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Skr. 82

jflfltfilirg, Donnerstag, 7. April 1881.

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Deutsche« Reich.

Berliu, 5. April Der außerordentliche russische Bot­schafter Fürst Suwarow trifft morgen früh 6 Uhr 10 Min. aus Petersburg hier ein und wird in der russischen Bot­schaft absteigen. Nachmittags 1 Uhr wird derselbe am königlichen Palais seine feierliche Auffahrt halten, um als­dann in besonderer Audienz dem Kaiser die Thronbesteigung des Kaisers Alexander III. von Rußland anzuzeigen. Aus derselben Veranlassung wird der Fürst hierauf auch von der Kaiserin empfangen werden. Das Schöffengericht verhandelte heute vie CementdiebstahlSaffaire gegen Wolpa- schek und den früheren Bezirksvorsteher Dollfuß hier. Das Gericht sprach Wolpaschek frei, verurtellte dagegen Dollfuß wegen Verleitung zum Diebstahl zu 8 Tagen Gefängnis. (Dollfuß hatte die mit städtischen Arbeiten beschäftigten Leute beredet, ihm eine kleine Quantität von dem der Stadt gehörigen Cement ins Haus zu bringen.) Die Fort­schrittspartei hat bereits für eine große Zahl von Wahl­kreisen ihre Kandidaten aufgestellt. ES dürste gut sein, daß auch die Konservativen in den einzelnen Wahlkreisen stch bald über die geeigneten Kandidaten schlüssig machen. DasBerliner Tageblatt" weiß zu melden, daß die deutsch­konservative Partei für die bevorstehende Reichstagswahl in einem Berliner Wahlkreise den Wirklichen Geheimen Ober-Regierungs-Rat a. D. Wagencr aufzustellen gedenke. Diese Nachricht ist erfunden. In fortschrittlichen Blättern begegnen wir einer Verherrlichung des Abg. Bamberger hinsichtlich seiner Rede über das Arbetter-Unfallverstcherungs- Gesetz und namentlich bezüglich seiner gegen den Fürsten Reichskanzler gerichteten Vorwürfe. Es wird da besonders betont, wie glücklich gewählt der Ausspruch Bambergers gewesen sei, daß Fürst Bismarck sich durch das Unfall-Ver­sicherungs-Gesetz mit den Lehren der Wissenschaft in Wider­spruch setze. Auch wir betrachten von unserem konservativen Standpunkte auS diesen Einwand des sezeffionistischen Ab­geordneten als sehr glücklich gewählt, da er aller Welt am besten zu beweisen vermag, daß der Abg. Bamberger noch immer in unhaltbaren Theorieen befangen und noch immer

Fred».

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Uebersetzung.) ! Fortsetzung.)

Er schwieg und hielt mir seine Hand hin; jene starke, sonnengebräunte Hand, von der ich einst gemeint hatte, daß ich sie wohl ergreifen und festhalten möchte, wenn ich einmal in Not sein würde. War ich nicht in der Not, allein in der Welt und ein armes Mädchen?

Freda, haben Sie mir nichts zu sagen?"

O Mark," stammelte ich,wenn Ihre Frau noch lebte."

So ist sie es gesetzlich nicht mehr", erwiderte er.

Aber doch vor Gott."

Freda, welche Skrupel!" rief er, erregt aufstehend. Wahrlich, das ist Thorheit 1 Wahrscheinlich sicher ist sie tot"

Da öffnete stch die Thüre neben mir, und mit dem Schreisie lebt!" stürzt Ellinor, mit flatternden Haaren, im Vorwärtsschreiten durch die offene Thür jählings zu Boden.

Die Stimme hatte ste geweckt, nach der ste stch so oft gesehnt.

Großer Gott," rief Mark entsetzt,wer ist das?"

Ich sprang auf, so lange ich lebe, glaube ich, werde ich nie den Schrecken dieses Augenblicks vergessen. Fast mit Heftigkeit drängte Mark mich bei Seile und beugte sich über die leblose Ellinor.Es ist Nelly; möge Gott mir vergeben, ich habe sie getötet."

Auch ich glaubte, daß sie tot sei. Ihr Antlitz war fahl,

nicht dazu gelangt ist, den Erfahrungen der Praxis Rech­nung zu tragen. Das Verdienst des Fürsten Bismarck be­züglich der neuesten Gesetzvorlagen beruht ja gerade der Hauptsache nach darin, daß er prakttsche Politik treibt und den so lange maßgebend gewesenen und zu haltlosen Zu­ständen uns geführten liberalen Theorieen den Rücken zu­gewandt hat. Die liberale Presse nimmt dem Anträge Windthorst gegenüber eine eigentümliche Stellung ein. Während die, bezüglich des in einigen Staaten bisher unge­schmälert gewährten Asylrechtes, ergriffene Initiative des deutschen Reichstages in allen wahrhaft civilisterten Staaten mit dankbarer Anerkennung begrüßt wird, sucht unsere deutsche liberale Presse, wenigstens jene, welche der Fort­schrittspartei am nächsten steht, aus den ihr verwandten französischen und englischen Blättern jene Urteile zu­sammen, welche stch absprechend über den erwähnten An­trag äußern und tischt diese absprechenden Urteile ihren Lesern als das maßgebende Urteil des Auslandes auf. Dieser Vorgang ist so bezeichnend, daß wir wohl einer besonderen Charakterisierung desselben überhoben sind. Jedenfalls aber wird man sich denselben in allen jenen Kreiseu zu merken haben, wo man für Frieden, Eintracht und Wohlfahrt des Volkes noch Sinn und Herz besitzt. Nur die radicalste Gesinnung kann den Fürstenmord zu politischen Verbrechen zählen und ihn entschuldigen. Jeder. Mord ist ein gemeines Verbrechen und, wie der Abg. Dr. Windthorst am Montag sehr richtig und scharf hervorhob, unter keinen Umständen zu entschuldigen. Es ist aus­gefallen, daß die fortschrittlichen Abgeordneten Eugen Richter (Hagen), Dr. Virchow und Wöllmer bei der am Montag stattgehabten Abstimmung über den Windthorst- schen Antrag gegen denselben erklärten und hat dies in einigen Kreisen um so mehr von sich reden gemacht, als der fortschrittliche Abg. Eugen Richter bekanntlich zu den Antragstellern gehörte. Wenn man die der Abstimmung vorausgehende, etwas verworrene Rede des Abg. Dr. Hänel mit dem Verhalten der drei genannten Abgeordneten seiner politischen Partei vergleicht, so dürfte man zu der richtigen Schlußfolgerung gelangen, daß die Fortschritts- Partei überhaupt dem erwähnten Anträge von Anfang an sehr abgeneigt war Md lediglich aus politischen Gründen sich später an demselben beteiligte. Um Mißverständnissen vorzubeugen so erklärte der sozialdemokratische Abge­ordnete Kaiser namens seiner Parteigenoffen enthielten sich die Sozialdemokraten der Abstimmung. Es wird gut sein, um Mißverständnisse zu verhüten, nochmals zu kon­statieren, daß die Führer des Berliner Fortschrittsrings, die Abg. Eugen Richter und Dr. Virchow gegen den An­trag, welcher sich mit der besonderen Bestrafung des Fürstenmordes beschäftigt, gestimmt haben.

* Berlin, 5. April. Es ist gestern bereits darauf hingewiese» worden, daß mit dem 1. April das Gesetz vom

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ihre Augen waren starr und schreckhaft, ihr dunkles Haar hing gelöst um ihre bleichen Wangen und den dünnen weißen Hals und ihre Hände hatte sie verzweifelt in ein­ander gepreßt, wie eine, die um Barmherzigkeit fleht.

Sie ist tot!" rief ich verzweifelt.

Um Himmels Willen, helfen Sie mir, sie aufheben!" Wir hoben Sie auf das Sopha. Als wir dies thaten, trat einer dunkler Blutstrom über ihre bleichen Lippen. Ich rief nach den Dienerinnen.

Mark küßte Elltnors abgemagerte blaffe Hand, die an ihrer Seite herabhing.

Sie sollen ste nicht berühren", sagte ich böse, und stieß ihn zurück.Sie haben ste hintergangen und ver- laffen; sie aber hat Sie ihr ganzes Leben lang geliebt. Ich erlaube Ihnen nicht, an sie heran zu treten.

Dann kamen Vickers und einige Andere und wir trugen sie immer noch bewußtlos, ja, wie ich dachte, tot hinauf in ihr Zimmer, über die breite eichene Treppe und durch die niedrigen Gänge in ihr kleines Zimmer, welches Miß Barbaras gütige Hand zu einem frischen und hübschen Nestchen gestaltet hatte. Und wir legten sie auf ihr Bett, von dem sie sich nie mehr erheben sollte.

Infolge der stärkenden Mittel, welche Vickers und ich sogleich anwendeten, k.hrte ihre Seele mit einem tiefen, zitternden Seufzer noch einmal auf kurze Zeit in dieses Leben zurück.

Sic müssen Miß Barbara telegraphieren", flüsterte VickerS und ich schlich mich hinaus und sendete Thompson nach Kaneton ab. Als ich zurückkehrte, stand Mark im Corridor, düster an die Wand gelehnt. Als er mich sah, kam er rasch auf mich zu.

Vie meinen doch nicht, was Sie vorhin fagten", sagte

19. März d. I., betreffend die Abänderung von Bestim­mungen der ^eiSordnung, in Kraft getreten ist. Von der bisherigen Kreisordnung, bezw. den dieselbe abändernden und ergänzenden Vorschriften des ZuständigkeitSgesetzes vom 26. Juli 1876 unterscheidet sich die neue Fassung, abge­sehen von denjenigen Vorschriften, welche lediglich redaktio­nelle Aenderungen enthalten oder den Zweck verfolgen, ge- wiffe bei der praktischen Anwendung der bisherigen Be­stimmungen hervorgetretene Zweifel und Lücken zu beseitigen, der Hauptsache nach in Folgendem. Die bisherige Zu­ständigkeit der Verwaltungsgerichte in Angelegenheiten der Festsetzung der Dienstunkostenentschädigung der Gemeinde­vorsteher, der Remuneration oder Besoldung der stellver­tretenden Gutsvorsteher oder sonstiger Gemeindebeamten, der vorläufigen Festsetzung bei vorkommenden Defekten und der Streitigkeiten über die Erteilung der Decharge in be­stimmten Fällen ist beseitigt. Diese Angelegenheiten werden fortan im Beschlußverfahren erledigt. Demzufolge greift, soweit nicht die bezüglichen Beschlüsse des KreiSauSschuffeS durch das Gesetz ausdrücklich als endgiltig bezeichnet werden, lediglich die Bestimmung de« § 55 des Gesetzes über die Organisation der allgemeinen Landesverwaltung vom 26. Juli 1880 P(atz, wonach gegen Beschlüsse des KreiSauS- schuffes die Beschwerde an den Bezirksrat stattfindet und die auf Beschwerden gefaßten Beschlüsse des letzteren end­giltig sind. Die Beschwerde an den Bezirksrat findet fortan auch gegen gewiffe in dem Gesetze präzisierte Beschlüsse des KreiSauSschuffeS statt. Die Frist zur Anbringung der Beschwerde, des Einspruchs, der Klage, des Antrags auf mündliche Verhandlung im Verwaltungsstreitverfahren ist einheitlich auf zwei Wochen bestimmt, dagegen die Frist, innerhalb bereit Beschwerden und Einsprüche, betreffend da« Recht zur Mitbenutzung der öffentlichen Einrichtungen und Anstalten des Kreises oder des AmtSverbandeS, sowie die Heranziehung oder Veranlagung zu den Kreisabgaben u. s. w. auf zwei Monate. Die Zuständigkeit der Verwal­tungsgerichte in Betreff der Streitigkesten über die Heran­ziehung zu den Kreis- und Amtsabgaben sowie in Wege­angelegenheiten ist auf gewisse Fälle ausgedehnt, in denen bisher der ordentliche Rechtsweg zulässig war.

Chemnitz, 31. März. Die hiesigen Jndustrieverhält- niffe ließen stch im verflossenen Vierteljahre recht günstig an. Fast sämtliche Fabriken sind flott beschäftigt. Mit voller Arbeitszeit und teilweise sogar mit Ueberstunden arbeiten die Maschinenfabriken von Hartmann (meist für das Ausland), Schönherr (hat jüngst den 19 000. Web­stuhl zur Bahn gebracht), Zimmermann, Sondermann u. Stier, Schwalbe, die WerkzeugmaschinenfabrikUnion", die Chemnitzer Aktienfärberei Körner und die Werkzeugmaschinen- FabrikVulkan". Besonders erwähnenswert ist auch die Werkzeugmaschinen-FabrikVulkan". Zum ersten Male ist es derselben möglich gewesen, in dem ganzen Geschäft«- er bittend,Sie könnm nicht glauben, daß ich in Wirklich­keit die Arme getäuscht und verlassen habe!"

Aus dem Ton seiner Stimme sprach aber mehr Besorg­nis um mich, als um sie.

Ich weiß nicht, es ist alles so verwirrmd", sagte ich niedergeschlagen und mit der Hand über meine schmerzende Stirne streichend.Miß Barbara behauptete stetsj, sie sei zu einer Scheinehe von Ihnen verführt worden."

Ist das glaublich, Freda?" Sie wissen nur zu wohl, wie froh ich gewesen sein würde, wäre ich im Stande ge­wesen, mir das auch zu sagen. Sie roiffen, daß diese fatale Heirat allein zwischen mir "upb meines Herzens liebsten Wünschen stanb!"

Ja, das ist wahr," gab ich zu;aber so gut Sie mich gefunden haben, hätten Sie Ihr Weib auch ftnben könnm Es war ihre Pflicht, Sie ausfindig zu machens; und da Sie dieses Haus so sehr beobachteten, konnte es Ihnen doch auch nicht unbekannt bleiben,, wer diejenigen warm, welche hier lebten."

Wie konnte ich das wissen", rief er mit Ungeduld; wie konnte ich in beiben Miß Fairbanks, von betten ich hörte, daß Sie chre Hausgenossinnen feien, Nelly Fairfax und ihre Schwester, die ich vor Jahren gekannt hatte, ver­muten. Ich sah Nelly heute zum erstm Male wieder und sie hatten Ihren Namen geändert! Mein Ehrenwort Freda, daß ich nicht entfernt ahnte, wer diejenigen warm, unter deren Dach Sie lebten!"

ES thut mir leib", sagte ich,wenn ich ungerecht gegen Sie gewesen bin; aber ach! ich bin so sehr un­glücklich."

Meine Fassung verließ mich und ich brach in Thränm au«.Zu beulen", rief ich,baß ich die ganze Zett bei