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fflaröurg, Freitag, 18. März 1881.

xvi. Jelrgeig

Anzeigen nimmt emgegen: He Sxpeditto» d-vlatter, sowie d-Anuoncen<8ure von LH, Dietrich & So.

Raffel und Hannover; ! Dietrich in Frankfurt aJ Haasenffein & Logier Frankfurt a- M., Ber! Leipzig, 651« re.; Rui Stoffs t« Berlin, Zrauk-

Lnzeigen nimmt! entgegen die Expeditto» -.Blattes sowie d-Annoncen-Bureaux von ». £. Daube L Eo.in Zraukfurta.M; Iigerffch« Buchhandlung daselbftu Hermaunffche Buchhaudl. -asek-st; Invalidendani l« Ä®. Thienes in r 6. Schlotte in Bremen.

FLr m der Expeditwn zu ertherlende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Bfa. berei-net.

DaS Hiuscheideu des Kaisers Alexander.

Kaiser Alexander II. von Rußland ist nicht mehr: von verbrecherischer Hand getroffen, gab er in der vierten Nachmittagsstunde des 13. März nach kurzen qualvollen Leiden seinen Geist auf I

Einer der edelsten und besten Monarchen, dessen ganzes Leben nur dem Glück seines Volkes gewidmet war, hat einen schrecklichen Tod gefunden, wie kaum zuvor ein anderer Monarch. Wenn die Kunde von dem Ableben eines mächtigen Herrschers überall in der Welt einen tiefen und ernsten Eindruck macht: so rufen die fürchter­lichen Umstände, unter denen Kaiser Alexander dahinsank, überall, wo man menschlich fühlt, eine niederschmetternde, erschütternde Wirkung hervor. Zumal in Deutschland, welches in dem Hingeschiedenen Monarchen einen nahen Verwandten uno denbesten Freund" seines Kaisers ver­ehrte! Mit Kaiser Wilhelm und seinem Hause steht Deutschland mit aufrichtiger Trauer an dem Sarge eines Herrschers, welcher in seinem eigenen Volk nicht den Schutz und die Sicherheit finden konnte, deren jeder Unterthan unter seinem milden und gerechten Scepter sich erfreute! Mit Teilnahme für das Geschick eines fremden Monarchen, mit Wehmut über die Unmenschlichkeit, welcher ein ge­kröntes Haupt zum Opfer gefallen, stehen wir vor diesem erschütternden Drama wie vor einem unlösbaren Rätsel der Welt!

Fünf Mordanschlägen, welche politische Verblendung gegen ihn richtete, war Kaiser Alexander unter Gottes sichtbarem Schutz entgangen, der sechste sollte nach Gottes unerfvrschlichem Willen trotz aller äußerlichen Vorsicht, die den Kaiser in letzter Zeit umgab, sein Ziel erreichen! Die Thal hat von Neuem uno mit furchtbarer Klarheit den tiefen Abgrund aufgedeckt, an welchem Rußland, an welchem die menschliche Gesellschaft steht.

Als im vorigen Jahre (am 17. Februar) die Kunde von der Frevelthat, deren Schauplatz der Winterpalast des Kaisers war, damals die dritte Frevelthat innerhalb eines Jahres die Welt durcheille, war e» Allen klar, daß an dem Marke Rußlands ein Krebsschaden zehrt, dessen Bekämpfung nur gelingen würde, wenn alle Kräfte" des Guten, welche in der Nation wohnen, sich mit be­geisterter Thatkraft erhöhen und sich um den Kaiser scharten. ES ist dies, das muß man heute sagen nicht geschehen, trotz aller äußeren Anstrengungen nicht, well in so kurzer Zeit die Redlichkeit und Sittlichkeit, welche allein für den Kaiser eine Schutzwehr bilden konnte, nicht alle Kreise der Gesellschaft durchdringen und eine innere Er­starkung und Gesundung des msstschen Voksleben S nicht über den inneren Grund des traurigen Ereignisses an dieser Stelle gesagt wurde/gilt heute nur noch in erhöhtem Maße.

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Freda.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzei.

(Autorifitte Uebersetzung.) - (Fortsetzung.)

Tante Selina war ohne Zweifel froh, mich los zu werden; deffen ohngeachtet nahm sie die Mitteilung, daß ich eine bezahlte Stellung annehmen sollte, übel auf. Es wider­stritt ihrem Dünkel, daß eine ihrer Nichten sich ihren Unter­halt verdienen sollte.

Es ist die reine Thorheit," sagte sie zu Miß Fairbank. Meine Nichte braucht durchaus nicht eine solche Stellung einzunehmen, sie könnte, wenn sie wollte, einen der reichsten Männer in England heiraten."

Tante Selina, bitte, sprich doch nicht solche Dinge," rief ich unwillig und errötend aus, während Miß Fairbank verlegen drein schaute.

DaS ist ja völlig wahr, Freda, und du weißt, daß es so ist. Sie hat den armen Mann ausgegeben, in der herz­losesten Weise, eine Woche vor der Hochzeit, Miß Fairbank, ich versichere Sie. Alle- war in Ordnung, da- Frühstück bestellt, mein Kleid gemacht, kurz alles! Allerdings starb ihr Vater, aber das hätte höchstens einige Woche Aufschub erfordert und sie könnte jetzt daran denken, ihren HochzettS- tag festzusetzeu, statt eine Stelle als Gesellschafterin anzu- nchmen!"

Ich glaube, daß Miß Clifford wohl ihre Gründe hatte, so zu handeln," entgegnete Miß Barbara sanft.

Ich wüßte nicht, welche Gründe. Nach meiner Mei­nung hatte sie keinen Grund, giebt es überhaupt keine Gründe dafür, einen Manu mit jährlich zehntausend Pfund auszuschlagen."

Damals schon wurdelhervorgehoben, wie dieser Herrscher während der ganzen Zeit seiner Regierung die großherzigsten Plane zur Hebung uno Beglückung seines Volkes verfolgt hat, dafür aber steigenden Undank geerntet hat.

Das erste Ziel der revolutionären Partei in Rußland ist uuu erreicht, um so mehr wird ihre teuflische Begier ermutigt sein, den Nachfolger des Hingeschiedenen Kaisers erwattet eine schwere Last und eine verantwortungsvolle Aufgabe, von deren glücklicher Lösung die Ruhe Rußlands, vielleicht die Ruhe Europas abhängt.

Unter der Regierung des Kaisers Alexander II. herrschte ein friedliches, freundschaftliches Einvernehmen zwischen Preußen-Deutschland und Rußland. Dieses Ver­hältnis war die Grundlage, auf welcher sich die Freund­schaft zwischen Deutschland und Oesterreich nach den großen Ereigniffen der sechsziger Jahre und somit daS Dreikaiser­bündnis aufbauen konnte. Lange blldete der Bund der drei Kaisermächte den Ruhe- und Stützpunkt der euro­päischen Gesamtpolitik. Kaiser Alexander hat auch in dieser Beziehung den in der Bevölkerung zählenden revolutionären Kräften, die ihn von jener Politik abzuziehen trachteten, widerstanden und an der Verfolgung ihrer Bestie- bungen zu hindern gewußt. Möge eS seinem Nachfolger, der den Thron seiner Väter als Kaiser Alexander III. bestiegen hat, in gleicher Weise geschieden sein, den ungezähmten Kräften welche Rußland auf abenteuerliche Wege führen wollen, mtt dauerndem Erfolg entgegenzutreten; möge eS chm aber auch gelingen, die guten Kräfte der Ration um sich zu schaaren, um Rußland auch vor den Gefahren zu schützen, die ihm im Innern drohen.

Deutschland wird dem Heimgegangenen edlen Fürsten ein herzliches, ehrendes Andenken widmen: eS begrüßt seinen Sohn, den jetzigen Kaiser, mit dem anfttchtigen Vertrauen, daß auch er die Ueberlieferungen seiner Ahnen treu pflegen und den Wert einer ernsten Freundschaft mit Deutschland wahrhaft würdigen werde. (Prov.-Corr.)

Ueber die Ereignisse in Petersburg sind noch folgende Nachrichten eingetrof|en:

Petersburg, 14. März. Die geschleuderten Wurf - geschosie bestanden aus Glaskugeln, wie solche beispielsweise in chemischen Laboratorien gebraucht werden; sie enthielten Sprengöl (Nitroglycerin), einen höchst gefährlichen Ex- plosionSstoff, mit dessen Verwendung Russakow, der frühere Zögling der Bergakademie, infolge seiner Studien jeden­falls genau Bescheid wußte.

Petersburg, 15. März. Eine höchst seltsame Attentatsgeschichte brachte gestern dieNeue Zeit" die heute durch die deutschePetersburger Zeitung" bestätigt und ergänzt wird. Der Kaiser erhielt vor unlanger Zeit aus Paris von einemDoktor" Pillen gegen Asthma und Rheuma zugeschickt und obgleich sie nicht verschrieben waren,

ES giebt doch manche Dinge im Leben, die höher stehen als Geld," sagte Miß Barbara, indem sie mich freundlich ansah.

Nun, ich weiß nicht. Jedoch, Sie und Freda stimmen vielleicht üherein. In ihrer Att ist sie ja ein gutes Mädchen, obgleich sie sich sehr dumm benommen hat, und ich hoffe, daß Sie in ihr eine Stütze für Ihre arme Schwester finden. Sie ist leidend, sagten Sie, nicht wahr? Ja, ich will meine Einwilligung geben und Ihnen Freda dann nächste Woche schicken. Es hat mich gefreut, Sie zu scheu. Guten Morgen, Miß Fairbank.

23. Kapitel.

Ellino r s Enthüllungen.

_ Miß Barbara Fairbank hatte Recht, als sie Kaneton- Squars einen trostlosen Platz nannte. An dem Nachmittage als ich dott ankam, war der Himmel gleichmäßig grau über­zogen, längs den Hügeln, bis tief zur Erde gesenkt, schoben sich lange Nebelflecken hin, die Lust war naß und kalt, und die Wege waren bodenlos. Kein Haus, kein Baum im Umkreise, weder Hecke noch angebautes Feld war zu scheu; nichts als Meilen und Meilen von wlldem Haideland, hie und da mit kleinen Heerdeu verkümmerter, schwarzköpfiger, nordischer Schaase belebt und dann und wann von einem schnellen in Felsen gebetteten Bach, der lärmend von den Hügeln herunter rauschte, durchschnttten. Sonst war alles monoton und tot es war, wie am Ende der Well.

Die Besitzung nahm fünf ober sechs Morgen Landes ein und war rings von einer hohen grauen, fteinernen Mauer umgeben, Die Moos, Flechten und nun verdorrte Farren bedeckten. Das wettergeschwärzte, hohe Gebäude, mtt einer verfallmen Kapelle an einem Ende derselben, war ehe­

gelangten sie direkt in des Kaisers Hände. Dieser übergab sie zur Prüfung dem Leibarzt Botkin. Tie Pillen waren umhüllt, wie alle Schwindelmedikamente, mit Reklamen und dergl. Die Hülle war durch einen Faden zusammenge­bunden. Botkin zog an dem Faden und ein schwacher Knall erfolgte. Botkin ließ nun untersuchen und cs stellte sich heraus, daß die Schachtel Dynamitpillen enthielt, die genügt hätten, um mehrere Personen in Stücke zu zer­reißen. Durch Zufall kam Botkin mit dem Leben davon.

-DieAgence Russe" berichtet hierzu: Der Kaiser litt in dm letzten Tagen an Asthma; mit dem Kästchen Pillen gegen das Asthma war gleichzeitig ein Bries eingegangm, der den Kaiser benachrichtigte, er möge, wenn er ein solches Kästchen erhielt, dasselbe nicht öffnen, denn beim Auf­schneiden oes Bindfadens würde dasselbe explodieren und ihn töten. Die Prüfung ergab, daß da« mit einem Piston versehene Kästchen die Ingredienzen wirklich enthielt, von denen der Wamung-bnes sprach. Diese Ingredienzen hättm mehrere Personen töten können.

P e t e r S b u r g, 16. März. Nach einer Meldung ber hiesigen Blätter versuchte bet Attentäter Russakoff sich bei seiner Verhaftung zu vergiften. Die auf gestern festgesetzte Aburteilung Ruffakoffs wurde infolge ber Entdeckung ber Wohnung, aus welcher bie Sprengbomben geliefert wurden, verschoben. Der Inhaber bet Wohnung wat ein breifeig Jahre altes Individuum namens Nawrvtzki.

Petersburg, 16. März. Die Uebetsührung bet Leiche beS Kaisers Alexanbet IL ftnbet am 18. März auS bem Winterpalais nach ber Peter-PaulS-Kathedrale statt. Die Ernennung beS Großfürsten Wlabimit zum Ober- Befehlshaber beS Gatbe-CorpS unb der Truppen im Peters­burger MUttärbezitke erfolgte durch UkaS vom 14. März. Der Kaiser geben» in diesem UkaS feiner in ben Reihen dieser Truppen verbrachten Zeit unb spricht denselben feinen Dank für ihren Pflichteifer und ihre £reue au«.

Petersburg, 16. März. Bezüglich des verhafteten Russakoff stellte sich heraus, daß derselbe schon früher wegm nihllistischet Umtriebe in Untersuchung war.

Köln, 16. März. DieKöln. Ztg." meldet auS Berlin, 16. März: An der Stelle, beten Ansichten in auswärtigen Angelegenheiten baS Deutsche Volk unbedingtes Vertrauen zu schenken pflegt, herrscht, wie wir zuverlässig wissen, die Ueberzeugung, baß bie politischen Folgen ber Petersburger Unthat nicht biejenige Tragweite haben wer- ben, welche man früher wohl bei einem in Rußland ein« getretenen Regierungswechsel zu erwarten geneigt wat. Dies gilt nicht bloS für bie Beziehungen Rußlands zum AuSlande, fonbern auch für dessen innere Verhältnisse. Es sind Anzeichen vorhanden, daß schroffe Wandlungen, wenig­stens zunächst, nicht in Aussicht zu nehmm sind. Da bie Einwirkung ber inneren Umgestaltungen unb Umwälzungen in Großstaaten von ben eigentümlichen Verhältnissen, wie mal« ein Kloster gewesen. Es staub tief in einer Senkung der Hügel unb hatte ein melancholisches unb gewissermaßen gefängnisartiges Aussehen.

Innerhalb ber Mauern befanden sich jedoch ein hübscher gut erhaltener Rasenplatz mit Buschwerk, ein neugebaute« Gewächshaus, solide moderne Nebengebäude, ein guter Küchengarten und ein gut beschaffener Obst- ober Weide- garten, in bem einige Kühe sichtbar Waren. Alle« zeigte, daß man nach Möglichkeit dafür gesorgt hatte, das Hau» angenehm und wohnlich zu machen. Trotz allem blieb es düsterer Platz.

Innen war das Hau« hübsch und geschmackvoll möbliett und in wenigen Tagen fühlte ich mich dattn vollkommm heimisch.

Die beiden Miß FairbankS empfingm mich voll Freuden. Ellinor konnte nicht genug aus mir machen; sie war offenbar entzückt, daß ich chr gehöre und schien nicht müde zu werden in ihrer eigentümlichen Weise mit mir zu sprechen.

Sie fühtte ein sonderbares Leben; sie beschäftigte sich nie mit Handarbeit, schrieb niemals Bttefe, noch trieb sie Musik. Sie las keine Bücher, ausgenommen die Bibel, die sie fast immer aufgeschlagen auf dem Schooße hatte, selbst wenn sie nicht darin las. Die Worte und Gebete derselben brachte sie im täglichen Leben in einer eigentümlichen Weise bei jeder Gelegenheit an. Sie unternahm täglich lange Spaziergänge, bei denen ich ihre einzige Begletterin war; unb so warb ich mit ber Haide unb ben Hügeln, welche sie umgaben, vertraut. Als ich baS wunberbare Licht- unb Schattenspiel auf ihnen gesehen unb von ihnen aus ben glühenbroten Winter - Sonnen - Untergang beobachtet hatte, bachte ich nicht mehr, daß dies ein häßliches und uninter-