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Nr. 60.

QCBurg, Sonnabend, 12. März 1881.

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®tcu.er bestehenden Vorschriften sind einige Abänderungen erforderlich und sind zunächst hinsichtlich der Klassensteuer angeordnet worden. So soll z. B. in dem Feststellungs- Vermerk zu den Klassensteuerrolleu künftig außer dem Jahresbettage der veranlagten Steuer auch der Dreiviertel- lahresbetrag derselben ausgenommen worden. Eine ent- spttchende Aenderung erhält auch das Formular zur Kreis- nachwersung, während das Formular zur Bezirksnachweisuna unverändert bleibt u. s. w. In betreff der Ausstellung der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten und der Kreisnach- welsungen zu denselben muß die Verfügung Vorbehalten bleiben, da eine Aenderung der Formulare beabsichtigt wird, worüber zur Zeit noch Verhandlungen mit der Oberrech­nungskammer schweben. Hinsichtlich der klassifizierten Ein­kommensteuer ergeht besondere Verfügung.

Berlin, 10. März. Die Budgetkommission des Reichs­tages genehmigte unverändert die einmaligen Ausgaben für die RerchSdruckerei den Rechnungshof, die Reichsschuld, das Schatzamt, Justiz- und auswärtige Amt, darunter auch die Position für die zoologische Station -in Neapel. Bei dem Etat der Reichsbahnen wurden von den Bau­kosten für das GeiieraldirektionSgebäude in Straßburg im Ganzen 322,000 M. für das laufende Jahr 75,000 M. abgesetzt. Bei dem Postetat wurden für ein Dienstgebäude in Koblenz statt 54,300 nur 50,000, für ein Dienst- gebäude in der Königsstraße zu Berlin statt 200,000 M. nut 150,000 M. bewilligt. Den Lehrern der staatlichen ^heren Lehranstalten ist eine von dem Gymnasium in Könitz (Westpreußen) ausgehende, an den UnterrichtSmi- mster gerichtete Eingabe betreffs der Besoldungen zuge­gangen, damit alle Lehrerkollegien sich in gleicher Weise

DaS Gesuch geht dahin, im nächsten Etat die Gleichstellung der Direktoren und Lehrer an Gymnasien und Realschulen erster Ordnung mit den LandgerichtS- drrektoren und Richtern erster Instanz hinsichtlich der Be­soldungen herbelzuführen. In den Motiven des Rormal- etatS von 1872, der immer noch in kraft steht, ist nämlich ausgesprochen, daß die Besoldung der Gymnasial- u. s. w. Lehrer nach denselben Grundsätzen wie die der Richter erster Instanz erfolgen solle. Das Gehalt der letzteren ist aber seit dem 1. Oktober 1879 so festgestellt, daß die Gerichts- ^oAn°cm lm. Durchschnitt 5700, die Landrichter ebenso 4200 Mark jährlich beziehen, während, von Berlin und größeren Städten abgesehen, das Jahrgchalt der Gymnasial- Direktoren. durchschnittlich 4950, das der Gymnasiallehrer 3150 betragt, so daß ein Richter ein Drittel mehr als letzterer bezieht. Daß diese Eingabe in den beteiligten Kreisen Anklang finden wird, läßt sich erwarten, zumal die Motive zum Normalbesoldungsetat cs betonen, daß die genannten beiden Beamtenklassenamtlich und sozial aleich- gestellt* seien.

Offenbach, 8 März. Unser derzeitiger Reichstags­

abgeordneter Friedrich Dernburg in Berlin äußerte bereits bei seinem letzten Hiersein vor vier Monaten gegen ihm Nahestehende vertraulich seinen Ensschluß, bei kommender Wahl nicht mehr zu kandidieren, welchen Entschluß er jetzt in der Form eines an einen hiesigen Freund gerichteten Briefes, den die heutig«Offenbacher Zeitung* veröffent­licht, zur allgemeinen Kenntnis seiner Wähler bringt.

Stuttgart, 10. März. Die Abgeordnetenkammer nahm nach kurzer Debatte den Antrag der Finanzkommission, welcher lautet, die Regierung bitte den Bundesrat auf Einführung des Tabaksmonopols hinzuwirken, mit 56 gegm 16 Stimmen an. Unter letzteren befindet sich das Votum mehrerer, die sich der Abstimmung enthielten der Abge­ordnete Probst und Genossen. Enthaltung der Stimmab- gäbe gilt nämlich nach der Geschäftsordnung als verneinend. Ministerpräsident v. Mittnacht stimmte als Abgeordneter mitJa*.

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Sflr in bet Expedition » Eilende * ".e gespaltene Zeile 1« Vf«.

Berlin; W. Thiene« in «betfelb: tt. Schlotte ia Bremen.

Freba.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorifirte Uebersetzung.)

(Fortsetzung.)

"ber nicht, in wie fern du ihn in meiner Angelegenheit vertreten könntest."

In Ihrer Angelegenheit, Miß Clifford?" betonte sie Er hat mich beauftragt, mit Ihnen zu sprechen. Ich zweifle durchaus nicht, daß mein Besuch Ihnen unwill­kommen ist und ich versichere Sie, daß er für mich selbst sehr peinlich ist; aber man hat bis jetzt noch nicht von mir sagen können, daß ich vor einer Pflicht zurückschrecke wie unangenehm '

Bitte, Mrs. Featherstone, halten Sie mit dem, was Sie mir zu sagen haben, nicht zurück/ unterbrach ich st« ungeduldig,aber ersparen Sie mir die Beschreibung Ihrer Empfindungen."

Mrs. Featherstone verbeugte sich.

Meine Botschaft," sagte fie, mit kaum verhehltem Triumph,besteht darin, daß mein Bruder es für ganz unmöglich hält, Ihnen seine Hand zu reichen. Die Umstände, unter denen Sie das letztemal in London"

Welche Umstände, bitte I" rief ich vor Zorn heftig er­rötend.

Bitte mäßigen Sie sich, Miß Clifford. Zorn und Widerspruch sind in diesem Falle nutzlos und übel ange­bracht. Die Thassachen find leider nur zu sehr erwiesen und sprechen durchaus gegen Sie."

Ich verstehe Sie nicht," sagte ich stottemd.

"Dann will ich mich erffärm," erwiderte sie mit wachsen-

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der Befriedigung in Stimme und Haltung. Ich will Ihnen eine so unumwundene Erklärung geben, daß Sie mich unmög­lich länger mißverstehen können. An jenem Morgen, Miß Clifford, als Sie das letztemal in London waren, sah ich Sie, ich selbst, aus einem obskuren Wirtshause am Strande herauskommen, und zwar in der Gesellschaft des Kapitän Dhistleby, eines Mannes von laxer Moral und schlechtem

Wahrhafttg? Und ich hatte die Ansicht, er stehe in Ihrer besonderen Gunst, Mrs. Featherstone," unterbrach ich sie eifrig; um diesen schwachen Punkt ihrer Angriffspvsttion zu benutzen.

Mrs. Featherstone wies meine Bemerkung jedoch ver- achtlich ab.

Es giebt Männer, Miß Clifford, denen gegenüber eine Dame gesellschaftlich wohl die Pflicht haben kann, freundlich zu sein, mit welchen sie aber dessen ohngeachtet in den Straßen von London nicht allein gesehen sein möchte I DaS Ht.mit unserer Angelegenheit jedoch nichts zu thun. Es b^-ugt, daß Sie mit Kapitän Thistleby allein waren, daß k®tcr unb ih" tu denselben Wagen einsteigen und davon wahren sah, wohin? würde mir leid sein zu erraten nb ich dann in dem Wirtshause welches Sie verlassen hallen, Erkundigungen einzog. Dort wurde mir bestättgt, argwohnen ich nur zu viel Ursache hatte. Ich brauche Ihnen kaum zu sagen, wie betroffen und entsetzt ich in meinem sittlichen Gefühl war!"

Ich zitterte bei diesem schmachvollen Wort, aber ich be­zwang mich, uh , wollte fie aussprechen lassen.

"'to Pflicht lag klar vor mir," fuhr sie fort, mich scharf fixierend. Ich benutzte den Nachmittagszug nach Marborough und teilte meinem beklagenswerten Bruder den

AvSlalld.

Wie«, 10. März. Durch Hochwasser wurden auf der ungarischen Strecke der Südbahn Dammbrüche und Brückeneinstürze herbeigeführt; auf den Strecken Stuhl- weißenburg-Ofm und Stuhlweißenburg - Ujszoeny ist der Verkehr vorläufig eingestellt. DieNeue freie Presse« teilt mit: Zu den Handelsvertrags - Verhandlungen sind delegiert seitens des auswärtigen Amtes Graf Wolkenstein und Sektionsrat Baron Glanz, seitens des Handelsministeriums Bazant und Stribal, fettens Ungarns Matlekovich und Mihalovich. Die Abreise der Delegierten erfolgt am 12. März, der Beginn der Verhandlungen am 14. März.

Rom, 9. März. Die Vertreter Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Nordamerika haben gestern im Mmisterium des Auswärtigen die offizielle Einladung zur Münzconferenz auf der Grundlage des BimetalliSmuS überreicht.

Madrid, 10. März. Der NunttuS remonstrierte gegm die jüngsten Maßregeln der Regierung auf dem Gebiete des UntcrrichtSwesens. Die Regierung antwortete, diese Maßregeln liefen dem Konkordate nicht zuwider und ent­sprächen den Bestimmungen der Konstitution. Die Re- Gerung wünsche, die freundlichen Beziehungen mit der Kirche fortzuerhalten, sei aber entschlossen, ihre Prärogative und Rechte zu wahren.

Lissabon, 9. März. Die Kammer hat gestern einen Antrag, der die Beratung des mit England in Bezug auf Afrika und Australien abgeschlossenen Vertrages bi» zur Beendigung des Transvaalkrieges vertagt wissen wollte, mit 76 gegen 30 Stimmen abgelehnt und dm Vertrag sowie die Zusatzartikel betreffmd Afrika und Australim mit 74 gegm 19 Stimmen angenommen.

Loudon, 10. März. Mehrere Morgmblätter meldm gerüchtweise eine bevorstehende Kabinetsänderung; nach

Lettische» »eich.

* ©erlitt, 10. März. Der Umstand, daß das Ka­pitel zu Paderborn wirklich zur Wahl eines BiStumSver- wcserS geschritten ist, sowie vaß bereits ein Vertreter der Staatsregierung sich dort befindet, um mit dem Verweser die Verhältnisse zu ordnen, findet begreiflicherweise eine andere Beurteilung in der klerikalen, eine andere in der sortschrittlichcn Presse. Auf der letzteren Seite ist man geneigt, ein gefährliches Eiulmkm des Staates zwar nicht in dem erfolgten Schritte an und für sich zu sehen, aber doch in einer nahen Zukunft zu befürchten. Dieser Ansicht gegenüber ist zu bemerken, daß die Regierung in dieser Angelegenheit streng auf dem Boden des Gesetzes vom Juli 1880 vorgeht, welches ihr ausdrücklich die Befugnis beilegt, Bistumsverweser, welche zur Uebernahme dieses Amtes die genügende Legitimation haben, auf ein Jahr zuzulassen und für diese Zeit von dem Gehorsamseid zu entbinden, wenn die Person des Gewählten Garanttem des ihr zu schenkenden Vertrauens biete. Alle diese Voraus­setzungen dürften bei der in Paderborn stattgehabten Wahl zulreffen. Was dagegen die klerikale Presse betrifft so ver- sähtt sie gerade umgekehrt. Während man dort stets die Nachgiebigkeit und Schwäche, wenn nicht noch Schlimmeres, auf Seiten der Regierung voraussetzt, und nachzuweisen unternimmt, ist die klerikale Presse stets beflissen, ihre kirch­lichen Obrigkeiten als den unwandelbaren, nie nachgebenden Felsen Petri hinzustellen. So soll denn auch diesmal nur geschehen sein, was sich von selbst versteht. Die Wahl des BistumSverweserS würde auch in Zeiten des kirchlichen Friedens, führt dieGermania« aus, der Staatsregierung angezeigi worden fein. Wenn der Staat den Eid nicht fordere, so sei er der nachgiebige Teil; davon aber, daß der Bistumsverweser auch bei den von ihm etwa anzn- stellenden Geistlichen die Anzeigepflicht beobachten werde, sei nichts bekannt. Darauf ist wohl vorläu^ zu sagm, daß auch das Gegenteil nicht bekannt ist und man die Entwickelung der Dinge abzuwarten habe. In der Wahl des Verwesers liegt ein Entgegenkommen römischer Seits, welches durch die Entbindung vom Eid seitens des Staates erwidert wird. Erfolgen weitere Schritte des Entgegen­kommens oder vielmehr des Einlenkens, gegenüber oen Gesetzen von feiten der Kirche, so wird auch bet Staat es an dem nicht fehlen lassen, was et thun darf und was zum Frieden dienen kann. In Ausführung des Gesetzes über den dauernden Steuer-Erlaß hat der Finanzministet untetm 5. März bestimmt, daß die Klassensteuer der sämt­lichen Stufen und die klassifizierte Einkommensteuer der fünf untersten Stufen im Etatsjahre 1881/82 und bis auf weiteres auch in jedem folgenden Etatsjahre für die drei letzten Monate (Januar, Februar und März) nicht erhoben werden soll. Bezüglich der für Erhebung der

Sachverhalt mit. So schwer dies für mich war, bin ich doch froh, daß der Zufall mich begünstigt hat, ihn vor einer Schlange zu behüten! Auf meine Bitten willigte er etn, Erkundigungen einzuziehen und hörte nun, daß Sie die Nacht zuvor von Hause fortgegangen waren; da konnte er Ihre Schuld nicht mehr verkennen. Nut die Pflicht, Ihren atmen Vater als Zeichen seiner Achtung für die lange Freundschaft zu Grabe zu geleiten, führte ihn hierher; dann hat er Eddiugton verlassen und gedentt dorthin auch nicht fobald^zurückzukehren. Ich glaube, ich habe genug Über diese Sache gesprochen, Miß Clifford."

Völlig genug, zu viel, MrS. Feacherstone," ant­wortete ich.Ich habe Sie ohne Unterbrechung bis zu , gehört, wiewohl ich sagen kann, daß mein Verhalten in Wirklichkeit über jeden Argwohn erhaben ist. Ich erachte eS denn auch unter meiner Würde, Ihnen irgend eine Er- llärung darüber zu geben. Sie mögen jedoch wissen, daß ich sett einiger Zeit schon ensschlossen wat, Ihren Bruder Nicht zu heiraten; daß ich in jener Nacht, da ich nach London ging ich gestehe dies unverhohlen meinem Vater einen Bries hinterließ, worin ich ihm diese Absicht mitteUte. Auch heute habe ich nut nach Mr. Curtius ge­schickt, ihm zu sagen, daß ich meine Verlobung mit ihm abzubtechen wünsche."

Mrs. Featherstone lächelte und blickte auf das dürftige Mobiliar umher.Als ob das jemand glauben würde__

ein Mädchen ohne einen Heller!" Sie sagte daS nicht, aber unverkennbar stand es in ihren Zügen. '

Da verließ mich meine Geduld vollständig. Ich wendete mich bleich und vor Empörung zitternd ihr zu.

Haben Sie mir noch etwas im Auftrage Ihres Bru­ders zu sagen?«

942.

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Anzeigen nimmt: entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureanp non E. L- Daube &6o. in Aankfurta-M; Jägerssche Buchhandlung daselofl;

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gmeigen nimmt entgegen: He Expedition ».Blatte», sowie dAnnoncen-Bureaur von Th, Dietrich & So. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt aUJL; Saasenff ein & Logier in Zrautnrrt a. M., Berlin, Apzig, 551b ic; Rudolf R,ff: in Berlin, Frani-

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