Skr. 66.
Marburg, Sonnabend, 19. März 1881.
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änieigen nimmt entgegen: btt Expedition b.Blatttf, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bisenstein & Loaler in eifert a- M>, Berlin, >gig, Löin rr.; Rudolf Möge is Berlin, Arant» fnrt «l M. re.
ObnMchk jritmiii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureauk von ». L- Daube & So. in Frankfurt a- M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhaadl. daselbst; Invaliden!:an! in Berlin; W Thienes in Slderfeld: S. Schlotte ix Bremen.
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lieber die Petersburger Ereignisse sind noch folgende Nachrichten eingegangen:
Petersburg, 16. März. Kaiser Alexander III. hat beschlossen, vor allem seine Thätigkeit auf die Verbefferung der Lage im Innern zu richten, damit Friede und Sparsamkeit, welche für Rußland so notwendig seien, gedeihen könnten; „Friede und Sparsamkeit" sollen die Devise der neuen Regierung fein1 Die Artikel einiger russischer Organe, die dem entgegengesetzt Phrasen verbreiten, repräsentieren keineswegs die öffentliche Meinung, noch viel weniger aber die Ansicht der Regierung, deren Intentionen friedlich und eminent konservativ sind. Die Regierung wird nicht zögern, dies deutlich kundzugeben. — Heute ist auf dem Smolenskiplatze, einem der größten der Residenz, ein Galgen errichtet worden. Man erzählt sich, daß gestern in der Pesskistraße nicht weniger als 18 Personen verhaftet worden seien.
— Die Opfer der Explosion am Sonntag sind nunmehr festgestellt: außer dem Kaiser beläuft sich die Anzahl auf 18, darunter tot der Kosak Malewitsch; sehr schwer verwundet der Rittmeister des Convois Kulebjakin, der Revieraufseher Galaktinow, der Bauernknabe Maximow; weniger schwer verwundet ist der PristawgehAfe Maximow, der Unteroffizier Matschnew, der Mustklehrer Capri und der Unteroffizier Borissow; die Uebrigen sind nur leicht verwundet, darunter 3 Kosaken, 1 Gorodvwoj und eine Frau.
Petersburg, 17. März. DaS „Journal de St. Petersbourg" sagt, die kaiserliche Regierung werde nicht säumen, die Absicht ihres jetzigen Herrn zur Kenntnis zu bringen, daß die ausgezeichneten Beziehungen, welche der verstorbene Kaiser zu allen Mächten herzustellen verstanden habe, erhalten, befestigt und weiter entwickelt würden.
Petersburg, 17. März. Der „Reichsanzeiger" meldet: Die Uebersühruug der kaiserlichen Leiche findet am Sonnabend den 19. März mittags 12 Uhr statt. Der „Golos" erhielt eine erste Verwarnung, die „Strana" eine zweite. Das Individuum, welches bei seiner Verhaftung in der Wohnung Napcotzkys der Polizei bewaffneten Widerstand leistete, heißt Michailoff und war an dem Attentat beteiligt. Die bei ihm vorgefundenen Schriften weisen auf gewisse Vorbereitungen am Katharinenkanal und an der kleinen Gartenstraße hin.
Petersburg, 17. März. Das „Journal de St. Petersbourg" schreibt unter dezugnahme auf die allgemeine Sympathie und Bewunderung für den verstorbenen Kaiser: wenn diese Bewunderung überall im Auslande hervortritt, haben wir dann nötig, zu sagen, daß Rußland daraus nur einen Grund mehr herleiten kann, um zu beharren auf dem Wege weiser Reformen und der Politik des Friedens und der Eintracht, welche diejenige deS erhabenen Mär-
Frcda.
Roman von Emily Cameron. DeMfch von August Frenzel.
(Autorifirtc Uebrrsetzung.) (Fortsetzung.)
Eines TageS sagte sie bei einem Spaziergang zu mir» „Erinnern Sie sich, daß ich das erstemal, da Sie mich sahen, einen Trauring anhatte?"
„Ja," antwortete ich kurz, „ich erinnere mich."
Einige Augenblicke schwieg sie.
„Warum fragen Sie mich nie nach der Vergangenheit?" sagte sie endlich. „«sehr neugierig scheinen Sie nicht zu sein. Ich weiß weshalb; Barbara Hal Ihnen gesagt, daß Sie davon nicht mit mir sprechen sollen. Aber ich will davon sprechen, weil ich Sie gern habe."
„Sie würden besser daran thun, das zu unterlassen," antwortete ich zurückweisend, denn chr Antlitz hatte sich plötzlich gerötet und ihre Augen schienen erregt. _
„Erschrecken Sie nicht, ich werde Sie nicht ängstigen," sagte sie lachend und dann, ihre Art plötzlich wechselnd, ergriff sie meine Hand und sagte hastig:
„Wenn wir zurückkommen, will ich Ihnen den Ring zeigen. Ich habe ihn eingeschlossen, weil Barbara es nicht erlaubt, daß ich ihn trage; manchesmal, wenn ich allein bin, trage ich ihn, dann ist er mein. Ich habe daS Recht dazu; Sie mögen bas vielleicht nicht glauben, Freda, ab»r es ist so wahr, als Sie und ich hier stehen, daß ich eine verheiratete Frau bin!"
Sie war außerordentlich erregt: ihre Hände zitterten, als sie meine Hand erfaßte und chre Stimme klang rauh vor Bewegung.
Wir waren weit von Hause entfernt und ich fürchtete, daß sie hier auf der Haide, wo mir keine Hülfe nahe war, tiuen plötzlichen Krankheitsanfall haben könne. Ich wagte
tyrerS war? Es genügt, die unbegrenzte Sohuesliebe zu kennen, welche der jetzige Kaiser für den Vater hegt, um stst überzeugt zu sein, daß diese Politik des allgemeinen Friedens, der von der Erhaltung und fortschreitenden Entwickelung fortgesetzt wird, mit aller Festigkeit, Loyalität und Energie, welche vom Vater auf den Sohn überging. Roch bevor irgend ein offizieller Ausspruch in dieser Beziehung ergangen, hat man das wohl eingesehen in Rußland, wie im Auslande und die Kundgebungen der Trauer und Verehrung für das erhabene Schlachtopfer sind gleichzeitig Zeugnisse für das Vertrauen in die Zukunft und für den allgemeinen Wunsch, daß man die ausgezeichneten Beziehungen, welche der verstorbene Kaiser zu allen Mächten herzustellen verstanden hat, erhalten, befestigt und weiter entwickelt sehen will. Wir wissen, dieses Vertrauen wird nicht getäuscht. Die kaiserliche Regiemng wird nicht säumen, die Absichten ihres Herrn in dieser Beziehung zur Kenntnis zu bringen in Ausdrücken, welche ebenso würdig find des großen russischen Reiches wie des Andenkens an denjenigen, dessen einzige und beständige Sorge das Glück, die Ehre und Würde Rußlands war.
Petersburg, 17. März. Die „Agence Russe" meldet: Der verhaftete Michailoff ist ein Bauer aus dem Gouvernement Smolei.Sk. Die vorgefundenen Papiere deuten auf gewisse Vorbereitungen am Katharinenkanal und der kleinen Gartenstraße hin, welche der Kaiser hätte passieren müssen, wenn er über ben NewSkiprospekt fuhr. Die Polizei informierte den Untersuchungsrichter, daß die Eheleute Kobazew, welche in dem Keller des Hauses 56/58 der kleinen Gartenstraße ein Milchgeschäft hatten, verschwunden und Spuren von unterirdischen Arbeiten zurück- gelaffen seien. Eine vorgenommene Jnspicierung konstatierte eine Vertiefung mit einer Mine, welche bis zur Mitte der Straße führte. Die Untersuchung über alle diese Entdeckungen wird demnächst beendet. Alsdann werden die Gerichte sich mit der Angelegenheit beschäftigen. Auf 6 Monate ist Trauer mit den gewöhnlichen Abteilungen angeordnet. Aus allen Teilen des Reiches treffen fortgesetzt Telegramme beim Kaiser ein, worin der Treue und Ergebenheit Ausdruck gegeben wird.
Petersburg, 17. März. Das „Journal de St. Petersbourg" sagt, die kaiserliche Familie werde nicht säumen, die Absicht ihres jetzigen Herrn zur Kenntnis zu bringen, daß die ausgezeichneten Beziehungen, welche der verstorbene Kaiser zu allen Mächten herzustelleu verstanden habe, erhalten, befestigt und weiter entwickelt würden.
P a r i s, 17. März. Der „Voltaire" erhält einen Brief aus Petersburg, deffen Inhalt seltsam genug ist. Alles, heißt es darin, sei vorbereitet gewesen für die Katastrophe, die schon so oft gedroht habe. Das erkläre den sehr raschen Gang der Dinge. Die ersten Weisungen habe Pobedonoschew, der frühere Erzieher Alexanders III., er-
nicht, sie über dieses gefährliche Thema hier weiter sprechen zu lassen und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf eine Schaar Dohlen, die über unseren Köpfen kreisten; wie ein Kind war sie augenblicklich von ihrem früheren Gedankengange abgelenkt. Sie blickte nach den Vögeln auf, machte aber keine Bemerkung, nur legte sie, als ich merkte, daß eS schon spät und kalt sei, und daß wir nach Hause eilen wollten, ihren Arm schweigend in den meinen und ließ sich ruhig zurückführen.
Noch an demselben Abend hatte sie einen Anfall ihrer Krankheit, den ersten feit meiner Ankunft. Fast zwei Stunden lang erlag sie einer Ohnmacht nach der anderen und war dann so schwach und erschöpft, daß sie schnell zu Belt gebracht werden mußte.
Miß Barbara hatte die Gewohnheit, jeden Abend, sobald ihre Schwester zur Ruhe gegangen war, in mein Zimmer zu kommen, um noch ein wenig mit mir zu plaudern. Als sie diesen Abend zur Visite kam, sagte sie plötzlich: „Können Sie diesen Anfall erklären, Freda? Sie war nie so krank, ausgenommen, wenn sie hesttge Gemütsbewegungen hatte."
„Ja, Miß Barbara, ich muß Ihnen sagen, Ellinor hat mir diesen Nachmittag mitgeteilt, baß sie verheiratet war."
„So I" dann war sie einige Augenblicke still. „Das ist genug, um den Anfall zu erklären. Es ist schrecklich, daß dieser Wahn immer wiederkehrt, nicht wahr? Sie glaubt es wirklich, und sobald dieser Gedanke auftaucht, ist sie fürchterlich erregt. Ich will Ihnen nicht verschweigen, daß jener Mann, um den es sich handelt, eine Scheinehe mit ihr einging. Hatte ich nicht Recht, sie feinem Einfluß und feiner Ehrlosigkeit zu entziehen?"
Die Erinnerung an eine andere Geschichte, die ich noch nicht so lange vorher gehört hatte, durchkreuzte einen Mo-
teitt. Der Kaiser sei bei .der Ankunft im Paläste schon tot gewesen; doch habe man ben Tod bis 5l/g Uhr verheimlicht, um Vorbereitungen zu treffen. (Es bedarf angesichts der ausführlichen Mitteilungen, welche aus Petersburg vorliegen, keines besonderen Nachweises, daß diese Darstellung falsch ist.) Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die ersten Maßregeln der neuen Regierung, die zum größten Teil schon im Voraus festgestellt gewesen, folgende fein: Die Presse werde ben gewöhnlichen Gerichten entzogen und einer besonderen Gerichtsbarkeit unterworfen werden. So rasch als möglich werde eine Notabeln-Ver- sammlung einberufen werden, welche die Fragen betreffs des Wahlverfahrens und der Wählbarkeit zu lösen und so ben Weg zur Einberufung einer LandeSvertretuiig zu bahnen haben. Der Großfürst Wladimir, der bisher in eine bescheidene Rolle gedrängt gewesen, werde großen Einfluß gewinnen. Die Fürstin Dolgoruki werde deS Lande« verwiesen werden. DaS wirkliche Manifest deS Zaren werde erst nach dem Begräbnisse Alexanders II. an die Oeffent- lichkeit gelangen. Man fei auf größere Bewegungen im Lande vorbereitet und halte in mehreren Bezirken, so in Kiew, Charkow und in Polen, Ruhestörungen nicht für unmöglich. Auch sei man nicht ohne Besorgnis wegen der Stimmung der Truppen in Asien.
De«tsche» Reich.
** Berlin. 17. März. Von Seiten Bremens ist beim Bundesrat der Antrag gestellt worden zu beschließen, für Tabak mit Emballage aus Schiff-Leinen und einem Geflecht ans Kuhhaaren einen Tarasatz von vier Prozent anzunehmen und für Tabak mit Emballage aus Seinen und Bast den früheren Tarasatz von vier Prozent wiederherzustellen. Begründet. wird dieser Antrag damit, daß in Folge der neuen Tarasätze die Versender zur jedesmaligen Vorwiegung des Nettoiirhalts genötigt sind, was um so mehr alS Belästigung empfunden wird, als gerade der türkische Tabak wegen seiner krümelnden Beschaffenheit durch die Manipulation und die mühsame Wiebereinpackung sehr leidet. ES wirb eine feste Tarabestimmung daher nicht allein im Interesse bcS Versandes liegen, sondern auch den Zollbehörden eine erhebliche, durch fiskalische Rücksichten nicht gebotene Arbeit ersparen. — Behufs weiterer Deklaration eines früher ergangenen Erlasses in betreff der Zulassung der Civil - Supernumerare zur Prüfung von Subalternbeamten zweiter Klaffe hat der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem kürzlich ergangenen Erlaß bestimmt, daß unter dem „letzten Einstellungstermin" derjenige Meldungstermin zum Diensteintritt als Einjährig-Freiwilliger, welcher dem Gesuch um Zulassung zur Prüfung zum Subaltern- Beamten zweiter Klasse bezw. zum Güterexpedienten unmittelbar vorausgehe, nicht aber der letzte überhaupt zulässige
ment meinen Kopf. Doch sie paßte nicht, ganz und gar nicht, zu Miß Barbaras folgenden Worten:
„Sein Name ist „Thorne", „John Thorne". Er war ein Mann niedriger und roher Gesinnung, der Glück und Ruhe eines Menschenlebens für nichts achtete. Ein armes Mädchen so schmählich zu betrügen und für immer Kummer und Krankheit über sie zu bringen; — der ElendeI"
Miß Barbara schwieg. Sie war (eiten zu Thränen geneigt, aber jetzt bedeckte sie hastig ihre Augen mit der Hand.
„Wäre es aber nicht doch möglich, daß das wahr ist, was sie behauptet, daß sie wirklich heiratete?" wag!e ich zu fragen.
Miß Barbara schüttelte den Kopf.
„Nein!" sagte sie entschieden. „DaS ist nur der Wahn ihres gequälten, kranken Gemüts. Weshalb hätte er sie sonst verlassen? Manche Leute mögen eS für Unrecht halten, daß ich ihn nicht anfsuchte, um ihn zu zwingen, sie zu heiraten. Aber ich konnte eS mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, sie einem so schlechten 9 lanne zu überlassen."
„Wie ich Ihnen sagte, ich hoffe — der Himmel möge eS mir verzeihen — ich hoffe, daß er tot ist. Wenn sie ihn je wiedersehen sollte, so bin ich gewiß, bei dem Gesundheitszustände, in welchem sie ist, würde sie das entweder töten oder zur Raserei bringen. Zu der Zeit, eS ist ja nun eine Reihe von Jahren darüber hingegangen, wurde sie wahnsinnig, weil er sie verlassen hatte. Drei Monate hindurch währte der entsetzliche Zustand. Fürchten Sie sich deshalb nicht, bei uns zu bleiben, Freda; ich hoffe zu Gott, daß sich da« nicht wiederholt."
Arme Miß Barbara, ihre Prüfung war eine schwere! Ich küßte und tröstete sie und sagte ihr, daß ich sie nie verlassen würde, so lange sie und Ellinor meiner Dienste bedürften1 (Forts, folgt.)