Rr. 78.
Marburg, Sonnabend, 2. April 1881.
XVI. Zshrgmg
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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
** Berlin, 31. März. Mit Bezugnahme auf die den Ausschüssen des Bundesrats für das Landheer und die Festungen und für Rechnungswesen zugegangenen Liquidationen der preußischen Militärverwaltung und der Verwaltung der Eisenbahnen in Elsaß - Lothringen haben die Ausschüsse beantragt, der Bundesrat wolle vorbehaltlich der Erinnerungen, welche sich bei der dem Rechnungshöfe obliegenden Prüfung ergeben, die als gemeinsame KriegSkostcn liquidierten Beträge, nämlich die Ausgaben, welche die Militärverwaltung für das Etatsjahr 1879/80 verrechnet hat, auf 241369,69 M. und die von der Eisenbahnverwaltung für Elsah-Lothringen für dieselbe Zeit verrechneten Ausgaben auf 4 516,64 M., zusammen 245 886,13 M., welche als gemeinsame Kosten des Krieges gegen Frankreich aus der Kriegskosten - Entschädigung zu ersetzen sind, fest- stellcn. — Dem Bundesrat ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für die Reichseisenbahnen in Elsaß - Lothringen zur Beschlußnahme vorgelcgt worden. Durch dieses Gesetz soll der Reichskanzler ermächtigt werden, behufs Erwerbung der Bahnen von Saargemünd nach Saarburg, von Courcelles über Bolchen nach Jnterssen, sowie von Chateau - Salins und Vic nach der Grenze bei Chambrey für das Reich zu unbeschränktem Eigentum den Betrag von 9 885 864 M., zur Abtragung des aus dem Vertrage zwischen dem Reich und der Stadt Münster vom 12. Dezember 1871, betr. die Erwerbung der Eisenbahn von Colmar nach Münster, noch bestehenden Kaufgeldrestes den Betrag von 1 422 800 M , und behufs vergleichsweiser Abfindung der französischen Ostbahn - Gesellschaft für die Aufgabe ihrer Eigenlumsansprüche auf die von der Reichseisenbahn-Verwaltung in Besitz genommenen, außerhalb der Bahnanlagen belegenen Grundstücke und Gebäude den Betrag von 100 000 M., im ganzen 11408 664 Mark; ferner das zweite Geleise zwischen den Bahnhöfen Saargemünd und Saaralbcn auszubauen, die dazu erforderlichen Grundstücke, nötigenfalls auf dem Wege der Zwangsenteignung in den von der Laudesgesetzgebung vorgeschriebcnen
Fred«.
Roman von Emily Cameron- Deutsch von August Frenzel.
(Autoristrte U-bersetzung.)
(Fortsetzung.)
Ich durfte in Miß Barbaras Abwesenheit am allerwenigsten eine Ungehörigkeit dulden und trat ihr daher am Thore entgegen, um sie zur Rede zu stellen. Als sie mich sah, erschrack sie, aber auf meine Frage, mit wem sie dort verkehrt habe, da sie doch wiffe, daß Miß Barbara keinen Verkehr der Mädchen dulde, antwortete sie trotzig, der Mann sei Schäfer des Löwenwirts in Kaneton und ihr Vetter; er habe hier oben seine Hürde, gehe morgen nach Kaneton und habe sie deshalb gefragt, ob sie einen Auftrag vorhin habe. Das sei alle».
Ihr Trotz und ihre Lüge ärgerten mich. War der Bursche ihr Detter, so waren seine verwandtschaftlichen Empfindungen für sie — wie ich gesehen hatte — doch sehr zärtliche; sein Umherstreifen und Gelegenheitsuchen in der Nähe des Hauses ließ aber zugleich darauf schließen, daß er zu minder günstiger Jahreszeit von Elisabeth auch wohl Quartier im Hause bekommen haben mochte.
„Ich bin jetzt überzeugt," sagte ich geradezu, „das Gespenst in der Gerätekammer und Ihr Vetter, Elisabeth, stehen in engstem Zusammenhänge zu einander. Ich kann Miß Barbara das nicht verschweigen."
Sie errötete heftig und trat, da wir in die Nähe des Hauses gekommen waren, ohne eine Wort zu erwidern, in eine Scitenthüre.
Zur Krankenpflege nahm ich sie nicht mehr; ich behielt Vickers.
Formen, zu erwerben und dazu den Betrag von 1077 000 M. zu verwenden. Der Reichskanzler soll befugt sein, die Mittel zur Deckung des Gesamterfvrdernisses im Betrage von 12 485 664 M. im Wege des Kredits durch eine Anleihe flüssig zu machen und Schatzanweisungen auszugeben. Beigegeben ist dem Entwurf eine ausführliche, die Forderungen begründende Denkschrift. — Die in verschiedenen Zeitungen gemachten Angaben über die bisherigen Resultate der Verhandlungen zwischen der deutschen und der österreichisch-ungarischen Regierung über einen Handelsvertrag entbehren der Zuverlässigkeit oder sind mindestens verfrüht. Rach meiner Information lassen sich über Resultate in betreff des zehnjährigen zollfreien Appreturverkehrs, der Eisenbahnfrage, der Aufhebung der Grenzsperre, welche letztere nicht in Aussicht genommen zu sein scheint, durchaus keine Angaben machen, da Momente nicht vorliegen, durch welche solche Angaben berechtigt wären.
Berlin, 31. März. In der heutigen anderweiten Besprechung der Reichstagsabgeordneten über die Frage der Sprenggeschosse, welcher Graf Stolberg präsidierte, einigte man sich über den vom Abgeordneten Windthorst cinge- brachten Antrag, den Reichskanzler zu ersuchen, auf eine Vereinbarung mit den Regierungen der anderen Staaten hinzuwirken, wodurch jeder der Vereinbarung beitrelende Staat verpflichtet ist, 1) den Mord oder den Mordversuch gegen das Staatsoberhaupt, auch wenn es zum Begehen des Verbrechens nicht kam, 2) die öffentliche Aufforderung dazu — sowohl den eigenen Staatsangehörigen, wie den im Staatsgebiete sich aufhaltenden Fremden gegenüber mit Strafe zu bedrohen und 3) die im Staatsgebiete sich aufhaltenden Ausländer, welche den Mord oder den Mordversuch begangen haben, der Regierung des HcimatsstaateS auf dessen Verlangen auszuliefern. Der Antrag wird sofort dem Reichstage zugehen. Graf Wilhelm Bismarck hatte einen weitergehenden, die Handlungen zur Vorbereitung des Mordes betreffenden Antrag gestellt. Beseler hatte beantragt, den Reichskanzler zu ersuchen, daß im Wege internationaler Vereinbarung festgestellt werde, daß der zu politischen Zwecken unternommene Mord als gemeines Verbrechen behandelt werde. Schwarze hatte den Beselerschcn Antrag dahin erweitert, daß der Mord, sowie die Verabredung und öffentliche Aufforderung dazu als gemeine Verbrechen zu behandeln seien. — Der „Reichsanzeiger" publiziert die Ernennung Buschs zum Unterstaatssekretär deS Auswärtigen Amtes. — Die Generalmajors v. Unger, v. Thiele, v. Klöden, v. Meerscheidl-Hülleffem v. Böhn, v. Lucadou, v Nachtigall, v. Heuduck, v. d. Osten und Wiebe find zu Generallieutenants, die Obersten v. d. Gröben, Zedelius, Bechstatt, v. Conring, v. d. Decken, v. Reibnitz. v. Gslieu und v. Sceckt sind zu Generalmajors ernannt worden. — Die erfolgte Auflösung einer von der Fortschrittspartei am letzten Mittwoch einberufenen Wähler-
Die Nacht verging, unsere Kranke lag so vollkommen ruhig und bewegungslos da, daß wir glaubten, sie sei am Sterben.
Am anderen Tage kam zu .meiner unaussprechlichen Erleichterung Miß Barbara nach Hause.
28. Kapitel.
Reminis cenzen.
Weder an diesem Tage noch viele Tage später, erst nachdem unsere Unsicherheit und Angst geschwunden war, teilte ich Miß Barbara meine Erfahrungen und Befürchtungen in voller Ausdehnung mit.
Ich hätte Grausamkeit zu ihrem Schmerz gefügt, wenn ich anders gehandelt hätte.
Auf ihre hastigen Fragen, als sic zurückkehrte, war ich bemüht, ihr die Ursache von ihrer Schwester Krankheit so leicht wie möglich hinzustellen, da die Angst über Ellinors Befinden beinahe schon mehr war, als sie ertragen konnte.
Denn Ellinor war diesesmal entsetzlich krank, so krank, daß ein Arzt bi« von 2)ork hergeholt wurde, der aber nur wenig Hoffnung für ihre Wiederherstellung gab.
Er kam, schüttelte den Kopf, und schaute bedenklich drein, schrieb Reccpte, nahm seine Guineen, und ging wie er gekommen war. Stets blieben wir verzweifelter zurück, als wir es vor seiner Ankunft gewesen waren.
Viele Tage schwebte Ellinor zwischen Leben und Tod und niemand wußte, ob sie nicht bald die schmale Grenze zwischen beiden überschreiten würde.
Jeden Morgen sagten wir unö: sie wird den Tag nicht mehr vollenden und jede Nacht erstaunten wir, daß sie noch bei uns war. Endlich, obwohl keine merkbare Besse
versammlung in Berlin wird in den weitesten Kreisen als eine eklatante Niederlage dieser Partei angesehen. Der Umstand, daß die beabsichtigte, gegen den Reichskanzler Fürsten BtSmarck gerichtete Resolution nicht einmal zur Verlesung, geschweige denn gar zur Beschlußfassung gekommen, beweist denn doch sehr deuttich, daß Fürst Bismarck hier noch immer eine überwiegende Zahl von Anhängern hat, und daß der fortschrittliche Ring, von dem Herr Knörcke meinte, daß er nicht zu durchbrechen sei, bereits sehr rostig und morsch geworden sein muß. Jedenfalls befindet sich die Fortschrittspartei nicht mehr im Besitz der unbedingten Herrschaft in der Reichshaupstadt. — Der Senioren-Convent des Deutschen Reichstages hat heute beschlossen, die üblichen Osterferien am 7. April eintreten und bis zum 24. April dauern zu lassen. Von den vorliegenden Gesetzentwürfen sollen bis zum 7. April daS Unfall-Versicherungsgesetz und das Gesetz betreffend die Bestrafung der Trunksucht in der ersten Lesung, dagegen die Gesetze betreffend die Versorgung der Hinterbliebenen von Reichsbeamten, und betreffend die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Friedcn definitiv zur Erledigung kommen.
Potsdam, 31. März. Die Meldung, daß Prinz Wilhelm bei der Kompagnie-Vorstellung zum Major befördert werden würde, beruht auf einem Irrtum. ES ist, wie erzählt wird, der ausdrückliche Wunsch des Prinzen, die Kompagnie noch einige Zeit zu behalten, um den Dienst in allen seinen Details und bis auf das Genaueste kennen zu lernen, um sich auf diese Weise zum Kommando eines größeren Truppenteils vorzubereiten. Wie den militärischen Eifer, so rühmt man auch den militärischen Blick deS Prinzen. DaS Soldatenblut der Familie macht sich in ihm in hervorragender Weise bemerkbar. Gar nicht selten kann man beobachten, wie am Morgen, wenn der Prinz unten im Lustgarten seine Kompagnie exerziert, die Frau Prinzessin oben an den Fensttrn ihres Salons die Hebungen der Truppen unter dem Kommando ihres Gemahls verfolgt. Vielfach sieht man die Prinzessin Wilhelm durch die Sttaßen von Potsdam und deren nächste Umgebung ihre Prommenaden zu Fuß machen in Begleitung einer Hofdame, gefolgt von einem prinzlichen Lakaien. Sie ist an diese Bewegungen in frischer Luft durch ihre Frau Mutter gewöhnt, die mit ihren Kindern täglich weite Promenaden zu machen gewohnt war. Oftmals und namentlich des Nachmittags sieht man das prinzliche Paar größere Spazierfahrten im offenen Wagen in der Umgegend Potsdams machen. Im übrigen verlebt das junge Paar seine Flitterwochen in stiller Zurückgezogenheit. Man hat noch wenig von Gesellschaften gehört, die sie bei sich gesehen hätten, mit Ausnahme der Mitglieder der Königlichen Familie, die bei den jungen Herrschaften das Frühstück oder daS Mittagsmahl einnahmen. Zu größeren Diners und
rung eintrat, gab uns doch die bloße Thatsache, daß sie lebte, Hoffnung.
War eS der blendende Einfluß der warmen FrühlingS- luft, welche durch die weißen Vorhänge vor den offenen Fenstern drang, war es die unermüdliche Pflege ihrer Schwester, die weder Tag noch Nacht ermattete, oder einfach die Elastizität ihrer Natur, — genug, sie lebte.
Vom Rande deS Grabes war sie unS wiedergegeben blasser, schwächer und hinfälliger denn je, aber Miß Barbara uno ich danktm zitternd vor Freude dem Himmel, daß sie uns blieb.
Der vielgerühmte Aorker Arzt kam wieder, sagte ihre Rettung sei ein Wune er und er habe kaum erwartet, daß sie durchkommen werde. „Aber, Miß Fairbank," fügte er warnend hinzu, „Gie muffen sie fortwährend als eine Kranke betrachten. Zhre Constitntton ist völlig untergraben, daS Nervensystem zerrüttet, und Herz und Gehirn find sehr geschwächt. Ich halte es für meine Pflicht, Sie darauf aufmerksam zu machen, wie es der äußersten Pflege und Sorgfalt, und wahrscheinlich auf Jahre hinaus noch bedarf. Unter solchen Umständen kann jeder neue Anfall verhängnisvoll werden."
Dann schrieb er noch mehr Rezepte, strich mehr Guineen ein und reiste ab.
In dieser traurigen Zett der Pflegen und Wachen war mir jeder Gedanken an Ellinors mysteriösen Gatten geschwunden; sein Vornehmen, wieder zu kommen, wie er Thompson gesagt, hatte sich nicht erfüllt. Miß Barbara hätte ihn auch nicht empfangen und da wir auch nichts mehr von ihm hörten, so trat seine Existenz gegenüber den ernsteren Sorgen, welche den Heinen Haushalt bedrohten, wieder in den Hintergrund.