Skr. 69.
Marburg, Mittwoch, 23. März 1881.
XVI. Fohrgasg
Luzeigrv nimmt entgegen: die Expedition d.vlattes, sowie d-Annoncen-Bureanx von LH, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a-M.; Haasenstein L Bögler in Zrmckstrrt c SR., Berlin, sripziL, ®K» re.; Rudolf Krssi in föczlin, Arant- fnrt «. M- re.
WttWschk jfiliimi.
Anzeigen nimmt entgegn die Expedition b. Blattti sowie d- Annoncen-Burenur von @. L Daube L Co. in Franlfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hmmrrm'sche vnchhanÜ. d«ie!bst; Srbe'tberbnn! in Berlin; 88. Lbi-neZ in Elberfelds L. Schlotte in
an» getettasen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS Sonntaglblatt" durch die Expedition iRoch'sche Buchdruckerei) bezogen Warf, bm* bte :W «attfjfc« «eite 2 Mark öS Pfg. (exel. Bestellgebühr). - JnsertionSgedühr für die gespaltene Zeile 10 Jf8
Für in der Expedition zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Der Steuererlatz und die Liberalen.*) II.
Eine Entgegnung von liberaler Seite im „Marburger Tageblatte" gibt uns die erwünschte Veranlassung, aus die „brennende" Frage, wie sich die Parteien zum Steuererlaß stellen, noch einmal zurückzukommen.
Unsre Gegner meinen, daß wir den Steuererlaß für die künftigen Wahlen fruktificieren, d. h. nutzbar machen wollen — und haben darin vollkommen recht. Unsere Absicht ist es, die Frage, ob dieser Steuererlaß im wahren Interesse der Wähler liegt und ob es das wahre Wohl des Volkes erheischt, auf diesem Wege vorzugehen und damit die Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck zur Durchführung zu bringen — so klar zu legen, daß alle Wähler oder doch die Mehrzahl derselben sich davon übtrzeugen, daß nur auf dem von konservativer Seite eingeschlagenen Wege Besserung unserer wirtschaftlichen Zustände herbeizuführen ist. Wenn aber diese Ueber- zeugung eine allgemeine geworden, dann werden sich die gewählten Vertreter der Geltendmachung der berechtigten Wünsche.des Volkes nicht verschließen können. Wir sind weit entfernt, Personen anzugreifen, oder politische Anschauungen bekämpfen zu wollen, wir meinen vielmehr, daß auch jeder liberale Mann ohne etwas von seiner Ueber- zcugung daranzugeben, der Zoll- und Steuerpolitik des Fürsten Bismarck beitreteu müsse, wir können uns keinen liberalen Abgeordneten eines Wahlkreises mit vorwiegend ländlicher und gewerbetreibender Bevölkerung denken, der anderer Ansicht wäre, wenn er die berechtigten Wünsche seines Wahlkreises vertreten will. Warum ist dies aber anders, warum sind die Liberalen einstimmig gegen den Steuererlaß? Der Grund ist einfach der, daß sie blindlings dem Rufe ihrer Führer folgen und in ein unfruchtbares Parteistreiten sich hineingeredet haben. Und die F ü h r e r der L i b e r a l e n, das sind die Männer, die auf ihrem einmal eingenommenen einseitigen theoretischen Standpunkte stehen bleiben und festhalten, obgleich sie einsehen müßten, daß ihre falschen Grundsätze uns in den wirtschaftlichen Niedergang hineingebracht, daß sie, wie Fürst Bismarck sagt, unsere Finanzen gründlich heruntergewirtschaftet haben.
Seit acht Jahren verlangen wir Konservativen Schutz unsrer schwer belasteten Landwirtschaft gegen die Ueber- schwemmung mit russischen und amerikanischen Früchten, Schutz unsrer Industrie und unsres Gewerbes gegen die Ueberschwcmmung mit englischen, französischen und andern ausländischen Erzeugnissen, Abgaben von den ungeheuren Umsätzen der Börsen, indirekte Steuern auf die
*) Wir haben diese Besprechung wegen der Fülle der Mitteilungen über das Attentat einige Zeit zurückhalten müssen. Anm. d. Red.
Zur 84. Geburtstagsfeier Sr. Majestät des Leutscheu Kaisers Wilhelm I.
Ein Freudentag ist heut im deutschen Lande, Drob lauter Jubel dringt von Gau zu Gau, Manch Haus erglänzt im festlichen Gewände Und Fahnen grüßen stolz des Himmels Blau; Und weit und breit ertönen frohe Klänge, Im Freundeskreis manch donnernd Hoch erklingt, In Stadt und Land erschallen Festgesänge Und Freud und Lust durch alle Herzen dringt. Und Aller Augen blicken heut zum Throne, Zum Herrscher auf, dem unsre Freude gilt, Dem auf das Haupt die deutsche Kaiserkrone Sein Volk gesetzt, von Dankbarkeit erfüllt; Der heut den Tag, an dem er einst geboren, Mit seinem Lande hocherfreut begeht, Mit seinem Volk, das Treue ihm geschworen Und liebend stets zum Herrscherhause steht.
Der heute grade vierundachtzig Jahre In Jugendfrische noch das Scepter führt, Und heißgeliebt, ein Held im Sllberhaare, Das deutsche Volk mit weiser Macht regiert; Der viel geschafft in seinem langen Leben, Das er dem Dienst des Vaterlands geweiht, Dem stets der Zollern-Fürsten ernstes Streben Gegolten hat im wilden Sturm der Zeit.
Auch zwang ihn noch in späten Lebenstagen Der Erbfeind unsers Vaterlands zum Krieg, Wo feige und vergebens alles Zagm
Genußmittel, Tabak, Bier, Wein, Branntwein, wir verlangen dafür Beseitigung der direkten Steuern und da frägt man doch mit Recht, welcher liberale Mann in unfern hiesigen Verhältnissen sich dieser zum Teil jetzt schon gesetzlich eingeführten, zum Teil bevorstehenden Steuerreform widersetzen kann? Wer sind denn die eigentlichen Gegner dieser Besserung unsres wirtschaftlichen Lebens? Das sind die Vertreter der großen Kapitalmächte an der Börse, die in den großen Städten ihre Anhänger finden, die Zeitungen in ihrem Solde haben und den Leuten Sand in die Augen streuen. Das sind die Leute, die bis jetzt ihre großen Vermögen der Besteuerung entzogen haben und wohl wissen, daß sie von den indirekten Steuern betroffen werden und sich ihnen nicht entziehen können. Das sind die, welche mit ihren kolossalen Mitteln den Kaffee u. s. w. aufkaufen, um dann der Bevölkerung die Preise zu machen, das sind die, welche keinen Zoll und keine Abgaben wollen, weil sie selbst den Vorteil allein in die Tasche stecken wollen. Sind das die Leute, um deren Willen die ganze liberale Partei ihre Wirtschaftspolitik cinrichten soll?
Die liberale Partei, welche sich leider durch diese Einflüsse seither hat beirren lassen, weiß oder muß wissen, daß sie d mit dem Volke des platten Landes und der kleineren Städte und mit deren Interessen sich in Widerspruch setzt — wird sie dabei eigensinnig beharren? Dieser jetzt gesetzlich festgestellte Erlaß an Klassen- und Einkommensteuer steht eben gerade mit diesen großen Fragen der indirekten Steuern, der Zölle und Abgaben in dem gllergenauesten Zusammenhang.
(Schluß folgt.)
Deutsches Keich.
Berlin, 21. März. Der Kaiser conferierte gestern Nachmittag mit dem Kultusminister. Der Kronprinz wird nach den nunmehrigen Bestimmungen morgen Abend gemeinsam mit dem hier eintreffenden Prinzen von Wales die Reise nach Petersburg antreten. — Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" reproduciert die Auslassungen polnischer Blätter verschiedener Schattirungen über die Ermordung des Kaisers von Rußland und sagt, alle drei Auslassungen stimmten darin überein, den Gegensatz zwischen den Polen und Russen zu betonen und das nihilistische Treiben als spezifisch russisch darzustellen. Die Entstehungsgeschichte des Nihilismus und der Polenaufstand in 1863 zeigten aber, daß die Polen nicht so ganz unschuldig an der neuesten Entwickelung der Dinge in Rußland seien; unter den wegen nihilistischer Attentate vor Gericht gestellten fehlten nicht die polnischen Namen; es gebe keine Nation, worin eine gewiffe Klasse so viel Talent zum Verschwören besitze, wie die polnische. Bei den Russen sei eine wir geringere Anstelligkeit und Prädestination dazu vorhanden. Man werde daher den intellektuellen Urheber und heim-
Da schon der Feind in unsre Marken stieg;
Doch Gott vertrauend, rief er zu den Waffen Sein deutsches Volk und führte es zum Kampf, Und Ruhm uud Sieg hat er mit ihm geschaffen Das Vaterland geeint im Pulverdampf.
Drum laßt uns heut zu Gott im Himmel flehen, Daß Er den Kaiser unserm Land erhalt, Und manches lange Jahr noch lasse gehen
Des Glückes Pfad, den stets sein Fuß gewallt;
Daß er ihm woll' auch ferner Freude schenken Und gnädiglich ersparen Weh und Leid, Und seiner Feinde Herz in Gnaden lenken, Daß friedlich sie gesinnt zu aller Zeit.
Daß Gott ihn schütze gegen jene Mächte, Die täglich trachten nach der Fürsten Mord, Die eine Schmach im menschlichen Geschlechte, Entweiht der Freiheit Königliches Wort;
Daß Gott ihm geb' die rechten Friedenswaffen, Ihn führ' und leit' mit seiner Vater Hand, Und ihm die Kraft verleih' zu ernstem Schaffen, Zum Segen für das teure Vaterland.
Und würdig laßt uns dann den Tag vollbringen Den Freudentag, der heut dem Lande ward, "aßt Jubelklänge weit und breit erklingen, DaS Herz sich freuen nach der rechten Art;
Stimmt an! Stimmt an! die frohen Sanges Weisen, Daß sie verkünden unsers Kaisers Preis, Und bringet, wenn die vollen Becher kreisen: Ein „donnernd Höch" dem edlen Heldengreis!
lichen Leiter der Auflehnung gegen die russische Negierung unter den Polen suchen dürfen, wofür auch der Umstand spreche, daß an der Spitze der Oppositionspresse der von den Polen redigierte „Golos" stehe, der seit Jahren die Verhetzung der drei Kaiserreiche unter einander und die Untergrabung der Autorität der russischen Regierung betreibe. — Der „Staats-Anz." brachte in Nr. 66 das Gesetz über den preußischen Staatshaushalt für das mit dem 1. April beginnende Etatsjahr. Der Etat stellt sich danach in Einnahme und Ausgabe 913,070,416 Mark. Die Ausgaben besteheü aus fortdauernden und einmaligen; die ersteren betragen 873,020,498 M., die letzteren 40,049,518 Mark. — Für dies Etatsjahr wird der Finanzminister ermächtigt, verzinsliche Schatzanweisungen bis auf Höhe von 30 Millionen auszugeben. Dieselben sollen indes vor dem 1. Januar 1883 verfallen. — In einem zweiten Gesetze wird die Finanzverwaltung ermächtigt, zur Ergänzung der Einnahmen durch Veräußerung von Schuldverschreibungen eine Anleihe von 28,630,000 M. aufzunehmen.
*« Berlin, 21. März. In mehreren Blättern wird in Bezug auf die zur Zeit statlfindenden Verhandlungen behufs Abschlusses eines Handelsvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn die Mitteilung gemacht, daß die Delegierten des letzteren Reiches nur den Vorschlag zu unterbreiten hätten, für den zur Zeit giltigen Meistbegünstigungsvertrag eine Prolongation zu erstreben; daß ferner die Verhandlungen schon jetzt dargethan hätten, daß ein Vertrag überhaupt nicht zu Stande kommen werde. Man wird die Verhandlungen doch erst in ein weiteres Stadium treten lassen müssen, um Angaben, die mehr als Vermutung sind, machen zu können. Was den ersteren Punkt betrifft, so sind vielmehr bestimmte Tarifposttionen u. s. w. Seitens der österreichisch-ungarischen Kommission in Vorschlag gebracht. — Die Delegierten Oesterreichs-Ungarns werden aus Anlaß des Geburtsfestes Sr. Majestät am 22. März dem Diner beiwohnen, welches der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Staatsminister v. Bötticher den Beamten seines Ressorts gibt. — Nach dem vom Reichskanzler dem Bundesrate vorgelegten Regulativ-Entwurf, betreffend die Gewährung der Zoll- und Steuervergütung für Tabak und Tabakfabrikate, soll dem, welcher aus dem freien Verkehr Rohtabak u. s. w. in Mengen von mindestens 25 Kgr. über die Zollgrenze ausführt, für je 100 Kgr. netto vergütet werden für unfermentierten Rohtabak 3 M., für fermentierten 40 M. und entrippte Blätter 47 Mark. Inländischen Tabakfabrikanten kann für die Ausfuhr ihrer Fabrikate über die Zollgrenze für 100 Kgr. netto bei Fabrikaten aus ausländischem Tabak, für Schnupf- und Kautabak 60 M., für Rauchtabak 81 M., für Cigarren 94 M., für Cigarretten 66 M., bei Fabrikaten aus inländischem Tabak für schnupf- und Kautabak 32 M., für Rauchtabak
— 11^ w..... ZlLL-mi II I
Areva.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzei.
(Autorifirte Uebersetzung.) Fortsetzung.)
„Sie haben ihn gesehen?" tief sie erwartungsvoll.
»Ja. — Heute Morgen; der Tag begann eben zu dämmern. Plötzlich schlugen die Hunde unten an und zwar so heftig, daß ich befürchtete, Ellinor könne darüber erwachen und erschreckt werden. Ich stand also auf und öffnete den Laden, um nach der Ursache zu forschen. Da bemerkte ich schon die Fußtapfen vom Gewächshaufe aus. Nachher sah ich auch einen Mann, einen Herren im Jagd- Anzuge und mit einer Flinte auf dem Rücken. Er war bereits hinter den Gebüschen, um fortzugehen, aber durch das Aufschlagen des Ladens wendete er sich nach dem Fenster. Ich konnte mich natürlich nicht sehen lassen, deshalb trat ich schnell zurück und ließ den Vorhang herab, aber durch die Lücke, zwischen Vorhang und Fenster beobachtete ich ihn. Er blieb einen Augenblick stehen und dann entfernte er sich. Er war ein großer, stattlicher Mann, seine Gesichtszüge konnte ich nicht unterscheiden, dazu war eö noch zu dämmerhaft und die Entfernung war zu groß. Er war sicher kein Dieb. Ich denke mir, er war ein Jäger, der sich gestern Abend bei dem Schneegestöber auf bet Jagd verirrte. Er hat vielleicht gewußt, daß dieses Haus nur von Frauen bewohnt ist, und während der Nacht Schutz in dem Gewächshause gesucht, um uns nicht zu stören. Thompson hatte es gewiß wieder nicht verschlossen, das hat er öfter schon gethcm."
„Aber weßhalb sagten Sie mir nichts davon?" „Well Ellinor zugegen wat."