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Warburg, Freitag, 25. Februar 1881.

XVI. Zatrgarq

tjeigen nimmt «mgegen: f, ;t tkxpebittc» d.Vlatte», d-Nnnoncen-Bureaux oon LH. Dietrich L Co. in Kassel und Hannover: LH. Dietrich in Aranlfutt a.M.; Saasenstein <4 Vogler in Hrantturt s- M., Berlin, gttyis, 6118 ic.; Ssbolf Moste ix Serli», Irani-

AnWHe Jrituiiß

Anzeigen nimmt* 1 entgegen die Gxpedittox d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaur von S-L-Daube L Lo. in Frankfurt a-M; Jägrrffche Buchhandlung daselbstL Hermann'sche kuchhaudl. ♦ daielbst; Jnvclidendani in

Berlin; ffi Lhirnes in Elberfeld: 6. Schlotte in

Bremen

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* Das Schicksal des ZustäudigkeitSgesetzes.

So wird denn trotz der wochenlangen Bemühungen in den Kommissionen und im Plenum des Hauses der Abge­ordneten der Entwurf des Zuständigkeitsgesetzes doch nicht Gesetz werden. Die Bestimmungen, welche, durch die Be­mühungen der Linken veranlaßt, die Bestätigung der Magi­strate seitens der Regierung neu regeln, und daS bisherige Recht der Staatsregierung auf ein äußerstes Maß beschränken, waren in der ursprünglichen Vorlage überhaupt nicht ent­halten, und jetzt, nachdem das Herrenhaus diese Einfügungen der Linken beseitigt und die Staatsregierung das Zustande­kommen des Gesetzes von dem Fortbestände dieser Besei­tigung abhängig gemacht hatte, ist trotzdem die Aufrechter­haltung dieser unannehmbaren Bestimmungen von der Linken des Abgeordnetenhauses beliebt worden.

Diejenigen, welche der Rechten stets Gelüste nach reak­tionären Aendcrungen gern in die Schuhe schieben, sind hier augenscheinlich in den umgekehrten Fehler verfallen und lassen, durch ihre demokratischen Gelüste getrieben, welche die Stadtverwaltungen am liebsten zu großen und kleinen Sladtrepubliken machen möchten, den ganzen Entwurf des Zuständigkcitszesetzes auf Grund dieses ihres verdienten Mißerfolges scheitern.

Die Konservativen ihrerseits haben, wie die Dinge jetzt liegen, freilich auch keine Veranlassung, diesen Stillstand in der eifrigen Vcrwaltungsgesetzgebungsmaschine zu beklagen. Unter einem neuen Minister des Innern ist der so ent­standene Hall in einer zweifelhaften Vorwärtsbewegung nicht ' ohne Wert, da seine Absichten in Bezug auf diese wichtige f Regelung unserer gesamten inneren Verwaltung einer nicht neihcblichen Veränderung unterliegen können.

) b' Für die Konservativen ist also durch diesen Zwischenfall / üchts verloren, aber freie Hand für Neugestaltungen ge- ' Wonnen. Das Verhalten der Linken dagegen, die bei dieser Gelegenheit besondere Vorteile, wenn auch vergeblich, ein» heimsen wollte, bezeichnet so recht das egoistische Gebühren - dieser Volksvertreter, bei denen der Demokrat doch überall ts dem Schafspelz hervorguckt.

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. Februar. Der Kaiser konferierte gestern Nachmittag mit dem Finanzminister Bitter. — Heute findet im kaiserlichen Palais ein größeres Diner statt, an welchem Minister v. Bötticher, sowie die Bevollmächtigten zum Bundesrate v. Lutz, v. Crailsheim, v. Mittnacht, Turban, v. Starck, Schleiermacher, Stichling, Selkmann. v. Giseke, Leipziger und Oldenburg teilnehmen werden. — Ueber die Lage der Ministerkrists vernimmt die „Nationalztg." über­einstimmend mit anderweitigen Mitteilungen, daß bis gestern Abend keine definitiven Entscheidungen getroffen waren. Graf Eulenburg hält sein Demissionsgesuch aufrecht und wird sehr wahrscheinlich dasselbe nicht zurücknehmen. Graf Eulenburg hatte gestern eine Audienz bei dem Kaiser, welcher ihn dazu durch den Geh. KabinetSrat v. WilmowSki berufen ließ. Der Kronprinz that in dieser Angelegenheit nicht einen einzigen Schritt, sondern steht in derselben voll-' ständig abseits. — Die „Neue Preuß. Ztg." ist in der Lage, das Folgende zu veröffentlichen: Nach unseren Nach­richten hat sich der Minister Graf Eulenburg unmittelbar nach der Herrenhaussitzung am Sonnabend zu Sr. Maj. dem Kaiser begeben und Allerhöchstdemselben sein Ent­lassungsgesuch überreicht. Se. Majestät wünschten infolge dessen den Fürsten Reichskanzler zu sprechen; da derselbe jedoch durch seinen Gesundheitszustand verhindert war, im königlichen Palais zu erscheinen, so haben Se. Majestät sich noch an demselben Abend in das Palais deS Reichs­kanzlers begeben. Im Laufe des gestrigen Tages sollen durch Vermittlung deS Wirkt. Geh. Rats v. WilmowSki wiederholte Versuche zur Ausgleichung der zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Eulenburg hervorge­tretenen Differenzen stattgefunden haben; dieselben dürften indes erfolglos bleiben, da Gras Eulenburg auf seiner De­mission fest beharrt;und willens sein soll, Berlin bereits in kürzester Frist zu verlaffen. — Es war bezeichnend für den politischen Anstand der Fortschrittspartei, daß in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses der Abg. Dr. Virchow mit Rücksicht darauf daß der Minister des Innern auS naheliegenden Gründen bei der Verhandlung über daS Zuständigkeitsgesetz nicht anwesenv war, glaubte die Ge­legenheit wahrnehmen zu müssen, um den stellvertretenden RegierungS-Kommiffar G. R. v. Brauchitsch, dec gerade in dieser Materie eine bekannte Autorität ist, als nicht geeignet zu bezeichnen, um für seine Person entscheidende Erklärungen abzugeben. Der Abg. Dr. Virchow wurde freilich sofort über daS Unpassende seines Vorgehens be­lehrt und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß der Regie- rungs-Kommiffar beim Beginn seiner Ausführungen fich noch ganz besonders als legitimierter Vertreter seines Ministers und der Staatsregierung überhaupt bezeichnet hatte. Die nicht gerade feinfühlenden Mitglieder der Fort­schrittspartei sind bei solchen Dingen ebenso gedächtnis­

schwach wie unbefangen. Daß aber gerade eine KristS im Staatsministerium zu solchen Ausfällen Seitens des Fort­schritts mißbraucht wurde, ist durchaus bezeichnend für die von Gmnd aus regierungsfeindlichen Bestrebungen dieser ganzen politischen Partei, und das Land wird ein Ver­ständnis dafür haben, wie derartige Versuche gerade in einem wichen Augenblick sich jeder maßvollen Beurteilung entziehen. — Unmittelbar vor dem Abschluß der dies­jährigen Landtagssesston vereinigten sich gestern Mitglieder der konservativen Partei aus beiden Häusern deS Land­tages und aus dem Reichstage zu einem festlichen MittagS- effen in den Räumen deS KaiferhofeS. ES waren wohl 150 Personen anwesend, unter denen auch die Armee nicht selten vertreten war. Nach dem Trinkspruch auf Seine Majestät den Kaiser und König, der eine jubelnde Zu­stimmung fand, folgten andere Toaste, auf die konservative Partei und ihre Wahlerfolge, auf die Armee, auf einzelne hervorragende konservative Namen u. s. f. Die ganze Stimmung entsprach dem Gefühl ungeteilter Freude über die glückliche Fortentwicklung und über die Erfolge der konservativen Sache.

Berlin, 23. Februar. Zur Vermählung des Prinzen Wilhelm schreibt die „Prov.-Corr.": Unseres Kaisers Enkel, des Kronprinzen ältester Sohn, Prinz Wilhelm von Preu­ßen, feiert in wenigen Tagen seine Vermählung mit der Prinzessin Augusta Viktoria zu Schleswig-Holstein, am nächsten Sonnabend findet der festliche Einzug der Prin- zesfin in Berlin statt. Von fern und nah treffen als Zeugen des Festes hohe fürstliche Verwandte und Vertreter fast aller Regierungen Europas in der Hauptstadt ein, wo in dem ehrwürdigen Königsschloß der Bund des prinz- lichen Brautpaares seine Weihe für das Leben erhalten soll. DaS preußische Volk nimmt auch bei dieser Gelegen­heit innigen Anteil an den Geschicken seines Herrscher­hauses, mit dem es sich aus das Engste verbunden weiß. In den festlichen Anstalten, welche überall getroffen werden, tritt uns vor Allem zum Bewußtsein, wieviel die neuere Entwickelung Preußens dazu beigetragen hat, den alten monarchischen Sinn im preußischen Volke zu beleben und zu vertiefen. „Mag der Streit der Parteien über die Formen, in denen er seine Macht zur Geltung zu bringen hat, noch so lebhaft sein, in dem Königtum besitzen wir inmitten der Hochflut der Leidenschaften unser stärkstes Bollwerk." Der Tag der Vermählung des Prinzen Wil­helm ist für Preußen, ist für Deutschland ein Tag wahrer Freude und Hoffnung. Der dereiustige Erbe der deutschen Kaiserkrone begründet ein eigenes Haus, unter den Augen und mit dem Segen des Wiederherstellers des deutschen Kaiserreichs, zum Altar geleitet von seinem Vater, der an der Erfüllung und Vollendung dieses Werkes ruhmreichen Anteil hat. Eine solche Vergangenheit, eine solche Geschichte legen dem Prinzen hohe Aufgaben für daS Vaterland auf,

1

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Freva.

Roman von Emily Cameron. Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Uebersetzung.) < Fortsetzung.)

„Durchaus nicht Kind. Irgend etwas der Att geschieht immer von mn bei den Hochzeiten meiner Nichten; und der Onkel liebt eS, das Frühstück zu geben, weil er dann sicher ist, daS zu bekommen, was er selbst gerne ißt. Wiffen möchte ich, wie viele wir sein »erben und wen Dein Vater einzuladen gedenkt.

Ein Seufzer der Ungedul - entschlüpfte mir. Ich konnte > mich zu irgend einem Jntereffe an der Sache nicht erheben. War nicht alles abscheulich, haffenswert und unetträglich für mich, was mit dem Tage in Verbindung stand, der mich für immer von dem trennen sollte, den ich liebte?"

„O, was liegt daran?" rief ich ermüdet auS, indem die heißen Thränen mir in die Augen stiegen. „Ladm Sie ein, wen Sie wollen Tante, nur lasten Sie eS um Himmels willen eine so kleine Gesellschaft sein wie möglich."

„Freda ich bin ganz erstaunt über Dich", sagte meine Tante mich verweisend ansehend; „es ist sehr kindisch von Dir, Dich so lange vorher schon so gehen zu lasten. Eine Braut sollte sich zur Pflicht machen, sich bis zu dem Hoch­zeitstage zu beherrschen. Du wirst für gar nichts nutz fein, wenn du nicht ein wenig Kontrolle über dich ausübst. Und warum, ich bitte dich l soll eS eine kleine Gesellschaft fein? Ich wüßte keine Hochzeit, wo eS nötiger wäre, daß das Frühstück ein großes und belebtes, noch wo eS wün­schenswerter, daß alles in dem Arrangement aufs beste sei,

als hier. Ein armes Mädchen, das einen reichen Mann heiratet, muß ihrem Gatten nicht wie eine Bettlerin ent­gegenkommen ; dein eigenes Zartgefühl sollte dir dies schon

sagen. UeberdieS bin ich ja bereit, dir jede Mühe abzu- nehmen; was ich vielleicht bedarf, sind einzelne kleine Finger­zeige von dir. Jetzt weder Thränen noch Ungeduld mehr, mein liebes Kind; laste unS ein Verzeichnis der Einzu­ladenden aufstellen und dann wirst du sehen, daß alles seinen gehörig geordneten Weg geht."

Ich disputiette nicht mehr mit Tante Selina, sie hatte ihre eigene Meinung und schwärmte wahrhaft in dem Ver­gnügen, alles nach ihrem Kopfe herzurichlen. DaS ganze Haus kehrte fie um; ste mietete Möbel in der Stadt für unser lange unbenutztes Empfangszimmer; bestellte GlaS und Porzellan; Kisten kamen mit jedem Zuge; ihren Diener jagte sie den ganzen Tag mit Telegrammen hin und her; und selbst die alte Sahra erhielt sie durch dutzendweise, oft sich widersprechende Befehle in beständiger Gähruug, so daß diese beinahe unsere täglichen Mahlzeiten zu kochen vergaß.

Papa floh das HauS und suchte tagelang in Eddington Zuflucht.

„Deine Tante ist eine gute Frau, Freda," sagte er ver­traulich zu mir, „eine ausgezeichnete Frau und wir muffen ihr sehr dankbar fein, daß ste uns alle diese Mühe abnimmt. Auch bei dem Leichenbegängnis deiner lieben Mutter hat sie mir treu zur Seite gestanden — aber ihrer Zungenfertigkeit vermag ich nicht Stand zu halten; vielleicht ist daS mein Fehler, denn ste ist gewiß eine treffliche Person. Ich konnte eS nie."

Und so wanderte er -mit seinen Büchern unter dem Arm stets nach Eddington; ich mochte sehen, wie ich mit Tante Selina fertig wurde.

Einst ging ich mit ihr zum Frühstück nach Eddington- Hall, um mein neues Heim zu inspirieren. ES würde unmög­lich sein, der guten Dame Entzücken und Komplimente bei dieser Gelegenheit zu beschreiben.

, Sie überschüttete Mr. CurttuS mit Fragen und Glück­wünschen, die ihn sehr in Verlegenheit brachten. Ihr Rede­fluß war nicht zu hemmen. Eddington, sagte fie, sei eine Heimat, welche das Herz jeder Frau befriedigen müsse und dann betonte ste, daß meines VaterS Vorfahren mit dem Eroberer herüberkamen und eine Verbindung zwischen CurtiuS und mir allen Beteiligten das höchste Ziel irdischer Wünsche sei.

Wie viel weiter noch meiner guten Tante Enthusiasmus ging, weiß ich nicht, denn mit wahrer Furcht vor ihrm überschwenglichen Worten stand ich vom Tische auf und floh auf die Terrasse.

Ich fühlte mich sehr unglücklich, versuchte mich aber durch den Gedanken an meinen künftigen Reichtum zu trösten.

Es war auch ein traulicher alter Platz. Ich werde hier thun können, was ich will, sagte ich mir. Ich kann einlaben, wen ich will, um bas HauS zu füllen. Ich werbe hier wie eine Königin Hof halten. Ebbington ist die behag­lichste Stätte in ganz England und eine Fran muß schwer zu befriedigen fein, die sich hier nicht glücklich fühlen sollte.

Aber obgleich ich mir dies sagte, wollte mein Herz doch nicht miteinstimmen.

Ich konnte mir kein rechtes Bild kommenden Vergnügens schaffen, sondern gedachte immer nur vergangenen Glück». Es schien mir, als stehe Mark an meiner Seite und schaue mit mir von der Terrasse in den stillen Park hinab, durch das dämmerhafte Gebüsch, durch die fallenden Blätter.

(Fortsetzung folgt.)