zu fassen. Wahrscheinlich werden stch hierüber die Kabinette zunächst untereinander ins Einvernehmen setzen, um sich darüber klar zu werden, welcher Natur eine solche eventuelle Kon­ferenz sein sollte. Wie es scheint, dürfte e* sich mehr um eine fachmännische Beratung handeln, wie eine solche bereits einmal vor Jahren der Frage derInternationale" hier in Berlin gewidmet war." Nach derNational-Ztg."

Der Dreibirkeuhos.

Roman von August Butscher

(Fortsetzung.)

Der Citronensepp stand unter der Hängelampe. Helle Strahlen fielen auf sein schönes trauriges Gesicht. Mariens Blick haftete manchmal heimlich darauf, bis eine Thräne, wie ein Schleier ihr sanfte* Auge umdüsterte.

Nach dem Gebet gruppierte man sich um den Tisch. Marie verzichtete auf das Abendessen, die herzliche Freude des Wiedersehens hatte das leibliche Bedürfnis nach Nahrung vcrdrängt.

Dm rechten Ellbogm in die linke Handfläche gestützt, löffelten die anbern die Suppe aus; der Luxus der Teller war damals in jener Gegend nur bei festlichen Gelagm gebräuchlich.

Die Blechlöffel senkten stch einer nach dem andern, die Leute hatten wohl eine stille Ahnung.

Und nun erschien die neue Hausgenosfin, die Ev', wie man ihren Namm kürzte.

Hoch aufgetürmt trug sie die gelbm und roten aufge- sprungenm Kartoffeln zu Tische, während Martha eine gewaltige Schüssel mit saurer Milch aufetzte.

Aller Augen wandten stch natürlich der Angekommenm zu, die mit leisem und schüchternem Gruße zum Tische und ins Licht der Lampe trat.

Gn allgemeines Staunen malte stch auf dm Gesichtem das war also das Mädchm?

Eva mochte kaum siebzehn Jahre zählm, aber ihre Gestalt war groß und schlank uno biegsam wie eine Weide. Dies sah man dmtlich, als sie kräftigen Armes den schweren Bottich niedersetzie. Ihre Arme waren runb unb weiß wie

prophezeit man in biplomatischm Kreisen dem mssischm Vorschlag einen succes destime, d. h. eine Rücklegung, nachdem den Rücksichten internationaler Höflichkeit entsprochen worden ist. Wie dasselbe Blatt von wohlinformierter Seite vernimmt, hätte Fürst Bismarck in der Währungsfraze nunmehr entschieden Stellung in der Richtung der Auf­rechterhaltung der Goldwähmng genommen. DieNord­deutsche" publiziert als einen intereffanten Beitrag au* der Agitation gegen das Unfall-VerstcherungS-Gefetz ein Cirkular, welches in Deutschland vertraulich an die Agenten von Ver­sicherungs-Gesellschaften versandt ist und in allerdings recht geschickter Weise das materielle Jntereffe dieser Herren gegen die Vorlage ins Feld ruft und zugleich in dankenswerter Weife darüber belehrt, wie im Lande Stimmung gemacht wird. ES heißt darin u. a.:Es sind die Interessen deS gesamten Versicherungswesens noch nicht außer Gefahr. Die Vorlage ist einer Kommission zur Vorberatung überwiesen und sowohl innerhalb der Kommiffion wie bei einer Anzahl von Mitgliedern des Reichstag* gewinnt die Meinung Boden, daß es genügen würde, dm Gesetzentwurf für die gegen­wärtige Seffion zu beseittgen, sei eS durch Verschleppung in der Kommission, sei eS durch Ablehnung von Seiten der Kommiffion und evmt. auch des Reichstags mit oder ohne Resolutton, welche die gesunden Seiten der Vorlage anerkennt. Es kommt alle* darauf an, daß die Sache in der gegenwärtigen Reichstags-Session zu einem sachgemäßen, die Industrie wie die Arbeiterschaft befriedigenden Austrag gebracht werde. Die* kann und wird geschehen, wenn die ReichStagS-Kommiffion und der Reichstag selbst dm zweifel­los gesunden Kern der Vorlage, insbesondere die Aus­dehnung der Haftpflicht auf die gefährlichen Betriebe über­haupt, die Entlastung des Arbeiters von der Pflicht, die Schuld des Arbeitgebers oder seiner Vertreter zu beweisen, die Beschränkung der Haftpflicht auf einen Teil des Arbeits­lohnes, die Einführung einer Anzeigepflicht wenigstens für die namhafteren Unfälle, die Sicherung einer schnellen Re­gulierung unter Abkürzung der Klagesristen benutzm, um das Haftpflichtgesetz von 1871 nach den Erfahrungen unter seiner nunmehr zehnjährigen Wirksamkeit sachgemäß abzu- ändern und zu ergangen. Wir nchmm die Mitwirkung aller unserer Herren Vertreter nach der Richtung in An­spruch, daß die Mitglieder des Reichstags auch in der Heimat überzeugt werden, daß das Land das geplante sozia­listische Experiment ablehnt, dagegen eine Abänderung und Ergänzung deS Hastpflichtgesetzes im Sinne der Vorlage dringend verlangt, dergestalt, daß eS in dieser Beziehung die Initiative des Reichstags noch in der gegenwärtigen Seffion erwattet. Ein jeder unserer Vertreter muß mit Abgeordneten in Verbindung treten. An solchen Gelegen­heiten wird eS nie fehlen, und die Frage ist ja nicht allein eine Jntereffenfrage für unser Fach, sondem auch für jeden unserer Herren Vertreter. Wir gehen ernsten und auf«

Maienblüten, die Gesichtsfarbe mehr bräunlich und von einem zarten Rote überhaucht. DaS ganze Gesicht war so edel unb so fremd anmutig, daß man sich fragen mußte, woher stammt sie und wie kommt sie hierher?

Fast daS schönste an ihr waren die schwarzen Haare, die sie in mächtigen Zöpfen wie eine Krone über der hohm Stirne geschlungen trug. In ihren Ohren glänztm kleine Ringe und an der Brust trug sie eine kleine Goldnadel und zwei brennendrote Nelken.

Wie sie jetzt neben der blonde» Marie stand, meinte man die Lilie neben der Rose zu erblicken. Zwei solche Mädchen in einem Einödhofe! Das konnte nicht gut enden, dachte die alte Marie in ihrer Einfalt.

Der Dreibirkenbauer ruhig weiter, die übrigen Löffel ruhten alle. Johannes saß mit halbgeöffneten Lippen da und Friedel schaute, dm Kopf in die Hände gestützt, nach dem Mädchen hinüber.

Der Eitronensepp schien nur fülle Vergleiche anzu­stellen über die Gesundheit und die Bläffe seiner über alles Geliebten, die er nicht verlassen wollte in Not und Tod, da* schwur er sich im Stillen zu.

Der Blick Evas war auf den Tiroler gefallen, als sie an den Tisch getreten und war wie erstaunt haften ge­blieben, bann hatte sie die Wimpem wieder züchttg gesenkt.

Der Citronensepp öffnete nach dem Abmdessm seinen Pack und »erteilte einige Citronm und Pomeranzen nebst Feigen. Marien reichte er eine große Cittone, worin die Symbole des GlaubmS, der Hoffnung und der Liebe: das Krmz, der Anker und das Herz eingeätzt waren. Sie nahm sie freubebebenb und doch wie mit halbem Schauder.

Joseph," sagte sie,wenn ich sterbe, wirb meine Hand biefe* Andenken mit in das Grab nehmen, das gelob ich

reibenden Wahlagitationen entgegen, wenn den Heißspornen unter den unbedingten Anhängern der Regierung die Mög­lichkeit bleibt, dm Reichstag mit Recht oder Unrecht vor dem Lande anzuflagen, daß er die Verwirklichung der hu- manen Absichten der Regierung im Jntereffe der Arbeiter behindert oder gar vereitelt habe und die Versicherungs- Anstalten aller Branchen werden dabei zweifellos in eine bedenkliche Mitleidenschaft gezogen werden. Kann dieser Vorwurf mit Fug ^zurückgewiesen werden durch dm Hin­weis darauf, daß der Reichstag feine Bereitwilligkeit be­tätigt habe, jene humanen Absichten durch eine Reform des Haftpflichtgesetzes, deren dringende Notwendigkeit allgemein anerkannt fei, sofort und ohne die zeitraubende Vorbereitung und Einrichtung einer Reichs - Versicherung* - Anstalt mit ungemeffenen Verpflichtungen für das Land zu verwirklichen, so wird das Versicherungswesen nicht mehr mit Erfolg zu einem Streitpunkt unter den Parteien ausgebeutet werden können, und daS rnüffen wir alle lebhaft wünschen." Fürst Bismarck hat anläßlich des HinscheidmS von Lord BeaeonSfield an dessen vertrautesten Freund Lord Rowton (Montagn Corry) ein in wärmsten Ausdrücken abgefaßtes BeUeidS-Telegramm gesandt. In demselben bemerkt, wie die Engl. Corr, mitteilt, der Reichskanzler, daß durch das Hin- scheiden Lord Beaconsfields nicht allein die englische Nation, sondem das ganze Festland einen großen Verlust erlitten habe.

Breslau, 22. April. Der unlängst hier in» Leben getretene konservative Lokalverein hielt vorgestern eine außer­ordentlich zahlreich besuchte Versammlung ab. Der Vor­sitzende, Gras v. d. Recke-Volmerstein konnte die erfreuliche Mitteilung machen, daß sich auch im Kreise Pr. Friedland ein konservativer Lokalverein konstituiert habe. Bei einer durch die Ablehnung de» Amtes seitens des Generals a.D. von Wulffm notwendig gewordenen Ergänzungswahl in dm Vorstand wurde Staatsanwalt v. Uechtritz-Steinkirch ge­wählt. Von hervorragendem Jntereffe war die lebhafte Diskussion über die Frage, ob nach den seit einiger Zeit ftattgefnnbenen Auseinandersetzungen zwischen dem Cmtrum und dm Konservattven ein erfolgreiches Zusammengehen beider Parteien möglich sei. AIS daS Resultat der Debatte über diese Frage kann konstatiert werden, daß sich die Uebeqeugung geltend machte, bei dm nächsten Reichstags­wahlen werde das Centrum den Konservativm keine Oppo­sition machen, sondern die konservative Partei überall da unterstützen, wo eS zur Durchdringung eines eigenen Kan­didaten keine Aussicht habe. Was die dieser Hoffnung widersprechende Haltung einzelner Organe der CmtrumS- preffe anlangt, so wurde ausdrücklich betont unb an ein­zelnen, teils eklatanten Beispielen nachgewiesm, daß die CentrnmSpreffe keineswegs mit den Anschauungm der Centrumssraktion und der katholischen Bevölkerung zu idm- ttfizierm sei. WaS speziell die namentlich in jüngster Zeit maßlos gehässige Polemik zwischen dem konservattveu

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Dir." Sie sah ihn dabei so wehmütig und fteundlich an, daß ihm eine unsagbar wehe Ahnung durch die Seele ging, bohrend und schmerzend wie ein Messerstich.

Rede nicht so, Marie, Du thust Dir und mir weh," sagte er. Nun reichte er auch Eva eine Citrone.

Willst Du das kleine Andenkm annehmen, Ev'?" sagte er,ich bin der Citronensepp, und mich kmnt man gut in der ganzen Gegend. Wir werden schon noch be­kannt werden miteinander. Pfleg nur recht die Halbkranke da, daß sie bald wieder lustig unb frisch wird, wie sie war. Du siehst so lieb aus, Du mußt sie recht märten, ich bitt' Dich gar schön!"

Eva nickte errötend, während Mariens Auge in inniger Wonne zu dem herrlichen Jüngling auffah. Nein, sie durfte nicht sterben.

Als Johannes sah, daß der Tiroler auch Eva eine Citrone bot, hatte er nichts Eiligeres zu thun, al» hinaus- zulanfm und feine Forelle zu holen.

Er brachte dm Botttch dem Mädchm und sagte:

Da nimm, das ist zum Grüßgott, back sie gut und laß Dirs schmecken; sie ist vom Bachweiher, saftig und fest, wir sind ja verwandt miteinander, weißt Du?" setzte er ziemlich unlogisch hinzu? und errötete wie ein Mädchen.

Zum Grüggott! Hab ich» nicht gesagt?" murmelte Friedel.

Ich dank Dir, wie heißt Du? Johanne»? Gut ich will sie dann backen für uns alle"

Für Dich nur, ich gönne Dirs von Herzen."

GlaubstDu, ich könnte so viel offen? Aber ich danke. Sieh, Marie, wie sie zappett und die Schuppm schillem, und wie sie so schön gesprmkelt ist."