Jfiarßurg, Freilag, 4. März 1881.
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Berlin, 2. März. Prinz und Prinzessin Wilhelm empfingen heule Nachmittag den Präsidenten und die beiden Vicepräsidenten des Reichstags, sowie die Abgg. Möring, BernardS, Richter (Meißen), Wichmann, Graf Kleist und die Abteilungsvorsitzenden v. Bennigsen, Bcrnuth, v. Tettau, Löwe (Berlin), v. Schwarze und v. Heeremann. Präsident v. Goßlar sprach die Glückwünsche des Reichstages aus und äußerte, die Ehe sei die Quelle und Grundlage alles Glückes, dieses Glück und das GoUvertrauen gebe dem Mann und der Frau die Kraft zu gedeihlicher Wirksamkeit. Das edelste Vorbild der Neuvermählten seien die Urgroß- Eltern des Prinzen, welche in dem Gottvertraucn und in dem Glück der Ehe die Kraft gefunden, in einer Zeit, wo das Vaterland darniederlag, sich und das Vaterland aufrecht zu halten. Der Prinz dankte und versicherte, er werde bestrebt fein, in die Fußtapfen seiner Vorfahren zu treten, er hoffe, eS werde ihm gelingen, denselben Bahnen folge» zu können. Darauf empfing das prinzliche Paar die Glückwunschdeputation des Magistrats und der Stadt- Verordneten, soivie die Ehrmjungfrauen von Berlin, dann die Deputation aller größeren Städte der Monarchie, namens deren der Oberbürgermeister v. Forckenbeck die Ansprache hielt, und zahlreiche andere Deputationen. — Nach Entgegennahme aller Ansprachen stellte sich das erlauchte Paar in die Mitte de» Saales und Prinz Wilhelm verlas mit lauter und deutlicher Stimme folgende Ansprache: ES gereicht Meiner Gemahlin und Mir zur ganz besonderen Freude, dem herzlichen Danke für die unzähligen Beweise treuer Teilnahme, welche Uns aus Anlaß Unserer Vermählung aus allen Teilen Unseres teuren Vaterlandes zugegangen sind, heute öffentlich Ausdruck geben zu können. Provinzen und Städte haben mit einander gewetteifert, UnS durch wertvolle äußere Zeichen zu bezeugen, wie innig sich daS gesamte Vaterland mit den Geschicken seines Fürstenhauses verbunden fühlt. Der herrliche Empfang, welchen die Hauptstadt Meiner Gemahlin bereitet hat, die treuen Wünsche, welche UnS die Vertreter des deutschen Volkes,
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Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzei.
(Autorisirte Uebersetzung.)
(Fortsetzung.)
DaS Briefchen hätte ich in sein Arbeitszimmer, legen können, aber eine gewisse Reue über den Kummer, den ich ihm zu bereiten im Begriffe war, bewegte mein Herz. Ich mußte ihn noch einmal sehen ehe ich ging.
Das Mondlicht fiel über die schmale eiserne Bettstelle, mein Vater lag still in tiefem ungetrübtem Schlummer. Ich bückte mich über ihn und eS schien mir, als ob er merkwürdig alt und grau aussehe. Als ich die ermüdeten Züge, den hageren Umriß seines blaffen Gesichtes, das dünne graue auf die Kiffen fallende Haar betrachtete, schwankte mein Herz, — konnte ich ihn so selbstsüchtig verlaffen?
Aber in diesem Momente deS Zweifels, als ich mich niederbückte und ihn leise küßte, schlug die Uhr unten in der Halle halb Eins.
Fünf Minuten noch und ich mußte den Zug verfehlen — der gelegene Augenblick war vorbei, wahrscheinlich für immer!
Ich stählte mein Herz und ging.
Die Außenthüre war verschloffen. Doch wie oft war ich als Kind aus meines Vaters Studierzimmer zu den Fenstern hinausgestiegen, um insgeheim die Aepfelbäume M plündern! Ich hatte das nicht vergeffen und fünf Minuten später stand ich draußen und dann floh ich durch den stillen Garten, im Schatten der Obstbäume unentdeckt und ungefährdet. Bald stand ich in den offenen Wiesen; «n Sprung über einen feuchtm Graben und eine Lücke
der Provinzen und Städte der Monarchie, der Universitäten, wie vieler anderer Körperschaften soeben ausgesprochen haben, werden Uns unvergeßlich bleiben und stets zu den schönsten Erinnerungen Unseres Lebens zählen. Wir sind Uns voll bewußt, dasi alle diese Huldigungen nicht Uns, sondern Unserem Hause gelten, daß Wir so viele Zeichen treuer Liebe erst durch ernste Pflichterfüllung zu verdienen haben. Die leuchtenden Tugensen Unserer Vorfahren, das edle Vorbild, welches Uns die Majestäten und das Kron- punzliche Paar, Unsere innigst geliebten Großeltern und Eltern, geben, sollen Unser Leifftern für das Leben sein. Dieses Gelöbnis bitten Wir Sie, die berufenen Vertreter Unseres weiteren und engeren Vaterlandes, von Uns als schwachen Dank für so viele Zeichen treuer Liebe und Anhänglichkeit entgegenzunehmen und dem gesamten Vaterlande Kunde zu geben, daß Unser ganzes Leben der Erfüllung Unserer Pflichten gewidmet sein soll. — Unter den mancherlei Auszeichnungen, die bei Gelegenheit des Hoch- zeitsfesteS erteilt sind, ist vielleicht besonders bemerkenswert die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an den Gesandten der französischen Republik, Grafen St. Ballier. In dieser Ordens-Verleihung spricht sich die hohe Gunst aus, in welcher der französische Botschafter an unserem Hose steht, und außerdem der Wunsch, mit der gegenwärtigen französischen Regierung die besten Beziehungen zu unterhalten. Es leidet trotz entgegenstehender Behauptungen keinen Zweifel mehr, daß Gambetta davon gesprochen hat, er wolle nach Wien reisen und von dort aus Stellung zu Berlin nehmen. Er will also die beiden Kaiserhöfe von seiner friedlichen Gesinnung überzeugen. Doch wird eS schwer halten, die Welt von der Aufrichtigkeit feiner Friedensliebe zu überzeugen. Indessen sagt man ja, die Heuchelei sei eine Huldigung, welche das Laster der Tugend darbringe, und so wollen wir die Friedensliebe Gambettas als einen Tribut betrachten, den er der gegenwärtig in Frankreich herrschenden Stimmung darzubringen genötigt ist.
•* Berlin, 2. März. Dem Bundesrat ist jetzt der Entwurf einer allerhöchsten Verordnung, betreffend die Errichtung eines deutschen VolkswirtschastSrats nebst Begründung zugegangen. Derselbe lautet: § 1. Entwürfe von Gesetzen und Verordnungen, welche wichtigere Interessen von Handel, Gewerbe und Landwirtschaft betreffen, sind, bevor sie dem Bundesrat zur Beschlußfassung vorgelegt werden, in der Regel von Sachverständigen aus den beteiligten wirtschaftlichen Kreisen zu begutachten. Die Begutachtung erfolgt durch den nach den Bestimmungen dieser Verordnung zu bildenden deutschen Volkswirtschaftsrat. 8 2. Der deutsche Volkswirtschaftsrat besteht aus 125 von den Landesregierungen bezw. von mehreren derselben gemeinschaftlich dem Bundesrat zur Berufung zu präsentierenden Mitglieder. Die Berufung erfolgt für Sitzungsperioden von je 5 Jahren. Von den zu Präsentierenden
entfallen auf Preußen 75, auf Bayern 15, auf das Königreich Sachsen 8, auf Württemberg 6, auf Baden 4, auf Hessen 3, auf Mecklenburg - Schwerin und Mecklenburg- Strelitz zusammen 2, auf Oldenburg 1, auf Sachsen- Weimar, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Sachsen- Koburg - Gotha, Schwarzburg - Rudolstadt, Schwarzburg- Sondershausen, Reuß ä. L. und Neuß j. L. zusammen 3, auf Anhalt, Braunschweig, Waldeck, Schaumburg-Lippe und Lippe zusammen 2, auf Lübeck, Bremen und Hamburg zusammen 2, auf Elsaß - Lothringen 4, im ganzen 125. 8 3. Die Namen der Mitglieder werden durch den Reichsanzeiger bekannt gemacht. 8 4. Jeder in der Person eines Mitgliedes eintretende Umstand, durch welchen dasselbe zur Bekleidung öffentlicher Aemter dauernd oder zur Zeit unfähig wird, ebenso die Eröffnung des Konkurses über das Vermögen eines Mitgliedes hat das Erlöschen der Mitgliedschaft zur Folge: Scheidet in Folge hiervon oder durch Tod oder durch Verzicht ein Mitglied des deutschen Volkswirtschaftsrats vor Ablauf der fünfjährigen Sitzungsperiode aus, so ist für den Ueberrest der letzteren ein Ersatzmann von der Landesregierung bezw. den Landesregierungen zu präsentieren, von welchen der Ausgeschiedene präsentiert war. 8 5. Der Volkswirtschaftsrat zerfällt in die drei Sektionen: 1. des Handels, 2. des Gewerbes, 3. der Landwirtschaft. Jedes Mitglied wird durch Bestimmung des Bundesrats einer Sektion überwiesen. Jede Sektion wählt aus ihrer Mitte 8 Mitglieder, welche mit weiteren 16 vom Bundesrat Gewählten zusammen den permanenten Ausschuß bilden. Die aus den einzelnen Sektionen dem genannten Ausschüsse angehörenden Mitglieder bilden die SektionSausschüffe. Zur Begutachtung von Vorlagen, bei welchen nur eine der im Eingänge dieses Paragraphen bezeichneten wirtschaftlichen Gruppen oder nur zwei Gruppen beteiligt sind, können sowohl die bezüglichen Sektionen als auch deren Ausschüsse je für sich allein berufen werden. Die Berufung der Ausschüsse der Sektionen und des Plenums des deutschen Volkswirtschaftsrats erfolgt durch den Reichskanzler. 8- 6. Den Vorsitz im deutschen Volköwirt- schaflSrat, den Sektionen und den Ausschüssen führt der Reichskanzler, welcher sich durch einen geeigneten Beamten vertreten laffen kann. §. 7. Jede Bundesregierung ist befugt, an den Sitzungen des deutschen VolkSwirtschaftsratS der Sektionen und der Ausschüsse durch Bevollmächtigte oder Kommiffarien teilzunehmen. §. 8. Der Bundesrat hat die Geschäftsordnung für die Sektionen, die Ausschüsse und das Plenum des deutschen Volkswirtschaftsrats festzustellen. 8- 9. Die Mitglieder des deutschen Volkswirt- schaflörats erhalten Reisekosten und Diäten nach Maßgabe der vom Bundesrate darüber zu treffenden Bestimmungen. §. 10. Diese Verordnung ist durch daS Reichs-Gesetzblatt zu veröffentlichen. — In der Begründung wird hervorgehoben, daß für die Einrichtung des preußischen Volkswirt
in der Hecke, dann war ich auf offener Landstraße und eilte so schnell vorwärts, als meine Füße mich tragen mochten, allein durch die Stille der Nacht.
Ich war sehr müde, als ich nach Marborough kam — sehr müde. Einmal dachte ich daran, umzukehren und wendete den Schritt, so erschreckend war die einsame Dunkelheit des Weges und so schmutzig die Straße, auf der meine müden Füßen sich endlos abquälten. Es schien, als sollte ich nie dorthin kommen, als seien es zehn statt fünf Meilen und, — wenn ich den Zug verfehlte, wenn ich „bie Station zu spät erreichte und diesen ganzen Weg zurückkehren mußte; ich fühlte, daß ich das nicht würde durchmachen können. Dann hätte ich mein Schicksal hinnehmen und Mr. Cürtius, wie es beschlossen war, heiraten müssen, unglücklich für immer I
Diese Gedanken trieben mich weiter, bis zuletzt die Thorheit meiner Thal ganz und gar vor meiner Angst verschwand, den Zug zu verspäten.
Die Station war wie ausgestorben, als ich endlich ihre freundlichen Lichter erreichte. Außer mir schien kein Passagier da zu sein, nur ein schläfriger Thürhüter starrte mich an, als ich an^den Schalter trat, um mein Billet zu lösen.
„London, Miß? Gepäck?" fragte er und schaute mich sonderbar an.
Ich zog den Schleier tiefer über mein Gesicht, eine unverständliche Antwort murmelnd.
Bald zeigten in der Ferne sich die Lichter der Lokomotive und der Zug sauste in die Station.
Bei dem Durcheinander, das seine Ankunft brachte, sprang ich unbemerkt in ein Coupö und fünf Minuten später ging es vorwärts durch die dunkle Nacht.
Den Jammer dieser Reise werde ich nie vergessen. Um meine knappen Mittel zu sparen, hatte ich ein Billet dritter Klaffe genommen. Ein Arbeitsmann und eine Frau mit einem schreienden Kinde waren meine Reisegefährten. Der Mann roch nach schlechtem Tabak. Die Frau trank in kurzen Zwischenräumen aus einer stark nach Branntwein duftenden Flasche, die sie neben sich in einem Korbe hatte. Die Bänke des Coupss waren mit Körben und regenfeuchten Bündeln beladen und über alles das verbreitete die erlöschende Oellampe ein beängstigendes Zwielicht.
Elend und angewidert wandte ich mein Gesicht entschlossen aus dem offenen Fenster und versuchte den süßen Nachlhauch der Waldungen, durch welche der Zug sauste einzuathmen, bis ich endlich von innerem Widerstreit ermattet, in meine Ecke zurücksank und einschlief.
16. Kapitel.
Weshalb bist du nicht froh.
Als ich erwachte, war es fünf Uhr und der Zug dampfte in die Raddington - Station ein. Kein Wagen war zu sehen. So ermüdet, wie ich schon war von meinem langen Weg »ach Marborough, war ich dennoch genötigt, zu Fuß nach Bella's Hans am Chestre- Square zu gehen. Als ich dorthin kam, erwartete mich neues Ungemach. Umsonst schellte ich stark und stärker erst an der einen, dann an der anderen Schelle. Ich hörten den lauten gellenden Ton durch die Stille des Morgens, aber niemand erschien. Dann bedachte ich, daß Bella das Haus wahrscheinlich unter Obhut einer Dienerin gelassen habe, welche im Dachstock einquartiert sei und mein tolles Läuten nicht hören könne, zumal die Zimmer der Dienstboten nach der Rückseite des Hauses gelegen waren.