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Rr. 99.

Marburg, Sonntag, 24. April 1881.

xvi. MqtMt

In*eigen nimmt entgegen: Ite Expedition d.Blattvk, sonne d.Armoucen-Bureaux von LH. Dietrich & So. in Raffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Ö tut fenff ein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin. Servziji, Säln re.; Rudolf tisge in Berlin, Frauk- furt a. M re.

ObllWschk Jcitiiiiß

bei

daseldft; Jnvalidendanl in Fedin; W. LhieneS in «derfeld; L. Schlotte in

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Lnuoncen-Bureaur von E.L-Dause LSo.in

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Tonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wvchenüichen Beilage ,,3<*fhrttte» LsurttagssliM" durch die Expedition (R v ch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wert 50 Pf,, (erd. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für tn der Expedition zu ertheileude Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf,, berechnet.

Deutscher Reich.

## Berlin, 22. April. DieNat.'Ztg." beklagt in einem Leitartikel die UebelstLnde, welche stch daraus er­geben, daß das Gesetz über die Organisation der allgemeinen Landesverwallung am 1. April ohne das gleichzeitig einge­brachte, aber schließlich im Abgeordnetenhaus« vereitelte Zu- ständigkeitsgesetz hat in Kraft treten müssen. Wer trägt denn aber die Schuld an dieser Notwendigkeit? Doch offen­bar diejenigen Parteien des Abgeordnetenhauses, welche in das Zuständigkeitsgesetz die in dasselbe ganz und gar nicht hinein gehörende Bestimmung zu bringen beharrten, daß ein Teil der Gemeindevorstänve der regierungsseitigen Be­stätigung nicht bedürfen sollten. Was hätte denn die Re­gierung thun sollen, um den Uebelstand, welchen die Nat.-Ztg." beklagt, zu verhindern? Hätte sie etwa daS Gesetz über die Organisation der allgemeinen Landesver­waltung verzögern sollen? DieNat.-Ztg." deutet darauf hin mit den Worten: Sollte die Reform unterbrochen werden, so hätte die Regierung die Zustimmung teS Land­tages zur Hinausschiebung des Organisationsgesetzes ein­holen müssen. Die Reform hat aber nicht unterbrochen werden sollen, sondern ist durch die Majorität deS Abgeordnetenhauses unterbrochen worden. Hätte die Re­gierung wirklich daS thu« wollen, was dieNat.-Ztg." ihr jetzt anrät und gewissermaßen zur Pflicht macht, nämlich die Zustimmung des Landtags zum Aufschub deS Organi- sationSgesetzeS einholen, so würde stch ein Geschrei erhoben haben, daß Die ganze Verwaltungsreform ad acta gelegt sei und der Zustand, welcher durch die Beibehaltung der Verhältnisse vor dem Organisationsgesetz stch mehr und mehr als ein drückender fühlbar gemacht hätte, würde ebenso den Vorwand zu endlosen Klagen über wirkliche UebelstLnde, wie zu unbegründeten Vorwürfen über angeb­liche Unterlassungssünden der Regierung gegeben haben. Die Mahnung derNat.-Ztg." an die Regierung, daß letztere bis zur nächsten Landtagssession zu einem klaren Entschluß hinsichtlich der Verwaltungsreform kommen möge, ist überflüssig und ungerechtfertigt, sofern sie den Anschein erweckt, als treffe die Regierung Die Schuld für die häufige Unterbrechung dieser Aufgabe. Hätte die Majorität deS Abgeordnetenhauses dem Grafen Eulenburg die Ausführung feines Werkes nicht so vielfach erschwert, wäre sie auf die Gesichtspunkte desselben leichter eingegangen und wäre sie in ihrem Beharren auf unannehmbaren Aenderungen weniger hartnäckig gewesen, so hätten wir jetzt nicht das Organi­sationsgesetz, sondern auch daS Zuständigkeitsgesetz, und bei gutem Willen des Abgeordnetenhauses hätten wir auch die vorqelegten Entwürfe zu KrciS- und Pcovinzial-Ordnungen in Posen und einigen neuen Provinzen als Gesetze erhallen können. Wenn dieNat.-Ztg." die Städte so lebhaft be­klag:, daß sie der Aussicht ces Regierungspräsidenten allein

Der Dreibirkeuhof.

Rrman von August Butscher

(Fortsetzung.)

O Marille," flüsterte er,wie siehst Du so bleich aus! Hast Du mich nicht vergessen? Ich hab' Dein ge­dacht, Tag und Nacht, im Welschland wie im Nordland. Was ist Dir geschehen, daß Du so trüb und so bitterweh auSschaust?"

Marie richtete die sanften Augen, die immer auSsahen, als ob sie um etwas bitten wollten, auf den stattlichen jungen Mann und sagte leise:

Joseph, frag' mich nicht, ich bin glücklich, daß Du da bist, Du, mein Trost" und über die bleiche Wange schlich eilte Thräne, die der Citronensepp sanft wegwischte.

Haben sie Dir wehgethan, armes Kind?" fragte er sorglich mit dem weichsten Tone.

Der Vater" und ein scheuer Blick fiel auf den Genanntender Vater hat mich dem reichen Lenz vom Höhlenhof, dem Bruder von Friedels Braut, geben wollen, ich aber hab' nein gesagt und dreimal nein. Und da bin ich einmal mitten im Frost in die Marienkapelle gelaufen und hab' geweint um Dich, ja um Dich, die Zähren sind mir angeftoren in der bitterkalten Nacht und seitdem bin ich krank und schwach. O Sepp1*

In diesem Augenblicke wandte sich der Hofbauer um. Nun, Sepp, Du kommst recht heut Abend, es wird was zu singen und zu spielen geben, hab Dein Ding da schon gesehen, wie heißt's?"

Cither, Dretbirkenbauer."

Gut, wie lange bleibst? Wohin geht der Strich und woher?"

vorläufig zu unterstehen haben werden, so ist dem Blatte wohl die Thatsache aus dem Gedächtnis entschwunden, daß bereits einigemal die großen Städte alles aufgeboten haben, nicht dem Provinzialrat, sondern dem Minffter des Innern, also auch einer persönlichen statt kollegialischen Instanz unterstellt zu werden.

Berliu, 21. April. DieNordd. Allg. Ztg " schreibt: DiePoft" bespricht in ihrer Nummer 107 Die Agitatio­nen behufs Bildung eines Diätenfonds für fortschrittliche Reichstags-Abgeordnete. Sie meint, daß mit der Gewäh­rung von materiellen Vorteilen seitens der Partei eine Art von Vertretern zweiter Klasse geschaffen werde, und daß es der Würde eines Abgeordneten wenig entspreche, aus jenem Parteifonds eine Bezahlung für seine parlamenta­rische Thätigkeit anzunehmen. Wir sind vollständig hiermit einverstanden. Die Ansicht derPost" abe>-, daß die Zahlung von Diäten mit dem Worttaut der ReichSverfas- sung vereinbar sei, will uns nicht einleuchten. Artikel 32 sagt ganz allgemein:Die Mitglieder deS Reichstages dürfen als solche keine Besoldung oder Entschädigung be­ziehen." Unter den Charakter einer Entschädigung fällt eine Subvention von feiten einer Partei zweifellos, und auch der AusdruckBesoldung" ist nicht ausschließlich auf Bezüge aus der Staatskaffe anwenobar. Wir glauben, daß diejenigen Abgeordneten, welche eine solche Entschädi­gung von der Fraktion beziehen, und Diejenigen, welche sie bezahlen, sich mit der Verfassung in Widerspruch setzen, und wir wollen hier kein Urteil darüber äußern, ob sie nicht auch mit dem Strafgesetz in Kollisston geraten, so­weit dasselbe den TitelBestechung und Geschenke" in seinen verschiedenen Nüancen behandelt. Jedenfalls sind wir überzeugt, daß Die Mehrheit des Reichstages, wenn sie bei der Prüfung einer Wahl Kenntnis von einer solchen der Verfassung zuwiderlaufenden Snbventton hätte, das be­treffende Mandat als nicht gültig anerkennen würde. Auch daS Land und die gesamten Wählerschaften haben ein Recht darauf, zu wissen, daß die Volksvertreter als solche nicht im Privatsolde stehen und sich nicht in einem Mietsver- hältniffe für persönliche Leistungen zu irgend einet Geld­kraft der Partei oder Fraktion befinden. Der Begriff eines gemieteten Abgeordneten ist unserem bisherigen öffentlichen Leben fremd und wenn versucht werden sollte, ihn bei uns einzubürgern, so würde es die Pflicht aller Derer sein, welche von einer solchen pekuniären Beeinflussung eines Ab- geordnet-n Kenntnis erhalten, davon öffentlich Nachricht zu geben, damit der Name solcher unfreien Abgeordneten dem Lande bekannt werde. Die Angaben derPost" ihre Rich­tigkeit voransgesetzt, würden noch einen erschwerenden Charakter erhalten, wenn es sich bestätigen sollte, daß iin AuSlande, namentlich in England und Holland Sammlungen für den obigen Zweck unter dem Vorwande versucht wer­den, daß die antisemitische Bewegung bei der Regierung

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Ich komm eben von Italien, bin schon dreißig Tag auf der Wanderschaft."

Italien? Recht, da mußt Du mir später erzählen, unsere Marie muß auch hin, soll ein schönes Land sein und gesunde Luft. DaS Geld haben wir, Gott Lob! Sie muß gesund werden, so wahr ich der Dreibirkenbauer bin; wir wollen das schon machen. Wenn sie zurück ist, kannst Du zur Hochzeit kommen, Sepp, und Deine Ländler machen und Deine Jodler singen. Wir können was d'raufgehen lassen." Er warf den Kopf in die Höhe wie Einer, der die ganze Welt herausfordern will.

Der Citronensepp zerrte an feinem breiten Gürtel und biß sich auf die Lippen. Was ihn am meisten ärgerte, war, daß diesem Bauern kein Gedanke kam, er, der wandernde Händler, könne seinen Blick zn der reichen Tochter deS Bauernkönigs erhebm. Er erwiderte nur:Der Mensch denkt und Gott lentt."

Der Dreibirkenbauer lachte.Du bist heut spritzig, Sepp; nun es gefällt mir, wenn einer seinen eigenen Kopf hat. Wir werden ja sehen."

Laß den Sepp, Vater er ist müde" Marie drückte ihm heimlich die Hand.

Aber, Vater," begann Johannes,wo ist denn die Ev', die haben wir noch gar nicht gesehen?"

O die steht schon bei der Martha in der Küche und backt und röstet, daß es eine Art hat. Sie ist nur aus dem Wagen gesprungen und gleich ins Zeug gefahren wie eine Alte."

Sie ist also jung?" fragte Friedel.

Ein halbes Kind," war des Bauers Antwort,aber hnrttg wie ein Wiesel; die kann waö wegschaffen. Ihr müßt nicht grob gegen sie sein, ihre Mutter ist ein Gr­

und in specie bei dem Reichskanzler Unterstützung finde. Dieser Umstand erklärt einigermaßen die Beharrlichkeit, mit welcher fortschrittliche und sozialistische Redner durch künst­liche Gruppierung rein äußerlicher und zufälliger Thal- fachen den Kanzler in eine intime Verbindung mit den antisemitischen Kämpfen und Agitationen zu bringen suchen. Man erkennt bann in diesen Vorgängen eine Reklame mit Rücksicht auf die Sammlungen, die unter den Gegnern der Antisemiten für reichsfeindliche Wahlen flüssig gemacht werden sollen. Wir zweifeln nicht, daß die bevorstehenden Wahlen mehr Klarheit alö bisher in dieses Getriebe bringen werden. Bisher ist nur das allgemein konstatiert, daß die Fortschrittspartei seit dem Beginn der antisemitischen Agi­tation ungewöhnlich gut bei Kaffe ist. Nach derKreuz- Zeitung" ist der von Rußland gemachte Vorschlag einer Konserenz zur Beratung der Frage der Bekämpfung inter­nationaler Revolutionäre in einem von Rußland an die Mächte gerichteten Rundschreiben enthalten. Die russische Regierung schlägt eine Konferenz der Mächte behufs Er­greifung von Maßnahmen gegen die internationale Revo­lution vor. Man darf annchmen, daß die Besprechungen, welche einer förmlichen Note jedenfalls vorausgingen, die Geneigtheit wenigstens einer Anzahl von Regierungen kon­statierten, der Idee eines solchen Kongresses näher zu treten. Dasselbe Blatt schreibt:Die Nachricht daß von Rom aus bereits Schritte geschehen seien, um den Bischof Dr. Förster als Fürstbischof von Breslau in einer bestimmten Form zurücktreten zu laffen, erscheint nicht unbegründet, dagegen wird uns mitgeteilt, daß der Fürstbischof sich schon längere Zeit mit dem Gedanken trage, sich auf feine österreichische Diözese zurückzuziehen, sobald dies in einer annehmbaren und auch den Jntereffen der katholischen Kirche entsprechen­der Weise geschehen könne."In Der gestern stattgehabten konservativen Versammlung trat Professor Adolf Wagner mit großer Wärme für das Steuerprogramm des Reichs­kanzlers ein, für die Abschaffung Der Mietsteuer, für Ein­führung einer Börsen-, Hypotheken- und Pfandbriefsteuer, für ein strengeres Aktiengesetz, und bemerkte unter anderem noch: ferner empfiehlt es sich, gleich den Eisenbahnen auch die Pferdebahnen auf Staats- bezw. Kommunalkosten zu verwalten und das Versicherungswesen zu verstaatlichen. Die hohe Dividende der Pferdebahnen könnte den Steuer­zahlern zu Gute kommen.

vrattttschweig, 22. April. Der Herzog bewilligte anläßlich der bevorstehenden Jubelfeier 10,000 M. aus der Privatschatulle für die Stadtarmen. Der Landtag ist heute wieder zusammengetreten. Je näher die Zeit des Festes heranrückt, desto mehr entfaltet stch die Aus­schmückung der Stadt selbst in entlegenen Straßen, die weit ab von der via triumphalis liegen, nehmen die Häuser ihren Schmuck auf, und wohin das Auge blickt, treten ihm Flaggenmasten, Fahnen, Feston« und andere Decora.

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schwisterkind von meinem Vater gewesen und wenn sie sich macht soll sie nicht schlecht haben bei mir. Ich weiß nicht, ob Ihr sie Euch noch denken könnt als Kind. Ihre Mutter war drüben in Birkach, das noch in unsere Ge­meinde gehört, ein schönes und stolzes Weibsstück, ich hab nie viel von ihr wissen wollen. Der Vater der Eva ist ein Lump gewesen seiner Lebtage, aber das Kind ist groß geworden in Ehren und hat waö gelernt, so viel seh ich schon. He Martha, läute dem Gesinde!" rief er in die Küche.

Eine Glocke, mit einem Tone fast wie eine Kirchenglocke, erscholl gleich nachher auf dem Hanse, wo sie in einem sogenannten Dachreiter hing. Polternde und schlürfende Tritte tarnen von verschiedenen Seiten und Knechte und Mägve,. wohl ein Dutzend, erschienen mit einem kurzen Gruß in der Stube.

Eine Magd zog das Tischtuch und die Blechlöffel an­der Lade und bereitete den riesigen runden Tisch, der mitten in der Stube stand, zum Abendbrot.

Der Dreibirkenbauer wußte wohl, daß heute eine Schmauserei bevorstand, aber man durfte sich nicht den Anschein geben, als sei man darauf gerüstet.

Der Bauer nahm sein kleines Käppchen ab, das er immer trug, um die beginnende Glatze zu verbergen, und nun scholl ein allgemeines Gebet durch die Stube.

Die Seitenthür, die in die Küche führte, öffnete sich währenddem und die Martha erschien mit einer riesigen Suppenschüssel und stellte sie auf den Tffch. Dann wischte sie die Hände an der Schürze rein und fiel mit ihrer dünnen und schneidenden Fistel in den Chor em.

(Fottsemmg folgt.)