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JüatÖUtg, Freitag, 4. Februar 1881.
xvl Jahrgang
bridgeshirc - Rcnnen ftatlfiuden. Mich interessieren die Nennen ganz und gar nicht."
Bei diesem erstaunlichen Geständniß legte Mr. Featherstone Messer und Gabel hin, drehte sich um und starrte mich an.
„Beim Himmel!" rief er ganz fassungslos, „das ist in der That sonderbar. Sie sind ja ein eigentümliches Mädchen!"
Sodann, da er mich jedenfalls nicht für hinlänglich intelligent erachtete, verschwendete er kein Wort weiter an mich, sondern widmete sich emsig dem Essen und zwar mit emem so ernsten und abstrakten Ausdruck in seinem Gesicht, als ob er im Geilte über das außerordentliche, zum erstenmal zu seiner Kenntniß gelangte physiologische Rätsel nachdenke, daß ein Mitgeschöpf existieren könne, das von den Cambridgeshirc - Rennen weder etwas wußte, noch sich irgendwie dafür zu bekümmern schien.
Ich hatte deshalb Muße meine Nachbarn zu beobachten. . Mrs. Featherstone präsidierte der Tafel; Papa saß zu rhrer Rechten und zu ihrer Linken saß der Mann, dessen sie mir gegenüber schon gedacht hatte; Dick Macdonald, den sie „sehr gerne leiden mochte".
Wie traurig für Papa! Er war für sie gar nicht da! MrS. Featherstones Bemerkungen, ihr Nicken, ihr verbind- uches Lächeln galten jetzt nur ihrem Nachbar zur Linken. Dre Figur dieses Herrn machte den Eindruck, als ob er gemästet und zum Braten präpariert sei; sein dunkles Haar und sein üppiger Bart waren sorgsam mit wohlriechendem Wasier genetzt und gewichst und ein Duft von Jockeyklub, Eßbouquet und anderen Parsüms, umgab ihn mft süßlicher Atmosphäre.
Er wendete — wir wollen milde sein — daS vom
90,000, also 1 Q.-Fuß 5 Pfo.). Da nun weiter gesagt wird, daß dies Resultat auf nur mittelmäßigem Boden, nur durch Intelligenz und Fleiß erreicht sei, und daß ferner die ganzen Besitzungen der einzelnen Konkurrenten
Morgen, nur wenige 21—50 und nur sechs 100 Morgen groß waren, so geht hieraus hervor, daß die wenigsten von dem Alleinbetrieb der Landwirtschaft leben konnten, diese vielmehr als interessante Nebenbeschäftigung betrieben haben werden. 0 ö
So stellt sich die Sache als eine hübsche Spielerei heraus, wie man etwa auch Pflanzen im Wasser ohne alle Erde durch Beimischung chemischer Stoffe züchten kann. Sollten die gemachten Angaben irgend welchen praktische» Wert haben, so würde es vor allen Dingen notwendig gewesen sein, neben dem Bruttogewicht auch die Analyse der gewonnenen Rüben zu geben, d. h. ihren Gehalt von Nährstoffen im Verhältnis zu Wasser und Holzfaser anzugeben. Der Stärke-Gehalt, woraus sich der Zucker bildet glkbt den Nährstoff her, und dieser allein bestimmt den Wert des Erzeugnisses. Nichts ist leichter, als große Massen wäßriger Wurzelgewächse und Knollen zu erzeugen, wenn man stickstoffreiche Düngung nicht spart. Die Knollen stuo aber vollständig wertlos, weil das große Volumen nur auf Kosten der Nährstoffe erreicht werden kann. Die Angaben von Brutto-Erträgen dem Gewicht nach können also nur dazu dienen, verständnislosen Leuten Sand in die Augen zu streuen; sie befriedigen aber nicht den praktischen Ackersmann, der wissen will, wie hoch diese Masten ausgenutzt werden können.
Krcba.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
lAutorisirte Uebersetzung.)
(Fortsetzung.)
8. Kapitel.
Ein Mittagessen.
Unterdessen hatten sich die Herren in dem Saale versammelt.
Eine Vorstellung zwischen mir und dm Neuangekommenen erfolgte und als zur Tafel gerufen wurde, führte mich Mr. Featherstone.
Derselbe entsprach der Schilderung seiner Frau vollkommen — er war überaus uninterestant.
Sehr breit und sehr vergnügt teilte er mir mit, daß er bei dem Rennen in Brighton eine Maste Geld gewonnen habe.
»Ich habe kein Bedenkm, Ihnen daS zu sagen, wiffen Sie, da Sie ja den alten Jungen" — das sagte er mit einem seittichen Nicken deS Kopfes nach dem Gastgeber — „heiraten werden. UebrigenS ein verflucht gutes Geschäft, das Sie da machen! Dadurch werden wir ja auch miteinander verwandt, und sehr nahe verwandt. Sagen Sie —" indem er seine Stimme zu einem vertraulichen Flüstern milderte — „wie stehen Sie zu den Cambridge- shire-Rennen?"
„Wie ich stehe?" wiederholte ich verwundert.
„Ja; welche Partte Sie halten? — Sie wetten auch auf den „Favorit", nicht wahr?"
»Ich — o nein! antwortete ich. Mir ist weder der „Favorit" noch der Zeitpunkt bekannt, wann die Cam-
Deutsches Reich.
»mitt, 2. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." weist, bezugnehmend auf die in der Prcste aufgetauchten Gerüchte über die Stellung des Finanzministers, zum Beweise der Unbegründetheit derselben, auf die Erklärung des Finanz- uunlsters im Abgeordnetenhaus- am 28. Januar hin, daß bezüglich der Behandlung des Steuererlasses und des Rich- terschen Antrages Uebereinstimmung zwischen ihm und dem Reichskanzler herrsche. Ebensowenig veranlaßte der Entwurf über die Verwendung der infolge der weiteren Reichssteuer-Reformen Preußen zu überweisenden Mittel irgend welche erhebliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Staatsministeriums. Ebenso haltlos seien die Gerüchte über die Stellung der Konservativen zu den schwebenden Finanzfragen. Der Abg. von Rauchhaupt habe am 28. Januar die Sache dargclegt, wie sie sich in der Wirklichkeii verhalte. Die Hoffnungen und Wünsche der Konservativen stimmen nach den neuesten Mitteilungen der „Konservativen Korrespondenz" im wesenllichen mit dem überein, was über die Pläne des Finanzministers bekannt geworden ist. Der Fraktion lag es völlig fern, der Initiative der Negierung durch einen bis ins Detail auSgearbciteten Rcformplan
Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureauz von ®. L. Daube & Co. in
> nzngen nimmt entgegen: . r Expedition d.vlatte», , «wie d.Anrioncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Raffel und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Haeseustei» & Bögler in Arantfurt a. M., Berlin, Lupzig, Söls it.; Rudolf Äsff- in Ärrüu, gtaas« frrrt o. M. m.
vorzugreifen oder dem Reichskanzler ein in Widerspruch ' mit den Intentionen dcS Finanzminstters stehende» Pro- l gramm zu unterbreiten. — Die „Norddeutsche Allg. Ztg •
glaubt im vollsten Einverständnis mit den Konservativen zu handeln, wenn sie versichert, daß von dieser Seite der größte Wert darauf gelegt wird, in Harmonie mit dem Flnanzmtnlster die Reformpläne dcS Reichskanzlers im Reiche und in Preußen zu fördern. — Den Morgenzeitungen zufolge würde die Regierung Alles aufbieten, um bte Rhem-Nahe-Bahn-Vorlage zur Annahme zu bringen. Der Antrag Hammachers wäre nicht im Einvernehmen mit der Regierung gestellt worden. — Das Programm >ur dre Felerlichkeitcn, welche ans Anlaß der Vermählung des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Viktoria Auguste von Schleswig-Holstein stattfinden werden, lautet: Arn 25. Februar Eintreffen der hohen Braut im königlichen Schlöffe Bellevue. Daselbst um 4 Uhr Diner en famille und Marschallstafel. 26. Februar: Einzug der hohen Braut m Berlin, Unterzeichnung der Ehepakten, Familiendiner. 27. Februar: Vermählung (abends 7 Uhr) des hohen Brautpaares im königlichen Schlöffe (standesamtlich und kirchliche Einsegnung). 28. Februar: Kirchgang in die neue Kapelle um 11 Uhr; Galadiner um 4 uhr im We-ßen Saale des königlichen Schlbsses; abends 71/» Uhr Gala-Oper im königlichen Opernhause; 1. März: Farnilien- biner bet den kronprinzlichen Herrschaften; abends Ball irn königlichen Schlöffe. — Der ständige Ausschuß deS VolkS- wlrtschaftsrats trat in seiner gestrigen ersten Sitzung in die Beratung deS UufallverficherungSgesetzentwurfS ein, brachte dieselbe indes bezüglich dcS grundlegenden $ 1 der Vorlage noch nicht zum Abschluß. Wie man erfährt, haben die gelingen Verhandlungen bereits so viel mit Sicherheit ergeben, daß die Mitglieder des Ausschusses fast ausnahmslos den Standpunkt der Regierungsvorlage als richtig und zweckdienlich erachten. Bei dieser grundsätzlichen Uebereinstimmung deS AuSschuffes mit dem vorgelegten Entwürfe werden sich daher die Beratungen wesent- lich nur mit etwaigen Abänderungen der Einzelbestimmungen zu befassen haben. In der heutigen Sitzung wird die Br- ratung fortgesetzt.
Kiel, 31. Januar. Wie man mitteilt, hat Se. königl Hoheit Prinz Heinrich sich eine leichte Verletzung am Fuße zugezogen, wodurch der gestern der Stadt Schleswig ruge- dachte Besuch hat verschoben werden müssen. — Der Vorsitzende des Provinzialverbandes der freiwilligen Feuer- wehren ÄchleSwig-Holsteinö hat diese davon in Kenntnis gefetzt, daß nach einer ihm von der freiwilligen Feuerwehr zu Steglitz gewordenen Mitteilung eine Beteiligung der freiwilligen Feuerwehren der Provinz Brandenburg an dem Ende Februar d. I. in Berlin stattfindenden feierlichen Einzüge S. königl. Hoheit des Prinzen Wilhelm und seiner erlauchten Braut der Prinzessin Augusta Viktoria von Wetter gerötete Antlitz seiner Nachbarin zu, und aus der Art, wie er seinen Mund mit der Hand deckt, damit niemand hört, was er sagt und dem Lachen, das beide hören lasten, möchte man schließen, sein Gespräch sei außerordent- üch geistreich.
MrS. Leith, am anderen Ende des Tisches, sieht sehnsüchtig nach ihnen hinüber und scheint von George Curtiu«' etwas gespreizten Aufmerksamkeiten schrecklich gelangweilt zu sein, da sie ziemlich offenkundig gähnt. Ein böser Zufall hat sie um den für sie bestimmten Kavalier gebracht; der junge Flower nämlich von den Dragonern hat neben mir Platz genommen und Major Heywood, der ihr gegenüber sitzt nnd wohl die Pflicht hätte, sich ihr zu widmen, vermag dies nicht, da Mrs. Featherstone ihn beständig in die Unterhaltung zieht. Dazu ist dieser Herr, von distin- guiertem Aeußern, mit schönem Schnurr- und Backenbart, angelegentlich beschäftigt, mich durch ein GlaS, daS er in das rechte Auge gekniffen hat, anzustarren, und das nimmt ihn auch in Anspruch.
„Wer zum Teufel ist das? — ein hübsches Ding!" höre ich deutlich über den Tisch herüber.
Mrs. Leith sagt: „Sch!" und flüsterte ihm die gewünschte Auskunft mit einem Seitenblick auf den Herrn des HauseS zu.
„Sehr hübsch, wahrhaftig, sehr hübsch," antwortete er unbeirrt und mit vernehmbarer Sttmme. Mrs. Featherstone in der Entfernung spitzte die Ohren und streift mich mit schnellem, zürnenden Blick.
Der junge Flower, besten Aussehen mir recht gut gefiel — ein ruhiger, harmloser Jüngling, mit ehrlichem, fast noch knabenhaftem Gesicht — kam mir in diesem Augen- blick mit neuem Lachen zu Hülfe.
(3'«! tzang jstgl.)
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Die üxpeö. ö. Oberh. Zeitung.
§ Die goldenen Kälber der Landwirtschaft.
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Die unter der Aufschrift „Landwirtschaftliches" veröffentlichten Artikel der „Kölnischen Zeitung" sind meist für den Laien ergötzlich zu lesen, fordern aber die Kritik des praktischen Landwirts heraus, wenn sie in ihrer Schönmalerei des ländlichen Kleinbetriebes denn doch zu weit gehen. Dabei wird die politische Tendenz des Blattes auch auf diesen Teil des Feuilletons übertragen. Wo es nur swgeht, wird die Ertragfähigkeit einer kleinen Parzelle bis in den Himmel gehoben, um dem feudalen Großgrundbesitzer, der seine Latifundien zum teü nur noch als Jagdgründe benutzt, eins anSzuwischen. So bringt Nr. 11 der „Kölnischen Zeitung" einen kurzen Artikel mit der vielver- Iprechenden Ueberschrift: „Die Bobenproduktion kennt keine Grenzen." Den Beweis der Wahrheit tiejeS Ausspruches, den ein Fanatiker der Theorie (Rosenberg-Lipinski) an die Spitze seiner Schrift über den „praktischen Ackerbau" gesetzt hat, will der Schreiber durch die Thatsache erbracht sehen, daß eine Anzahl „Söhne der roten Erde" im Bezirke des Minden - RavenSdergischen landwirtschaftlichen Haupl- vereinS, durch rationellen Anbau von einem kleinen Stück Acker eine unverhältnißmäßig große Masse von Rüben geerntet hat. ES folgt nun die Beschreibung einer Konkurrenz, welche obiger Verein ausgeschrieben und an der sich 38 Mitglieder beteiligten. Zugelassen wurden nur solche, die mindestens 73o ihres Gesamtareals mit Runkel- oder Steckrüben, oder 7&o mit Möhren bestellt hatten und einen Minimalertrag von 3000 Gentner pro Magdeburger Morgey geerntet haben. Weiter wird angegeben, daß von diesen in 12 Fällen der Maximalertrag von 500—900 Gtr. erreicht sei!! Mit dem Ertrage von 200 Gtr. Rüben vom Morgen wird man auch wohl ziemlich an die Grenze der Leistungsfähigkeit des Ackers angekommen sein, denn dazu würde schon erforderlich sein, daß durchschnittlich auf jedem Quadratfuß eine Rübe von 5 Psd. Gewicht stehen müßte (IMvrgen ---- 180 Q.-Ruten ----- 18,000 Q.-Fnß bringt
Buchhandlung bafdbffi; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; SaDalibeeoarf t» Berlin; W. Thienes in __________________ «berfeld^C. Schlotte in tääätnuüäi" ta» M« SneMthn
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