Nr. 89
Markurg, Freitag, 15. April >881.
XVI.
Snsetgen nimmt entgegen. He Expedition d.lvlatte», sowie d.Annoncen-Hureauk von LH, Dietrich & Co. in Jtcffel nnb Hannover; LH Dietrich in ffrankftirt a.M.; öealenftein & Bögler in Zrarckfurt «- M., Berlin, Zk^zig, Lktn iu; Rudolf Moste in Berlin, Kran?-
OhtthtsW liritiiiig.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatt ei sowie d Annoncen-Buretmr von G- 8- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst-; H-rmc>nu"-che BuchhE. dr.;etbst: Invnttdrrck'zgS b Berlin; W. L-ierus b Mberfeld: l. Lchlotte in
Bremen-
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Eine «vversävgliche Berfaffuugsäuderuug.
Vor den großen grundlegenden Reformen, welche in den letzten Wochen den Reichstag beschäftigten, ist daS Interesse an dem Entwurf, welcher eine Aenderung der Verfassung behufs einer anderweitigen praktischen Gestaltung des parlamentarischen Lebens vorschlägt, etwas in den Hintergrund getreten. UeberdieS haben die Vorverhandlungen über den Ecitwurf im Hause selbst wie in der hierfür eingesetzten Kommission eine Richtung eingeschlagen, ivelche es als wünschenswert erscheinen läßt, daß angesichts der nach den Osterferien erfolgenden weiteren Beratungen Zweck und Bedeutung der Vorlage in das rechte Licht gestellt und von der falschen Auffassung entkleidet werden, welche ihr unter dem Einfluß der parlamentarischen Behandlung zu teil geworden ist.
Die Vorlage will in erster Linie die Einführung zweijähriger Budgetperioden, also die Aufstellung und Beratung deS Etats für einen Zeitraum von je zwei Jahren. Dieser Vorschlag hatte weiter keinen anderen Ursprung als die praktische Erwägung, daß daS Zusammentreffen, das unmittelbare Aufeinanderfolgen und die vornehmlich durch die Etatsberatung verursachte monatelange Dauer von Reichstags- und Landtagssessionen zu großen Unzuträglich- keiten und zu einer Aufreibung und Verschwendung von Kräften sowohl von seiten der Mitglieder parlammtarischer Versammlungen wie von seiten der Regierungen des Reichs und der Einzelstaaten führt. Der Vorschlag der vierjährigen Legislaturperiode und der mindestens alle zwei Jahre stattfindenden Berufung des Reichstags war nur die weitere Folge deS Vorschlags der zweijährigen Budgetperiode, welche den eigentlichen Schwerpunkt der Vorlage bildet. Gestützt auf die Erfahrung in mehreren deutschen Staaten, glaubten die verbündeten Regierungen in diesem Vorschlag einen annehmbaren Ausweg aus den mancherlei Schwierigkeiten zu erblicken, deren Vorhandensein von keiner Seite in Abrede gestellt werden kann. Sie hatten dabei im Auge, daß die Einteilung der parlamentarischen Geschäfte, lediglich int Interesse derselben, sich dergestalt herausbilden werde, daß in dem einen Jahre der Reichstag, in dem anderen Jahre immer die Landtage ihre Sitzungen halten können, ohne je wieder einander zu beeinträchtigen, eine Einrichtung, welche allerdings neu, aber dem Wesen eines Bundesstaates, in welchem die Einzelstaaten eben fortbestehen, völlig entsprechend sein würde.
Die Vorschläge der verbündeten Regierungen haben nun im Reichstag eine Beurteilung erfahren, welche die Frage der Zweckmäßigkeit fast ganz in den Hintergrund stellte und dafür sich allein an völlig abseits liegende, von unbegründetem Mißtrauen zeugende hochpolitische Bedenken hielt. Dagegen hat in der Kommission ein völlig veränderter Antrag Annahme gefunden, welcher eine wirklich wesentliche
Frcsta.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Autorifirte Uebersetzung.) (Schluß.
Ich setzte mich nieder und ging froh auf alle ihre künftigen Pläne ein. Sie hatte beschlossen, zu bleiben, wo sie war, bis die Scheidung ausgesprochen, dann wollte sie ihren Namen ändern, ein kleines Haus irgendwo mieten, wo sie nicht bekannt war und das Leben neu beginnen.
„Werden Sie mich manchmal besuchen, Freda?" fragte sie zweifelnd. „Ich weiß, ich sollte Sie gar nicht darum fragen; aber Sie sind so gut gegen mich gewesen, daß ich glaube, Sie werden sich nicht ganz mir abwenden, nicht wahr?"
„Das werde ich gewiß nicht, Clara!" antwortete ich und teilte ihr bann mit, daß ich Mr. Thistlebys Frau werden würde.
„Wirklich? — Sie werden wirklich Mr. Thistleby heiraten? Ich habe nie an mehr als eine Liebelei geglaubt. Nun, ich freue mich, Sie verdienen sicher glücklich zu werden und ich glaube, daß Sie es verdienen, liebe Freda."
So kam es, daß meine alte Feindin meine Freundin ward.
Einen oder zwei Tage später verkündete mir ein Telegramm die Ankunft Bellas zu Seacliff; sie forderte mich auf, ohne Verweilen zu ihr zu kommen.
Man kann sich denken, mit welcher Freude meine kleine liebe Freundin mich wieder an ihr warmes Herz schloß. Und nach all dem Kummer, dem Elend und der Angst des vergangenen Jahres über all' das Erlebte zu sprechen und glückliche Träume für die sonnige Zukunft zu spinnen — wie köstlich. Ich wurde nicht müde, in dem Hause auf und
Verfassungsänderung, nämlich eine Beeinträchtigung der verfassungsmäßigen Rechte der Krone enthält und schon deshalb für die Krone schwerlich annehmbar ist.
Der hauptsächlichste Einwand gegen die Vorlage bestand darin, daß dieselbe „den einheitlichen Gedanken, für welchen der Reichstag eines der wesentlichsten Organe ist, gefährde und antaste", daß man „das Organ, welches vor allem berufen ist, den einheitlichen Gedanken zu wahren und zu pflegen, mit jener Vorlage, anstatt zu befestigen, erschüttere", und daß man „den Reichstag aus einem gleichmäßigen Faktor der Gesetzgebung zu einem untergeordneten" mache.
Angriffe auf die verfassungsmäßige Stellung wie nationale Bedeutung des Reichstags haben den verbündeten Regierungen selbstverständlich durchaus ferngelegen und liegen ihnen fern. Aber auch die Annahme, baß die Wirkung der Vorlage, wenn auch nicht beabsichtigt, sich nach jener Richtung hin äußern werde, erscheint als eine durchaus unbegründete und ohne irgendwelche innere Berechtigung.
Der Vorwurf der Beeinträchtigung der verfaffungs- mäßigen Stellung des Reichstags entstammt einer völlig schiefen, allerdings von manchen Seiten mit Vorliebe genährten Auffaffung von einem natürlichen Gegensatz zwischen Regierung und Volksvertretung, als ob beide nur dazu da wären, einander zu Übervorteilen. Jedenfalls sind solche Absichten und Auffassungen den verbündeten Regierungen völlig fremd, sie glauben vielmehr gerade das Interesse der Volksvertretung, für welches sie gleichfalls zu sorgen berechtigt und verpflichtet sind, zu fördern, wenn sie Vorschläge machen, welche die Wirkung haben müssen, die Abneigung und die Mißgunst, denen das parlamentarische Leben durch ein zu rechtliches Maß desselben ausgesetzt ist, zu verringern und zu beseitigen.
Es ist eine völlig thörichte Besorgnis, daß durch die zweijährige Budgetperiode die Macht des Parlaments herabgebrückt werde, denn das Parlament hat auch außerdem Wege, wirkliche Mißstände der Verwaltung zur Sprache zu bringen; dazu aber ist nicht eine monatelange Beratung des ganzen Budgets erforderlich.
Was aber den Einwand anbetrifft, daß der einheitliche nationale Gedanke durch die zweijährige Budgelperiode gefährdet werde, so ist zwar der Versuch gemacht worden, hierfür den Reichskanzler selbst als unanfechtbaren Zeugen hinzustellen, aber nicht mit Glück. Es wurde auf die Denkschrift verwiesen, in welcher das preußische Staats- Ministerium im Jahre 1863 zum erstenmal die Absichten einer verfassungsmäßigen Neugestaltung Deutsch! in es entwickelte, und worin der Ministerpräsident, der jetzige Reichskanzler, als das wesentliche Bindeglied für die Gesamtheit Deutschlands die „Vertretung der deutschen Nation" b - zeichnete. Aber hieran ändert sich nicht das Geringste, wenn die zweijährige Budgetperiode eingeführt wird. Der
ab zu tanzen — in den kleinen viereckigen Garten und die Stufen hinunter und zu der Stelle zu laufen, wo ich skizzierend an dem Tage gesessen hatte, den Mark und ich gezwungen zusammen verbrachten, zu der Stelle, wo er mich damals fand uns dann statt Frieden, Freundschaft mit mir geschlossen hatte.
Es schien mir, als sei erst ein Tag seit diesem nie zu vergessenden Tage verflossen und ich war so glücklich, daß Mark jetzt mir gehören und nichts ihn wieder von mir trennen sollte. Wie Bella uns ich plauderten und wie wir alles durchgingen, das wird jeder, der die Gewohnheiten und die Art zweier intimer Freundinnen kennt, sich selbst sagen können.
„Sollte man es für möglich halten," rief Bella, nachdem wir unö wieder eingelebt hatten und mit unserer Arbeit in der Hand zusammensaßen, — zum zwanzigstenmale, denn darüber konnte sie sich gar nicht beruhigen, — „sollte man es für möglich halten, daß dieser abscheuliche Mark die ganze Zeit verheiratet war, ohne daß ich eine Ahnung davon hatte und Pläne machte, dich mit ihm zu verheiraten! Es ist schrecklich, wenn ich an die Gefahr denke, in der ich war! ich hätte wegen einer Verleitung zur Doppelehe schön an- kvmmen können!"
„Nun Bella," erwiderte ich lachend, „ich hoffe, das wird dir eine Lehre sein, nie mehr den Versuch zu machen, eine Heirat zu stiften."
„Im Gegenteil, meine Pläne haben sich gerade in deinem Falle als so außerordentlich erfolgreich erwiesen, daß ich ermuntert bin, mein ganzes Leben in dieser Richtung weiter zu wirken!"
„Denke an das Unglück, welches du hättest anrichten können!" sagte ich weise.
Reichskanzler hat seine Absichten von der einheitlichen Vertretung, welche mit „entsprechenderen Attributionen" auszustatten sei, als dies damals von anderer Seite beabsichtigt wurde, zur Ausführung gebracht, und gewiß ist der Reichskanzler auch heute noch der treueste Wächter der nationalen Einheit, wie auch ein durchaus berufener Richter über die Bedingungen zur Anfrechterhattung und Festigung derselben. Weder aber hat er damals die einjährige Budgetperiode und jährliche Berufung des Reichstags für ein Erfordernis dieser Einheit gehalten, noch wird nan ihm gutrauen können, daß er, der Begründer dieser Einheit, jetzt gegen diese Einheit und ihr wesentliches Organ einen vernichtenden Schlag führen wolle.
Dem Kanzler liegt auch heute noch gerade so wie damals, wo er noch unverstanden war, das Wohl des großen deutschen Gemeinwesens am Herzen, und lediglich diesem Interesse uno dem Wunsche, die Einrichtungen lebensfähig und dauernd zu machen, entspringt der Vorschlag, die störenden Schwierigkeiten zu beseitigen, welche auf die Entwickelung des parlamentarischen Lebens im Reich und auf fein Verhältnis zu den Gliedern von nachteiligem Einfluß sein müssen. (Prov.-Corresp)
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LestscheS Reich
Berlin, 13. April. Der Kaiser empfing heute Nachmittag um 1 Uhr die Äfrikareisenden Nachtigal und Lenz. Letzterer ist bereits gestern vom Kronprinzenpaar empfangen worden. — Der „Prov.-Corresp." zufolge ist die Abreise des Kaisers nach Wiesbaden auf den 23. April in Aussicht genommen; der dortige Aufenthalt werde voraussichtlich bis in das Drittel deS Mai dauern, worauf in Berlin und in dessen Umgegend militärische Vorstellungen und Hebungen stattfinden würden. — Die „Post" meldet: Prinz Wilhelm wird sich zur Teilnahme an den Vermählungsfeierlichkeiten deS Kronprinzen von Oesterreich nach Wim begeben; seine Gemahlin dürfte ihn begleiten. — Bezüglich der Nichtzahlung des für das Bistum Trier gewählten Bistumsverwefers sagt die „Prov.-Corresp.", der Vorgang beweise, daß die Regierung bereit sei, da, wo dies durch ein entsprechendes Entgegenkommen möglich gemacht werde, für die Interessen der katholischen Mitbürger zu sorgen, daß die Regierung aber bei dieser Fürsorge auch die Interessen des Staates iu keiner Weise preiszugeben gesonnen fei.
** Bcrlttt, 13. April. Die neuen Gesetze in bezug auf die Verwaltungsreform sind bekanntlich am 1. April ins Leben getreten und die betreffenden Ernennungen bezw. Zurdisjpositionsstellungen zu diesem Termin erfolgt. Alle Präsidenten, welche bisher an der Spitze von Regierungen standen, werden Chef-Präsidenten im Sinne des bezüglichen neuen Gesetzes, d. h. mit der selbstständige» Verwaltung des Bezirks betraut. Von den Vizepräsidenten der sechs
„Und du an daS Gute, das ich erreicht habe!" replizierte sie aufspringend und mich entzückt küssend. „Ich frage dich, hätte irgend etwas besser werden können? Ihr habt euch beide lieb, seid verlobt und bald verheiratet; ist das nicht alles, was man wünschen kann? Die arme kleine Frau, die er verloren hat, ist gerade zu rechter Zeit gestorben!"
„Wie leichtfertig du sprichst, Bella! Wenn du Ellinor gekannt hättest —"
„Es wäre ganz absurd, wenn du um das arme Frauchen betrübt sein wolltest, da ihr Tod ja doch dein Glück geschaffen bat! Uebrigens, — du bekamst heute Morgen ja von Miß Barbara Fairfax einen Brief? Was sagt sie zu deiner Heirat mit Mark?"
„O, sie denkt nicht böse darüber," antwortete ich, und holte Miß Barbaras Brief aus meiner Tasche. „Ich bin frob, daß ich ihr alles mitgeteilt habe; es war gewiß richtiger, ganz offen gegen sie zu sein. Sie beglückwünscht mich in sehr freundlicher Weise uno sagt, sie wünsche nicht, daß wir die Hochzeit auö Rücksicht für ihre Gefühle lange hinaus schieben. Es ist sehr gütig von ihr, sich so auszusprechen, aber Mark und ich, wir stimmen beide darin überein, noch än Jahr zu warten. Sie schreibt mir auch, daß sie Kaneton- L>quars für längere Zeit vorteilhaft vermietet hat, und daß sie zu ihrem verwittweten Bruder ziehen wird, um dessen Haushalt zu leiten. Da wird sie ein tfcätigeS und nützliches Leben haben und ich bin sehr froh, daß sich das in dieser Weise arrangiert hat. Ihr Bries ist so liebevoll — ich bin sicher, daß sie mich sehr gern hat."
„Das ist nicht mehr als in der Ordnung," entgegnete Bella ihren Kopf mit Entschiedenheit emporrichtend, „du hast dich sehr gut gegen sie benommen; und sie war eine einfältige alte Person, ihre Schwester jahrelang vor Mark