Marburg, Mittwoch, 23. Februar 1881.
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uach Der Vorschrift der Gesetze vom 20. Dezember 1879 und 14. Februar 1880 über den Erwerb verschiedener Eisenbahnen für oen Staat bis zu einer anderweiten gesetz- Ilchen Regelung der Kommunalbesteuerung die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen über die Verpflichtung der Privat
_ ** ©erlitt, 21. Februar. Alle Folgen, welche das Gerücht der Herrenhaussitzung vom 19. d. zuschreibt, gehören bis jetzt lediglich dem Gebiet der Vermutung gn. Eine Entscheidung ist nach keiner Seite getroffen. — Obwohl die Aussicht verschwunden ist, daß das Abgeordnetenhaus vor seinem auf Mitte dieser Woche angekündigten Schluß zu einem Votum über das Verwendungsgesetz gelangt, wie es der Reichskanzler in der Rede vom 4. d. M. erbat, obwohl nicht einmal die Kommission zu einem Ab
herrn von Ende als Königlicher Kommisiarius, Graf Ma- tuschka zu Schloß Vollraths zum Vorsitzenden, Regierungsrat Lchellenberg zum Stellvertreter des Vorsitzenden ernannt.
sagte sie, die Kaputze des Mantels über ihren Hut ziehend „sie sind so unkleiosam."
34 lächelte. „Wünschen Sie vielleicht einen Regenschirm? Sie können ihn auf dem Rückwege nach der Station wieder abgeben.
Sie nahm sich nicht einmal die Mühe, mir für dieses Anerbieten zu danken.
„Ich weiß eigentlich selbst nicht, was ich wünsche — sande ich ihn 1 Nein, ich will keinen Schirm, er könnte mich genieren."
„Wie Sie wollen."
Sie schürzte ihr Kleid ans und rüstete sich zum Gehen. Ich war neugierig, ob sie einen Dank für die Unterkunft aussprechen werde. Zuerst schien es, als ob sie ohne irgend daran zu denken fort gehen wollte, aber als sie die Thüre erreicht hatte, drehte sie sich um und streckte plötzlich ihre Hand nach mir aus.
„Es ist nicht Ihre Schuld, daß Sie mir nichts sagen konnten. Ich glaube sicher, daß Sie eö gethan hätten, wenn Sie imstande dazu gewesen wären."
ES lag ein Zug stummer Schwermut in dem kleinen Gesicht mit seinen ängstlichen Augen, der mich eigentümlich berührte. Ich nahm die bargebotene Hand und hielt sie in der meinen.
Welches traurige Geschick betrübte diese dunkeläugige, E^ueFrau, welche mich mit so starrem, abwesenden Lächeln
„Ich würde Ihnen gerne helfen, wenn ich könnte," antwortete ich ernst.
Sie wendete sich mit kurzem Kopfnicken ab und verschwand unter dem epheubewachsenen Thorweg.
„Glaubst du, daß diese Dame bei ganz klarem Ver
eisenbahnen zur Zahlung von Gemeindeabgaben auf die in das Eigentum des S.aatS übergegangenen Privatbahnen auch ferner in gleicher Weise zur Anwendung kommen sollen. Demgemäß sind bis zum Erlaß eines Gemeinde- abgabengesetzeS die in den gedachten Gesetzen bezeichneten Eisenbahn-Unternehmungen bezüglich der Zahlung von Gemeindeabgaben auch ferner in der Weise zu behandeln, als ob dieselben noch Privatbahnen wären und lediglich hinsichtlich ihrer Verwaltung einer königlichen Direktem unterstellt worden seien. — Für die Baumwollenspinnerei des Bezirks Chemnitz war der Anfang des letzten Quartals 1880 kein günstiger. Es sammelten sich die Vorräte immer mehr und es wurde nur durch große Nachgiebigkeit möglich, Ab- schlufle zu erzielen. Mit der Trübung der Aussichten auf eine etwas reiche Baumwollenernte änderte sich die Scene zumal auch die Garnvorräte der Fabrikanten aufgebraucht waren. ES entwickelte sich allmählich eine immer lebhaftere Nachfrage nach Garnen, die Vorräte in den Händen der Spinner nahmen ab und die Preise stiegen. Die meisten Baumwollenspinnereien für Webgarn stehen jetzt noch einige Monate zu befriedigenden Preisen unter Kontrakt. Von -Leiten der Spinner wird anerkannt, daß der neue Zolltarif eine für sie günstige Wirkung auSgeübt hat. Dies wird auch in Bezug auf die Tuchindustrie auS dem Bezirk Görlitz mit dem Hinzufügen bemerkt, daß die Einführung des neuen Zolltarifs immer mehr feint segensreiche Wirkung zeigen wird.
Rkttstettitt, 19. Februar. Wie die „Neue Stettiner Ztg. meldet, ist gestern von ruchloser Hand an die Synagoge Feuer gelegt worden und niedergebrannt. — Der ,Nat.- Ztg-" gehen hierzu folgende Mitteilungen zu: Der Synagogenvorstand bot durch laute Bekanntmachung 1000 M auf die Ermittelung des ThäterS, eine Zahl von christlichen Burgern des Städtchens Ratzebuhr in gleicher Weise 2000 Mark. Die Synagoge ist ein altes, sehr baufälliges Ge- bäude, es begann vor zwei Jahren schon einmal im Innern zu brennen, bannte aber nicht weiter. Damals soll man einen jüdischen Knaben vorher aus der Synagoge herauskommen gesehen haben. Vor einem Jahre hatte eine Reparatur stattgefunden, neue Bänke wurden beschafft, die letzteren sollen als unpassend befunden fein und hatte der Vorstand den Lieferanten wegen Unbrauchbarkeit der Bänke verklagt. Der Staatsanwalts hat die Sache bereits in
genommen. Eine Zahl jüdischer ©emelnbemitglieoer waren um 5 Uhr nachmittags zum Verhör bestellt. Der Staatsanwalt hat laut bekannt machen laffen, „alle Personen, bie etwas wissen, werben vorgeladen." Die Beteiligung beim Zeugenverhör durch Christen ist sehr lebhaft, sie wird voraussichtlich die halbe Nacht dauern. Eben' abends 7 Uhr, verlautet, ein Jude sei überführt, daß et Fenster eingeschlagen habe, worauf die Flamme hell auf» brannte. Die Juden behaupteten, die Thür fei feit drei
Fred«.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Autorisirte Uebersetzung.)
-Fortsetzung.)
Sie sah mich scharf an, und ba ich burch eine Bewegung ihre Frage verneinte, fuhr sie fort: „Ich würbe Ihnen dies alles gar nicht sagen, wenn ich nicht glaubte, baß Sie mir helfen können. Wenn Sie längere tyit hier gelebt haben, so werden Sie sicher wiffen, ob er' sich in hiesiger Gegend auf hält?"
„Wer? Sie haben mir bis jetzt noch gar nicht den Namen genannt."
„Seine Name ist Thorne."
„Thorne —Thorne? Ich habe hier nie diesen Namen gehört."
Sie seufzte schwer und senkte den Blick auf ihre kleinen, abgezehrten, müde in einander gelegten Hände.
«Sie müssen sich geirrt haben. Ich habe ganz bestimmt diesen Namen hier niemals gehört," sagte ich sanft, da sie mich dauerte.
„So sagen Sie mir wenigstens den Weg nach Chadley," bat sie kummervoll.
„Gewiß kann ich daS, aber wie ich schon bemerkte, Lord Holt wohnt dort, es ist kein Mr. Thorne ba."
„Er hat sich vielleicht dort anfgehalten."
„Thut nichts; ich kann immerhin nachfragen. Wie sie sehen, ist der Regen vorüber; ich glaube, ich kann nun weiter. Wie weit ist es?"
Sie sprang auf und zog ihren Mantel, der am Küchenfeuer getrocknet worden war, wieder an.
„Gräßliche Dinger, diese Regenmäntel, nicht wahr?"
ftanbe war?" fragte ich die alte Sahra, als sie das Thor hinter der Fremben geschloffen hatte und zu mit zurückkehrte.
»Et, Miß, wie sollte sie es nicht gewesen sein?"
„Sie sah so sonderbar verwirrt ans," antwortete ich nachdenkend.
Mehr als einmal während des Tages ging ich nach °em Thor draußen, um die nach Chadley - Cafüe führende Landstraße hinab zu sehen und meines seltsamen Besuches Rückkehr nach Slopperton abzuwarten. Aber wenn sie an unserem Hause vorübergekommen ist, so muß ich sie verfehlt haben, denn ich sah sie nicht wieder.
Noch tagelang nachher dachte ich an sie. Ich konnte bui ängstliche, melancholische Gesicht, das von so vielen Sorgen und Kümmernissen Zeugnis gab, nicht aus meinem Gedächtnis bannen. Ich vergegenwärtigte mir wieder und wieder bie abgebrochenen Worte ihrer Geschichte, welche ich in der einen kurzen Zusammenkunft vernommen hatte.
Ach! die Wahrheit schien mir klar genug: es war ohne Zweifel bie alte Geschichte von der Treulosigkeit eines Mannes, die sich so oft wiederholt. Ihr kindischer Eifer, mir den Trauring an dem Finger zu zeigen, sagte mir zu uar, daß sie kein Recht mehr habe, ihn zu tragen.
Der Gedanke an sie verfolgte mich mit einer Be- harrllchkeit, bie beinahe wie ein Vorgefühl war. ES schien mir, als stehe diese Frau in irgend einer geheimnisvollen, unverständlichen Welse mit meinem eigenen Schicksal in Beziehung. Ich schalt mich thöricht wegen dieser Einbildung und versuchte, mich energisch von diesem eigentümlichen, fast komischen Wesen frei zu machen. Wie wenig ahnte A, daß oieses Vorgefühl sich erfüllen sollte, und welche Bedeutung diese Fremde schon damals in meinem geben hatte I
lFortsetznug folgt)
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annoncen-BureaNk
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, sowie d.Annoncen-Äureauk , von LH, Dietrich L Lo. in Raffel und Hannover j LH Dietrich in Arantsirrt a-M.; Haalenstein L Bögler re Draskffrrt #• M., Berlin, Leipzig SRn r..; Rudolf •Stoffe in Berlin, ginnt« fer '*• r
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Für die Beurteilung des Auftretens des Fürsten Bismarck gegenüber dem Herrn Camphausen beachtet man viel zu wenig den Eingang der BiSmarck'schen Rede, welcher für den Fürsten selbst, falls er einmal vom Amt kommen sollte, den Gedanken an eine Opposition gegen seinen Nachfolger ausschließt. In diesem Zusammenhänge ist die ganze Auseinandersetzung gegen den früheren Finanzminister offenbar aufzufaffen, und sie richtet sich naturgemäß nicht blos gegen diesen, sondern gegen die verschiedenen Minister, welche nach ihrem Rücktritt ihre angeblich im Amte ge- sammelten Kmntnisse benutzen um ihren Nachfolgern das , ............ utc ^minion zu einem Av-
$u. Wir brauchen m dieser Beziehung schluß ihrer Vorarbeiten gelangen wird, so ist der Beginn
blos an das Auftreten der Herren Delbrück, Hobrecht und dieser Vorarbeiten doch nicht vergeblich gewesen. ES ist
F^k zu erinnern. Daß der Fürst Bismarck solchen Ver- vollkommen richtig, was die Nat - Rta " in ibrer Nummer
Men und Abirrungen gegenüber bie gute preußische Sitte vom Sonnabenb Abend sagt: Die Armut des Res lltats
Xn'rb™9~ roiru gewiß jeder ernste der Kommissionsberatungen habe ihre Wurzel gerade in Royalist danken, denn wir |tnb Gott sei Dank noch nicht dem Reichtum an Vorschlägen. Der Reichtum dieser Borin dem Parteigetnebe, in welchem ein zurückgetretener schlage beweist das Auseindergehen der Meinungen nicht
M--"'-er naturgemäß e uer der Führer der Opposition nur in der Kommission, sondern ebenso im Laus selbst
C°wp^usen's gegen den Finanz- welches die Kommission sorgfältig so zusammengesetzt hatte'
Ester Bitter hat nun offenbar bei dem Fürsten Bismarck daß darin alle maßgebenden ®eLte ™^
alle die Erlebnisse wachgerufen, deren Anstifter in neuerer So hat also bie Kommission ben Beweis aeffihrt hnfc hn«
Brt b« genannten Minister, besonders Herr Hobrecht, Haus für jetztübTbS^^
fUb “an. muB ba$er fctn Verhalten gegen Entschluß kommen kann, bis bie Klärung der Situation
r e 2^iiü fte ”0 uff a ff TnC ^"ttabfert.gung aöer jener $ Wetter'vorgeschritten ist. - Die Ausschüsse beS Bun- -m’Ä.-NE-,rokW,„ SrÄS»“LLL°S on7TjVeiner ^Wahngen Amtsführung konsequent seine ber Massengüter im Sinne beö Gesetze/über bieWaaren-
aus eine Finanzreform gerichteten Bestrebungen aus Mangel statistik vom 20. Juli 1879 im Bundesrat beantragt bafc
an £aleut gehindert hat, gelangte feine Rede zu der Schärfe, derselbe dem Nachtrag seine Genehmigung gebe mit der
welche an ihr vorzugsweise zu bemerken ist, und wurde in Maßgabe, daß diese/ vom 1 April d I Tn Äroft Tu
tiX ?7hung eine chnetdende Kritik der gesamten Thä- treten hat. - Nach einer zwischm sämtlichen Rchortmi!
tißttit des früheren Ministers. Mag der Liberalismus niftern und der Ober-Rechnungskammer erfolgten Verein
semen Camphaufen, mögen die Toten ihren Toten begraben! barung sollen von jetzt ab bie8 bei Bauausführungen und
-------------------- sonstigen Gelegenheiten für den Fiskus aufkommenden - «kttisches «etch. Konventronalstrafen in allen Fällen unverkürzt dem allae-
.dertttt, 21. Februar. Der Kaffer konferierte gestern meinen Staatsfonds zugeführt und zu dem Ende mit
Nachmittag mit dem Fürsten BiSmarck. - Das Ent- vollem Betrage als Einnahme verrechnet werden - Da
laffungsgesuch des Ministers des Innern Grafen Eulen- über die Frage, nach welchen Grundsätzen zur -leit der
bürg fftvom Kaffer bisher uicht genehmigt worden. Die Reinertrag des Köln-Mindener Eisenbahn - Unternehmens
Verhandlungen wegen Verbleibens des Ministers im Amte behufs Heranziehung desselben zu den Gemeindeabgabm zu
sind noch ohne Resultat. — Der Bundesrat genehmigte berechnen und auf die steuerberechtigten Gemeinden zu ver-
die Brausteuervorlage tn zweiter Lesung mit einem Zusätze teilen sei, in verschiedenen Orten Zweifel entstanden sind
teona$ die Halste des in die Reichskasse fließenden Ertrags so haben die Minister des Innern und der Finanzen Ü
ber Steuer einschließlich ber Aver'en der einzelnen an ber Oberpräsibium zuCoblenz darauf aufmerksamgemackt haft
Steuer beteiligten Bundesstaaten nach dem Martikularfuße । ™ ° ,"eyt, daß
zu überweisen sei. — Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kommunallandtag des Regierungs-Bezirks Wiesbaden ist auf den 14. März einberufen. Regierungs-Präsident von Wurmb ist zum Stellvertreter des Oberpräsidenten Frei-