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Marburg, Dienstag, 8. März 1881

XVI. Ja)tgeeg

OtnWslhe Leitung

eigen nimmt ttngegen: *U Expedition d.Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureaur von Ty, Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein & Bögler in Itentfurt a. M., Berlin. Leipzig, Sül» re.; Siudolf Noffe in Berlin, Frank»

Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blattet sowie d-Annoncen-Bureaur von G-L-Daube Lio.in Krankfutt a-M; Jägerische Buchhandlung daselbkj; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendmü in Berlin; re- Thiene« in Nberfeld: L. Schlotte in

®cf<»eint tatfi^ <m|« an den Wett agen nach Ton» »a» Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wdchentlichen Bellage3Iu#tirte6 SomttagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 2^ »arl, durch he Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Mr m der Expedttron zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

v Bestellungen für den Monat März der

Dberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

SSt"* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. 6. Oberh. Zeitung.

Der Steuer-Erlaß uud die Liberalen.

Die Regierung hatte dem Landtag einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach welchem für das nächste Jahr, 1. April 1881 bis 1. April 1882, der vierte Teil der Klassen­steuer und die vier untersten Stufen der Einkommensteuer den Steuerzahlern erlass en werden sollten. Von confer» vativer Seite wurde beantragt, diesen einmaligen Er­laß auf ein Jahr gesetzlich zu einem dauernden Er­laß des vierten Teiles der Steuern für alle Zeiten zu machen. Dieser s. g. Antrag von Minnigerode wurde nach heißen Kämpfen in der Budgetkommisston und im Plenum des Abgeordnetenhauses angenommen gegen die Stimmen der Liberalen durch die Konservativen, das Centrum und den Fortschritt, also mit großer Majorität. Im Herrenhause, wo sich anfangs Widerspruch erhob, trat Fürst Bismarck mit seiner wuchtigen Rede gegen den libe­ralen früheren Finanzminister Camphausen auf und zeigte, wie die liberale Mißwirtschaft nichts für die Verbesserung der Finanzen seither geleistet, trotz der Milliarden der Kriegskontribution, welche verwirtschaftet seien. DaS Herren­haus nahm den dauernden Steuererlaß nach den Vor­schlägen des Abgeordnetenhauses mit 94 gegen 41 Stimmen an.

Dieser Steuererlaß ist der erste große Schritt, welcher zu einer Erleichterung und gerechteren Verteilung der Steuern geschaffen ist und er ist überall im Lande mit Freude begrüßt worden. Es ist die erste Frucht, welche die Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck hervorgerusen, denn die erlassenen direkten Steuern sind dieUeber- s ch ü s s e der im Reiche eingeführten indirekten Steuern. Rach den Absichten der Regierung, wie sie aus den wei­teren Gesetzesvorlagen hervorgehen, sollen alle künftigen Ueberschüsse aus den Reichsfteuern unverkürzt zur gänzlichen Aushebung der Klassensteuer von unten herauf und zur Ueberweisung der halben Grund- und Gebäudesteuer an die Kommunen verwendet werden.

Gegen alle diese Gesetze und Vorlagen haben die Liberalen die entschiedenste Opposition gemacht, und gegen dieselbe gestimmt und da fragt man doch nachdem

Areva.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Uebersetzung.)

(Fortsetzung.)

Vor zehn Jahren, Freda, war ich ein junger Bursche, kaum ein Jahr in der Armee, da wurde ich nach dem Depot des Regiments einem kleinen Platze an der West­küste Irlands geschickt. Es ist meist wenig zu thun bei einem Depot, noch weniger aber, wenn es solch' ein öder Platz ist. Tnf eine Bahnstunde war rings keine auch nur mäßig große Stadt und im Umkreise von zwanzig kein ge­bildeter Me '.sch. Man kannte dort kein Vergnügen, es sei denn ein üenig Fischfang in der See und für uns, mit mir noch zwei Offiziere, welche dort exiüert waren, gab es, außer Rauchen, keine andere Beschäfttgung, als Müßig­gang. Es ar natürlich, daß ich in irgend eine Art von Unglück ger et, um fo mehr, als meine beiden Genosien älter waren- -iS ich und eng befreundet waren, so daß sie sich stets zusammen befanden, und ich die meiste Zeit allein verbrachte.

Ich ma.yte oft weite Spaziergänge längs der Küste. Eines Tage-, da ich bei niedriger Flut in einer Bucht vier Meilen »von Hause umherstreifte, sah ich ein Mädchen, das seinen Weg auf den vom Wasser unberührten Felsen suchte. Die > tangbewachsenen Steine waren sehr schlüpfrig, es glitt aus Mb fiel. Ich eilte ihm zu Hülfe und brachte es n-'ch dem festen Strand hinüber.

Es war ein junges und hübsches Mädchen, von irischem Tppus, dunkelhaarig und blauäugig ,ünd einer anmutvollen Schüchternheit, die mich außerordenllich ansprach. Ich

Grunde. Unsere ländliche Bevölkerung und die städttsche der kleinen Städte leidet unter dem Drucke der direkten Steuern und will eine Erleichterung derselben. Das Land verlangt, daß seine Vertreter den großartigen Reformen des Fürsten Bismarck, welche diese Steuererleichterung gewähren, zustimmen und ihm so einen Teil der drückenden Lasten abnehmen.

Was ist der Grund, warum die Liberalen diesem dringenden Wunsche ihrer Wähler und des ganzm Landes widersprechen. Wollen sie sich zu Parteigängern des Groß­kapitals und alles besten machen, was damit zusammenhängt? Was aber soll man sagen, wenn der Vertreter der Uni­versität Marburg im Herrenhause, Prof. U b b e l o h d e, gegen den Steuererlaß stimmt, nachdem Fürst Bismarck selbst in den wärmsten Worten den Erlaß als eine För­derung der Gerechtigkeit gegen die ärmeren Volkskasten als eine notwendige Consequenz seiner ganzen Wirtschafts­politik bezeichnet hat? Ist das eine Abstimmung, wie sie im Sinne und der Absicht irgend einer Universität liegen kann? Daß von den hessischen Abgeordneten Herr von Griesheim und Ziegler, die beiden liberalen Vertreter von Kastel und Hanau, gegen den Steuererlaß gestimmt, ist ja von ihrem Standpunkte aus erklärlich, daß aber der Vertreter des hessischen Hinterlandes, Herr Bork, dagegen stimmte im Vereine mit seinen politische» Glaubensgenossen das ist jedenfalls nicht erklärlich und wird von seinen Wählern wohl schwerlich verstanden werden.

So viel scheint festzustehen, die Liberalen haben es vollkommen aufgegeben, die Finanzlage des Reiches und der Einzelstaaten auf Grund des indirekten Steuersystems und der Zölle zu confolibieren sie können ober wollen ben Vertreter dieses Gedankens den Fürsten Bismarck nicht verstehen, aber sie setzen sich damit in einen Wider­spruch mit dem Volkswillen, der ihnen sehr verderblich werden kann.

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Deutsches Reich.

6erlitt, 5. März. Fürst Bismarck begab sich gestern Abend nach 9 Uhr zum Großherzog von Baden und ver- wellte dort bis gegen 11 Uhr. Für die Stellung als Minister des Innern wird ein neuer Kandidat genannt, dessen Ernennung sich verwirklichen dürfte, da er bereits hierher berufen ist. Es ist der Regierungspräsident von Wolff in Trier, der früher Hilfsarbeiter im Ministerium gewesen ist, er kennt das Resiort also schon aus der Praxis. Er kann sich zu seinem schnellen Avancement gratulieren, denn er ist ein Mann noch in den besten Mannesjahren und in seinem gegenwärtigen Wirkungskreise seiner ge­winnenden Manieren wegen bei den Beamten sowohl wie bei der Bevölkerung sehr beliebt. Seine hohe Befähigung wird allgemein anerkannt. Er bekennt sich zu streng kon­servativen Grundsätzen. Aus parlamentarischen Kreisen

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erfuhr, daß sie mit ihrer Schwester, die viele Jahre älter war, als sie selbst, in einem kleinen Hause wohnte, welches sie mir, hoch oben in der Kluft des wilden Küstenzuges zeigte.

Beide waren die Töchter eines Seekapitäns, welcher sich feit lange vorn Dienst zurückgezogen hatte und vor einigen Jahren gestorben war. Aber dennoch, obwohl durch Ge­burt und Manieren eine Dame, hatte das Mädchen wenig oder gar keine Erziehung genoffen. Sie hatte ihr ganzes Leben nur dort an der Küste zugebracht und ihre Schwester, vor der sie große Scheu hatte, war ihre einzige Erzieherin ge­wesen. Ueber den engen Kreis ihres Lebens hinaus hatte sie absolut keine Kenntnis von der Welt und ihren Wegen. Aber ein junger Manu, ein Schwärmer, ist blind für solche Mängel. ES kam dazu, daß wir uns täglich am Strande zusammen sanden und Stunden lang dort saßen, verliebt die Zeit vertändelnd und doch einfältig wie Kinder, ohne einen Gedanken an das, wohin dies führen sollte.

Von Anfang bis zu Ende war ich ein Thor in der ganzen Geschichte. Zunächst weigerte ich mich die Schwester zu sehen. Einmal, aus der Ferne, sah ich sie; sie sah ernst und streng aus und ich hatte das unbehagliche Be­wußtsein, daß unsere hübschen tete ä. tete am Strande nicht mit freundlichen Augen betrachtet werden möchten. Sie hätte nach meinen Absichten gefragt und solche hatte ich nicht. Bei meinem knappen Solde und den geringen Zuschüssen ans der Tasche meines Vaters konnte ich ja daran nicht denken, eine Frau zu nehmen.

Ich trug also durchaus kein Verlangen danach, meine junge Gefährtin zu heiraten. WaS hätte mein Vater für ein Gesicht gemacht, wenn ich mit einem solchen Vorhaben gekommen wäre.

verlautet, der Kriegsminister habe in der heutigen Sitzung der Budgetkommisiion einer Entlastung des Militär-Etats um ben für bie Waffen-EtablissementS ausgeworfenen Be­trag von einer Million zugestimmt. Der für bie Aus- behnung bet Einstellung ber Rekruten von vier auf sechs Wochen angesetzte Betrag von 400,000 Mark würbe gegen bie Stimmen ber konservativen Kommissionsmitglieder ge­strichen. DiePost" erklärt, bie Melbung ber Blätter, daß eine Nachsession des preußischen Landtages bereits be­schlossen sei, für gänzlich aus der Luft gegriffen. Es habe darüher weder ein Beschluß noch eine Beratung stattge­funden. Der Bundesrat hielt heute Nachmittag 1 Uhr eine Plenarsitzung im Reichskanzleramt. Die in den letzten Tagen erschienenen Vorlagen gingen an die Ausschüsse. Zur Annahme gelangten nach den Ausschußanträgen der letzteren daS Unfallversicherungsgesetz, da» Jnnungsgesetz und die Wehrsteuervorlage. Die sämtlichen hier anwesenden bundesstaatlichen Minister wohnten der Sitzung bet. ES heißt, daß die Mehrzahl derselben teils noch heute Abend, teils morgen Berlin verlassen würden. Die heute ange­nommenen Vorlagen werden nunmehr unmittelbar an den Reichstag gelangen, sodaß derselbe in der Lage ist, dieselben in erster Lesung noch vor den Osterferien zu erledigen, bezw. an die Kommissionen zu verweisen. DaS vielfach verbreitete Gerücht, als läge es in der Absicht, den Reichstag aufzulösen, wird in unterrichteten Kreisen durchaus be­stritten und vielmehr behauptet, daß es, abgesehen von den Steuervorlagen, dem Reichskanzler vor allem darum zu thun sei, ein endgültiges Votum des Reichstages über daS Verstcherungsgesetz zu erzielen.

Reustettitt, 3. März. Zu dem Synagogenbrande wird berichtet, daß die Untersuchung als beendet anzusehen und so gut wie feststehend ist, daß die Brandursache in einer Unvorsichtigkeit bei ber Tempelreinigung zu suchen ist.

Stuttgart, 4. März Der vorgesehene Antrag, bie Regierung zu bitten, daß sie im BundeSrat auf bie Ein­führung des TabakSmonopolS hinwirke, ist in der Abgeord­netenkammer erschienen, nicht als Antrag aus dem Hause, sondern, was ihn im voraus gewichtiger macht, als Antrag der Finanzkommission. Dieselbe hat ihn mit allen Stimmen gegen die eine des demokratischen Abgeordneten Mayer ge­stellt ; ein Mitglied, der demokratische Abgeordnete Schwarz, im Reichstag zur Fortschrittspartei sich haltend, fehlte. Genau ebenso wird voraussichtlich das SttmmenverhältniS im Plenum sich gestalten. Alle Parteien werden für daS Monopol sich aussprechen, ausgenommen die an Zahl ge­ringe demokratische, von der es noch fraglich ist, ob sie einmütig stimmen wird.

Metz, 3. März. Das hiesige Bezirkspräsidium hat im vergangenen Jahre bie ansehnliche Zahl von 271 Naturali­sationsatten ausgestellt unb zwar 137 für Familien unb 134 für einzelne Personen, im ganzen für 752 Personen.

So gingen bie Dinge einige Monate fort, bis ich schließlich fühlte, baß etwas geschehen muffe. Das Mädchen war mir außerordentlich ergeben; sie wäre bereit gewesen, mir bis ans Ende der Welt zu folgen. Es war mir klar, daß ich sie entweder heiraten, oder verlaßen muffe. Das war die Alternative, welche mein ©eroiffen mir stellte; aber sie zu verlassen hatte ich nicht das Herz und sie offen zu heiraten nicht ben Mut. Ich entschloß mich baher zu bem Auswege, sie im Geheimen zu heiraten. In ber Furcht, baß mein Vater von meiner Liebschaft hören könne, hatte ich ihr meinen wahren Namen verheimlicht unb einen falschen angenommen unter bem ich auch mit ihr getraut warb. Wir trafen uns in einer einsam, weit in ben Bergen gelegenen Kirche, wo ich nach vielen Schwierigkeiten einen sehr armen alten Pfarrer bewog, bie Ehe nach bem Cultus ber römisch-katholischen Kirche zu vollziehen, ohne lästige Fragen zu stellen. Nach beenbeter Trauung schieben wir, unb seither» sah ich sie nicht mehr wieber.

AIS ich nach bem Depot zurückkam, fand ich ein Tele­gramm meiner Mutter, bas mich nach Hause rief, ba mein Vater einen Schlaganfall gehabt hatte. Ich senbete meiner jungen Fran bnrch einen Dorfjungen ein Bittet, von bem ich jedoch glauben muß, daß es nie in ihre Hände ge­langte, und reifte in derselben Nacht nach England zurück."

Nach sechs Wochen starb mein Vater, und eine Woche später, sobald als ich abkommen konnte, eilte ich nach Ir­land zurück. Inzwischen hatte ich es nicht gewagt meiner jungen Frau zu schreibe», aber ich war entschlossen, sie jetzt offen als meine Gattin anzuerkennen, und sie zu meiner Mutter zu bringen.

(Fortsetzung folgt.)