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gemeinste Entrüstung über daS Attentat und die ruchlosen Meuchelmörder. — Der verhaftete Russakow, welcher die erste Petarde warf, stammt aus Barowitschi im Gouverne­ment Nowgorod.

Petersburg, 15. März. Ein Ukas des Kaisers erinnert au das Manifest deS verstorbenen Kaisers vom 19. Februar 1861, welches die Bauern, die als Leibeigene früher nicht den Schwur der Treue leisteten, frei machte, und fordert die Bauern auf, gemäß den Gesetzen, die für alle Bürger gleich seien, den Eid der Treue zu leisten. Der Kaiser beauftragt den Senat mit der Ausführung des Ukases. — Großfürst Wladimir ist zum Kommandeur des Gardekorps und der Truppen des Petersburger Mili­tärbezirkes ernannt. — Bei der gestrigen Huldigung verlas der Justizminister das Manifest über die Thronbesteigung des Kaisers und schritt dann zur Eidesabnahme. — DaS Trauergeläute aller Kirchen verkündet den Beginn der Trauerfeier. — Alle Hof- und Staatswürdenträger und Vertreter der Armee und Marine sind eingeladen, heute Abend der Ueberführung der Leiche deS Kaisers nach der Schloßkirche, wo dieselbe während 14 Tagen ausgestellt bleibt, und den jeden Abend daselbst stattfindenden Gebeten beizuwohnen. Die Leiche des Kaisers ist in die Uniform des Preobradschenskischen Regiments gekleidet.

Der nunmehrige Beherrscher Rußlands, Kaiser Alexan­der HL, ist am 10. März 1845 geboren, am 24. April 1865 wurde er nach dem Ableben seines Bruders Nikolaus zum Großfürsten-Thronfolger proklamiert. Er schloß die Ehe mit seiner um zwei Jahre jüngeren Gemahlin Feodo- rowna, bis dahin Prinzessin Dagmar von Dänemark, am 9. November 1866. Der in dem Kaiserlichen Manifest erwähnte neue jugendliche Thronfolger, dem mit dem neuen Czaren zugleich jetzt das russische Volk zu huldigen hat, ist $er zwölfjährige Großfürst Nikolaus Alexandrowitfch. Außerdem ist die Ehe des Kaiserlichen Paares mit drei Kindern, zwei Großfürsten im Alter von 9 und 2 und einer Großfürstin im Alter von 5 Jahren gesegnet.

Deutsche» Reich.

Berlin, 15. März. Der Kaiser empfing um l1/* Uhr das Präsidium des Reichstags, welches die gestern beschlossene Teilnahme-Bezeugung des Reichstages über­mittelte. Der Kaiser dankte tiefergriffen, indem er dem Schmerze Ausdruck gab, den er bei dem Verluste eines seinem Herzen so nahe stehenden Freundes und Verwandten empfinde und beauftragte das Präsidium, seinen Dank dem Reichstage zu übermitteln. — Soweit bis jetzt festgesetzt ist, wird sich der Kronprinz heute Abend von hier nach Petersburg begeben, begleitet von Generalmajor v. Mischke und den persönlichen Adjutanten: Major v. Panwitz, Hauptmann v. Pfuhlstein und Rittmeister v. Nievenheim. Dem Kronprinzen schließen sich auf Befehl an: der kom­mandierende General des 11. Armeecorps und je eine Deputation derjenigen Regimenter, deren Chef der Kaiser Alexander gewesen ist, der betreffende Regimentsoberst an der Spitze. — Der Kaiser hat durch eine KabinetSordre vom 14. März um den verstorbenen Kaiser Alexander von Rußland eine vierwöchentliche Trauer für die ganze Armee und eine fünfwöchentliche für die Regimenter, deren Chef der Kaiser war, angeordnet. Die KabinetSordre sagt: „Die Armee wird hierdurch bethätigen, daß sie meinen tiefen Schmerz um meinen treuesten, bewährtesten Freund und vielgeliebten Neffen teilt und dem verewigten Kaiser über das Grab hinaus ihren Dank darbringt für daS der Armee immer bcthätigte, besonders freundliche Wohlwollen und für daS warme Herz, welches er der preußischen Armee jederzeit gezeigt hat." — lieber den

„Sie ist bereits so schwärmerisch in Sie verliebt, Miß Clifford, daß Sie eS gar nicht mehr nötig haben, Ihre Zuneigung zu erringen. Alles, um was ich Sie bitte, ist, sie gerade so zu behandeln, als ob Sie irgend eine andere junge Dame Ihrer Bekannffchast sei, und sie nicht zu er­mutigen, von der Vergangenheit zu sprechen. Je weniger sie sich derselben erinnert, je weniger sie zurück denkt, desto vorteilhafter für ihren Geist und ihren Körper. — Ich hoffe, daß ein sehr ruhiges Leben Ihnen nicht unangenehm ist; wir könnenJhnen zu Kaneton-Squars keine Vergnügungen bieten."

„Vergnügen ist das letzte, wonach ich mich, selbst wenn ich nicht in Trauer um meinen Vater wäre, sehne. Dem Namen nach ist Ihre Besitzung im Norden?"

„Ja, an der Grenze von Aorkshire und Lancashire. Es ist wirklich ein sehr stiller Platz," sagte sie etwas zögernd. „Ich will Ihnen sogar nicht verhehlen, daß viele Leute ihn geradezu trostlos nennen: er liegt wie aus der Welt an einer wenig befahrenen Landstraße und sechs Meilen weit von der Station. Ich glaube," fügte sie lächelnd hinzu, „wenn Sie wünschen würden, sich vor einem Ihrer Freunde oder Feinde zu verbergen, so würde man Sie zu Kaneton- Squars gewiß nicht finden:"

Mich verbergen I War das nicht gerade daS, was ich wünschte? Wie nahe hatte sie das unbewußt berührt, was ich wie eine Hauptsache meines Lebens ansah.

„ES wird mir gerade das sehr zusagen," antwortete ich ernst, Miß Barbara meine Hand zum Abschiede reichend.

Am nächsten Tage besuchte sie, ihrem Wunsche gemäß, meine Tante Selina am Ruffel-Square und erklärte ihr, daß sie mich als Gesellschafterin zu ihrer jüngeren Schwester engagiert habe.

(Fortsetzung folgt.)

Kaiser bei Empfang der Trauerbotschaft schreibt das „Frembbl.": Se. Maj. der Kaiser war bei dem Erhalten der Nachricht von dem schrecklichen Ereignis, trotzdem das­selbe dem greisen Monarchen in der schonensten, allmälig auf den tragischen Ausgang vorbereitenden Weise mitgeteilt wurde, zunächst sprachlos vor Schreck und Teilnahme und hob vor Entsetzen beide Hände. DaS Kaiserliche Palais füllte sich alsbald mit Höchsten und Hohen Persönlichkeiten, sowie solchen von Rang und Würde. Die nächsten Familienglieder umgaben den Monarchen, Allerhöchstwelcher erst nach längerer Zeit Thränen fand. Waren die Augen der Umstehenden schon bisher vom Weinen gerötet, so be­mühte man sich vergebens, den erschütternden Eindruck wiederzugeben, den der Anblick deS schluchzenden, über die Maßen ergriffenen Monarchen hervorrief. Gott sei Dank haben gerade diese Thränen etwaige Befürchtungen betreffs Rückwirkung des Ereignisse« auf die Gesundheit Sr. Majestät des Kaisers verscheuchen können. Nachdem Se. Majestät der Kaiser sich gesammelt hatte, diktierte er eine lange Depesche an den nunmehrigen Monarchen von Rußland, die in den wärmsten Worten abgefaßt war und ein lebendiges Zeugnis von der tiefinnerlichen Zuneigung abgab, welche beide Landessürsten verband. Der Depeschen­wechsel zwischen dem jungen Kaiser von Rußland und Kaiser Wilhelm ist heute ein äußerst reger. UeberdieS wird heute ein Kabinets-Courier mit einem eigenhändigen Schreiben Sr. Majestät des Kaisers an den Kaiser von Rußland nach Petersburg abgehen. — Die „Kreuzzeitung" schreibt: Auch daS Domkapitel in Osnabrück hat, so viel wir wissen, vor einiger Zeit einen gemäßigten Prälaten zum Bistumsverweser gewählt, welcher der Staatsregierung genehm ist und von der Eidesleistung entbunden nird. Der Ministerialdirektor Lucanuö Hal auch in Osnabrück verhandelt und es werden auch dort wie in Paderborn die Verhältnisse geregelt werden.

•• Berlin, 15. März. In Folge des Kaisermordes in St. Petersburg sollen nach einigen Blättern auch hier Erwägungen polizeilicher Art über zu ergreifende Maß­regeln stattgefunden haben. Ich kann in dieser Beziehung mitteilen, daß an keiner Stelle Konsequenzen der in Rede stehenden Richtung an daS Petersburger Ereignis geknüpft worden sind. Unsere Zustände sind glücklicherweise noch nicht solcher Art, und was an Vorsichtsmaßregeln in dieser Beziehung möglich ist, ist sowohl durch die Gesetzgebung als durch die Wachsamkeit der Verwaltung schon vorhanden. — Nachstehende allerhöchste KabinetSordre ist in Betreff der Anlegung von Trauer um Se. Majestät den Kaiser Alexander unterm 14. März ergangen: „Um das Andenken des zu Meinem tiefsten Schmerz gestern aus diesem Leben geschiedenen Kaisers Alexander von Rußland Majestät zu ehren, bestimme Ich, daß die Armee vier Wochen — daS Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, das Brandenburgische Kürassier-Regiment (Kaiser Nikolaus I. von Rußland) Nr. 6 und das Ulanen-Regiment Kaiser Alexander von Rußland (1. Brandenburgische) Nr. 3 fünf Wochen — Trauer anlegt. Diese Trauer fängt in jeder Garnison nach dein darüber erlassenen Parolebefehl an, und es findet am ersten Trauertage den ganzen Tag über keine Art von Militärmusik statt; die Wachen ziehen also still auf. Die Armee wird hierdurch bethätigen, daß sie Meinen tiefen Schmerz um Meinen treuesten und be­währtesten Freund und vielgeliebten Neffen teilt und daß sie dem verewigten Kaiser über das Grab hinaus ihren Dank für Sein der Armee immer bethätigtes besonders freundliches Wohlwollen und für daS warme Herz, welches Er der preußischen Armee jederzeit gezeigt hat darbringt. Das Kriegsministerium hat hiernach das Erforderliche so­fort bekannt zu machen." — Die achte ordentliche General- Versammlung der Mitglieder der LebenSverstcherungS-An- stalt für die Armee und Marine ist auf den 9. April festgesetzt worden und es steht auf der Tagesordnung der­selben die Vorlage deS achten Rechenschaftsberichts der Anstalt für 1880 und Erteilung der Decharge. — Mit dem 1. April d. I. werden die Eisenbahn-Direktionen der Staatsverwaltung bestehen in Berlin, Bromberg, Magde­burg, Hannover, Frankfurt a. M., Köln für rechtsrheinische und Köln für linksrheinische Bahnen und die als Baube­hörde der Berliner Stadteisenbahn fungierende Direktion in Berlin. Außerdem treten in Elberfeld und Breslau kgl. Direktionen der für Rechnung von Privat-Gesellschaften verwalteten Eisenbahn:n in Funktion. — In der Bundes- ratssitzung vom 5. März wurde für die Stelle des Prä- stdenlen der Kaiserlichen Disciplinarkammer in Danzig der preußische Landgerichtspräsident von Schumann in Danzig und für eine vakante Stelle im Disciplinarhof in Leipzig der Reichsgerichtsrat Kienitz gewählt.

— Der Kultusminister v. Puttkamer ist nach interi­mistischer Uebernahme des Ministeriums des Innern vom Kaiser in Audienz empfangen worden. ES bestätigt sich durchaus, daß der Kaiser auf dem Verbleiben des Herrn v. Puttkamer im Kultusministerium besteht; der Kaiser schenkt Herrn v. Puttkamer in Kirchensachen vollstes Ver­trauen. — Der interimistische Minister deS Innern wird in amtlichen Schriftstücken zeichnen: „Der Minister des Innern im Allerhöchsten Auftrage." — An Stelle des zurückgetretenen Gouverneurs von Straßburg v. Schkopp, ist, wie man hört, der Kommandeur der 26. (Württem- bergischen) Division, Generallieutenant v. Gottberg ernannt worden. — In voriger Woche war der Landesdirektor des Fürstentums Waldeck in Berlin, um sich für die Wünsche des waldeckischen Landtages persönlich zu ver­wenden. Unter diesen Wünschen befand sich der, daß

j Waldeck an den Ueberweisungen auS dem Reiche, nach Maßgabe deS preußischen Verwendungsgesetzes.von 1880 teil habe. Wie nach der „Kr.-Ztg." verlautet, hatte man sich bereits vor Ankunft des LandeSdirektorS an maßgebender Stelle entschlossen, diesen Wunsch zu gewähren.

Dresden, 15. März. Der König hat seinen Generaladjutanten, v. Karlowitz, nach St. Petersburg ent­sendet.

Darmstadt, 15. März. Der Großherzog begibt sich nächsten Freitag persönlich nach St. Petersburg.

München, 15. März. Im Auftrage deS Königs reist heule Abend Prinz Arnulf nach Petersburg ab, um an den dort stattfindenden Beisetzungsfeierlichkeiten teilzn- uehmen.

Ausland.

Wien, 15. März. Das Abgeordnetenhaus wählte den Fürsten Lobkowitz mit 163 Stimmen zum ersten Vice- präsidenten; Demel erhielt 139 Stimmen.

Rom, 14. März. Anläßlich des Geburtstags des Königs hielt der König heute eine Revue über die hiesige Garnison ab, wobei die königliche Familie lebhaft begrüßt wurde. In dm Quirinal zurückkehrend, wurden ihr lebhafte Ovationen gebracht. Der König, die Königin und die Prinzm erschienen auf dem Balkon des Schlosses und dankten. Herzog von Aosta, Cairoli und andere Minister und hervorragmde Persönlichkeiten begleiteten die russischen Großfürsten nach dem Bahnhofe. — In der Sitzung der Kammer der Deputiertm beantwortete Cairoli eine Anfrage Massaris und sagte, er verabscheue das in Petersburg begangene Attentat. Cairoli erinnerte an die Verdienste Alexanders II. gegenüber seinem Lande und fügte hinzu, er habe den russtschm Großfürsten vor deren Abreise die übereinstimmenden Gefühle des Landes, des Parlamentes und der Regierung ausgedrückt, damit dieselben nach Ruß­land die Beweise der beide Nationen verbindenden Freund­schaft mitnähmen. Maffari dankte dem Minifterprästdentm, daß er der Dolmetsch der allgemeinen Gesinnungen gewesen sei. — Nuntius Jacobini drückte heute persönlich im Auftrage des Papste« dessen Bedauern und Entrüstung über das Attentat au«. Der Papst sandte übrigens ein Kondolenzschreiben an die kaiserliche Familie.

Paris, 15. März. Die „Rtzpublique francaife" beglückwünscht den Senat und die Kammer zu dem gestrigen Beschluffe, die Sitzung aufzuheben und so die Anteilnahme Frankreichs an dem Mißgeschicke Rußlands und die tiefe Entrüstung gegen die unheilvollen Verschwörer zu beweisen. Die „RLpublique francaife" schließt mit Wünschen für die Entwicklung der Wohlfahrt des russischen Volkes. Die Joumale „8a paix", „Ternps", „DebatS" und „Moniteur" und die meiften anderen Blätter der Rechten und Linken brandmarken ebenfalls das Attentat und rühmen den edelmütigen Charakter des verstorbenen Kaisers, den Patriotismus und die häuslichen Tugenden Alexanders des Dritten.

Madrid, 15. März. Die „Gaceta" publiziert ein Gesetz wegen Ratifikation des österreichischen Handels- und Schifffahrtsvertrages. — TerKönig drückte auf telegraphischem Wege dem Kaiser von Rußland sein Beileid aus. Es ist eine Hoftrauer von 24. Tagen angeordnet worden.

Loudoa, 15. März. Die „Times" sagt: Die große Freuntschaft zwischen Kaiser Wilhelm und dem verstorbenen Zaren war ein Pfand der Sicherheit für den Frieden in Europa. Das Blatt hofft, der Nachfolger Alexander II. werde einfehcn, wie wichtig es fei, das gute Einvernehmen zwischen Rußland und Deutschland zu kultivieren und wie empfehlenswerd, in dieser Hinsicht dem Beispiel des Vaters zu folgen. — Einer Meldung aus Newcastle zufolge ver­ließen 1000 Farmer den Orangefreistaat, um sich in Trans­vaal den Boern anzuschließen. — Die zweite Ausgabe der „Daily News" melden aus Durban vom 14. März: Der Waffenstillstand mit den Boeren ist um 4 Tage verlängert worden.

Haag, 15. März. Die zweite Kammer genehmigte einen Antrag, demzufolge die Regierung aufgefordert werden soll, der russischen Regierung ihre Entrüstung und ihre Teilnahme wegen des Attentates auszusprechen. In der russischen Capelle fand ein Trauergottesdienst statt, welchem die Vertreter der Regierung und das diplomatische CorpS beiwohnten.

Belgrad, 15. März. Der Präsident deS Conseils zeigte der Skupschtina die traurige Katastrophe in Peters­burg mit wenigen, aber tief empfundenen Worten an, hob die großen Wohlthatm hervor, welche der Zar seinem russischen Volke und den Slaven im allgemeinen erwiesen, und konstatierte, Serbien hege ein tiefes Dankbarkeitsgefühl für den Kaiser Alexander. — Die Eisenbahnvorlage konnte heute nicht auf die Tagesordnung gesetzt weroen, weil der Bericht der Minorität des Ausschusses noch nicht fertig ge­stellt ist. — KriegSminifter Seschjanin begibt sich nach Petersburg, um die serbische Regierung bei der Leichenfeier zu vertreten.

Koaftaatinostel, 15. März. Der ursprünglichen Ab­sicht entgegen, soll gestern doch eine Sitzung der Vertreter der Mächte zur Beratung der türkisch » griechischen Frage beim deutschen Botschafter Fürsten Hatzfeldt stattgefunden haben.

Hesseu-Raffau.

Marburg, 15. März. Die Tagesordnung der am nächsten Sonnabend, dahier stattfindenden Sitzung des landwirtschaftlichen Vereins ist sehr reichhaltig, so daß die

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