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Nr. 4M.

Niarkurg, Dienstag, 22. Febmar 1881.

xvi. Jafrrgogg

Än»eigen nimmt entgegen: .Sie Expedition d.vlatte», : oarie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich <L Co. in Kassel und Hannover; Th. Diet- ch in Ir-rnkfutt a.M.; Haaientzein & Vogler in Zrankfurt o. M., Berlin, L-ipM, LSin rc.; Rudolf Lissir ix Ärrlin, jtaab ftrtt «. M k.

GttMchk jfitmiii.

Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b. Lnnoncen-Bnreanr von E. L Daube *60. in K-aukfutt a M; JSger'sche Buchhandlung daselbM Herrn ann'sche Buchhanü. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; B. Thienes in toofelb: 6. Schlotte in Bremen.

3üt 'n bet Expet rtwn zu ertheilende Auskunft unb Annahme von Abreffen werben 25 Pfg. berechnet.

AaS de« Parlamente«.

Das parlamentarische Leben in unserer Reichshaupt­stadt war in den letzten Tagen ein sehr belebtes. Die drei Parlamente: Reichstag, Herrenhaus und Abgeord­netenhaus tagten neben einander. Im Herrenhaus fand ein heißer Kampf um das Verwendungsgesetz statt. Die Kommission des HauseS hatte sich gegen den dauernden und für den einmaligen Steuererlaß erklärt und es war zu fürchten, daß auch die Mehrheit des hohen HauseS demgemäß stimmen würde. Der Reichskanzler trat aber mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit für den dauern­den Steuer-Erlaß ein, und er mußte das schon deshalb, weil die Mehrheit des Abgeordnetenhauses sich bereits für den dauernden Steuererlaß erklärt hatte. Hätte das Herrenhaus sich für den einmaligen Erlaß entschieden, so würde das Gesetz wahrscheinlich überhaupt nicht zu stände kommen. Dadurch würde aber die Lage der Regierung dem Reichskanzler gegenüber eine sehr schwierige, da dieser im vorigen Jahre die Steuervorlage mit der Bemerkung zurück gewiesen hatte, er wolle erst eine Garantie dafür haben, in welcher Weise die neuen Steuern verwendet werden sollten. Das Verwendungsgesetz soll diese Garantie für den größten Staat, für Preußen, darbieten, da die Reichsregierung dem Reichstage jene Steuervorlage auf» neue machen will. Die Regierung mußte also in Preußen darauf bestehen, daß das Gesetz zu stände käme und nach­dem das Abgeordnetenhaus sich einmal für den dauernden Steuererlaß entschieden hatte, so war an eine andere Form des Zustandekommens nicht mehr zu denken, nachdem auch die Regierung im Abgeordnetenhause diesem dauernden Er­laß bereits zugestimmt hatte. Bei der Debatte des Herren­hauses kam es zu einer sehr erregten Auseinandersetzung zwischen dem Reichskanzler unb dem Exminister Camp­hausen, da der letztere sich nicht bloS gegen den dauernden Steuererlaß aussprach, sondern auch die jetzige Finanz- Verwaltung einer sehr abfälligen Kritik unterzog. DaS gab dem Kanzler Veranlassung, Herrn Camphausen ent­gegenzuhalten, daß der jetzige Finanzminister lediglich an der Erbschaft Camphausens laboriere. Dieser habe mit den Milliar­den gewirtschaftet und als dieselben alle gewesen, sei er abge­treten, habe aber trotz der Milliarden jahrelang mit einem verborgenen Defizit gewirtschaftet, welches in den letzten Jahren seiner Amtsführung auch äußerlich hervorgetreten sei. Camphausen sei wohl ein guter Steuerempfänger ge­wesen, der seine Bücher in Ordnung gehabt habe, aber ein weitblickender Finanzminister sei er nicht gewesen. Er sei nicht dazu zu bewegen gewesen, die Initiative einer Finanzreform zu ergreifen; den einzigen Vorschlag, den er mit der Tabaksteuer einmal gemacht, sei ein totgeborenes Kind gewesen. Herr Camphausen hätte offenbar klüger gethan, sich nicht auf das EiS der oppositionellen Kritik zu wagen; denn er hat dabei eine sehr empfindliche Nieder-

Fred«.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisitte Uebersetzung.) (Fortsetzung.)

Es schien mir, als käme die alte Sahra nie zum Vor­schein, um zu öffnen. Endlich trat sie zögernd aus dem Hause, das Kleid über den Kopf, um sich gegen den strö­menden Regen zu schützen.

Sie öffnete die Thürpforte, eine kleine weibliche Figur stand draußen, eingehüllt in einen Regenmantel.

Mein Herz sank in getäuschter Erwartung. Ein Irrtum, eine Botschaft, eine Bettlerin, mutmaßte ich rasch in Bezug auf die Frau draußen; aber als Sarah immer noch durch das offene Thor mit der Fremden sprach, begann ich eine Art von Neugierde zu empfinden, wer sie sei.

Auf einmal kehtte Sarah rasch in daS Hau« zurück.

ES ist eine fremde Dame Fräulein, die nach dem Weg fragt. Kann sie herein kommen und warten bis der Regen vorüber ist? Sie hat keinen Regenschirm."

Gewiß, führe sie in das Zimmer," antwortete ich er­staunt.

Sie kam eine kleine Frau, in einem tropfenden, dunkelgrauen Regenmantel, die Kaputze dicht über ihren Kopf gezogen.

Bitte, treten Sie näher, und warten Sie bis ter Regen vorüber ist," sagte ich höflich und bot ihr einen Stuhl an. Wollen Sic Ihren Mantel nicht ablegen und ihn in der Küche am Herdfeuer trocknen lassen, während Sie hier warten?"

Sie entledigte fich ihres Mantels schnell und reichte ihn

läge erlitten, von der er sich nicht wieder erholen wird, und auch seinen liberalen Freunden, welche ihn in der Gründer- und Miliarden-Aera so sehr beweihräucherten, wird eS nicht gelingen, ihn wieder emporzuheben. Der Reichskanzler erreichte im Herrcnhause einen vollständigen Sieg. Bei der Abstimmung wurde der dauernde Steuer- Erlaß mit großer Mehrheit angenommen, und das Zu­standekommen des Verwendungsgesetzes dürfte nun als ge­sichert anzusehen sein.

Im Reichstage fand die Präsidentenwahl statt. Die liberalen Mittelparteien suchten das Centrum von dem Vorstände völlig auszuschließen. Die deutsch-konservative Partei, das Centrum und die Fortschrittspartei wollten den alten Vorstand einfach wieder wählen, und so geschah eS auch am ersten Tage. Allein, der erste Präsident, Graf Arnim, lehnte die Wahl ab, weil er nicht mit einem Mit- gliedc des Centrums im Vorstände sitzen wolle. Weil nun die liberalen Mittelparteien (Nationalliberale und Reichs­partei) keinen anderen Kandidaten vorschlugen, so sahen sich die Deutsch-Konservativen genötigt, aus ihrer Mitte wieder, wie vor zwei Jahren, einen Kandidaten zum Präsi­denten vorzuschlagcn; sie floaten das in der Person des Abg. v. Goßler, welcher Unterstaatssekretär int Kultus­ministerium ist Derselbe wurde bann auch gewählt. Die Mittelparteien erlitten also eine empfindliche Niederlage und der Traum vonder großen Mittelpartei" dürfte damit wieder einmal ausgcträumt und geronnen sein. Das Centrum ist die stärkste Partei des Reichstages. Mag man nun mit dieser Partei freundlich ober unfreundlich stehen, so gebietet die Gerechtigkeit und parlamentarische Sitte, daß die stärkste Partei vom Vorstande nicht ausge­schlossen werden darf. Die Konservativen konnten deshalb gar nicht anders handeln, als sie gehandelt haben. Ohne daS Centrum sind im Reichstage die sozialen landwirtschaft­lichen Aufgaben aber gar nicht zu lösen, weil dieselben wesentlich in der Verbesserung der fehlerhaften liberalen Gesetzgebung bestehen. Es liegt auf der Hand, daß eine solche Reform wiederum verfehlt auSfallen würde, wenn die liberale Partei den Ausschlag dabei gäbe. Die libe­rale Partei suchte daö Centrum offenbar deshalb in die Opposition zu drängen, damit sie diese ihr höchst unange­nehmen Reformen Hintertreiben könnte, weil die Konser­vativen ohne das Centrum zur Durchsetzung der Reformen nicht stark genug sind. Wäre den Liberalen ihr Plan ge­lungen, so würde der Reichstag resultatloS verlaufen, keine der wichtigen Vorlagen würde Gesetz werden. Die Liberalen würden dann bei den Wahlen hintreten und sagen: Seht, die Konservativen haben nichts fertig gebracht, eure Hoff­nung auf sie war also eitel: darum wählt wieder Liberale. Wenn aber die Konservativen und daS Centrum sich jetzt mit klarer, fester Entschiedenheit verständigen unb bie wich­tigen Vorlagen beS Reichskanzlers über die Unfallversiche- Sahra; bann streifte sie ihren Hut ab unb blickte kläglich nach seiner roten Feber.

Es war sehr thöricht, baß ich ohne einen Regenschirm fortging," sagte sie. W

Wollen Sie nicht Platz nehmen."

Sie staub einen Augenblick unb betrachtete sich in dem Spiegel über dem Kamin, ehe sie den dargebotenen Stuhl annahm.

Ich sehe schrecklich aus," sagte sie, mit einem schwachen Lächeln, als sie sich setzte.

Ich sah sie an. Sie hatte ein kleines Gesicht mit scharfen Zügen unb durchdringend dunkle Augen; ihr Haar war über der Stirne leicht gelockt und hinten, beinahe mitten auf dem Kopfe, in einen losen Knoten geschlungen. Ihre Kleidung war die einer Dame; elegant unb ge­schmackvoll.

Sie zog ihre Handschuhe aus, ich glaube in der Ab­sicht, daß ich den Trauring an der linken Hand bemerken sollte.

Ich bin heute nach Slopperton gekommen und werde mtt dem Fünf-Uhr-Zuge wieder zurückgehen," begann sie, da ich schwieg.

So Sie hätten in Slopperton einen Wagen nehmen sollen; es ist immer einer imGrünen Mann" zu haben, selbst wenn keiner an der Station ist."

Mietwagen sind mir unleidlich," sagte sie mit sonder­barem Achselzucken.UebrigenS wußte ich nicht genau wohin ich wollte." '

Ich sah sie mit Erstaunen an.

DaS befremdet Sie," sagte sie ernst unb dann fügte sie mit plötzlichem Aufleuchten ihres Antlitze« rasch hinzu:

rung, daS Jnnungswesen, die Börsensteuer rc. durchbringen und außerdem daS Volk von der Last des CivilstandS- Zwangs und das Land von den Gefahren und Schäden des unglückseligen Goldwährungs-Experiments befreien, bann haben sie Thaten vollbracht, für welche ihnen bas Volk bankbar fein wirb. Dann liegt bie Zukunft klar vor uns; käme aber nichts zu staube, bann stäube bei den Wahlen toieber alles in frage.

m Deatfche» Reich.

Perlt«, 19. Febr. Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin haben daS Präsidium des Reichstags gestern huldvollst empfangen. Der Kron­prinz und bie Kronprinzessin empfingen heute baS Reichs- tagsprästbium. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge hat ber ReichStagSprästdent v. Goßler Urlaub vom Kultusminister für bie Dauer ber gegenwärtigen Reichstagssaison erhalten. Fürst BiSmarck ist burch eine Erkältung ge­nötigt, bas Zimmer zu hüten. Er hat sich sein Unwohlsein währenb der letzten StaatSministerial-Sitzung zugezogen, welche im Herrenhause in ungeheizten Räumen ftattfinden mußte. In politischen unb parlamentarischen Kreisen herrscht große Aufregung über bett heutigen Zwischenfall int Herrenhause zwischen Fürst BiSmarck und Graf Eulen- bürg. Allgemein verlautet, daß der Minister des Innern infolge beS verlesenen Schreibens Bismarcks, welches diametral entgegenstehenbe Anschauungen über den Para­graphen 17 ber KreiSorbnungSnovelle enthält, feine Demission verlangen wirb. Den Abendblättern zufolge vertagte sich bie VerwendungSgesetz-Komtnifsion auf unbe» summte Zeit, ba ber Finanzminister, zunächst allerbingS nur für seine Person, auf bie Weiterverhanblung verzichtete unb in ber nächsten Session eine wesentlich veränderte Vorlage einbringen zu wollen erklärte. Die Wahl- prüfungskommisston de» Abgeordnetenhauses hat heute die Wahl des Abg. Alexander Meyer (Breslau) einstimmig für ungültig erklärt. Wie schon gestern gemeldet, ist dem BundeSrat ber Entwurf eines Gesetzes, bett, die Ab­änderung von Bestimmungen des GerichtskostengefetzeSe» und der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher vorgelegt worden. An Stelle des $ 40 des GerichlSkostengesetz tritt folgende Bestimmung:Für daS durch den Gerichtsschreiber an die Post gerichtete Ersuchen um B.-Wirkung einer Zu­stellung ist die einem Gerichtsvollzieher für den gleichen 2ltt zustehende Gebühr als Gerichtsgebühr zu erheben; so­fern nicht eie Zustellung von Amtswegen bewirkt wirkt." Nach 8 80 treten folgende §§ ein: 80a. Schreibgebühren werden nicht erhoben: 1) in den Fällen des § 47, sofern in denselben keine Gebühren zn erheben sind; 2) für die Benachrichtigung von dem gegen einen Zahlungsbefehl er­hobenen Widerspruch; 3) für die Vollstreckungsklausel; 5) für daS Zeugnis der Rechtskraft und für das Zeugnis, Zch glaube, daß Sie mir Auskunft geben können; @ie wohnen hier und werden e« wahrscheinlich wissen."

Was, wohin Sie zu gehen wünschen?"

Nein, das natürlich nicht; nur ob der, den ich suche, hier irgendwo in der Nachbarschaft wohnt. Ich will Ihnen daS anseinanbersetzen."

Sie sah mich eifrig an, und hob ihre buntten, schmalen Augenbraunen mit einer beinahe komischen Auf- merksamkeit.

In einer Droschke habe ich ein Briefcouvert gefunben, unb seine Handschrift barauf erkannt; ber Name war abge­rissen; aber bie Ortsangabe lautete:Chabley bei Slopper- ton*. Das Couvert trug keinen Poststempel unb war zerrissen, als wäre eS falsch abresstert worben."

Chabley? daS ist bie Besitzung Lorb HoltS:"

So? baS kann sein. Ich hatte einige Mühe heraus- zufinben, welches Slopperton gemeint sei; e» existiert ein« in Lincolnshire; ich ging zuerst dotthin, aber niemanb wußte ba etwas von einem Platze namens Chabley."

So sprach sie in fonberbar vertraulicher Weise, mtt lebhaften Gesten unb ©eberben, währenb ihre befrembenbe Art mich mehr unb mehr erstaunte.

Mb verstehe Sie nicht," sagte ich.Wie konnte Sie ein zerrissenes Briefcouvert, das Sie in einer Drösche fanden, veranlassen, halb England zu durchjagen?"

Begreifen Sie bas nicht? Ich kannte die Handschrift; kannte sie so gut, als ich meine eigene kenne. Es ist die Hanbschrist eines Manne», ben ich suche. Meines Manne«: begreifen Sie jetzt?"

(Fortsetzung folgt.)