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Warburg, Freitag, 22. April 1881.
xvi. Jelrgeig
Krueiqen nimmt entgegen: lie Expedition b.Blattt», sowie Kannoncen-8ttteau$ von Th, Dietrich & So. in -«fiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasrnstei!! & Bögler in Frerrnrrt a- M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf yi8#e in Berlin, Stent- fntt e. Bk er.
GnMchk jfitmig.
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureaur von E. L Daube * So. in
Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselbL Heruumn'sche Buchhendl, daselbst; Jnvekideüdenk in Berlin: L- Thienes in (Kietfeb; 6. Schlotte in Bremen.
Lr'cheint täglich außer an den Werktagen nach Sorm- und Feiertagen. Preis für saS Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jlnftrirte» EsnntaaS»latt" durch die Srpedition lKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 3i Wort, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). — JnsettionSgebühr für die gespaltene Seile 10 Pfa
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Deutsches Reich.
Berlin, 20. April. Der Kaiser hat heute Vormittag die zur Teilnahme an den Hebungen eingetroffenen baieri« schen Regimentskommandeure empfangen und erteilte nachmittags dem russischen Botschafter Saburoff Audienz. — Die „Provinzialkorrespondenz" bespricht den Artikel der „Nationalzeitung", welcher die Wahrung der mitentscheidenden Stellung der Volksvertretung und die Wiederherstellung der Gleichberechtigung des Parlaments mit der Regierung, zumal im Hinblicke auf die Neuwahlen, als eine Aufgabe für alle Schattierungen des Liberalismus bezeichnet, und sagt am Schluffe ihrer Besprechung, es liege im eigenen Interesse der „Nationalliberalen, aus der Unklarheit bald herauszukommen und weder nach links zu unberechtigten Hoffnungen Anlaß zu geben, noch nach der anderen Seite hm den Eindruck zu machen, als sei ihnen das postttve Schaffen sür das Volkswohl gleichgiltig geworden. Die Nationalliberalen möchten sich auf die wahre Grundlage ihrer politischen Stellung und auf die Bedeutung besinnen, welche ihr früheres praktisches Wirken gehabt habe. — Der Kapitän zur See, Graf Monts, ist zum Kontreadmiral, die Korvettenkapitäne Heusner, Kupfer, Schering und Schröder sind zu Kapitäns zur See ernannt. — Die „Norddeutsche" plaidiert in eingehender Weife für eine Revision deS Titels 3 der Gewerbeordnung, um den vielseitigen und zunehmenden Klagen der Handwerker und kleineren Gewerbetreibenden über die großen Schädigungen, welche der Gewerbebetrieb im Umherziehen ihnen verursacht, ein Ende zu machen. — Der „Reichsanzeiger' publiziert eine Uebereinkunst zwischen Deutschland uNd Frankreich wegen Bewilligung des Armenrechtes. — Der Hilfs- arbeite*- im Finanzministerium, Abg. Eilers, welcher das letzte Berwendungsgesetz auszearbcitet, veröffentlicht, einen „Beitrag zur Geschichte der Steuerreform im Reiche und in Preußen", Herr EilerS teilt die vom 5. bis 8. August 1878 in Heidelberg gefaßten Beschlüsse der deutschen Finanzminister mit. Dieselben haben folgende Einleitung: „Die Verfammlung spricht einmütig die Ueberzeugung aus, daß das System der indirekten Besteuerung in Deutschland weiter auszubilden sei, zu dem Zwecke, um einerseits das Reich in den Besitz der zur vollen Deckung seiner Ausgaben erforderlichen eigenen Einnahmen zu setzen, und andererseits den Einzelstaaten die Möglichkeit zu gewähren, auf dem Gebiete der direkten Staats- und Gemeindebesteuerung eine Mehrbelastung ferne zu halten und gegebenen Falls die wünschenswerten Erleichterungen eintreten zu taffen." Dann folgt Die Aufzählung der Gegenstände, welchen erhöhte indirette Abgaben auferlegt werden sollten: Tabak, Bier, Kaffee, Petroleum, Thee, Südfrüchte u. dergl. Eine stärkere Heranziehung des Zuckers und des Branntweins wird in unbestimmter Weise
Der Dreibirleahos.
Roman von August Butschet (Fortsetzung.)
Ich meine nur, cs ist nicht die Krankheit allein, es hustet noch etwas anderes aus ihr und sitzt tief und heimlich in ihrer Brust." ;;
„Und was denn, Johannes?"
„Weiß ichs? — Aber ich will danach graben, daß ihr geholfen wird. Einen Span hab ich, aber den Baum muß ich erst finden."
„Nun so such, ich bin nicht so tiefsinnig. Du arteft nach Der Mutter, ich bin blos ein Bauer, der ans Tagwerk denkt und, wenn die Glocken läuten an den fernen Himmel, von dem ich nichts weiter weiß, als daß er blau und seine Sterne goldgelb sind."
„Nun so will ich öfter hinausdenken," erwiederte Johannes halb heiter, halb ernst; „denn meine Güter liegen im Mond."
Sie hatten jetzt die offene Seite des BachweiherS erreicht und sahen das Sonnengold in den Fenstern des Dreibirkenhofes blitzen.
„Sieh nur," ries Friedel, „wie der Wetterhahn funkelt, der sagt gutes Wetter an. Wenn er krähen könnte, würde er dem Vater vielleicht eine Ehre anrufen."
„Du meinst die Schulzenwahl! Jetzt ist sie vorbei.
ES kann heut noch Botschaft aus dem Dorff herauskommen. Der Dreibirkenbauer thut zwar, als ob es ihn nicht weiter scheere, aber ich kenne wohl seine Augen, er blinzelt jetzt gewiß über feinen „Goffiny" auf den Feldweg hinüber. Er kann ruhig fein, die Ehre wird ihm schon."
in Aussicht genommen. Betreffs des Branntweins heißt es: „Eine Erhöhung der Branntweinsteuer ist nur unter der Voraussetzung einer Aendermig des Steuersystems ins Auge zu fassen, welche letztere jedoch unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht angezeigt erscheint.
•* Berlin, 20. April. Dir „Germania" weiß gegen die wiederholte Richtigstellung der Angelegenheit des Herrn de Lorenzi nichts Sachliches mehr zu sagen. Sie klammert sich an den Ausdruck „Nicht-Zulassen", den doch jedermann als gleichbedeutend mit „Nicht ohne Eid bestätigen" nehmen wird. Daß die Nichtbcstätigung bei den beteiligten Personen in Trier nicht unerwartet gekommen ist, wie die „Germania" behauptet, ist vielmehr bestimmt anzunehmen. Das Blatt beruft sich wiederholt auf die „Kölnische Zeitung", welche aber offenbar aus Trier selbst durch einen Anhänger de Lorenzis getäuscht worden ist. Die Deduktionen, durch welche die „Germania" den Präsidenten von Wolff und deffen vermeintliche Ministerkandidatur jetzt in die Sache und in die Erörterung vor dem König zu ziehe»! sucht, ist höchst gezwungen. Die Ministerkandidatur des Herrn von Wolff hat, wie ich bestimmt höre, mit der ganzen Angelegenheit des Herrn de Lorenzi nicht daS mindeste zu thun; ! vieluiehr hat eö vom ersten Augenblick an innerhalb des Staatsministeriums keinem Zweifel unterliegen können, daß de Lorenzi nicht als persona grata im Sinne des Juli- gesetzeS anzusehen und daher nicht „zuzulassen" sei. — In Bezug auf die Ausstellung in Sidney, soweit solche auf die Geschäftsverbindung Deutschlands mit diesem Platze Einfluß haben wird, ist cs nicht möglich, schon jetzt ein bestimmtes Urteil abzugeben. Die vierwöchentliche Beförderung eines Segelschiffes von Hamburg nach den australischen Goldminen beweist indes, daß ein Versuch hierzu von allen Seiten energisch gemacht wurde und daß sich eine gewisse Regelmäßigkeit schon festgesetzt hat. Ein Vorurteil gegen deutsche Waren herrscht in Sidney nicht; sie brauchen nicht unter fremdem Namen, fonoern können als German manu- facture eingeführt werden. Deutsche Möbel, Pianofortes, Tuch, Eisenwaren, Draht, Farben, Bier, Spirituosen, Korbwaren, Zement und Jmvelierwaren finden als deutsche Waren guten Absatz. Tüchtige Vertreter sind beschäftigt, die Waren an den Markt zu bringen und die Bedürfnisse sind immerhin bedeutend. Es hängt nunmehr von den Lieferanten in Deutschland ab, ob ein dauerndes Geschäft erzielt werden kann, und cs liegt gar kein Hindernis vor, warum Deutschland sich nicht einen guten Anteil des Ge- । schästs sollte sichern können. Die Lieferanten müssen aber immer bedenken, daß in Sidney große Konkurrenz herrscht und der Nutzen ein kleiner ist. Durch die Schiffe der deutschen Handels- und Plantagengesellschaft der Südsce- inscln zu Hamburg ist Gelegenheit zu wohlfeiler Fracht geboten. Die Fracht von Hamburg nach Sidney kostet ctiva 25 Shilling pro Tonne. Die statistischen Berichte
„3a ja," sagte Friedel lachend, „den Bauernkönig müssen sic wählen, sonst können die Kleinhäusler kein Birckenreis auf unfern» Hof schneiden, und der Küster und Schulmeister behalten den Mund sauber von unfern Eiern und Hahnen, und ihren Fastnachtsbraten können sie nur lebendig auf unfern Wiesen herumspringen sehen."
Beide lachten herzlich über die kurze und zutreffende Schilderung, die die Macht des Reichtums und die Bücklinge in Lederhosen wahr und scharf zeichnete. Während dem zuckte auf einmal die Angelschnur, Johannes zog rasch an, und mit einem stattlichen Ruck schleuderte er eine stattliche Forelle hinaus auf den grünen Rasen. Wie ein Stück Silber durchschnitt sie die Luft und zappelte jetzt auf dem Anger.
„Endlich hat mir eine angebiffen und was für eine ?" rief Johannes freudig, indem er ans Ufer sprang und die Ungeberdige in eine Art Fäßchen steckte, das mit Waffer gefüllt im Kahne lag.
„Ein Silberfisch," lachte Friedel, „aber noch lang keine Gundel! Kannst sie heut Abend der Eva auftischen zum Grüß Gott. Ha ha, wer wird auch Eva heißen?"
„Eva? Ja so die neue Hausgenossm, die der Vater verschrieben hat aus der Stadt, weil die alte Martha nicht mehr so recht der Haushaltung nachkommt."
„Oder weil sie alles mit der Zunge fertig machen will," ergänzte Friedel. „Ja ja, will sehen, was das für ein Weibsstück ist. Wenn sie nur Halbweg sauber ist, kann sic bei der Gundel zweite Brautjunser werden, sie ist ja noch weitschichtig mit uns verwandt."
„Sie kommt also auö her Statt? Was thut sie in der Stadt?" fragte Johannes.
„Sie hat Manieren gelernt, wie studierte Seute sagen;
für 1881 werden ohne Zweifel bereits eine bedeutende Einfuhr aus Deutschland aufweisen können. — Unter dem Titel „Zentralblatt der Bauverwaltung" ist zur Entlastung und Ergänzung der „Zeitschrift für das Bauwesen" ein weiteres technisches Journal vom Minister der öffentlichen Arbeiten begründet, welches seit dem 1. April wöchentlich erscheint. Dasselbe besteht aus einem amtlichen und einem nichtamtlichen Teile und bringt neben wichtigen auf die Bauverwaltung bezüglichen Erlassen, sowie neben den Nachrichten über Personal - Veränderungen Abhandlungen über bemerkenswerte Bauausführungen jeder Art, sowie sonstige Mitteilungen von Bedeutung aus allen Gebieten der Bautechnik.
Braunschweig, 20. April. DaS „Braunschweiger Tageblatt" schreibt offiziös: „Von den zahlreichen angeblich bevorstehenden Abmachungen über die braunschweigische Thronfolge und ähnliches betreffenden Gerüchten, mit denen in den letzten Tagen die in- und ausländische Presse angefüllt war, ist, wie wir auf gründ eingezogener Erkundigungen versichern können, kein einziges thatsächlich begründet. Weder von einer Adoption, noch von einer dcmnächstigen Abdankung des Herzogs, noch auch von der Designierung eines Regenten nach Maßgabe des Regentschaftsgesetzes, noch endlich auch von dem nahen Abschlüsse einer Militär-Konvention weiß man bis jetzt etwas an denjenigen Stellen, die füglich von derartigen Absichten und Plänen, wenn sie beftänben, Kenntnis haben müßten."
Stuttgart, 17. April. Die Vorarbeiten zu unserer LandeS-GewerbeauSstellung halten schon seit Wochen alle beteiligten Kreise in Atem und es darf angenommen werden, daß die Ausstellung, welche etwa in der britten Woche des Mai — der Tag ist noch nicht festgestellt — von dem König in Person eröffnet wird, am Eröffnungstage fix und fettig dastehen wird. Die Vorläuferin der LandeS- GewerbeauSstellung, eine Frühjahrs-Gartenbauausstellung wird nach achttägiger Dauer morgen geschloffen. Sie hat einen glänzenden Verlauf genommen, und der Zuspruch, dessen sie sich aus dem ganzen Lande zu erfreuen hatte, war ein über alle Erwartung bedeutender. Möge dieser schöne Erfolg eine gute Vorbedeutung für da» Gelingen der Haupt-Ausstellung fein, obgleich man wohl gut thun wird, die Erwartungen in Beziehung auf den Besuch derselben nicht gar zu hoch zu spannen. Haben wir doch in Süddeutschland dieses Jahr auf dem Gebiete der Expositionen einen wahren embarras de richesse. In Frankfurt a. M. eine Patentausstellung, in Verbindung mit einer Ausstellung balneologischcr Erzeugnisse; in Karlsruhe eine vielversprechende Altertumsausstellung, die manche» schöne und gute Stück mittelalterlichen Kunst- und Gewerbe- flcißcs, das im Familienbesitze sich befindet, an die Oeffent- lichkeit ziehen wird; in Nürnberg wird eine Gewerbe-Ausstellung sein und endlich bie unsrige in Stuttgart. Es ist aber sie hat Drum schwer arbeiten müssen. Will sehen wa- das für Manieren ;finb."
„Aber brauchen können wir sie schon zu ber kranken Marie unb zu dem alten Nachtschatten, unserer Martha."
Jetzt stieß ber Kahn am Landungsplätze an, der, einfach genug, nur mit einem Pflock bezeichnet war, um den die Kette gelegt wurde. Der Nachen fuhr knirschend mit dem Vorderteil auf den feinen Sand, bie Kette raffelte an bas Ufer und bie Söhne des Dreibirkenbauers fliegen aus, indem Friedel den Fischbottig wie eine Botanifierbüchfe umhängte.
Aus einmal legte Johannes bie Hand über die Augen.
„Schau, wer kommt denn dort?" rief er. „Der muß eine Goldfpinne auf dem Rücken tragen, oder er hat Sonnenstrahlen aufgeschnallt.
„Ich kann es noch nicht erkennen," erwiedette Friedel, der auch neugierig stehen geblieben war. Eine fremde Erscheinung rief stets auf dem Einödhofe großes Aussehen hervor, denn die Tage krochen so einförmig dahin.
Links vom Bachweiher war ein Mann aus dem Walde hervorgctteten, durch den ein Weg in bie Stadt unb auch bie Nachbarhöfe führte. Ein äfenbeS Reh verfchwanb mit anmutigem Satz im Walde, unb das grüne Gebüsch schwankte und zitterte noch eine Zeit lang nach.
Wirklich spielten die Sonnenstrahlen auf einem noch unerkennbaren etwas, das ber Wanoerer auf einem Packe aufgeschnallt trug unb das über seinem Kopse hervorragte unb wie Demant blitzte. Als er näher kam, schienen die Strahlen auch zu schwingen unb zu klingen wie eine Aeolsharfe.
„O, ber Citronenscpp!" rief Friebel.
„Heisa, der Citronensepp!" gab Johannes wie ein Echo