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Skr. 59.

Marburg, Freitag, 11. März 1881.

XVI. Mg«Ig

(»eigen nimmt engegen: He Expedition d.vtatteS, sowie d.Anuoncen-vureaux von LH, Dietrich & So. in (affel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein & Logier in KraLkfurt a- M., Berlin, L-ipzig, Sölu ic.; Rudolf »offe in Berlin, Krank- furt a. M. ,r.

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Anzeigen nimmt1 entgegen dir Expedition d. Blattes sowie d. Amwncen-Bureaux von GL- Daube L Lo. in Frankfurt a-M; JSgerstche Buchhandlung daselbstj; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalibendank in Berlin; ®- Thienes in toofelb; L. Schlotte in

Srscheint täglich außer an den Buchdruckerel

7?6,» «drriS für das Quartal mit der wSchenüichen BeilageJünstrirteS SouutagSblatt" durch die «xpedition («och'sche

i) bezogen 3^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reichs 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

5ftt m der Expedition zu ertherleude Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

V Fürst Bismarck und die Liberale«.

Die liberalen Blätter der verschiedensten Parteischattierung können es noch immer nicht verwinden, daß der Fürst Bismarck durch seine letzten Reden dem Liberalismus mit allem was darum und daran hängt, ein Sündenregister vorgehalten und so gründlich die Wahrheit gesagt hat, daß die Ausführungen des Reichskanzlers in der Thal für Jedermann in dem Volke" verständlich waren.

Wie oft ist berechtigte Klage gegen die rege Beteiligung von Justizbeamten an der Wahlagitation der liberalen Par­teien erhoben worden, eine Beteiligung, die oft genug den gesunden Sinn des Volkes verwirrte, weil letzteres, nament­lich auf dem Lande, das Verhalten deS Richters als mit dem Willen des Königs übereinstimmend betrachtet, zumal schon die von dem Richter ergehenden Erkenntnisie an ihrer Spitze die eindringlichen Worte enthalten:

Im Namen des Königs!"

Und eben so oft wurden Beschwerden laut über den fortschrittlichen Ring in der Kommunal - Verwaltung der Reichs-, Haupt- und Residenzstadt Berlin, in welcher über­wiegend jüdisch-fortschrittliche Elemente thätig sind und in ihrem Sinne die städtischen Angelegenheiten regeln. Mögen daher die liberalen Blätter über die Urteile des Reichs­kanzlers auck noch so viel Lärm schlagen, eins steht doch unumstößlich fest: Fürst Bismarck hat dem Volke aus der Seele gesprochen und in den weitesten Kreisen wird seine Offenheit dankbar anerkannt.

Es muß Aufgabe der konservativen Preffe sein, die Reden des Fürsten Bismarck in das Volk zu tragen und immer wieder darauf hinzuweisen, wie es im Interesse der Bevölkerung selbst liegt, sich der Politik des Reichskanzlers ganz anzuschließen, um endlich das seitherige Nch zu zer­reißen und auf allen Erbitten deS Volkslebens beffere Zustände herbeizuführen.

Den Konservativen war nie eine Zeitströmung so gün­stig, wie die gegenwärtige. Was die konservative Partei jahrelang auf ihre Fahne geschrieben, die einzelnen Punkte ihres Programmes, Alles erfüllt sich durch die zähe Aus­dauer ihrer Führer. Beffere Zeiten für Volk und Vater­land stehen in naher Aussicht, denn das von den Liberalen solange geführte Regiment ist dahin, das Heft ist ihren Händen entwunden und ein vor längerer Zeit gefallenes hierauf bezügliches Wort deS Fürsten Bismarck hat sich jetzt bewahrheitet.

Auch des Kanzlers persönliche Teilnahme an den Ver­handlungen des Reichstags zeigt allen Denen, wie die Prov.-Corresp." schreibt, welchen daS Wohl des Staates, nicht der Sieg vorgefaßter veralteter Lehrmeinungen, am Herzen liegt, die Notwendigkeit, mit gleicher Entschlossenheit sich an dem Kampfe gegen die Hindernisse, die der Reform entgegenstehen, zu beteiligen.

Fred«.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.)

(Fortsetzung.)

Eines Morgens faßen Tante Sttina und ich trostlos im Eßzimmer beisammen.

Daß Mr. CurtiuS noch nicht da war, um nach dir zu sehen, Freda," bemerkte meine Tante.Ich denke, daß er heute sicher kommt."

Auch ich fand sein Ausbleiben seltsam, Denn zu meines Vaters Leichenbegängnis war er gekommen und sicher konnte er von dem Inhalt meines Briefes und von meinet Absicht, die Verlobung aufzugeben, nichts wiffen.

Ich wünsche auch, er würde kommen," antwortete ich, ich werde Daniel mit einem Billet nach Eddington schicken."

Ja, thue das Kind."

Ich schrieb ein Billet, worin ich ihn nur bat, zu kommen, um mit mir zu sprechen; zog die Schelle und schickte eS fort.

Tante, ich möchte ihm sagen, daß eS in meiner Absicht liegt, die Verlobung aufzugeben," sagte ich, als der Diener «ns verlaffen hatte.

Tante Selina drehte sich bestürzt nach mir um.

Freda, du wirst doch nicht eine so unerhörte Thörin sein?" rief sie voll Schrecken aus.

Wieso Tante?"

Du wirst doch nicht einen so wahnsinnigen Streich begehen und deine Verlobung abbrechen, jetzt jetzt, da du vollständig mittellos bist?"

Ist es wahrscheinlich, Tante, daß ich nach London ge-

Fürst Bismarck hat durch sein persönliches Eintreten in den Kampf Allen die Bedeutung und die Wichtigkeit der Lage nahe gelegt; möge man hierin ein Signal er­blicken zum Sammeln und Ordnen! Es gilt jetzt Ernst zu machen mit der Verwirklichung der schon lange genug vorbereiteten, im Jntereffe des Landes unerläßlichen wirt­schaftlichen Wiedergeburt!

Deutsche« «eich.

Berlin, 9. März. Es ist nicht richttg, daß, wie behauptet worden, jeder Tag neue Kandidaten in Bezug auf die Neubesetzung des Ministeriums des Innern bringe. Im Gegenteil hat sich der Kreis der Kandidaten so ver­ringert, daß in den letzten Tagen nur noch von zweien die Rede ist und daß die Kombinationen der ersten Tage fast sämtlich beseitigt sind. Es sind von wirklichen Kandidaten nur der Kultusminister v. Puttkamer und der Präsident v. Wolff in Frage. Dadurch wird die Insinuation wider­legt, als ob die Regierung in großer Verlegenheit um die Wiederbesetzung stt und ihre Pläne täglich ändem muffe. Es ist ein bestimmter Faden in der Behandlung der Sache von Anfang gewesen; lediglich die Zeitungen sind auf alle möglichen durch die Sachlage ausgeschlossenen Kombinationen verfallen. Die Nachricht, daß dem aus dem Amte ge­schiedenen Minister Graf Eulenburg eine Pfründe von 4000 Thlr. jährlichem Einkommen verliehen sei, ist bereits von anderer Seite der Wahrheit genähert worden. Der genauere Sachverhalt ist folgender: Die Pfründen in Bran­denburg steigen von 800 Thaler auf 1600 Thaler und 2400 Thaler, und jeder neu Eintretende beginnt mit der untersten Stufe. Unsere Presse bespricht das Faktum, daß Frankreich soeben eine Milliardenanleihe ausschreibt, nur vom finanziellen Standpunkt; doch erscheint wohl ein­mal der Hinweis, daß Frankreichs ungeheure und beständig noch wachsende Militärausgaben allein es sind, welche dem Übrigen Europa die große Militärlast auferlegen. ES wird gut sein, die Nutzanwendung hinzuzufügen, daß der franzö­sische PatriottsmnS, sttbst wenn er in Bezug auf die poli­tische Notwendigkeit solcher Ausgaben im Irrtum befangen ist,, durch die Freudigkeit, mit der er diese ungeheuren Lasten auf sich nimmt, ohne daß von irgend einer Seite, der äußersten Rechten oder der äußersten Linken, der geringste Widerspruch laut wird, den Anspruch auf ungeteilte Achtung aller Natiomen erwirbt.In der Sitzung des Bundesrats vom 25. Februar kam der Gesetzentwurf in betreff der Be­steuerung der zum Militärdienst nicht herangezogenen Wehr­pflichtigen zur Beratung. Bei der allgemeinen Erörterung erklärte der Bevollmächtigte für das Königreich Sachsen, die sächsische Regierung finde sich behindert, dem Entwurf, infofern derselbe neben der im Königreich Sachsen als haupt­sächlichste direkte Steuer bestehenden Einkommensteuer eine zweite, wenn auch individuell und zeitlich beschränke Ein­

gängen wäre und so an Papa geschrieben hätte, wie ich es gethan, wenn ich nicht aus innerstem Herzen gehandelt? Du kannst doch nicht annehmen, daß meine Gesinnung so niedrig ist, mich über alles das, was geschehen, hinwegzu- schen und zu ihm zurückzukehren, nur weil ich arm bin?"

Aber er weiß nichts absolut nichts," rief meine Tante, die Hände ringend.Ich habe dein thönchtes Billet gleich an mich genommen und augenblicklich verbrannt. Niemand hat es gesehen, als dein armer Vater und ich. Niemand weiß, weshalb du in so unsinniger Weise davon gingst. Für die Dienerschaft kann man irgend eine plau­sible Ursache erfinden. Mr. Curtius braucht nie etwas zu erfahren. UmS Himmtts Willen, Freda, fei nicht thöricht! Wenn du ihn auch nicht übermäßig liebst, so bietet er dir doch ein reiches HauS, während du andernfalls nur Ent­behrungen und harte Arbeit zu erwarten hast. Lehne dich nicht auf gegen die Vorsehung. ES ist schlimm genug, daß die Hochzeit jetzt mindestens drei Monate hinausgeschoben werden muß.

Tante Selina seufzte tief; ich glaube weniger über meines Vaters Tod, als über das Frühstück bei Gunter, das jetzt wieder abbestellt werden mußte.

Ich muß thun, was ich für Recht hatte," war meine Antwott.

Du bist ein undankbares, halsstarriges Mädchen," nef meine Tante und verließ das Zimmer, die Thüre hinter sich zuschlagend.

Ich blickte trostlos au« dem Fenster und war zu sehr von eigenem tiefen Kummer und innerer Angst erfüllt, um viel Sympathie mit den ^eingebUdeten und ausgebauschten Sorgen meiner Tante zu haben.

Bald kehtte der Bote von Eddington zurück. Erbrachte

kommensteuer einführe, zuzustimmen, da abgesehen davon, daß es wünschenswert erscheine, das Gebiet der direkten Steuern wie bisher ausschließlich den Einzelstaaten vorzu­behalten die für beide Steuern nach verschiedenen Grund­sätzen, für die eine nach den vom Bundesrat nach § 18 des Entwurfs zu gebenden Vorschriften, für die andere nach den im Königreich Sachsen geltenden gesetzlichen Bestim­mungen stattfindende Ermittelung deS Einkommens not­wendig zu Unzuträglichkeiten führen oder die Gesetzgebung im Königreich Sachsen nötigen würde, in Bezug auf die Veranlagung der Landessteuern sich den nach Befinden wechselnden Entschließungen des Bundesrats anzuschließen.

Durch den StaatShauShaltS-Etat für 1881/82 ist bestimmt worden, daß in der Folge die Gehälter der Kress- und Amtssekretäre, unter Beibehaltung des bisherigen Durch­schnittssatzes von jährlich 2700 Mark, im Maximum um 300 M., also von 3300 Mark auf 3600 M. zu erhöhen und dagegen im Minimum um 300 M., also von 2100 M. auf 1800 Mark zu ermäßigen sind. Mit Bezug hierauf hat der Minister deS Innern die königlichen Regierungen angewiesen, den vom 1. April d. I. ab etatSmäßig anzu­stellenden Kreis- und Amtssekretären nur ein Gehalt in Höhe von 1800 Mark jährlich zuzubilligen und auch den­jenigen Beamten, welche von jetzt ab mit der interimistischen Verwaltung einer solchen Stelle beauftragt werden, nicht mehr als die genannte Summe zu gewähren. Die ander- weite Abstufung der Gehälter der Kreis- und Amtssekretäre ans die Sätze von 1800 M. bis 3600 M. wird allmälig in dem Maße in Ausführung kommen, in welchem die Mittel dazu bei dem Eintritt von Vakanzen verfügbar werdeu.

In der Kommission des Reichstages zur Vorbera­tung des Naturalleistungsgesetzes stellte Abg. Freiherr zu Nordeck-Rabenau den Gesichtspunkt auf, zur Rekursinstanz für die Festsetzung der Leistungen einen Selbstverwaltungs­körper zu installieren. Staatssekretär v. Bötticher äußerte sich zustimmend. Die Formulierung eines bezüglichen An­trages soll in der heutigen Abendsitzung erfolgen. Die Zeiten haben sich für den Liberalismus augenscheinlich sehr geändert. Das mußte auch der Abgeordnete Lasker er­fahren, als er gestern im Reichstage nach längerer Pause bei Gelegenheit der Beratung über zweijährige Etats- und vierjährige Legislaturperioden in dem bekannten erhabenen und selbstbewußten Ton einmal wieder die Versammlung belehren wollte. Die Aufmerksamkett war nur eine sehr mittelmäßige und die sittliche Entrüstung deS Redners über die vermeintliche Vergewaltigung der Volksrechte fand keinen Wiederhall in dem weiten Raum des Sitzungssaals. Das verfängt jetzt Alles nicht mehr, weder im Parlamente noch im Lande.

Zu dem gestrigen parlamentarischen Diner des Reichskanzlers waren nach derNat.-Ztg." geladen: die

teine schriftliche, sondern nur die mündliche Antwort auf mein Billet:

Mr. CurtiuS sei am Abend zuvor von Eddington ab­gereist, aber MrS. Featherstone werde sich die Ehre geben, mich int Laufe des Nachmittags zu besuchen.

MrS. Featherstone? dachte ich. Da fiel mir ein, daß Kapitän Thistleby ste in ihrem Wagen hatte vorüberfahren sehen, als wir auö dem Hotel am Strande kamen. Sicher hatte ste uns bemerk; diesen Vorfall benutzt, um ihren Bmder gegen mich einzunehmen.

Diese Mühe hätte sie sparen können, wenn sie gewußt, wie fest ich enffchloffen war, meine Verlobung abzubrechen. Aber sie wußte es nicht und frohlockte jetzt wahrscheinlich Über den Zufall, der mich in ihre Macht gab. Ich hoffte nichts gutes von ihrem Besuch und gestehe, daß ich dem­selben mtt Beklemmung entgegensah.

Um drei Uhr ungefähr fuhr die Equipage von Edding­ton vor.

MrS. Featherstone erschien wie gewöhnlich in brillanter ToUette. Perlgrau und hochrot waren die dominierenden Farben; sie erinnerte entschieden an einen Kakadu. Nach . kalter Verbeugung nahm sie etwas entfernt von mir Platz. Ich sah an ihren zusammengepreßten Lippen, daß zwischen uns ein Krieg auf Tod und Leben bevorstehe und fügte mich darin.

Welchem Umstande habe ich deinen unerwarteten Be­such zu danken? Ich habe deinen Bruder zu sprechen ge­wünscht."

Mr. Curtius ist nach London."

i Fortsetzung folgt.)