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Rr. 88.

Jliatßurg, Donnerstag, 14. April 1881.

XVL Ja)rgaig

Anzeigen mmmt entgegen: Mt Expedition d.lklattes, fowie d.Ännoncen-öllrumr von Th. Dietrich & 6o. in Reffe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aM; Laaseuste'n L Vogler in RtadfEri s- SL, Serli», Leipzig. Sein tt.; Rudolf in Lrrlis, Iraui- fert e. M »

GttlMchk jfitiiiig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annoncen-Bureauk von ®. L. Daude & So. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; HerWanEche Bvchhandl. da-riest; Irwalidendank in Berlrn; W ThieneS in Werfrld; 8. Schlotte in Bremen.

Md- m der Sxpedrtton zu ettheilende Auskunft und Annahme von AdMen Bn 25 Ag berechnet 8 W " ä<*Ie 16 W'

Deutsche» Reich.

» Berlin, 12. April. Beim Bundesrat ist jetzt von dem Ausschuß für Handel und Verkehr beantragt worden, dem Entwürfe einer Verordnung, betreffend die Errichtung eines deutschen Volkswirtschaftsrats in der von dem Aus­schuß aufgestellten Fassung seine Zustimmung zu erteilen. Der ursprüngliche Entwurf wollte 125 Mitglieder; diese Zahl erhöht der Ausschuß auf 135, indem jedem einzelnen Bundesstaate nündestens 1 Vertreter zugewiesen wird, wäh­rend der Entwurf mehrere kleine Staaten zusammenfasse. Für die einzelnen Sektionen wollte der Entwurf 24 Mit­glieder, die Ausschußfassung 27. Außerdem ist nur noch an einer Stelle statt der BezeichnungBundesregierung" die richtigereLandesregierung" gesetzt. Ungeachtet der wiederholt gegebenen Erklärung, daß die Gerüchte über eine außerordentliche Landtagssession keine positive Grund­lage haben, kehren dieselben immer wieder. Neuerdings wird behauptet, das sog. Verwendungsgesetz werde im preu­ßischen Finanzministerium umgearbeitet und solle in der Nachsesston vorgelegt werden. Auch diese Mitteilung ent- spricht den Thatsachen nicht. Es mag sein, daß da« Ver- wendungsgesetz einer Ueberarbeitung unterzogen wird, jeden­falls aber nur zu dem Zweck, um es in der nächsten or­dentlichen Session des Landtags vorzulegen. Es haben, wie ich wiederhole, überhaupt keine Erwägungen über eine Nachsession stattgefunden. Wiederholt begegnet man der Mitteilung, daß die Beratungen über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Oesterreich-Ungarn sich derart ge­stalten, daß alle Aussicht auf ein Zustandekommen jedes Vertrages geschwunden sei und nur wieder das bestehende Provisorium auf ein Jahr verlängert werben könne. Nach meinen Informationen ist das Bestreben, ein vertragsmä­ßiges Verhältnis herbeizuführen, keineswegs so aussichtslos. Jedenfalls sind die Verhandlungen bisher noch nicht in ein solches Stadium getreten, daß mit Sicherheit nach der einen oder der anderen Seite Angaben gemacht werden können. Nach der Rückkehr der Herren Bazant und Matlekovits aus Wien, die heute Abend erfolgen dürfte, werden die Beratungen wohl demnächst wieder ausgenommen werden. Die mit allerhöchster Genehmigung zuletzt im Jahre 1876 berufene, aus Beamten der Gestüteverwaltung, des Kriegs- minifteriums, der Ober - Marstallverwaltung, aus Mit­gliedern des Landes - Oekonomiekollegiums, der landwirt­schaftlichen Zentral- und Provinzial-, sowie der hippologischen Vereine und aus einzelnen auf dem Gebiete der Pferdezucht als Sachverständige anerkannten Autoritäten geblldete En­quetekommission zur Förderung der Landespferdezuchl wird am 2. Mai d. I. auf Anordnung des landwirtschaftlichen Ministers wiederum zusammentreten, um einzelne der För­derung der Landespferdezucht dienliche Aufgaben und ver­schiedene dem Gestütsbctriebe angehörige Berbesierungsvor-

Srest«.

Roman von Hmily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte (Übersetzung.) (Fortsetzung.)

Sie verließen ihn?'

Ja. Fragen Sie mich nicht wamm. Ich lief davon. Sie sehen so entsetzt aus, Kind; das ist nichts so Unge­wöhnliches!" und sie lachte schrill und herb.

O MrS. Featherstone! Und und?"

Und nun erwarte ich die Scheidung, oder richtiger ge­sagt, Mr. Featherstone erwartet sie. Das macht mir reinen Unterschied mehr; etwas anderes als Entbehrungen habe ich doch nicht zu erwarten."

Aber wird Ihr Gatte nichl Erbarmen haben? Wenn Sie bereuen, würde er Sie nicht wieder aufnehmen?"

Mr. Featherstone! Du lieber Himmel, nein! Er ist nur zu froh, mich los zu sein!" Und wieder lachte sie in derselben wilden, verbitterten Weise.

Ich schwieg einige Augenblicke, da ich nicht wußte, was ich ihr sagen sollte. Hätte ich ein schlechtes, oder selbst nur ein streng gerechtes Herz gehabt, so würde ich gedacht haben: diese Frau, die mich einst so beschimpft, empfängt nur die chr gebührende Strafe ihrer bösen Thaten und üblen Worte. Ich glaube niemand würde mich tadeln, hätte ich ihr ge- sagt, daß sie von mir, der sie in den Tagen der Not weder Mitleid noch Hülfe gewährte, solche auch nicht erwarten könne? Ich muß jedoch eine zu weichherzige Person und frei von jedem Rachegefühl sein, denn über meine Lippen kam kein Wort der Art; ich folgte nur meiner Empfindung des Mitleids und reichte ihr meine Hand.

Aber sie wendete sich von mir ab und verbarg ihr Gesicht.

schläge zu begutachten. Die Sitzungen dieser Kommission dürften bis c. 4. Mai dauern. Im Jahre 1876 hatte die­selbe bekanntlich Beschlüsse gefaßt, die nicht unerheblich dazu beigetragen haben, in der Gestüteverwaltung wesentliche Ver­änderungen eintreten zu lassen, nämlich die Trennung der Landgestüte von den Hauptgestüten und die Vermehrung der Zahl der Landgestüte.

»erlitt, 12. April. Zur Richtigstellung der an die Reichstagsdebatten von 30. und 31. März, geknüpften Versionen teilt vieNordd. Allg. Ztg." aus zuverlässiger Onelle mit, daß die Audienz des Abgeordneten Stumm bei dem Arbeitsminister am 9. November v. I. stattfand, während das Stummsche Verbot desNeunkirchener Tage­blatts" vom 1. Novbr. datiert. Nach einem Beschlusfe der Minister der Landwirtschaft und des Innern hat in dem § 46 des Fischereigesetzes vom 30. Mai 1874 eine bestimmte, zur Wahrung der gesamten fischereipolizeilichen Aufsichtsbefugnisie zuständige Behörde nicht bezeichnet wer­den sollen; vielmehr ist im Sinne dieses Paragraphen jedesmal diejenige erstinstanzliche Behörde als Aufsichtsbe­hörde anzusehen, welche hierzu nach dem ihr im allge­meinen durch die Gesetze zugewiesenen Kreise von Zustän­digkeiten berufen erscheint. Dazu wird auf ein Erkenntnis des Oberverwaltungsgerichts Bezug genommen, wonach die in dem Fischereigesetze der Aufsichtsbehörde zugewiesenen Anzeigebescheinigungen im Geltungsbereiche der Kreisordnung den Amtsvorstehern zufallen, während andererseits die im Gesetze vorbehaltenen Genehmigungen und Entscheidungen im wesentlichen nicht in das Gebiet der polizeilichen, son­dern in das der communalen Aufsicht fallen und daher nicht von dem Amtsvorsteher, sondern von der Communal- Aussichtsbehörde zu erteilen sind. Die Ernennung des jetzigen Zaren zum Ehrenchef des Kaiser Alexander-Garde- Grenadier-Regiment Nr. 3 hatte bei der Errichtung des letzteren im Jahre 1814 den Zaren Alexander 1, den Großoheim des jetzigen, zum Chef, dessen Namen es erhielt. Nach Alexanders Tode im Jahre 1825 verordnete König Friedrich Wilhelm III., daß das Regimentfür ewige Zeiten" den Namen Alexanders beibchalte. Dasselbe war mit dem zweiten Garde-Grenadier-Regiment Kaiser Franz der Fall, das gleichfalls 1814 Franz I. von Oesterreich zum Chef und besten Namen erhielt, und es folgte 1835 dieselbe Anordnung betreff« der Namensbeibehaltung. Kaiser Franz Josef ist jetzt gleichfalls dessen Ehrenchef. Unter der Regierung Friedrich Wilhelms III. hatte übrigens fein österreichischer Prinz ein preußisches Regiment und nicht einmal dem Kaiser Ferdinand wurde ein solches zu teil.

Der deutsche Chirurgeu-Kougreß wurde am 9. ge- geschlosteu. Ueber die letzte Sitzung entnehmen wir der Post" folgendes: Herr Geh. Rat v. Langenbeck, eröffnete auch die Schlußsitzung, aus welcher wir, soweit es die

O Freda?" sagte sie,ich wußte, daß Sie nachsichtig gegen mich sein würden, obgleich ich Ihre Güte nicht ver­diene, da ich alles that, was ich konnte, um Ihnen zu schaden. Und ist es nicht eigentümlich, daß Sie gerade die Einzige in der Welt sind, die mir helfen kann? Sie werden sich nicht weigern, mir zu helfen, nicht wahr, Freda?"

Gewiß werde ich helfen, wenn ich kann," antwortete ich;aber wie? Was kann ich Ihnen nützen? Weshalb wenden Sie sich nicht an Ihren Bruder?"

Das ist es eben, Freda. Mein Bruder kann mir helfen, aber er thut es Ihretwegen nicht."

Meinetwegen?"

Ja- Ich schrieb ihm und sagte, wie ich dem Ver­hungern nahe fei, und das bin ich. Ich habe alles ver­kaufen muffen, was ich besaß ein Stück nach dem anderen, buchstäblich, um nicht zu verhungern. Ich bat George, mir aus seinem Ueberfluß nur ein kleines Ein­kommen nur zweihundert Pfund jährlich zu ge­währen; damit hätte ich ein kleines Haus auf dem Lande mieten und für einen Frauen-Verein, den ich oft mit unter­stützte, und der mir jetzt sicher Beschäftigung gegeben hätte, Arbeiten fertigen können. So hätte ich leben können. Ich glaubte nicht, daß mir George eine so geringfügige Bitte abschlagen de; aber lesen Sie diesen Brief:

Sie zog ein Billct aus der Tasche und reichte es mir. Ich öffnete e« und laS:

Clara,

Ich weiß nicht, wie Du Mitleid erwarten kannst, welches Du anderen nie erzeigt hast. Du hast schwer gefehlt, aber da« hätte ich Dir verzeihen können. Was ich Dir jeooch nie verzeihen kann, ist Dein Verhalten gegen baS verlorene Kino meines besten Freundes

Vorträge anlangt, nur anführen die interestanten Mit­teilungen des Herrn Dr. Trendelenburg aus Rostock über Exartikulation im Hüftgelenke und über einen Fall von Hernea properitonealis es wurde in diesem Falle einem Menschen eine Geschwulst von 57Pfo. fortgeschnitten, während der überlebende Teil nur noch 65 Pfd. wog, der Mensch also ziemlich halbiert war sowie die Beobach­tungen des Herrn Direktors Dr. Merkel bei Größen- meffungen. Der letztgenannte Redner hat bei Messungen, die er an sich selbst vornahm, bemerkt, daß er morgen« im Bette liegend, 5 Cm. ganze fünf Zentimeter großer war, als abends stehend. Ein gut Teil dieser Differenz kommt schon auf Konto der Einsenkungen, welche die Gelenke erfahren in dem Augenblicke, wenn der Körper sich aufrichtet und das Gewicht der oberen Körperteile auf die unteren drückt. Bei dm Kniegelenken hat Merkel der­artige Einsenkungen bemertt, die eine Größendifferenz von 2 Mm. verursachten; im Fußgelenk und im Hüftgelenk betrug sie sogar je 1 Cm. Den Schluß der Sitzung bildete der Bericht über den Kastenbefund. Die von Profestor v. Langenbeck abgegebene Erklärung über das Resultat der Konkurrenz um den von Ihrer Majestät der Kaiserin ausgesetzten Preis von 3000 Mark für die beste Arbeit über DiphteritiS ging dahin, daß von den einge­laufenen Arbeiten zwar neun zur engeren Wahl gestellt feien, allein keiner der Preis zugesprochen worden, weil alle neun wohl eine umfassende und vortreffliche Bearbeitung der Diphteritisfrage darböten jedoch keine wesentliche För­derung der Wissenschaft, wenig neue Aufklärungen über ras eigentliche Wesen der DiphteritiS brächten, somit den Intentionen der hohen Preisspendcrin nicht entsprechen. Demgemäß ist ein neuer Termin für diese Preis-Konkurrenz bis zum 1. März 1882 gesetzt werden.

DerReichsbvte" berichtet, daß am RegierungS- lubilaum des Herzogs von Braunschweig auf Wunsch der Königin von England und unseres Kronprinzen der Herzog von Cumberland zum regierenden Herzog von Braunschweig ernannt werden soll. DieKrmzzeitung" schreibt dazu: Der Besuch des Großherzogs von Baden in Braunschweig wird mit allerlei Zukunftsplänen für das bisherige Herzogtum und mit der Absicht zusammengebracht, dasselbe zu einem Großherzogtum zu erheben. Wir halten alle Gerüchte, welche eine feindliche Richtung gegen Preußen voraussetzen, schon deshalb für irrtümlich, weil sich der Großherzog von Baden in diesem Falle sicher nicht zum Träger der ver­meintlichen Mission hergegiben hätte. In dem Falle also, daß jene Gerüchte überhaupt eine Unterlage haben, glauben auch wir voraussetzen zu müssen, daß es sich vielmehr um Einleitung eines Arrangements handelt, durch welche» auch Braunschweig künftighin vornehmlich eine bnndeöfrcundliche Stellung einnehmen würde. Nur in solchem Falle könnten wir auch die Erhebung desselben zum Großherzogtum für

arme Tochter. Du hast sie mir verdächtigt und mich verhindert, ihr eine Stütze zu sein. Ich habe feit dem herausgefunden, daß Deine Geschichte gegen sie nur eine Kette von Fälschungen war mit einem schwachen Anflug von Wahrheit. Allein, freundlos und arm ist die arme Freda in die Welt hinausgetrieben worden. Ich würde sie nicht gegen ihren Willen geheiratet haben. Aber wärst Du nicht gewesen, hätte ich ihr den verlorenen Vater ersetzen können. Dir allein habe ich ihren Verlust und vielleicht das Verderben des einzigen Kindes meines alten Freundes beizumeffen. Das kann ich Dir nie ver­geben und Dir deßhalb auch in keiner Weise helfen.

x ,, G. Curtius."

Unter blendenden Thränen beendete ich das Lesen dieses Briefes, dann steckte ich ihn in meine Tasche.

«Lasten Sie mir diesen Brief, Clara, ich will ihn be­antworten; und wenn ich von Mr. Curttus höre, werde ich wieder zu Ihnen kommen."

Ich stand auf, küßte sie und verließ sie.

32. Capttel.

Wieder in Seacliff.

Ich schrieb an George CurttuS. Ich erinnere mich nicht wehr ganz genau was, aber ich weiß, daß ich ihm sagte er fei der beste und gütigste aller Männer und stets werde' Dankbarkeit und Zuneigung mein Herz für ihn erfüllen. Sein Brief, der so hart gegen seine Schwester war und meiner so liebevoll gedachte, hatte mich eigentümlich gerührt. Er betrauerte mich wie ein Freund, er sehnte sich nach dem Kinde seines Freundes, nach dem Mädchen, das er in feine väterliche Obhut zu nehmen wünschte, statt sie ganz zu ver­lieren. Wie wenig hatte ich fein edles Herz geschätzt