Einzelbild herunterladen
 

tttüurg, Sonnabend, 26. Februar 1881.

XVI. Mrgasg

ObchksW Mm

r. 74*.

fay eigen nimmt entgegen: Me Expedition ».Blatte*, sowie b.flnnoucen-öureoui von LH. Dietrich & Eo. in Raffel und Hannover; Tb Dietrich in Frankfurt a JJL; Haasensiein L Bögler in K»nffLrt a M., Berlin, Z-ipzix, *5ln ; Ludolf Stoffe in Bett in, Krank-

fett e. M :s

Anzeigen nimmt" entgegen die Expedition d. Blattes sowie b. Ünnoncen-Bureanr von P. L- Daube 4 So. in Aankfutt a. M; JLgerffche BuchhaMung daseldsttz Herrnann'sche Buchhandl. dasüchst; Jnvalidendanl in Berlin: W Thienes in «6etfeb: tt. Schlotte in

Bremen

Bestellungen für den Monat März der

DberheMschen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllustrirtes SonntagSblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

rW* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Exped. I. Oberh. Zeitung.

Die Bermählnngsfeier.

Unser geliebtes Königshaus feiert am Sonntag ein schönes Familienfest; aber es ist mehr als ein Familienfest cs ist. ein Fest deS preußischen Volkes, das sich mit seinem Königshause so innig verbunden fühlt nach einer langen Geschichte voll tiefen LeideS und großer ruhmvoller Er­hebung wie kaum ein anderes Volk. Freude wie Leid, welche daS preußische Königshaus trifft, wird bis in daS letzte preußische Dorf und die geringste Taglöhnerhütte mitgefühlt. Ein junger Hobenzollernsohn, der dazu berufen ist, einmal die preußische Königs- und deutsche Kaiserkrone zu tragen, steht im Begriff seinen eigenen Hausstand zu gründen und damit den Grund zu einem neuen Stück preußischer Geschichte der Zukunft zu legen. DaS ganze Volk freut sich testen und wünscht und bittet von Gott, dessen Hand so sichtlich bisher über Preußens Königshaus gewaltet hat, daß dieser Ehebund, welchen Prinz Wilhelm mit der Prinzessin Augusta Viktoria zu Schleswig-Holstein schließt, zu einer Segensquelle für die hohen Verlobten, wie für das preußische Volk werden möge. Um die Kuppel des preußischen KönigSschlosscS schließt sich wie ein golde­ner Trauring das Wort:ES ist in keinem anderen Heil, als in dem Namen Jesu Christi", und das andere:Ich und mein Haus wollen dem HErrn dienen". Möge dieser herrliche Wahlspruch preußischer Könige auch der Wahl­spruch des jungen PaareS sein und bleiben.Nicht Roß nicht Reisig-, sichern die steile Höh, wo Fürsten stehn". Der Schutz dcS Hohenzollernhauses ist Gottes Gnade und die treue Liebe des preußischen Volkes. Treue Liebe aber erwächst nur auS wahrer, echter GotteStreue und Gottes­furcht. Sie ist die Grundlage von allem, was Menschen auf Erden bauen. Wo sie schwankt, da sinken alle Fun­damente hin. Möchte sie auch daS Fundament dieser jungen Hohenzollernfamilie sein. Sie ist zugleich ein edler Schatz, ein öcgen, der noch den Kindern Häusern baut Der preußische Köuigstron ist zu einemrocher de bronze, zu einem ehernen Felsen stabiliert der ebenso ein Hort der Gerechtigkeit, der Treue und Redlichkeit, ein ZufluchtS-

Z«r Bermählungsseier Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Wilhelm mit -er Prinzessin «ngvfte Victoria am 27. Februar 1881.

Auf denn! Ein seltner Weihetag stieg nieder, Um edle Herzen schlingt er heut das Band, Gesegnet von deS Priesters Wort und Hand, Und um den Altar tönen Dankeslieder.

So hall' denn heut aus deutschem Herzen wieder: Triumpf, Victoria bleibt unsrem Land!

Es schirm dies Paar dein Äug', Herr, unverwandt,

Wie auf der Väter Thron eS schaute nieder.

Im ernsten Flrh'n des Kaisers Herz erbebet: Laß deine Huld auf den Vermählte» ruh'n! Halt fest den Thron und segne, Herr, ihr Thun! Ein Kleinod schön ihr Diadem durchwebet." Laut tön dem Hohen Paar von FelS zum Meer: Äit Gott sei deutsche Treu die feste Wehr!

Fre-a.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Uebersetzung.)

(Sortierung.)

Es schien mir, als wandere Mark an meiner Seite über den glatten Rasen nach dem neugeschaffenen, aber ein­samen und blütenleeren Blumengarten.

Aus diesen melancholischen, der Vergangenheit zugewen- dcten Träumen wurde ich durch die Stimme meiner Tante, dir auS einem Fenster über mir zurief, geweckt.

ort der Schwachen und Armen ist, und an dem der Hoch­mut, die Gewaltthat, die Ungerechtigkeit und die Habgier der Schlechten unerbittlich brechen sollen. Nur unter dem Schatten der echten christlichen Gottesfurcht kann der preu­ßische Königsthron diese seine hohe Bestimmung, zu der er gegründet ist, erfüllen! ES ist uns eine große Freude, daß unser geliebter Kaiser noch dieses Fest in solcher Rüstig­keit mit erleben und seinem Enkelpaare seinen Segen geben kann. Möge der Segen des Großvaters Wilhelm den Enkel Wilhelm allezeit begleiten! Die Namen des jungen Paares: Wilhelm und Augusta Viktoria, verbinden so schön das väterliche und großväterliche Haus und werden auch so schon dereinst unseren Nachkommen die große Zeit Kai­ser Wilhelms I. und Augustas vergegenwärtigen! Möge Gottes Segen stets in reichem Maße auf dem neuen Hohen- zollernzweig ruhen, der heut zu selbständigem Wachstum in die Erde gesenkt wird, daß er dereinst als großer Baum Preußen und Deutschland mit Segen und Frieden über­schatte !

Die Arbeiten -es Hauses -er Abgeor-ueteu.

Das Haus hat in Der z veilen Session der XIIII. Legislaturperiode seit dem 28. October v. I., bis zum 23. Februar d. I. getagt. In dieser Zeit von 83 Tagen haben haben 69 Plenar-Sitzungen, 33 AbteilungS-, 203 Kornmis- stonS- und 225 Fraktions-Sitzungen stattgefunden. Dem Hause waren zugegangcn: 2 Gesetzentwürfe mit dem Staats­haushaltsetat pro 1881/82, 3 Nachträge zu demselben, die allgemeinen Rechnungen pro 1877/78, die Ueberficht über die Staatseinnahmen und Ausgaben pro 1879/80, die Jahresrechnungen der Kaffe der Oberrechnungs-Kammer 1, Bericht der Staatsschulden-Kommisston 20, Rechenschafts­berichte, Denkschriften, Uebersichten rc., welche bis auf 2 erledigt sind. An Gesetzentwürfen sind außerdem zuge­gangen: von der StaatSregierungs29, durch das Herrenhaus 8, also 37; von diesen sind 22 von beiden Häusern deS Land­tages übereinstimmend angenommen worden, über einen und zwar der Zuständigkeitgesetzentwurf, ist eine Uebereinstim- mung nicht zu erzielen gewesen, der Entwurf über die Abänderung der Kreisordnung ist augenblicklich im Herren­hause noch nicht erledigt, 13 Gesetzentwürfe sind hier nicht zur abschließenden Beratung gelangt und zwar 1) die vier Gesetzentwürfe, betreffend die KreiS- und Provinzialordnung in den Provinzen Hannover und Schleswig-Holstein, 2) der Gesetzentwurf, betreffend die Einsetzung von Eisenbahnräten, 3) der Gesetzentwurf, betreffend die Befugnisse der Strom­bauverwaltung rc., 4) der Gesetzentwurf, betreffend die Ver­wendung der Jahresüberschüsse der Eisenbahnverwaltung, 5) der Gesetzentwurf, betreffend den Erwerb und weiteren Ausbau der Rhein-Nahe-Eiscnbahn, 6) der Gesetzentwurf, betreffend die Verwendung der in Folge weite, er Reichs­steuerreformen an Preußen zu zahlenden Geldsummen,

Ich ging in das Haus. Mrs. Carr hatte den unglück­lichen Bräutigam von Zimmer zu Zimmer geschleppt und daS ganze Haus in Augenschein genommen. Sie war in fieberhafter Erregung und wichtiger Geschäftigkeit.

In einem kleinen achteckigen Zimmer, das einstige Wohn­zimmer von Curtius Mutter, fand ich sie beide. Der kleine Raum war auSgestattet mit eigentümlich altmodischen Mo­bilien, welches den Neid und die Bewunderung jedes Anti- quitäten-FreundeS erregt haben würden. Verblichene blaue Atlaötapeten bekleideten die Wände und die Stühle waren mit altem Seidenbrokat bezogen, der heut zu Tage ganz unbe­zahlbar wäre.

Hier fand ich Tante Selina mit großem Wortreichtum ihren Rat ertellend, während der arme Mr. Curtius milden und bestürzten Angesichts dabei stand und eine sehr komische Figur machte.

Ach, hier bist du Freda," rief meine Tante, als ich eintrat.Du kommst gerade recht, um zu hören, was ich dem lieben Mr. CurtiuS über dies reizende kleine Zimmer sage. Natürlich, Kind, muß dies dein Boudoir geben ts ist dazu wie gemacht."

Ich habe das auch gedacht, Tante d. h. wenn Mr. CurtiuS" fügte ich, ihn respektvoll anblickend, hinzu.

.Meine liebe Freda, mein ganzes HauS steht völlig zu

V^sügung," sagte mein gütiger aller Freund mit höflicher Galanterie.

O, welch glückliches Mädchen du bist!" entgegnete meine Stante und legte bewundernd ihre fetten Hände in einander. DaS ist gerade, was ich eben sagte; ich will sogleich Jack­son und Graham benachrichtigen, damit sie einen Man» bisher senden, der eS renoviert. Wir muffen frische Tapeten haben, weiß und Gold oder vielleicht üeine Büschel von

7) der Gesetzentwurf, betreffend die Ausdehnung der Wirk­samkeit der Nassauischen CentralkirchenfondS rc. Die Zahl der Regierungs-Vorlagen beträgt danach 67, 45 davon wurden an Kommissionen zur Vorberatung überwiesen, welche darüber 20 mündliche und einige schriflliche Berichte erstattet haben. Selbstständige Anträge sind von Mit­gliedern des Hauses 7 eingebracht und davon erledigt: 1) 3 durch Annahme von Resolutionen, 2) 2 durch An­nahme von Gesetzentwürfen mit Zustimmung des Herren­hauses und 3) 2 durch Ablehnung. Interpellationen sind von Mitgliedern des Hauses gestellt 3, deren Beant- wortung seitens der Königlichen Staatsregierung stattge­funden hat. P titionen sind eingegangen 895, davon zurückgegangen 5; von den verschiedenen Kommisfionen find darüber 33 schriftliche und 18 mündliche Berichte vorbe- reitel resp. 25 schriftliche und 15 mündliche erstattet wor­den. Erledigt sind 85 Petitionen durch Ueberweisung an die Königliche Staatsregierung, 164 durch Beschlüsse zu Gesetzentwürfen rc., 30 durch Uebergang zur TageS-Ord- nung, 195 ohne Erörterung. Hebet 78 Petitionen liegen noch nicht erledigte KommissionSbeschlüffe vor und 338 sind zum Teil wegen verspäteter Einreichung auch in den Kom­missionen nicht zur Beratung gelangt. Die Abtellungen haben 14 Wahlen geprüft, die Verhandlungen über eine Wahl sind unerledigt geblieben. Der Wahlprüfungs- Kommission sind 11 Wahlen überwiesen worden, die elbe hat 9 erledigt und darüber 9 schriftliche Berichte erstattet, wovon 2 Berichte nicht mehr zur Erledigung im Plenum gelangt sind, 2 erst spät der Kommission überwiesene Wahlen blieben unerledigt. Die Geschäftsordnungskommission hat im Plenum einen mündlichen Bericht über die Frage einer Mandatserledigung erstattet. Erledigt find z. Z. 3 Man­date von Abgeordneten.

Deutsches «eich.

Berli«, 24. Febr. Zur Vermählungsfeier des Prinzen Wilhelm sind angemeldel: Eine Deputation des Reichs­tags, ferner aus Schleswig-Holstein Deputationen der Provinzial'Vertretung, von den Prälaten, der Ritterschaft und von Frauen und Jungfrauen; aus Ostpreußen, West- preußen und Brandenburg Deputationen der Provinzial- Vertretung, Deputationen vom Kreise Sorau und der Stadt Charlottenburg; aus Pommern, Sachsen, Westfalen, Hessen-Nassau, Hannover, der Rheinprovinz und Schlesien Deputationen und Provinzial-Vettrelungen, des Oberlau- sttzer Kommunallandtages von der Genossenschaft des rhein. Ritterbürtigcn Adels; ferner Deputationen von Angehörigen der Provinz Posen und vom Magistrate und den Stadt- Berordneten Berlins. Ferner werden empfangen, die Ober- Burgermeifter von Potsdam, Königsberg, Danzig, (Stettin, Polen, Breslau, Magdeburg, Kiel, Hannover, Münster, Kaffel, Frankfurt a. M., Köln und Charlottenburg, 35 Rosenknospen. Ich habe ein entzückende Tapete in einem Hause am Tavistock-Square gesehen, als ich dort einen Be­such machte. Sie war ganz mit kleinen Vögeln und roten Rosen überdeckt, etwas völlig neues."

Lieber Himmel! Tante," rief ich, meine Hände vor Schreck erhebend.

- t "£inb< b'? würde ausgezeichnet für dieses Zimmer paffen," fuhr MrS. Carr fort, die auf meine Einwendungen nie etwas gab, denn sie hatte nur eine geringe Meinung von meiner Intelligenz;und dazu werden wir noch einen hüfchen krischen Cretonne gebrauchen, rosa oder hellblau, nicht wahr Mr. CurtruS? Auch diese altmodischen, unbehaglichen Stühle ersetzen wir durch einige niedrige gut gepolsterte SophaS und für die Wände schaffen wir einige hübsche Aquarelle an. Wir schaffen hier daS freundlichste und gemütlichste Zimmer im ganzen Hause. Nun geben Sie mir carte blanchc Mr. Curtius. Ich bin sicher, der Erfolg entzückt Sie."

George CurtiuS sah mich hülfloS an.

Wenn Freda eS wünscht," begann er.

34 es wünschen? Nicht um die Welt 1" rief ich,warum, Tante? Dies Zimmer würde durchaus verlieren, wenn eS geändert würde. Gerade so wie es ist, ist eS reizend."

Freda, du hast keinen Geschmack," antwortete meine Tante kurz.Ich weiß Mr. Curtius stimmt ganz mit mir überein ; aber du warst immer ein wenig eigensinnig und bist auf dem Lande bei deinem Vater erzogen, der ebenfalls stets nach feinem eigenen Kopfe verfährt. Ja, ja, Mr. Curtius, ich weiß, daß er sehr klug ist und alles, aber er sowohl wie meine Nichte find nicht im geringsten imstande, in solchen Dingen das Richtige zu treffen. Es ist ein Glück, daß meine Zut eS mir erlaubt, ein wenig nach dem Rechten zu sehen I Nun Mr. CurttuS laffen Sie uns hinaufgehen und die Schlafzimmer ansehen."