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jliarßlirg, Donnerstag, 24. März 1881.
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Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition ».Blattes sowie d-Annoncen»Bure<mi von E-L- Daube & So. in Frankfurt a.M; JSger>sche Buchhandlung »afettffi; Hermsnn'sche Buchhandl. daselbst; J^volidendavk Berlin; w. X)itn<i in Jtoscfd»; 6. Schlotte in Bremen.
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Der Steuererlaß uud die Liveraleu.
II.
(Schluß-.
Unser Gegner im Marburger Tageblatt meint, daß wir so lange keine direkten Steuern, die er für eine sichere und gute Finanzquclle hält, erlassen könnten, als wir nicht alle Bedürfnisse des Staatshaushaltes vollständig gedeckt hätten — er nennt das selbst eine philisterhafte Ansicht und sie ist das auch im hohen Grade. Nichtig ist soviel, daß, ehe Steuern erlassen werden, die regelmäßigen und ordentlichen Ausgaben des Staates gedeckt sein müssen — aber, wenn wir in diesem Jahre für etliche 20 Millionen Kanäle bauen, Eisenbahnen anlegen, die sich im Laufe ver Zeit selbst bezahlt machen, dann erheischt es eine gesunde Finanzpolitik, daß wir solche Capitalanlagen als Darlehn aufnehmen und sie allmählig abtragen.
Im Staatswesen geht dies nicht anders, als im Privatleben. Wer sich ein Landgut kauft, der wird regelmäßig nicht in der Lage sein, den Preis vollständig zu zahlen — aber thöricht wäre er, wenn er sein sämtliches disponibles Geld dazu verwendete und seinen anderweiten
Verpflichtungen nicht nachkäme. Also damit ist eö nichts — daß wir Anlehen für nutzbringende Anlagen machen, ist kein Grund, den Steuererlaß, den die Regierung angeboten, den Untertanen vorzuenthalten, es würde vielmehr ein Unrecht gewesen sein, den Steuererlaß nicht zu bewilligen, denn er beruht auf einer feierlichen Vereinbarung zwischen der Regierung uud der Landesvertretung, auf dem Gesetze vom 14. Februar 1878.
Da war es ausdrücklich bestimmt, daß alle die Summen, welche vom Reiche an Preußen aus den indirekten Steuern gelangten, zum Erlasse an direkten Steuern verwendet werden sollten und darum mußte der Steuererlaß von 14 Millionen bewilligt werden. Freilich können die Liberalen jetzt nicht mehr sagen, es sollten durch die indirekten Reichssteuern dem Volke neue Lasten aufgelegt werden, die „200 Millionen neue Steuern" entpuppen sich als liberaler Schwindel.
Das jetzt vorgelegte Verwendungsgesetz, welches alle künftigen indirekten «steuern nur zum Erlaß von direkten Steuern verwendet wissen will, läßt an dieser Absicht keinen Zweifel.
Nun ist uns weiter entgegnet worden, überall fehle dem Staate das Geld, es herrsche überall Finanznot l Das ist faktisch nicht richtig, die Ausgaben, des kommenden Jahres sind reichlich bemessen, cö ist auch — unser Gegner wählt selbst die Beispiele — den hessischen Waldbesttzern die Entschädigung für die Teilungskosten und den Lehrer- wittwen eine erhöhte Pension bewilligt worden. Freilich geht's nicht mehr so lustig als unter dem liberalen Minister Camphausen — aber die Milliarden sind ver- postamentiert und heute muß der Steuerzahler die Ausgaben bezahlen. — Da ist Sparsamkeit eine schöne Tugend. Und ist denn das eine Verschwendung, eine unnütze Ausgabe, wenn den Steuerzahlern ihre Last erleichtert wird, wenn sie weniger Steuern bezahlen. Werden denn 14 Millionen Steuern, die nicht erhoben werden, verschenkt? — daöwirv doch kein verständiger Mensch behaupten.
Unser Gegner scheint die Verhältnisse schlecht zu kennen, wenn er meint, die Klassensteuer, Grundsteuer re. mit dem Exekutor, der sie eintreibt — sei eine besonders gute Finanzquelle — angenehm ist das Steuerzahlen wohl sehr wenigen Menschen.
Die Steuerreform, die jetzt von dem Fürsten Bismarck mit großer Energie betrieben wird, ist von der konservativen Partei schon lange gefordert — sie ist eine hochwichtige Frage — aber sie ist oder sollte keine Parteifrage sein. Jeder verständige Mann — ob conservativ oder liberal — sollte sich einfach die Frage gründlich überlegen und bann mit allen Mitteln für die Steuerreform eintreten, daß sie zur Durchführung kommt. Bleibt die liberale Partei in ihrer unbegründeten Opposition, dann
braucht sie sich nicht zu wundern, wenn das Volk sich von ihr abwendet.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. März. Obschon der Trauer für den Kaiser Alexander wegen die herkömmliche große Gratulation zu Kaisers Geburtstag heute anöfiel, fanden doch offizielle Festdiners bei dem Reichskanzler und den Ministern, sowie verschiedene Festfeiern in anderen Kreisen statt. Die Stadl hatte wie üblich geflaggt, ebenso erfolgten morgens das übliche Choralblasen von der Schloßkuppel und mittags 101 Salutschüsse auf dem Königsplatze. — Unter den ersten bem Kaiser heute zugegangenen Glückwunschdepeschen war diejenige deö Kaisers Alexander III. Seitens des Reichstages ging dem Kaiser die gestern beschlossene Glückwunschabresse zu. Der Kaiser verlieh den Ministern Lucius und v. Bötticher den Roten Adlerorden 2. Klaffe mit Eichenlaub, bem Leibarzte Dr. v. Lauer ben Rang eines Generallieutenants. — Beim Fürsten Reichskanzler, beffeu Befinden sich wesentlich gebessert hat, scheint es gestern sehr munter her- gegangen zu sein. Er und die Fürstin hatten, zur Abwechslung mit den weißen Halsbinden und schwarzen Fräcken, ein Damendiner um sich versammelt, indem die sieben Damen aus dem Reichslande, welche als Mitglieder des Frauenvereins unter dem ritterlichen Schutze deö Präsidenten Back hier angelangt waren, nach den vielen Beweisen kaiserlicher und kronprinzlicher Aufmerksamkeit nun auch vom Reichskanzler und dessen Gemahlin zu Tisch gebeten waren. DaS Hierherkommen der elsässischen Damen für einen so deutsch- vaterländischen Zweck verdiente gewiß jede Auszeichnung, und die gestrige von feiten des großen Kanzlers wird schwerlich ohne Eindruck geblieben sein. Wie man hört, war der hohe Wirt in bester Laune, namentlich soll ihn die Unterstützung seines Arbeiterversicherungsprogramms durch die jüngste Rede seines alten Gegners Gambetta sehr gefreut haben, um so mehr, als sie unerwartet gekommen war.— Der Verein deutscher Studenten hat zur Feier des Kaisers Geburtstages ein von ächt patriotischem Geiste erfülltes Flugblatt erlassen, dem wir die folgenden Sätze entnehmen: In ungetrübtem Frieden schien der Lebensabend unseres Kaisers verfließen zu sollen, da rafft jene grauenvolle That in der nordischen Hauptstadt ihm den nahen Verwandten und treuen Freund hinweg, eine furchtbare Mahnung zur Selbstprüfung auch in das Herz des deutschen Volkes grabend! Denn welcher Stand, welche Partei darf sagen: „uns trifft kein Teil der Schuld an jenen Frevelthaten, welche vor drei Jahren gegen das geheiligte Haupt der Deutschen Nation gerichtet wurde?" Alle haben Schuld. Die Einen, Vertreter des selbstsüchtigen Individualismus und des vaterlandslosen Kosmopolitismus, haben die Nichtachtung alles Ueberliefetten, ja des deutschen Volkscharakters und VolksgemüteS selbst, großgezogen, dem Einzelnen mit
Fred«.
Roman von Emily Cameron. Deutsch von August Frenzel.
(Autorisirte Uebersetzung.)
(Fortsetzung.)
„Er mag gehört haben, daß sie zu einigem Vermögen gekommen ist. Ich glaube, ich habe Ihnen gesagt, daß mein Onkel mir dieses Haus hinterlassen hat; sein kleines Vermögen ist gleichmäßig zwischen Ellinor und mir geteilt worden. Wenn dieser Elende das weiß, so kann daö für ihn genügender Grund sein, ihr nachzuspüren. Er wird vorgeben, daß sie seine rechtmäßige Frau sei, um zu ihrem Gelde zu kommen.
Bisher erhielt eines meine Hoffnung, daß er uns nie werde auffinden können; das ist nun vorbei. Ich will es Ihnen sagen, es ist ein Geheimnis, aber Sie werden es bewahren, Freda. Als ich mit Ellinor flüchtete, habe ich meinen Namen geändert; unser wirklicher Name ist Fairfax. Ich wünsche jetzt ich hätte ihn völlig geändert."
„Weiß Ellinor davon?" fragte ich.
»Nein; glücklicherweise ist sie sich dessen völlig unbewußt. Ich sagte Ihnen schon, daß sie drei Monate lang geisteskrank war; während dieser Zeit habe ich sie in eine ganz andere Umgebung gebracht und unsere gesamte Bedienung gewechselt. Ich ging unsere Garderobe, unsere Bedienung und unsere Wäsche durch, änderte jedes Zeichen an jedem Gegenstände von Fairsax in Fairbank um, und gab diesen als meinen Namen aus. Als Ellinor allmählich ihre Vernunft wieder erlangte, vergaß sie manche kleine Details ihres früheren Lebens; sie erinnerte sich nur ihres großen Kummers. Sie wurde immer als Miß Ellinor
angeredet und ich immer als Miß Barbara, sie empfängt auch nie Briefe und alles das erleichtert den Wechsel. Es sind jetzt so viele Jahre darüber hingegangen, daß ich glaube, sie wird ihn nie bemerken."
„Das sollte Sie gewiß beruhigen", sagte ich. „Wenn Mr. Thorne ihren Namen nicht weiß, so ist es gewiß sehr schwer für ihn, sie zu finden.
„Aber nicht unmöglich", erwiderte sie.
Die unmittelbare Folge dieses Vorfalles war, baß sie unsere täglichen Spaziergänge verbot unb Kaneton - Sears in eine Art von Belagerungszustand versetzt wurde. Arbeitsleute tarnen am nächsten Tage und trotz kalten Wetters wurde die ganze Länge dec grauen Mauer mit gefährlich auSsehenden Spitzen garniert, welche ihre Schärfe wie das flammende Schwert des Paradieses nach allen Richtungen zeigten. Das Eingangsthor blieb Tag und Nacht verschlossen und verriegelt. Ellinor wurde gesagt, daß ver- dächttge Zigeunerbanden in der Umgegend umherzögen und es deßhalb besser sei, unsere Spaziergänge für die nächste Zeit auf den Garten zu beschränk .
Der Schnee schmolz und mit ihm schwanden die Fußspuren, welche Miß Barbara so alteriert hatten. Stach und nach schien die gewohnte Ruhe ihres Geistes jedoch wieder zu kommen; gleichwohl konnte man bemerken, daß sie immer wachsam war, denn jeden Abend unternahm sie einen Rundgang durch das Gehöft unb oft inspirierte sie ben Verschluß ber Thüren und Fenster im Hause; aber als bie Tage vergingen, ohne daß etwas weiteres sich ereignete, ließ sie allmählig in ihrer Wachsamkeit nach und ihre Aengstlichkeit legte sich.
Ich hatte chre Angst vorweg als das Ergebnis unberechtigter und extravagantester Einbildung angesehen, sooaß
die ganze Angelegenheit mit Herrn John Thorne und seinen mysteriösen Fußspuren sehr schnell aus meinem Gedächtnis schwand.
So standen die Dinge zu Kaneton-Scars, als mir plötzlich so Außerordentliches und Unerklärliches passiette, daß ich mich veranlaßt fand, die Erscheinung jener fremden Fußspuren von einem ernsteren Gesichtspunkte zu betrachten, als ich es bisher gethan hatte.
Eines Tages hatte ich nach Tisch das Gewächshaus besucht, um die Rosen zu betrachten, welche bereits in voller Blüte standen. Ellinor schlief. Miß Barbara hielt ihre Siesta, wie gewöhnlich hinter einem Buch, im Wohnzimmer behaglich in ihrem Sessel versenkt und ich vertiefte mich in Thompsons Blütenreich.
Er suchte mir die Namen und Schönheiten seiner Zöglinge mit vielem Stolze klar zu machen, und da ich die Blumen, und die Rosm sehr gerne habe, so hörte ich mit Eifer zu. Aber Thompsons Weisheit ging endlich auf die Neige und nachdem wir alles durchgemustert hatten kehrte ich in das Wohnhaus zurück. Um nicht ben weiteren Weg über die Haupttreppe zu nehmen, benutzte ich die kleine Wendeltreppe, welche von dem Gewächshause auö nach dem Vorplatz zu meinem Schlafzimmer führte.
Als ich leicht diese Stiege in die Höhe lief, die nur schwach erleuchtet war, fand ich oben meinen Weg durch einen Zimmermann versperrt, der eine der Stufen, welche schadhaft geworden war, reparierte. Der Mann hatte eben eines der Bretter abgerissen und hiell ein Papierblättchen in der Hand, welches er eifrig studierte aber Bei der schlechten Beleuchtung offenbar nicht entziffern konnte. Ms er mich erblickte, machte er Platz.