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Marburg, Sonnabend, 5. März 1881.

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xvi. Jahrgang

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fcf*eina?Sb*t„Ä7.U »^^»°L^" d« wSch-ntlich-° Setlaa« „ziuftrtrte» rouutagStlatt" durch bi« Spedition («och-sch-

Buchbruckerei) bezogen 3b «art, durch bte Deutschen Reiches 18 «ort 50 ®fg. <-k^ Bestellgebühr). - JnsertumSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Jüt tn bet Expetrtwn zu erthetlenbe Auskunft und Annahme von Abreffen werben 25 Pfg. berechnet.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition b. Blattet sowie d. Annoncen-Bureaur von E. L- Daube & 6o. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung baselostj; Hernuum'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidrnbank in Berlin: xB- ThieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

■jungen nimmt emgegen: pi« Expedition d.Blattet, fourie b-Annoncen-Bureauk von Ib. Dietrich & So. in jtaflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Kaasenstein & Bögler in zrmftfurt a- M., Berlin, geistig, Löt» Rudolf Uoffe in Berlin, Krauk-

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In' Brief, 1521 132{

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Bestellungen für den Monat März der

Merhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage Zlluftrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst machen zu wollen.

Itf* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. vberh. Zeitung.

— Zur Miuisterfrage.

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Wenn in den neuesten Versionen über die Wieder- beschung des Ministeriums des Innern der Name v. Putt- kamer nicht mehr mit derselben Zuversicht genannt wird, so scheint es nicht so sehr, wie einige Blätter behaupten, in einer Abneigung des Mnisters gegen den ihm zuge­dachten Wechsel der Stellung zu liegen, als in der Ab­neigung Sr. Majestät des Königs, diese Aenderung sich vollziehen zu lassen. Es liegt darin eine Anerkennung der bisherigen Verwaltung des Kultusministeriums, unter so schwierigen Umständen, wie sie der bisherige Widerstand der katholischen Geistlichkeit im Gefolge hat: Sr. Majestät der König scheint zu besorgen, daß er einen seiner Stellung so vollkommen gewachsenen Minister in diesem gerade jetzt so wichtigen Fache nicht leicht wiederfinden werde. Darin, und in nichts anderem liegt der Grund für die längere Verzögerung der Krifis und eS ist leicht möglich, daß der Ministerpräsident auf jene mit besonderer Vorliebe in Aussicht genommene Kandidatur verzichten müsse, es sei denn, daß der Minister von Puttkamer sich dazu enschließe, beide Ministerien eine kurze Zeit gleichzeitig zu führen. Thatsache ist indeß, daß in den letzten Tagen die Kom­bination in den Vordergrund getreten ist, nach welcher der Finanzminister Bitter das Ministerium vorläufig über- nchmen werde. Derselbe scheint durch seine ganze Vor- blldung, sowie durch seine frühere Stellung als Unter- staatssekretär im Ministerium deS Innern dazu besonders berufen. Er ist jedoch mit den Aufgaben Preußens und des Reiches in Finanz-Angelegenheiten gerade in diesem Augenblicke so verwachsen, daß immerhin ein besonderer Entschluß dazu gehört, sih diesen beiden Aufgaben zu unterziehen.

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Deutscher Reich.

Berlin, 3. März. Der Kaiser und die Kaiserin rich­teten an den Magistrat und die Stadtverordneten Berlin- folgendes Dankschreiben, welches vom 1. März datiert ist: „Die Bürgerschaft unserer getreuen Haupt- und Restdenz-

Freva.

Roman von Emily Cameron. Deutsch von August Frenzel. (Autorisirte Uebersetzung.) (Fortsetzung.)

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Doch etwas in meiner Kleidung und Stimme mußte ihm gezeigt haben, daß ich eine Dame sei, denn nach kurzem Zögern gab er mir höflich Bescheid:

„Es ist nicht anzunehmen. Miß, daß jemand vor den nächsten zwei Stunden in dem Hause wach wird. Sie werden gut daran thun, in ein Hotel zu gehen und dort zu warten!"

„Aber ich weiß nicht wohin. Können Sie mir eines nennen?"

„Ich weiß ein kleines respektables Familien - Hotel am Sttande, welches wahrscheinlich zu dieser Stunde offen ist. Soll ich mit Ihnen zu einem Wagen gehen, Miß und Ihnen die Adresse geben?"

Ich raffte mich auf und bald fanden wir eine Droschke. Mit übertriebenen Ausdrücken der Dankbarkeit schied ich von meinem Führer, der mir wie ein Engel in der Not erschien.

Das „kleine respektable Familien-Hotel" war ein kleines Wirtshaus sehr schmutziger Art. Än schläfriger Kellner empfing mich, wies mir ein dürftiges Zimmer an, wo ich doch froh war, mich auf das harte Roßhaar-Sopha werfen zu können und vor Erschöpfung auch bald einschlief.

Der Sonnenschein, der durch die unverhüllten Fenster drang und das Erscheinen eben desselben Kellners, der mir dies Zimmer angewiesen hatte, weckten mich. Jetzt kam er, «ich zu fragen, ob ich das Frühstück wünschte.

stadt Berlin hat uns durch lange Erfahrungen daran ge­wöhnt, daß in ihr jedes Ereignis, welches unser Haus be­rührt, den entsprechenden, uns jedesmal wohlthuenden Wider­hall findet. Konnten wir daher auch der Zuversicht leben, daß sie die Vermählung unseres geliebten Enkels mit der Prinzessin Augusta Victoria mit ihren Segenswünschen be­gleiten werde, so hat uns doch die Großartigkeit, mit welcher diese Gefühle zum thatsächlichen Ausdrucke gebracht wurden, freudig überrascht. Der ungewöhnliche Schmuck, welchen die Stadt zur Begrüßung dieser für das ganze Vaterland bedeutsamen Verbindung angelegt hat, die fest­liche Mitwirkung der sämtlichen Gewerke beim Einzuge der fürstlichen Braut, der vieltausendstimmige Zuruf, mit welchem die Prinzessin freudig empfangen und als Mit­bürgerin ausgenommen wurde, diese und viele sonstige Be­weise treuester Anhänglichkeit, deren Bestätigung wir in der Zuschrift des Magistrats und der Stadtverordneten vom 27. Februar wiederholt finden, haben unser großelter­liches Gemüt tief bewegt. Wir danken allen auf das wärmste. Den Festwunsch, welchen die Bürgerschaft durch ihre rege, von musterhafter Ordnung begleitete Teilnahme bethättgt hat, haben die Organe der Stadt unserem Herzen entnommen und ausgesprochen. Möge der Allmächtige allen Hoffnungen, die sich an die Vermählung unseres Enkels knüpfen, reichste Erfüllung gewähren. Den Magi­strat und die Stadtverordneten veranlassen wir, unseren Dank zur öffentlichen Kenntnis zu bringen." — Der Prinz und die Prinzessin Wilhelm von Preußen empfingen heute Nachmittag im hiesigen Schlosse das diplomatische Corps und werden Abends einen Fackelzug der hiesigen Studieren­den entgegennehmen, zu welchem Ende sich auch das Kaiser­paar und die Mitglieder deö königlichen Hauses in das Schloß begeben werden. Spät Abends findet im kaiser­lichen Palais eine musikalische Soiree statt, wozu die hier anwesenden Fürstlichkeiten, die spanische und ftanzösische außerordentliche Botschaft und die englische Botschaft ge­laden sind. — Verhandlungen der Regierung mit dem päpst- lichen Stuhle, betreffend die Anzeigepflicht der Geistlichen, haben der „Germania" zufolge, seit Abbruch der Wiener Besprechungen im vorigen Jahre bisher nicht stattgesunden; eS scheine aber nicht ausgeschlossen, daß gerade die Wahl der Kapitelsvikare eine Wiederanknüpfung der Verhand­lungen veranlasse. — Der „Nat.-Ztg." zufolge, handelt eS sich bei den Verhandlungen mit Rom um die Diözesen Paderborn und Osnabrück, in welchen Persönlichkeiten zu Domkapitularen bestellt werden sollen, von denen man er­wartet, daß sie der Anzeigepflicht der Geistlichen in accep- tabler Weise genügen werden. — Von den Abgg. Dr. Ma- junke und Genossen ist bei dem Reichstage der Antrag eingebracht worden, daß das gegen den Abg. Stötzel beim Landgericht zu Essen sowie beim Reichsgericht eingeleitete Strafverfahren während der Dauer der Session eingestellt

Ich bestellte etwas und öffnete dann mechanisch meine Reisetasche, um meine Börse zu suchen. Man denke sich mein Schrecken, als ich dieselbe nirgends fand! Ich räumte den ganzen Inhalt auf den Boden und leerte meine Taschen. Alles umsonst! Mein Geld war fort!

Ich hatte einige wenige Schillinge lose in einem kleinen inneren Täschchen meiner Jacke gehabt, daraus auch den Kutscher bezahlt; davon waren mir nur noch 4 Schillinge und 6 Pence geblieben — kein Heller mehr.

Wie ich meine Börse verlor, das vermochte ich mir nicht zu erklären, jedoch erinnerte ich mich, in dem Zuge meine Reisetasche geöffnet zu haben; möglicherweise hatten meine Reisebegleiter ste mir genommen, während ich schlief.

Was sollte ich thun? Ich wußte, daß 4 Schillinge und 6 Pence nicht einmal hinreichen würden, das elende Zimmer und Frühstück zu bezahlen.

In wahrer Verzweiflung sank ich auf das Sopha nieder. Da auf einmal fiel mir ein, was ich thun könnte. Ich wollte zu Kapitän Thistleby senden.

„ Als ich daran dachte, errötete ich heiß, ob meiner Kühnheit. Aber was konnte ich unter diesen Umständen anderes thun? Hatte er nicht gesagt, daß er immer mein Freund sein und bleiben werde; an wen sonst konnte ich mich in meiner Not wenden?

Ich sprang auf und schellte.

„Wie kann ich ein Billet nach Kensington schicken?" fragte ich den Man», der auf mein Schellen erschien.

„Nun Madame, ein Droschkenkutscher könnte das Billet wohl überbringen."

,Mie viel würde er dafür verlangen?"

„Drei oder vier Schillinge glaube ich." DaS war fast mein ganzes Kapital, aber ich mußte es wagen.

werde. — Das erste Verzeichnis der bei dem deutschen Reichstage eingegangenen Petitionen ist int Druck erschienen. Dasselbe weist 419 Nummern auf.

Potsdam, 2. März. Ihre königl. Hoheiten der Prinz und Prinzessin Wilhelm trafen heute Nachmittag um 3 Uhr bei schönstem Wetter hier ein und verließen unter Geschützdonner und dem Geläute der Glocken den Zug. Auf dem prächtig dekorierten Bahnhofe wurde das prinzliche Paar in einem geschmackvoll drapierten Zelte von den städtischen Behörden empfangen. Hier waren auch 30 Ehrenjungfrauen zur Begrüßung versammelt. Der Oberbürgermeister Boje richtete eine Ansprache an das ohe Paar. Fräulein v. Jacobs sprach ein Begrüßungs­gedicht, während ein kostbarer Blumenstrauß und eine Adresse überreicht wurden. Unter enthusiastischen Hoch­rufen der bei dem Bahnhofe und auf dem festlich ge­schmückten Wege zum königlichen Schlosse zu Tausenden angesammelten Bevölkerung begab sich sodann das hohe Paar in einem sechsspännigen Galawagen, welchem zwei Spitzreiter und ein Stallmeister voranritten, nach der Stadt. An die Spitze des Zuges setzten sich die berittenen Mitglieder des Schlächtergewerks. Die Schützengilde, zahlreiche Gewerbe, Kriegervereinc und Turner, welche alle in großer Anzahl mit vielen Fahnen und Emblemen er­schienen waren, bildeten Spalier, nachdem derselbe bei ihnen vorüber war. Der Zug passierte die Bahnhofs­straße, die Lange Brücke, die Humboldtstraße und trat durch das Fortuna-Portal in das Schloß ein. Hier waren zum Empfange sämtliche Offiziere der Garnison, sowie sämtliche Räte der hiesigen Staatsbehörden anwesend. Nachdem Prinz Wilhelm nebst Gemahlin das Schloß be­treten hatte, erfolgte im Lustgarten der Vorbeimarsch der Schützengilde, Gewerke, Kriegervereine und Turner. Das prinzliche Paar sah demselben von dem offenen Eckfenster deS Schlosses aus zu, für die jubelnden Zurufe der Vorüberziehenden huldvoll dankend. Während des Ein­zuges ertönte von dem Glockenspiele deS Turmes der Garnisonkirche der Brautchor aus Lohengrin. Um 7 Uhr wurde auf dem Schloßhofe von 500 Sängern eine Sere­nade bargHbracht. Um 8 Uhr erschienen die Schüler des Victoria-GymnasiumS im Fackelzuge. Von den Sängern wie von den Schülern wurden dem prinzlichen Paare Adressen überreicht. Um 8 Uhr und um 9 Uhr fand eine vollständige bengalische Beleuchtung der Havelufer und des dem königlichen Schlosse gegenüberliegenden Brau­hausberges statt. Die in allen Teilen prächtig dekorierte Stadt ist reich illuminiert.

Paderbor«, 3. März. Gutem Vernehmen nach hat das hiesige Domkapitel in diesen Tagen den BiStumSver- roefer gewählt.

Göttingen. Die nationale Begeisterung, welche jetzt Überall die Vereine deutscher Studenten hervorgerufen hat

Ich setzte mich nieder und schrieb:

„Ich bin in großer Not und Verlegenheit. Wollen Sie nicht die Güte haben und sogleich zu mir kommen? Benutzen Sie den Wagen, der Ihnen dieses Billet über­bringt. Freda."

Ich beförderte das Schreiben und fetzte mich bann, in dem Gefühl, daß eine Last von meiner Seele genommen sei, an mein bescheidenes und nicht zu verführerisches Frühstück.

Es ward zwölf Uhr, ehe der Wagen zurückkam; aber er brachte mir, die ich fast krank vor Furcht und Ungewiß- heil war, doch endlich, endlich meinen Retter.

„Freda! Was ist geschehen? Gott im Himmel! WaS bringt Sie hierher an diesen elenden Ort?" rief er, als er eintrat.

Er sah bleich und erregt aus, als habe mein Brief ihn sehr erschreckt, wie eS wahrscheinlich auch der Fall war.

Als Antwort senkte ich mein Kops und brach in Thränen aus.

Mark stand und blickte auf das Bild voll Jammer und Verzweiflung, das ich bot. Ich glaube wohl, er hätte mich gern in feine Arme genommen, um mich zu trösten und zu stützen. Aber er vergaß nicht, daß ich bald die Frau eines anderen fein sollte und daß eS Ehrenpflicht sei, sich zurück zu halten. Mein schöner, lieber Mark! — er sah betrübt und sorgenvoll aus.

„Was kann ich für Sie thun?" sagte et mitleidvoll; „was ist geschehen, um Himmels Willen!"

(Fortsetzung folgt.)