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Marburg, Sonntag, 6. März 1881

Nr. 55

Du eigen nimmt tmgegen: tztr Expedition b.Blatttl, fowie d-Anaoncen-Bureari" oon LH, Dietrich & 6o. i jkffel und Hannover; 52 Dietrich in Frankfurt a.M. Saaseustri» & Bögler i Frankfurt a- M., Berti, Äivrig, Cöln re.; Sabol Mffe ii Berlin, Frank«

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Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Vureaur von G. 8- Daube & So. in Frankfurt a-M; JSgerfsche Buchhandlung daselbst!; Hermaou'sche Buchhanbl. daselbst; Jnvalibenbank in Berlin; ® Lhienes in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

«rschemt tLgltch außer an den SBerttogen nach Tonn« und Feiettagen. Preis für daS Quartal mtt der wöchentlichen Beilage ,,3Infhrtrte» Sountagsblatt" durch die Srpedition fKoch'fche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch bte Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,.

Für in der Expedrtwn zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet-

Bestellungen für den Monat März der

Bberhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage Jllustrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

8Ä** Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. K Dberh. Zeitung.

— Ratioualliberalismus und SezessionismuS.

Die „National - Zeitung" enthält gestern einen Artikel gegen die Sezessionisten, welcher der neuen Partei besonders vorwirft, daß sie, statt der Einheit und Vergrößerung, vielmehr die Verwirrung in daS liberale Lager getragen haben. Das nationalliberale Blatt geriert sich damit zum erstcnmale als Organ der alten Partei gegen die neuere. Bisher konnte man zweifelhaft sein, ob sie selbst nicht mehr oder weniger zum SezessionismuS hinneige. ES scheint, daß die Gründung eines großen sezessionistischen Blattes in der Hauptstadt und das Eintreten des Dr. Meyer (Breslau), des bisherigen Redakteurs der „Nat.-Ztg.", in dasselbe, die bisher zweifelhafte Stellung entschieden habe. Jedenfalls hat sachlich die „Nat.-Ztg." Recht, wenn sie als daS Bemerkenswerteste in der Entwickelung des Sezessionis- mus die jetzige Allianz desselben mit der Fortschrittspartei bezeichnet. Sie hat auch darin Recht, daß sie die Fort­schrittspartei als die dominierende in der Allianz behandelt. Es vollzieht sich darin nur, was dem SezesiioniSmus von vornherein vorhergesagt wurde, daß er nämlich, trotz der großen Namen v. Forckenbeck, LaSker, Bamberger und Ge­nossen, doch als Anhängsel von Eugen Richter endigen werde.

Wir erfahren bei dieser Gelegenhest noch, daß in dem SezessionismuS „die hadernden Parteiführer" an daS Volk appelliert haben. Wenn sonst irgend jemand von hadernden Parteiführern, von irgendwelchen Spaltungen in der natio­nalliberalen Partei sprach, wurde er von der „National- Zeitung" sofort belehn, daß solche Spaltungen gar nicht existierten; jetzt muß die genannte Zeitung selber der Wahr­heit die Ehre geben.

Deutsche» Reich.

Berlin, 4. März. Die Festlichkeiten der Vermählungs- Feier ves Prinzen WUHelm erhielten mit dem gestern Abend stattgefundenen Fackelzug der Studierenden einen würdigen Abschluß. Bald nach 5 Uhr begannen sich die Studierenden der Universität, des Friedrich-Wilhelms-Jn«

Freda.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Urbersetzung.)

(Fottsetzung.)

„Nichts sehr schlimmes ist geschehen. Ich bin nur wie der unartige Junge in den Märchenbüchern von Hause sortgelaufeu und habe meine Börse verloren und kein Geld, und deshalb habe ich nach Ihnen geschickt. Wie prosaisch, nicht wahr?" Ich sah durch meine Thränen zu ihm auf: „Nur weil ich müde und abgespannt bin, muß ich weinen."

„Von Hause fortgelaufen!" wiederholte er und sah mich erschreckt an, „und — und Ihre Heirat? — Mr. CurtiuS?"

„Ich werde nicht heiraten. Ich werde Mr. CurtiuS ine heiraten!" rief ich leidenschaftlich. „Ich habe vor, nach Paris zu gehen und Bella dort aufzusuchen."

„Ihre Verlobung haben Sie gebrochen, wollen Sie das sagen?" fragte er voll Bestürzung. „Welche Thorheit von Ihnen. Was trieb sie dazu an? Warum thaten Sie das?"

„Warum?" rief ich leidenschaftlich und böse, denn ich konnte ihn nicht begreifen, — „warum? wie können Sie das fragen? Wie kann ich den Mann heiraten, den ich nicht liebe. 01 Mark, wie grausam sind Sie. Sie wisien, müßen ja wisien, weshalb ich ihn nicht heiraten kann!"

Ich rang meine Hände und wendete mich ab, um mein errötetes Antlitz zu verbergen.

„War es meinetwegen, Freda, daß Sie ihn aufgegeben haben?"

Seine Stimme war gepreßt und Mette vor Bewegung.

stitutö und der Technischen Hochschule auf dem Königs­platz zu versammeln; kurz nach halb 7 Uhr setzte sich der imposante Zug in Bewegung. Denselben eröffnete ein MustkkorpS, dem sieben Chargierte zu Pferde folgten. Ihnen schlossen sich zunächst eine vierspännige Postkalesche mit deputierten Chargierten und alsdann fünf Wagen der Universität und vier Wagen der Technischen Hochschule mit Chargierten und den Fahnen an. Die Reihe der Studierenden eröffnete der D. 0. mit 4 vierspännigen Doppelkaleschen, vor jeder Kalesche drei Chargierte zu Pferd mit einer der 4 Burschenschaftsfahnen, ihm folgten der Wissenschaftliche Verband, die Normania, die Stu­dierenden des Friedrich-WUHelmS-JnstitutS, die Saxonia, die Vereine für Heilkunde, AlterthumSwisienfchaft, Mathe­matik und Naturwissenschaften und für Rechtswissenschaft, der Schachklub, der Verein.deutscher Studentm, der Wingolf, die Pharmakologen, die Polaiomarchia, der Verein für Geschichte und Erdkunde, der Verein „FidelitaS", die Phar­mazeuten, die Sueven, der Verein für Zahnheilkunde, der Chemiker-Verein, der Landwirtschaftliche Verein, die Pa- laiostlcsta, der Fechtverein, die Tierarzneischule und der 8.6. Den Beschluß bildete die Technische Hochschule. Der fast unendlich erscheinende Zug bewegte sich durch die von vielen tausend Schaulustigen besetzte Friedensallee, bog alsdann in daS Brandenburger Thor ein, marschierte die Nordseite der Linden entlang an der Universität vorbei, deren noch erhaltene Tribünen wieder wie am Einzugstage von einem zahlreichen Publikum besetzt waren, über die Schloßbrücke, rechts umbiegend über die Schloßfreiheit nach dem Schloß­platz. Dort stellte sich der Zug in Hufeisenform vor dem königlichen Schloß auf. Die Allerhöchsten Herrschaften waren inzwischen auf dem Balkon über Pottal 4 hinaus­getreten, um dem prächtigen Schauspiel, das sich da unten entrollte, zu folgen. Nachdem die Aufstellung beendet war, begaben sich als Vertreter der Universität stud. theol. G. Benn, stud. med. A. Mayländer und stud. phil. Bullrich, als Deputierter des FriedrichWilhelmS-JnstitutS stud. med. Uhfe und als Abgesandte der Technischen Hoch­schule die Studiosen Gorisien und Hassert ins Schloß. Vom hohen Paar huldvollst empfangen, ergriff im Namen der Deputation der Vorsitzende des Ausschusses der Stu­dierenden der Universität, stud. theol. Gustav Benn, das Wort zu folgender Ansprach: „Ihren königlichen Hoheiten habe ich die hohe Ehre, im Namen der Studentenschaft Berlins die herzlichsten Glückwünsche zu Höchstihrer Ver- mählungsfeier zu überbringen. Die Studentenschaft hat alle Zeit den regsten Anteil und das innigste Interesse genommen an allen Ereignisien unseres Hohenzollern- hauses, aber sie bringt heute um so freudiger und herzlicher ihre Glückwünsche dar, als sie in Ew. königl. Hoheit den Komilitonen begrüßen darf. Indem sie zugleich in Höchst- ihnen den zukünftigen Träger der deutschen Kaiserkrone

„Ja, Ihretwegen!" antwortete ich mit ungestümer Bitter­keit ; „und Ihnen scheint nichts daran zu liegen l"

„Nichts! Guter Gott!"

Ich sah, daß er leichenblaß war und kaum sprechen konnte.

„Sagen Sie mir, weßhalb Sie uicht froh sind? Bin ich jetzt nicht frei, und, Mark! haben Sie mich nicht lieb?"

O, Kind — Kind!" rief er aus. „Ich ahnte nicht, daß ich in meiner Selbstsucht so großes Unrecht beging. Wie kann ich wieder gut machen, was ich über Sie ge­bracht habe?"

„Was meinen Sie damit? Ich war unglüMch, weil ich immer den Mut nicht hatte, meine Verlobung abzu­brechen; weil ich meiner Liebe wegen — so niedrig dachte ich — vorteilhafte Dinge dieser Welt nicht aufzugeben wagte. Aber seit ich wußte, daß Sie mir gut sind, seitdem bin ich es nicht mehr, Mark."

O, mein Liebling, was soll ich Ihnen sagen? Als ich in solcher Pein damals unter dem Apfelbaume von Ihnen ging, fühlten Sie nichts, daß wir für immer scheiden mußten? Mr. CurtiuS wird Ihnen ein guter Gatte sein, vergesien Sie mich! Wie konnten Sie glauben, daß Ihre Verlobung alles war, was zwischen uns stand? Solch' schwache Barriere, solch' dünne Kette wäre bald zu brechen gewesen. Was zwischen uns steht — immer noch unüber­windlich, wie der Engel mit dem flammenden Schwett? O, Freda! wenn Sie auch frei sind, ich bin unabänderlich und hoffnungslos gebunden."

Während er sprach übettam mich in der Vorahnung schweren Unglücks Angst, und Schwäche und mein Herz ward matt und krank. Ich hielt mich aufrecht, mühevoll, athemloS, — bei feinen letzten Wotten aber brach ich zu­

erblickt, steht sie freudig der Zeit entgegen, wo sie selbst im Dienste deS Staates mit Ew. königl. Hoheit arbeiten kann an dem Wohl unseres deutschen Vaterlandes in Treue zu Kaiser und Reich." Mit folgenden herzlichen Worten dantte Prinz Wilhelm: „Meine Herren Kommilitonen! Ich danke der Berliner Studentenschaft herzlich für ihre sympathische Kundgebung und möchte Sie (zum Sprecher gewendet) beauftragen, diesen Meinen Dank der Studenten­schaft kundzugeben. Ich bedauere eS lebhaft, dem heute Abend stattfindenden Kommers nicht beiwohnen zu können, und beauftrage Sie (wieder zum Sprecher gewendet), in Meinem Namen einen Salamander zu reiben auf da- Gedeihen der Königlichen Friedrich-WilhelmS-Universität." — Das hohe Paar entließ hierauf huldvollst die Deputation, während draußen aus tausenden jugend-frischen Kehlen dem prinzlichen Paare ein dreifaches Hoch ausgebracht wurde. Als es verklungen, intonierte die Musik die National­hymne, welche von allen Auwesenden, Studenten wie Publi­kum, abgesungen wurde. AlSdann setzte sich der Zug wie­der in Bewegung und marschierte über die Schleusenbrücke durch die Französische-, die Markgrafen- und Krausenstraße nach dem Dönhofsplatz, wo mit dem „Gaudeamus igitur“ die Fackeln zusammengeworfen wurden. Ein FestkommerS vereinigte einen großen Teil der Studierenden im Winter­garten des CenttalhotelS, der Verein deutscher Studentm veranstaltete einen besonderen Kommers in den Reichshallen, der 8.0. wird erst Sonnabend Kommers halten. — Die „National - Zeitung" meldet: Die Nationalliberalen beschloffen in der gestrigen Fraktionssttzung einmütig, von der Aufstellung eines Programms vorläufig abzusehen und ein solches für die Wahlen vorzubehalten; (ferner sich jeder grundsätzlichen Opposition fernzuhalten, aber unter voller Selbstständigkeit nach rechts und links den liberalen Stand­punkt festzuhalten, endlich den Sezessionisten gegenüber fortzufahren, eine freundliche Haltung zu beobachten. — Nach einem Telegramme des Kommerzienrats Baare an die „Berliner Börsenzeitung" ist die Meldung der Blätter von seiner Berufung zur Leitung der volkswirtschaftlichen Abteilung im Reichsamte des Innern gänzlich unzutteffend und auf Erfindung beruhend. — DaS Königliche Staats­ministerium trat heute in den Räumen des Reichstags- Gebäudes zu einem Ministerrat zusammen. Wie man wissen will, handelte es sich bei demselben u. A. um die Frage einer außerordentlichen Session des preußischen Landtages. Dieselbe soll definitiv beschloffen worden fein. — Die Kommission für die Geschäftsordnung des Reichstag« hat beantragt, das Mandat des Abg. Dr. Freiherrn von Hertling durch seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Universität Bonn nicht für erloschen zu erklären.

Berit«. 4. März. Im Auftrage des Kaisers hat der Reichskanzler dem Bundesrat den Entwurf eines Ge-

sammen und fiel schwer und bewußtlos auf den verblichenen Teppich nieder.

17. Kapitel.

Marks Geschichte.

Als ich au« dieser Ohnmacht erwachte, hatte ich kein Bewußtsein von dem, was vorgegangen war. Eine Schale mit Waffer stand auf dem Tisch und ein feuchtes Tuch lag auf meiner Sttrn. Mark hielt mich in seinem Arm und war sorglich um mich bemüht. Ich konnte mir nicht erklären, wie ich in diese seltsame und doch so schöne Lage gekommen war. Dann kehrte plötzlich meine Erinnerung zurück.

Ich schrack fröstelnd empor und seine Hülfe abwehrend erhob ich mich mit Mühe bis zu einem Stuhle.

„Es ist mir wohler, danke," murmelte ich. Und nach einer Weile bat ich ihn, mir alles zu sagen.

„Sie sind nicht stark genug."

„Ja, ja," unterbrach ich ihn ungeduldig, „sagen Sie mir unverhohlen, was ich wissen muß, um das alles zu begreifen."

„Sie haben ein Recht darauf," entgegnete er. „Nie bot sich Anlaß, davon zu sprechen, niemand weiß davon; auch Bella nicht. Es geschah lange bevor sie meinen ® ruber heiratete.

Er seufzte und strich langsam mit der Hand über die Stirne, setzte sich dann an daS Fenster mir gegenüber und erzählte mir, was ich hier mit seinen eigenen Wotten be­richte.

(Fortsetzung folgt.)