Skr. 71.
jlifltöurg, Freitag, 25. März 1881.
xvi. Fihrgaq
Lu-eigen nimmt entgegen; He Expedition d.vlatteS, sowie d.Annoncen-Bllreallk von LH, Dietrich & So. in Raffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.3JL; fiaafet^tin L Bögler io Frankfurt «- M., Berlin, getPM'4 Köln re.; Rudolf Stoffe ix Berlin, Frankfurt a. M. ic.
GerWhe Zituiig
Sn-eigen nimmt' entgegee die Expedition b. Blatte« sowie d-Annoncen-Bureoui oon E. L- Daube 4 Co. in Frankfurt a- M; Jügerffche Buchhandlung bafdMß Herrnano'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvolideubant ix
Berlin; L. Lriene« in «derfeld; <L Schlotte ix
Bremen-
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Deutsches Reich.
Berlin, 23. März. Der Trinkspruch des Präsidenten v. Goßler bei dem gestrigen zur Feier von Kaisers Geburtstag veranstalteten Festdiner des Reichstags lautete: „Der Reichstag feiert heute den 84. Geburtstag des deutschen Kaisers. Einfach und schlicht klingen diese Worte, dennoch ist eine Fülle der heiligsten und teuersten Güter in diesen wenigen Worten ausgesprochen. Sie enthalten das deutsche Reich, die Vertretung der deutschen Nation und den deutschen Kaiser, der sein langes Leben voll Mühe und Arbeit, voll hoher Pflichterfüllung, geschmückt mit allen Tugenden des Regenten und Bürgers für das Vaterland gewidmet und unter Einsetzung von Gut und Blut die Einigung des deutschen Volkes zu stände gebracht hat. Uns geziemt vor allem, uns heute diese Güter gegenwärtig zu halten in einer Zeit, wo auf die erhabenste und schönste Familienfeier des deutschen Kaiserhauses unter Teilnahme deö ganzen deutschen Volkes, ein so verhängnisvoller Verlust gefolgt ist und wo auch in der äußeren wie inneren Politik die Gegensätze schärfer hervortreten. In diesen Zeiten der Unruhen lassen Sie uns festhalten an cem, wa» uns allen geziemt, an der Treue gegen Kaiser und
Freda.
Roman von Emily Eamerou. Deutsch von August Frenzel.
(Autorisirte Uedersetzung.) (.Fortsetzung.) 25. Kapitel.
Der Geist.
Es war aber niemand in der Kammer. In der einen Ecke standen Koffer und veraltete oder zerbrochene Mobilien, aus deren Stapel, ein größerer Koffer hervvrgezogen und mit einer alten Pferdedecke bedeckt war. Ein leeres Bierglas und eine Schüssel, welche einige Speisereste enthielt, standen auf der improvisirten Tafel.
Während dieser Beobachtungen hatte ich mich in die Kammer hinein gewagt und bemerkte jetzt, daß die an der gegenüber liegenden Wand des Raumes befindliche Thüre, die nach der Treppe zur Kapelle führte, ebenfalls nur an- gelehnt war und vom Winde leise hin und her bewegt wurde — sicher hatte Elisabeth, oder wenn sie, wie es den Anschein hatte, hier irgend einen Liebhaber aus dem Dorfe empfing, mit diesem, als sie mich kommen hörte, durch jene Thüre die Flucht ergriffen. Daß sie hier eine Raststätte eingerichtet hatte, dafür sprach ganz besonders der Umstand, daß der Weg von Kaneton nach Kaneton-Squars öd und abgelegen war und mehrere Stunden in Anspruch nahm. Die ganze Tour bot nirgendwo Trunk oder Speise, oder ein schützendes Dach.
Mit dieser neuen Ansicht zog ich mich auf mein Zimmer zurück, nachdem ich sorgsam alle offenen Thüren geschlossen und verriegelte zu meinet Sicherheit, da ich mich doch instinktiv ängstlich fühlte, auch die Thüre meines Schlafzimmers.
Reich und der Liebe zum Vaterlande. Lasten Sie uns, eingedenk des hohen Berufs als Auserwählte des deustchen Volkes, in selbstloser Hingebung, ernster Arbeit und wechsel- serttger Hochachtung uns um den Thron des Kaisers scharen — in diesem Gedanken werden wir stets eines Herzens sein. Unwandelbar in Treue und Liebe rufen wir : "Kaiser Wilhelm lebe hoch!" — Die „Nalionalzeitung" erfahrt, der Reichskanzler Fürst Bismarck hat dem Abg. von Kardorff gegenüber in der Frage des Budgetrechts des Reichstages in der Zollanschlußangelegenheit erklärt, sdas Recht der Bundesregierungen gegen jeden Beschluß des jetzigen und jedes künftigen Reichstages aufrecht erhalten zu wollen, auch wenn wiederholte Auflösungen nötig werden sollten. — Die „Provinzial-Correspondenz" reprodnciert das Rundschreiben des Verwesers des Ministeriums des Auswärtigen, Geh. Rat Giers an die Vertreter Rußlands im Auslande vom 16. März und sagt, dasselbe habe durch seinen Inhalt und Ton überall einen sehr günstigen Eindruck hervorgerufen. Dasselbe Blatt reproduciert die Kundgebungen der Freude der Revolutionär: aller Länder über das Gelingen des Mordversuchs in Petersburg als bezeichnend für das Wesen und Treiben dieser Parteien. — Die „Germania" vernimmt, daß der Kultusminister die Kapitelsvikare in Paderborn und Osnabrück benachrichtigte, daß ihnen die Eidesleistung erlasse« sei, und daß er zugleich die Uebergabe der Vermögensverwaltung an den Kapitelsvikar Droba angeordnet habe. Die Gehaltssperre sei für beide Diözesen aufgehoben. In Osnabrück bestand keine staatliche Vermögensverwaltung. — Die Budgetkom- miffion des Reichstags nahm den Antrag der Abgeordneten von Benda und Rickert mit 15 gegen 9 Stimmen an; derselbe verlangt in dem Etat einzufügen: „Die Ausgaben für die Einverleibung AltonaS in das Zollgebiet des deutschen Reiches unterliegen, soweit sie nicht von den Einzel- staaten zu decken sind, der Bewilligung des Reichstages." Für den Antrag stimmten Nationalliberale, Fortschritt, Sezesstonisten und Centrum. Dagegen stimmten die beiden Conservativen Gruppen, v. Kardorff hatte beantragt, über die aufgeworfene Frage zur Tagesordnung überzugehen, v. Minnigerode äußerte, dem Reichstage stehe kein Bewilligungsrecht in dieser Angelegenheit zu. Der Finanzminister war der Ansicht, daß für ein solches Bewilligungsrecht nur der Zusatz zum Etat für das Jahr 1872, welcher auf den Antrag des Abg. Richter hineingebracht worden sei, spreche. Die Regierung könnte sich dadurch nicht für gebunden erachten.
Paderborn, 23. Mnrz. Der Oberpräsidcut zeigte heute dem Domkapitel an, baß Domkapitular Drobe als Bistumsverweser anerkannt und daß ihm der Eid erlassen ist, daß die Vermögensverwaltung Seitens des Staats sofort aufhört und daß die gesperrten Gehälter vom Januar d. I. an nachbezahlt werden.
Als Miß Barbara am nächsten Morgen, nachdem sie das Mittagessen bestimmt hatte, aus der Küche kam, tief sie mich in thr Heiligtum.
„Die Mädchen sind alle in Aufregung," sagte sie. „Ich bin ärgerlich über sie — solche Gänse sind es! Die Köchin behauptet, sie habe gestern Abend einen Geist gesehen!"
„Einen Geist? Was für einen Geist?"
„Ich weiß eö nicht. Das bringt sie alle durcheinander und keine von ihnen will heute Abend zu Bett gehen."
„Sie muß geträumt haben," sagte ich nachdenklich.
„Natürlich; aber sie erklärte feierlich, daß sie einen Eid darauf leisten könne; sie sei halb wach gewesen und habe Fußtritte auf dem Gange gehört — infolge dessen geglaubt, Miß Ellinor sei krank, ihr Bett verlaffen, Licht angezündet, die Thüre geöffnet, und da habe sie gesehen, wie eine große Gestalt in langem dunklen Mantel am Ende des Ganges verschwunden sei — das wäre in der Nähe Ihres Zimmers gewesen, Freda!"
Miß Barbara lachte, als sie dies sagte, aber sie sah doch beunruhigt aus.
„Und was sagte Elisabeth?" fragte ich.
„Elisabech? — O! sie war die Einzige, die Vernunft zeigte.^ Sie lachte über die ganze Geschichte und meinte auch, die Köchin habe geträumt. Sie ist überhaupt aufgeweckter. Allen anderen habe ich erklärt, wer nicht im Hause schlafen will, kann gehen. Ich besorge nur, Ellinor möchte von der Sache hören und dadurch wieder in irgend einer Weise erschreckt oder aufgeregt werden. Sie muffen sie heute sorgsam behüten, Freda, damit sie nichts von diesem einfältigen Geschwätz vernimmt.
„®aS werde ich thun, Miß Barbara," antwortete ich.
Köln, 21. März. Die Kaiser- und Königsstandarten welche bei der Feier der Vollendung unseres DomeS zum ersten Male das herrliche Gotteshaus schmückten, sind diesem von Sr. Majestät zum bleibenden Geschenk überwiesen worden. Sie werden in Zukunft stets bei feierlichen Gelegenheiten auf den Thürmen aufgezogen werden, am Geburtstage des Kaisers also auch über dem Tempel in den Lüsten wehen. — Die Restaurationsarbeiten am Südturme gehen gegenwärtig ihrer Vollendung entgegen. — Die von dem Blitzarbeitersabrikanten Heinrich Berghausen von hier ausgeführten Blitzarbeiter an den beiden Haupt- türmen, sind nunmehr ganz vollendet, sie werden hoffentlich ihren Zweck erfüllen und den aus den Wolken über dem Gotteshause herniederzuckenden Strahl von diesem stets glücklich ablenken. Bereits wurde mehrmals die Beobac^ tung gemacht, daß ein Blitzstrahl an den Leitungen des Domes niederfuhr. — Die Abrüstungsarbeiten, welche wegen eingetretener Kälte und stürmischer Witterung eine Zeit lang eingestellt werden mußten, sind auch wieder ausgenommen worden und werden, falls daS Wetter denselben günstig bleibt rüstig weiter gefördert werden. — Auf der Höhe des Chors sind feit einiger Zeit ziemlich bedeutende Holzverschläge angebracht. Es handelt sich um Restauri- rung von mehreren Fialen, deren Blumenwerk, da es seiner .Zeit aus geschenktem, wenig dauerhaftem Stein ausgeführt norden war, ersetzt werden muß. Das Dach deS Chore« soll demnächst aus Eisen neu konstruiert werden.
München, 20. März. Die Vermehrung der Armee um ein Infanterieregiment und vier Batterien macht, wie der „M, K." schreibt, für den FriedenSstaud die Vermehrung der Zahl der Offiziere um 70—80 erforderlich; durch die gestern publicierte königliche allerhöchste Ent- schließung wurden aber nur 22 Portepeefähnriche zu Se- kondelieutenants befördert, so daß eine größere Anzahl Offiziersstellen in der Armee vorerst noch unbesetzt bleibt.
Ausland.
Wie«, 23. März. Im Abgeordnetenhause interpellierten Skene und Genossen die Regierung, ob es wahr sei, daß der Zolltarif durch den Handelsvertrag mit Deutschland eine Bindung auf 10 Jahre erfahren solle und ob Deutschland entsprechende Gegenkonzessionen leiste.
Rom, 18. März. Von den hiesigen radikalen Organen geht feine so weit, den Nchilisten und chrem letzten Verbrechen Beifall zu zollen; sie verdammen die That wie alle anderen Parteien, allerdings mit dem Zusatz, Alexander II. habe die berechtigten Forderungen des Volkes nicht hören wollen. Wenn sie indessen die äußersten Ausschreitungen der praktischen revolutionären Gewaltsamkeit von sich abweisen, so hindert sie das doch nicht, im eigenen Lande auf dem Papier theoretische KampfeSarten anz« wenden, die in jedem andern Lande unmöglich sein »fit® „Aber, wenn Sie nichts dagegen haben, wollen Sie nicht, ehe ich gehe, Elisabeth hierher kommen lassen?"
„Elisabeth? Weshalb?" fragte sie erstaunt.
„Nun, da sie weniger thöricht war, als die anderen, so kann sie uns vielleicht den Sachverhatt erklären."
„Warum sollte sie mehr wissen, als sie in der Küche sagte? Sie hat den sogenannten Geist ja nicht gesehen!"
Ich bestand aber auf meiner Bitte.
„Senden Sie nach Elisabech, Miß Barbara. Ich würde sie wirklich gerne darüber hören."
„Nun, wie Sie wollen," und sie schellte.
Elisabeth erschien. Sie sah unbefangen aus, aber als sie mich bemerkte, war sie verlegen.
„Elisabeth," sagte Miß Barbara, „Sie scheinen gesunden Verstand zu haben, was man von den anderen Mädchen nicht sagen tarnt. Teilen Sie uns mit, was Sie von der Spuckgeschichte hallen. Ist irgend ein Grund für diese alberne Furcht vorhanden?"
Sie zuckte die Achseln. „O l ich weiß nicht. Ich halte das Ganze für eine Thorheit und habe damit ebenso wenia Geduld als sie Madame."
„Nun ja," erwiderte Miß Barbara, „es wäre aber doch möglich, daß jemand während der Nacht im Hause umher gewandert ist."
„Wenn auch kein Geist," fiel ich ein.
„Wenn das der Fall ist, so weiß ich nichts davon, Madame," antwortete sie dumm, und mit einem Ausdruck von Verstocktheit in ihrem Antlitz.
„Nun, sonderbar ist es jedenfalls," bemerkte ich zu Miß Barbara, „sehr sonderbar, daß die Thüre zur GerStkammer, welche bisher immer verschlossen war, gestern Wend offen stand." Bei diesen Worten wurde Elisabeth so weiß wie ihre Schüße.