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Nr. SS.

«Marburg, Sonntag, 10. April 1881.

xvi. Ja|rgtig

fl «eigen nimmt «mgegen; Mt Expedition d.vlatteS, sowie d-Üunoncen-Bureaux von LH, Dietrich & So. in -affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt <uM.; Hänfenstem L Bögler in ?rauifurt e- M., Berlin, Leipzig, Lölv ir_; Rudolf Masse in Berlin, Fraui- fxrt a. M re.

AklWschk jfitniiii

Anzeigen nimmt' entgegen dir Expedition d. Blatte» sowie d-Aunoncen-Bmeauk

von ®. 2. Daube t So. in

Frauifutt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermanu'sche vuchhandl. daselbst; Jnvalideudaui Berlin; 8b. Thiene» in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

___________________________________________Iür m bei Sxpedrtwn zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf,, berechnet-

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Die Sxped. tz. Oberh. Zettaag.

Deutsches Sketch.

Berlin, 8. April. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Domkapitel zu Trier ist auf die Anzeige von der er­folgten Wahl des Bistumsverwesers durch den Ober­präsidenten der Rheinprovinz im Auftrage des StaatSmini- strriums die Mitteilung zugegangen, daß sich die StaatS- regierung nicht in der Lage befinde, den Gewählten als Kapitularvikar der Diözese Trier zuzulasien. Wenn die Staatsregierung im Gegensätze zu den Fällen in Pader­born und Osnabrück für den in Trier gewählten Bistums­verweser die Entbindung von der eidlichen Verpflichtung nicht konnte eintreten lasien, so werde der Grund dafür nur darin liegen, daß die Regierung in dem bisherigen Verhalten und Auftreten des Gewählten nicht die Bürg­schaft für die Führung deS Bischofsamtes in versöhnlichem und friedliebendem Sinne finden könne, welche der Artikel 2 des Gesetzes vom 14. Juli 1880 zur Voraussetzung hat. Die Staatsregierung werde sich jedoch durch diesen Zwischenfall nicht beirren lassen, ihrerseits die Fürsorge für die katholischen Mitbürger auch weiterhin überall da zu bethätigen, wo ihr dies durch entsprechendes Entgegen­kommen ermöglicht werde. DieNationalzeitung" meldet unter aller Reserve, seitens des Reichskanzlers würde die Einleitung zu Verhandlungen auf gründ des Antrages Windthorst derart erfolgen, daß eine Revision der bestehenden und der Abschluß neuer Auslieferungsver­träge unter Berücksichtigung des bekannten Reichstagsbe­schlusses angeregt werden. Der Präsident der Akademie Hitzig empfing zur Feier seines 70. Geburtstages zahl­reiche Glückwünsche und eine reich ausgestattete Adresse von Berliner Künstlern. Es darf jetzt, wie dieRat.- Ztg." meint, als ziemlich sicher gelten, daß Kaiser Alexan­der III. in der dritten Maiwoche am hiesigen Hofe ein­trifft und wie seine Vorgänger den militärischen Hebungen beiwohnt, welche um diese Zeit stattzufinden pflegen. Nach dem genannten Blatt verlautet, der Zar habe unserem Kronprinzen bei seiner letzten Anwesenheit in Petersburg seinen Besuch in Aussicht gestellt und der außerordentliche Botschafter Fürst Suworow, hätte dem Kaiser vorgestern

Freva.

Roman von Emily Cameron. Deutsch von August Frenzel. (Autorisitte Uebersetzung.) Fortsetzung.)

Endlich kam daS Ende. Es war Abend, die Fenster standen weit offen und große Büschel von gelben und rosen­roten Rosen blickten von den Wänden draußen in das Sterbezimmer, in dem wir versammelt waren. Mark und Miß Barbara saßen je an einer Seite des Bettes und ich in einiger Entfernung an dem Fenster. Plötzlich rief sie mich bei Namen.

Freda!"

Ich stand eilig auf und ging zu ihr.

Freda, erinnern Sie sich des Kutschers", fragte sie mit klarer Stimme,der sich so schlecht gegen mich benahm, als Sie mich damals in London trafen erinnern Sie sich seiner?"

Ich weiß nicht recht, Liebe; ich glaube"

Würden Sie ihn wieder erkennen, wenn Sie ihm be­gegneten?"

Ja wahrscheinlich", antwortete ich langsam und sann darüber nach, was sie meinte.

Dann sagen Sie chm", sagte sie fieberhaft,daß ich chm Böses wünschte, da ich noch gesund war, daß ich ihm aber nun vergebe, nun, da ich im Sterben bin."

Wir suchten sie zu beruhigen und sie schwieg, dann sprach sie nach einer Pause wieder.

Sagte ich Ihnen nicht, daß wir nie wieder zusammen auf der Haide spazieren gehen würden, Freda? Das Ende kommt. Barbara gib mir deine Hand. Mark, mein lieber Mark küsse mich."

ein Handschreiben seines Souveräns überbracht, worin die Zusage des Besuchs erneuert worden ist. Man will wissen, der neue Zar wolle sich von hier direkt nach Wien begeben.

* Berlin, 8. April. In einem Spezialfalle war die Frage zur Erörterung gelangt, ob Anordnungen über die Zwangsvollstreckung in da« unbewegliche Vermögen insbesondere Anträge auf Subhastatiou oder Sequestration von Grundstücken behufs Beitreibung der im Verwaltungs­streitverfahren entstandenen Kosten und baren Auslagen zur Zeit einer Genehmigung überhaupt noch bedürfen und von wem eventuell diese Genehmigung zu erteilen ist. Der Minister der Finanzen und der des Jnnnern haben in einer gemeinschaftlichen Verfügung diese Frage dahin ent­schieden, daß Anträge auf Zwangsvollstreckungen der ge­dachten Art der Genehmigung des BezirksverwaltungSge- richts bezw. des Oberverwaltungsgerichts als der vorge­setzten Behörden bedürfen. Behufs Herbeiführung eines gleich­mäßigen Verfahrens bei der Entscheidung derartiger Anträge soll im Sinne bet Bestimmung des § 29 des Ausführungs­gesetzes zum Deutschen Gerichlskostengesetze verfahren wer­den, nach welcher eine Zwangsversteigerung von Gegen­ständen des unbeweglichen Vermögens wegen einer Kosten­forderung nur gegen denjenigen zulässig ist, welcher das mit einem Pfandrechte für die Kostenforderung belastete Grundstück durch Vertrag unter Lebenden erworben hat und weder Descendent noch Ehegatte eines Descenbenten des ersten Schuldners ist. Es ist vom Evangelischen Oberkirchenrat beschlossen worden, die Provinzial-Synoden künfttg in der Regel im Herbste einzuberusen und man nimmt an, daß dieser Termin schon auf die Provinzial- Synoden im gegenwärtigen Jahre Anwendung finden wird. Die diesjährigen Kreissynoden sollen im Laufe des Juni abgehalten werden. Nach Berichten aus dem Rheingau haben in den tiefer gelegenen und flachen Wein­bergsdistrikten die weicheren Traubensorten von dem Frost gelitten. Es ist bereits festgestellt, daß der Schaden ein erheblicher fein wird. Während im Winter 1879/80 das junge Holz erfroren war, haben diesmal nur die Trag­augen gelitten, und es bleibt nur die Möglichkeit, daß die nicht erfrorenen sogenannten Notaugen bei sehr günstiger und namentlich recht warmer Witterung noch einen Trieb, wahrscheinlich aber meistens nut einem Holzttieb bringen. Der entstandene Verlust an Tragangen wird geschätzt: für die Gemarkung Rüdesheim im Berg kaum Verlust, in anderen Lagen Rieslingreben 18 bis 33 pCt., Oesterreicher 36 pCt.; für die Gemarkung Eibingen Riesling 46 dis 60 pCt., Oesterreicher 76 bis 86 pCt., für die Gemarkung Geisenheim Distrikt Rothenburg Riesling 10 bis 36 pCt., in anderen Lagen Riesling 24 bis 76 pCt., Oesterreim 40 bis 90 pCt. Gemarkung Oestrich Riesling 20 dis 60 pEt., Oesterreicher 66 bis 73 pCt., Gemarkung Hallgarten Riesling 43 bis 65 pCt.

Sie erhob ihr Antlitz zu dem seinen und in diesem Abschiedskuß schied Ellinors sanfte Seele verzechend und versöhnt aus dem Leben.

31. Capitel.

Böses mit Gutem belochnt.

Ich war zurückgekehrt zu Tante Selina am Ruffel- Square. Onkel Carr saß hinter mir, knurrte über irgend einen Mangel des Mittagessens am Tage zuvor und nannte dann und wann einige seiner LieblingSgerichte. Taute Selina rauschte im Seicenkleide und in rosa Hauben­bändern geschäftig durch das Zimmer und ich |ianb an meinem alten Platze am Fenster und sah hinaus nach den Anlagen auf bem Square. Abgesehen von ber Thatsache, daß seine verkrüppelten Bäume und Gebüsche jetzt nicht kahl, fonbern dick mit staubigem Laub bedeckt waren, hätte die Zeit in Kaneton - Squars auch sehr gut nicht gewesen und ich immer noch das trauernde, freudenlose Mädchen sein können, welches vordem die schmutzigen Straßen von London müde durchwanderte, um jenes harte und schwere Los zu finden: Beschäftigung für ein armes Mädchen guter Familie. Wirklich, cs war mitunter schwer, sich klar zu machen, das Vergangene sei nicht all' ein Traum ge­wesen !

Aber an meiner linken Hand, da war der glitzernde SDtamantring, den mein Geliebter mir an b en Finger gesteckt, ms. wir schieben, um mir bie frohe Bestäti gung all meines Glücks zu geben. Mark hatte England ve> .'lassen, um Bella zurückzuholen; war aus vielen ©rünbeir. besser, daß wir für einige Zeit getrennt waren. Sie wollte, mit ihm zurück kommen und ich sollte dann entweder zu ihr nach London oder Seacliff kommen; inzwischen befand izh mich bei Tante Selina.

Hamburg, 7. April. Der Präsident der Bürgerschaft Hachmann, hat sein Präsidium niedetgelegt. In dem be­züglichen Schreiben an den Vicepräscs heißt es: Nachdem mir in Hebeteinstimmung mit mehreren Mitgliedern der Bürgerschaft durch Berichte in der Presse bestätigt worden ist, daß Herr Walkhoff sich während der gestrigen Sitzung in der Thal auf eine so unzulässige, bad Gefühl eines je­den Deutschen verletzenben Weise geäußert hat, wie bieS von einem späteren Redner hervorgehoben worden ist, muß ich bei der mit zur Last fallenden, durch die Unruhe in der Versammlung allerdings wohl zu erklärenden, aber nicht zu entschuldigenden Nichtbeachtung solcher Worte und bei der mein eigenes Gefühl schwer belastenden Unterlassung deS Ordnungsrufes auf dieselben eS für meine Pflicht halten, der Bürgerschaft das von mir in einem wichtigen Augenblicke ungenügend verwaltete Veitrauensamt zurück­zugeben. Ich ersuche Sie deshalb mein Gesuch um Ent­lassung aus dem Amte des Präsidenten der Bürgerschaft, das ich hiermit zu Ihren Händen stelle, zur Kenntnis der Versammlung zu bringen und bezüglich desselben das Er­forderliche zu veranlassen, auch von heute ab die Präsidial- geschäste provisorisch zu führen. Oberkonsistorialrat Wichern ist gestorben.

AvSlaod.

Wie», 8. April. Der außerordentliche Botschafter Rußlands Graf Schuwaloff ist gestern hier eingetroffen und in der kaiserlichen Hofburg abgestiegen, derselbe wird heute vom Kaiser mit großem Cercmoniell empfangen, um die Thronbesteigung des Kaisers Alexander III. zu notifi­zieren ; sodann besucht Graf Schuwaloff den Minister von Haymerle. Das Herrenhaus nahm bei Fortsetzung der Schuldebatte in namentlicher Abstimmung mit 77 gegen 32 Stimmen den bekannten Majoritätsantrag an; sodann wurde das Gesetz, die Bedeckung des Defizits betreffend, ohne Debatten angenommen. Der Unterrichtsminister be­stritt, daß man die Schule schädigen und die Schulpflicht abkürzen wolle. Mau wolle das gleiche Lehrziel nur inner­halb kürzerer Zeit erreichen. Die Frage sei weder politischer noch staatsrechtlicher, sondern nur wirtschaftlicher Natur; bie Lösung derselben solle verhindern, daß die Kinder vom Familienoberhaupte zur Beschaffung des Lebensunterhalts herangezogen würden; die Regierung habe keinen Grund dem, Majoritätsantrage entgegenzuttettn, da derselbe nur eine Kodifikation der bisherigen administrativen Verfügungen der Regierung sei; der Minister bittet das Haus jenen Weg zu wählen, von welchem es glaube, daß er am sichersten zum Ziele führe.

Ptst, 8. April. Der Vertrag betreffend die Conver- tierung der sechsprocentigen Ungarischen Goldrente in eine vierprocentige, ist heute durch den Finanzmiliister und das Consortium Rothschild-Creditanstalt unterfertigt worden.

«Soll ich es glauben, Freda," sagte bie Tante zu mir, indem sie plötzlich in ber Aufgabe einhielt, bie Stühle im Zimmer in ihre stereotypen Ecken zu rückenwirklich glauben, baß bu jetzt verlobt bist, um nun wirklich zu hei­raten?"

Ja, Tante; ich denke, daran kann kein Zweifel fein, antwortete ich lächelnd.

Nun, ich bin erfreut, dies zu hören, obgleich bu mich darin wohl etwas früher hältest zu Rat ziehen können, da ich stets wie eine zweite Mutter an dir gehandelt habe, meine Liebe. Ich fühlte mich natürlich etwas verletzt, baß du mir über Uesen diesen Kapitän Thistleton, so sagtest bu ja wohl? nichts gesagt hast."

Thistleby, Tante," antwortete ich, indem ich mit Lachen die mütterliche Liebe der guten Frau zu mir überging. Ich kannte sie so gut meine liebe Tante I Da mir wieder bessere Tage und Glück zu lächeln schienen, so that es auch MrS. Carr. Sie war schon freundlich und sympathiesierend und erwartete nur die Details über Aussichten und die Mtttel meines zukünftigen Gatten, um ihre Liebe wachsen zu lassen und mich vielleicht sogar mit Entzücken zu überschütten, je nach dem meine Zukunft erschien.

Ich konnte dir früher nichts darüber sagen, Tante, eS hat sich das erst jetzt gefügt; und selbst jetzt wünschen wir, daß nicht darüber gesprochen wird."

Nun gut, Kind, aber teile mir alles darüber mit. Komm und setze dich." Sie zog mich auf ein Sopha an ihre Seite nieder, ergriff meine Hand und klopfte sie dabei in liebevoller Weise.

(Sortfeeuno folgt.)