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Nr. ü».

Jfitttßutg, Sonntag, 20. Februar 1881.

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£njeigen nimmt entgegen: He Expeditiou b.Btattei, i sowie d.Annvncen-Bureanr tz von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in wtsntfsrt a M., Berlin, Ltipzi«, $?in k.; Rudolf MKr is Serlin, §r«r!- ftitf e. M v_

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Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie b. Amwncen-Bureaux

von E. L. Daube L Co. in Frankfutta-M; Jäge^sche Buchhandlung bafeufc Herrnann'sche Bnchhandl. daselbst; Kvalidendank in Berlin; 8B. Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen

Erscheint täglich außer an den Werliagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für KaS Quattal mit der wöchentlichen BeilageJünstrirteS ronntagSblntt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen S> Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf,, (excl. Bestellgebühr). - JnsettionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in bet Expedition zu ertheilende Äuskunft und klnnahme von Adreffen werden 35 Pf,, berechnet

V Die Zollpolitik des Reichskanzlers und deren Widersacher.

Die Herren Richter und Rickert, denen selbstverständlich die Thatsache nicht auS dem Kopfe will, daß bei der letzten Wahl am 30. Juli 1878 ganz Ostpreußen, und selbst die Stadt Königsberg, konservativ wählte, haben seit jener Zeit unausgesetzt daran gearbeitet, der ostpreußischen Bevölkerung ihre Notlage in demonstrativster Weise täglich vor die Augen zu führen. Schon gleich nach Erlaß des bekannten Schreibens des Fürsten Reichskanzlers vom 15. December 1878 wurde in ganz Ostpreußen die Kunde verbreitet, daß es nun mit dem blühenden Zustande derKornkammer Preußens" zu Ende gehen müsse, daß eine allgemeine Verarmung Ost­preußens die notwendige Folge der Schutzpolitik des Fürsten Reichskanzlers sein müsse. Man kannte die Gründe des Zurückgehens des Handels in Ostpreußen auf liberaler Seite sehr gut, man wußte sehr wohl, daß diese Gründe einzig und allein in der Handelspolitik Rußlands zu suchen seien, aber es paßte nach dem für die Liberalen so unglück­lichen Ausfall der Reichstagswahlen vom 30. Juli weit besser in das liberale Agitationsprogramm, den Rückgang des ostpreußischen Handels der Zollpolitik des Fürsten Reichskanzlers in die Schuhe zu schieben, als die klaren Gründe hicrsür der Bevölkerung klar zu legen, was die Liberalen aber sorgsältigst verschwiegen, sei hier endlich einmal offen ausgesprochen. Wer in den sechziger und siebziger Jahren in Ostpreußen gelebt, dem kann eS nicht entgangen sein, daß Rußland schon vor 1012 Jahren lebhafte Anstrengungen machte, seinen Export so zu betreiben, daß daS eigene Land den größtmöglichsten Vorteil hiervon zöge. Der Ausbau des russischen Bahnnetz.S und andere Bestrebungen bilden hierfür einen unwiderlegbaren Beweis.

Der neue deutsche Zolltarif gelangte nun bekanntlich erst im Juli 1879 im Reichstage zür Annahme und wenn die liberalen Theoretiker Recht hätten, wenn in Wahrheit durch ihn der russische Export über Ostpreußen sich so wesentlich vermindert hätte, so wäre doch anzunehmcn ge­wesen, daß Rußland bis zum Jnkraftretrn de« neuen Zoll­tarifs noch massenhaft seine Exportartikel, namentlich Flachs, Getreide u. s. w. nach Ostpreußen werfen würde. DaS war aber nicht der Fall. Lange vor der Durchberatung deS neuen Zolltarifs, ja sogar noch vor dem Erlaß deS erwähnten Schreibens des Fürsten Reichskanzlers vom 15. Dccember 1878, also zu einer Zeit, wo noch nichts von der entscheidenden Wendung in unserer Zollpolitik be­kannt war, machte sich bereits in sehr auffälliger Weise in Ostpreußen eine verminderte Einfuhr aus Rußland be­merkbar und die bedeutendsten Getreidekaufleute der Stadt Königsberg schickten sich schon damals an, nach Liebau zu übersiedeln, resp. Filialen dort zu errichten, weil sie erkannt hatten, daß Rußland bestrebt war, nicht weiter über fremde Häfen, wie Pillau, Danzig, Stettin, zu exportieren, sondern

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Freva.

Roman von Emily Cameron. _ \ V Deutsch von August Frenzel. ... mr??' (Autorifitte Uebersetzung.)

(Fortsetzung.)

Sie sind sehr gütig, gnädige Frau," antwortete ich mit geziemender Bescheidenheit.

Seit Jahren hatte Lady Holt in der Kirche von Slop­perton neben mir gesessen und mich recht gut gekannt, mir jedoch bis jetzt die Ehre ihres Besuches nie zu teil werden lassen. Ich bin um nichts klüger, besser, schöner oder vor­nehmer geworden, als bisher, aber ich habe die bestimmte Aussicht reich zu werden und da» genügt! So niedrig denken diese Geldmenschen, daß sie den Erfolg nicht einmal abwarten, sondern sich schon vor den ersten Anzeichen, vor dem fernen Klingen nahenden GoldeS beugen!

Fred» Clifford, die Tochter eines armen Mannes, eines Gelehrten von anerkanntem Wissen, eines Gentleman in jedem Sinne des Worts, zu besuchen, das würde sich mit der hohen Stellung und dem Namen der Lady Holt nicht vertragen haben, aber Freda Clifford, der mutmaßlichen Besitzerin von zehntausend Pfund Jahreseinkünften gegen­über, war ein Besuchangezeigt", wie die Gnädige offen bemerkte.

In heutiger Zeit wird man nicht nach dem geschätzt, was man ist, sondern nach dem, was man hat. Welch' übles Zeichen für den Grad unserer Selbstachtung, wenn wir sie in diesem Lichte betrachten!

Nachdem Lady Holt jene kleine freundliche Bemerkung gemacht hatte, begann sie mich durch eiue Reihe von Fragen über meine Absichten in betreff der künftigen Vergnügungen zu Eddington auszuforschen. Inzwischen hob Lady Margaret

über seine eigenen, wozu der im Winter eisfreie Hafen Libau ihm besonders zu statten kam. Dieses Bestreben Rußlands gab sich schon damals namentlich in den Minder­einnahmen der Ostpreußischen Südbahn kund, welche für die ersten vier Monate des Jahres 1879 wo vom neuen Zolltarif noch keine Rede war bereits über eine Million Mark gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres betrugen.

DaS dürfte am klarsten beweisen, daß weder die Zoll­politik noch sonst eine Maßnahme unserer Regierung, wohl aber die russische Handelspolitik den Rückgang des ost­preußischen Handels wohl bemerkt Zwischenhandels veranlaßt hat und wenn neuerdings Rußland für den Import die Zollsätze um 10 pCt. erhöhte, so deutet auch dies auf eine energische, nach Selbstständigkeit ringende Handelspolitik hin, die bemüht ist, die Hauptbewegung auf dem billigeren Wasserwege zu e'-halten, der neue Zolltarif steht also in gar keiner Verbindung mit dem Rückgänge des ostpreußischen Handels, ebensowenig wie derselbe Speck, Schmalz, Petroleum u. s. w. in greifbarer Weise für den wirklichen Konsumenten verteuert.

Deutscher Reich.

Berlin, 18. Februar. Der Zwischenfall in der HerrenhauSsitzung vom 17. Februar, bei welchem der ehe­malige Finanzminister Herr Camphausen Widerspruch gegen eine frühere Angabe des Fürsten Bismarck erheben zu müssen glaubte und sich dadurch eine Rektifikation Seitens des Fürsten zuzog, war nicht bloß die Folge dieses äußeren Anlasses. Die ausdrücklichen Worte des Fürsten und die Natur der Sache machen er klar, daß der Steuererlaß im genauesten Zusammenhänge steht mit der geplanten Reform des Steuersystems überhaupt. Sobald Herr Camphausen sich herbeiließ, den Steuererlaß zu bekämpfen, mußte zur Sprache kommen, daß er sich damit zum Gegner der Steuer­reform macht, und es mußte damit sein früheres Verhalten als Finanzminister zu dieser Aufgabe der inneren preußi­schen Politik zur Sprache kommen einer Aufgabe, die jedenfalls eine der wichtigsten und dringendsten wenn nicht die dringendste von allen ist. Glücklicherweise ist durch die heutige Ahstimmung des Herrenhause« das Gesetz über den dauernden Steuererlaß, also der erste wirksame Schritt zur Einleitung der Steuerreform gesichert. Die gestern vollzogene Wahl deS Unterstaatssekretär von Goßler zum ersten Präsidenten des Reichstags und die Annahme dieser Stellring durch den Gewählten baben eine große Ucber- raschung und teilweises Befremden hervorgerufen. Wie man aber auch den Vorgang beurteilen möge, es wird nicht möglich sein zu behaupten, daß die Wahl eines hohen Be­amten derjenigen Behörde, welcher die Exekution der kirch, lichen Gesetzgebung in den wesentlichsten Beziehungen zu, fällt, die Bedeutung haben könne, ultramontane Zwecke

ihr goldenes Lorgnon zu den Augen und musterte das ganze Zimmer vom obersten Sims mit verstaubten alten Büchern bis zu dem fadenscheinigen Teppich des Bodens. Hätte sie meiner Lebensstellung angehört, so würde ich sie deshalb unmanierlich und schlecht erzogen genannt haben, aber ich glaube, daß eine Grafentochter nicht nach dem Maßstabe gewöhnlicher Menschenkinder beurteilt werden darf.

Ich hoffe, Sie besuchen uns recht bald, Miß Clifford," sagte Lady Holt, als ihre kurze Visite beendet war und sie aufstand, um zu gehen.Wir sind jetzt ganz allein, alle unsere Gäste haben uns verlassen und wir werden unS freuen, Sie und Mr. Clifford zu sehen, wenn Sie irgend einen beliebigen Tag um zwei Uhr herüber kommm wollen."

Daher kam es, daß ich bestimmt wußte, Mark Thistleby sei abgereist.

War ich froh oder traurig darüber; ich wußte eS kaum. Ich empfand es wie eine Erleichterung, daß er fort war, denn ich fühlte schmerzlich, daß er mich grausam behandelt hatte, daß ich ihm nichts gewesen sei, olls ein Spielwerk, ein bloßer Zeitvertreib. Vorübergehende Laune, Zufall, vielleicht die Nähe Clara's hatte ihn nach Eddington ge- bracht, und hier war sein einziger Zweck anscheinend der gewesen, meine Seelenruhe zu stören und Hoffnungen in mir zu erregen, welche er nicht im geringsten zu erfüllen beabsichtigte. Ich war erzürnt und empört über seine Handlungsweise. Weshalb war er gekommen, um mich zu beunruhigen? Ohne ihn wäre ich, wenn auch nicht glück­lich, so doch wenigstens zufrieden gewesen. Es lagen ja alle wünschenswerten Dinge dieser Welt in meinem Bereich und, um die Wahrheit zu gestehen, ich hatte nicht die Absicht, sie aufzugeben. Aber der Gedanke an die zärüichen

fördern. In fortschrittlichen Blättern findet man jetzt täglich wieder die Klage, daß der Landtag noch neben dem Reichstage seine Geschäfte fortsetzt und eS wird daran er­innert, daß diese Klage sich alljährlich zu wiederholen habe. DaS Mißliche dieses NebeneinandertagenS ist unbestreitbar, aber um so mehr ist es zu verwundern und zu bedauern, daß die genannte Parteipresse die einzig mögliche Abhilfe auf welche die Regierung bedacht ist, nämlich daS alterna­tive Tagen der einen und der anderen Körperschaften im Zeitraum von zwei Jahren beharrlich ablehnt und somit in jedem Jahre wieder dieselbe Nottage schafft. Auf der Tagesordnung der auf morgen anberaumten Sitzung deS Bundesrats stehen u. A. die Vorlage über die Abänderung des Gerichtskostengesetzes u. s. w., ein Antrag auf Abschluß eines UebereinkommcnS mit Dänemark wegen gegenseitiger Auslieferung der Deserteure der Handelsmarine, der Be­richt der bezüglichen Ausschüffe über einen Zusatz zu dem Brausteuergesetzentwurf und zweite Beratung über diesen Entwurf, der Ausschußbcricht über die Beteiligung Deutsch­lands an dem internationalen Kongreß für Elektriker zu Paris u. s. w.

Berlin, 18. Febr. Der Kaiser empfing heute Nach­mittag daS Präsidium des Reichstages. In Kreisen der Abgeordneten zum Landtage war heute das Gerücht von einer mehrwöchentlichen Session des Landtags nach dem Schluffe der Session des Reichstags verbreitet, weil Mi­nister zu Eulenburg dringend wünsche, die von ihm ein- gebrachten Vorlagen erledigt zu sehen. Ein Gesetzent­wurf, betreffend die Aenderung der Gerichtskosten und der Gerichtsvollzieher-Gebühren ist dem BundeSrate vorgelegt worden. Die Geschäftsordnungs-Kommission deS Abgeord­netenhauses hat folgenden Antrag gestellt:DaS Haus der Abgeordneten wolle beschließen, daß daS Mandat bei Abg. Filbry durch seine Versetzung an das Lardgericht in Eoblenz erloschen fei." In der Verwendungsgesetz-Kommission erfolgte gestern Abend nach längerer Diskussion, in welcher von den verschiedenen Parteien die Bedeutung des Amen­dements Zedlitz zur 2. Lesung des § 1 verschieden auf­gefaßt wurde, zuerst die Ablehnung desselben gegen die Stimmen der Konservativen und Freikonservativen, nach­dem die Kommission beschlossen hatte, daß in dem Amen­dement das Wortunverkürzt" gegen den Einspmch der Nationalliberalen beizubehalten sei. Demnächst wurde der An­trag Huene, nach Einfügung eines Amendements v. Hammer­stein, welches die etwaigen Ausfälle in Folge einer orga­nischen Reform der direkten Steuern in Preußen ebenfalls aus den neuen Reichssteuern decken will, angenommen. Schließlich wurde bei § 2 darüber diskutiert, ob von den etwaigen Erträgen Vs zum Erlaß der Klaffensteuer, der Rest zur Ueberweisung von Grund- und Gebäudesteuer an die Kommunalverbände verwendet werden sollte, ober ob zunächst nur mit bem Erlaß von Klaffensteuerstufen zu

Worte seiner fanften, freundlichen Stimme und an die heißen Blicke seiner dunklen tiefen Augen verwirrte mein Herz.

ES war ein regnerischer Morgen, ungefähr eine Woche nach unserer Rückkehr von Eddington. Kurze Sonnenblicke lockten mich auszugehen, der Eintritt schwerer Gewitter aber, welche sich in kurzen Intervallen entluden und unseren kleinen Garten in einen Sumpf verwandelten, verettetten jede Aussicht auf einen Spaziergang.

Ich hatte Papa Manuskripte dikttert, bis mir der Kopf schmerzte; nachdem ich endlich dieser monotonen, und ermü­denden Aufgabe enthoben war, flüchtete ich mit einem Buche in das Speisezimmer. Hier nahm ich in einem niedrigen Armsessel neben dem Fenster Platz und begann zu lesen. Das Buch war nicht sehr anregend. Nachdem ich umsonst versucht hatte, meine Aufmerksamkeit dem Lieben und Leiden einer entzückenden Jungfrau zuzuwenden, welche mir jedoch als die fadeste ihres Geschlechts erschien, begann ich meiner eigenen, armen, kleinen Liebesgeschichte zu gedenken. DaS Buch entfiel meinen Händen und müssig folgten meine Gedanken ihren eigenen Interessen.

Plötzlich wurde heftig die Thorschelle gezogen und daS entriß mich meinen Träumen.

Wer, in aller Welt, konnte e« zu dieser Zeit fein? Metzger, Milchmä chen und Bäcker tarnen gewöhnlich durch die Hinterthüre und Bcsncher waren um 11 Uhr morgen« zu Fuß und inmitten eines Gewitters nicht zu erwarten.

Meine Gedanken flogen zu Kapitän Thistleby und o, die Thörin, die ich war! mein Herz klopfte laut in der Hoffnung, daß er eS fei.

(Fortsetzung folgt )