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Warburg, Sonnabend, 29. Januar 1881.

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— Zum Anträge Wiudthorst.

Die Resolution der Konservativen bezüglich deS Windt- horst'schen Antrages hat nach Lage der Sache die Zustim­mung der anderen Parteien nicht gefunden. Wir bedauern dies lebhaft, weil die bloße Ablehnung deS Windthorst'schen Antrages uns etwas zu kalt erscheint, zwar nicht dem Centrum, aber der katholischen Bevölkerung gegenüber.

ES hat den Anschein, daß nicht bloS die Konservativen, sondern die große Mehrheit der Kammer ein aufrichtiges Bedauern empfindet, daß der katholischen Bevölkerung, welcher — gleichviel durch wefien Schuld — die schweren Wunden geschlagen worden find, zur Zeit nicht ernstlich geholfen werden kann.

Die Gründe des Herrn von Bennigsen gegen die von den Konservativen beantragte motivierte Tagesordnung scheinen unS keineswegs durchschlagend, denn eS hätte sich leicht eine Fassung finden lasten, welche seine Freunde be­friedigt Halle, und auch die Konservativen würden dann schwerlich Anstand genommen haben, einer auch etwas modifizierten Fassung zuzustimmen, um eine annähernd einmütige Kundgebung der Kammer zu Stande zu bringen. Je mehr der Antrag Windthorst zur Zeit nur eine tak­tische Bedeutung haben konnte, desto mehr hätten wir Wert darauf gelegt, daß auch die Zurückweisung deS Schachzuges mit einer gewissen Uebereinstimmung erfolgt wäre, welche darüber keinen Zweifel gelassen hätte, daß man die Person von der Sache zu trennen weiß.

Deutscher Reich.

Berlin, 27. Jan. Anläßlich des heutigen Geburts­tages deS Prinzen Wilhelm findet ein Diner im Palais des Kronprinzen statt. — Fürst Bismarck hat heute den Volkswirtschaftsrat eröffnet. Er wieS bei dieser Gelegen­heit darauf hin, daß bei den Fragen über den Rückgang im volkswirtschaftlichen Leben und über die in neuester Zeit eingetretene allmälige Rückkehr regelmäßigerer Wirt­schaftsverhältnisse sich wesentliche Meinungsverschiedenheiten

Freva.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorifitte Uebersetzung.) ! Fortsetzung.)

Es blieb mir nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

„O, ich bitte, berühren Sie mich nicht! Ich sehe nicht danach aus", rief ich lachend und trat dann zurück vor dem fleckenlosen, zitronenfarbenen Handschuh, der mir etwa- zögernd dargereicht ward.

„So schlimm ist eS nicht, Sie sehen doch reizend aus," lautete die von süßem Lächeln begleitete Antwort—„reizen­der selbst, als michs Georges Brief ahnen ließ".

Diese Unwahrheit hatte nur den Erfolg, daß sie mich ganz gegen sie einnahm und daß ich mich noch unbehag­licher als zuvor fühlte. Es wäre mir sausendmal lieber gewesen, hätte sie gesagt, ich sehe ans wie eine Schmutz- finke, dann würde man über die Situation gelacht haben, und wir wären Freunde dabei geworden.

„Dann steht mein Aussehen und meine Empfindung von demselben in entschiedenem Widerspruch miteinander," antwortete ich kurz; „ich weiß recht wohl, wie unsauber ich aussehe". „Mr. CurtinS," wendete ich mich an meinen Verlobten, „Sie hätten mir -baS vorher sagen sollen, daß Sie Ihre Schwester mitbringen würden".

„Ich kam gestern mit dem letzten Zuge, ganz uner­wartet und, wir gedachten Sie zu überraschen. Sie haben aber Recht, Ueberraschungen find selten willkommen." Dabei maß sie mich vom Scheitel bis zu dem Saume meines Kleides.

„Hätte ich von der uns bevorstehenden Ehre gewußt,

geltmd gemacht hätten. Man habe deshalb ein sachkun­diges, einheitliches Centralorgan Herstellen wollen um das­selbe über die Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit neuer Gesetze zu vernehmen, umsomehr, als die Vertreter von Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, durch ihre Thätigkeit an den Herd gebunden, an der parlamentarischen Thätigkeit weniger teilnähmen als die gelehrten Berufsstände. Der preu­ßische Volkswirtschaftsrat habe in weiterer Folge den deut­schen VolkSwirtschaftSrat ins Auge zu fassen. — Die Rück­kehr deS Grafen Hatzfeldt auf seinen Posten in Konstanti­nopel ist, wie anderweit bereits bekannt, durch die Erkran­kung seiner hochbetagten Mutter in Wiesbaden, der Gräfin Sophie Hatzfeldt, verzögert worden. Die Gräfin ist, wie aus Wiesbaden gemeldet wird, gestern daselbst gestorben. ES gilt nahezu als feststehend, daß Graf Hatzfeldt die Botschafter-Laufbahn nicht verlassen und also nicht an die Spitze deS Auswärtigen Amtes berufen werben wird. Wie­derholt wird von glaubhaftester Seite versichert, daß der Grund dafür lediglich in dem Umstande zu suchen ist, daß der Graf, wie sich namentlich ans den Verhandlungen der letzten Woche, welche von hier aus unter seiner Mitwirkung geführt wurden, ergeben hat, zunächst in Konstantinopel unabkömmlich ist. So lange Fürst Bismarck hier verweilt, und man nimmt an, daß dies wie in früheren Jahren etwa bis zum Juni der Fall sein wird, führt derselbe persönlich die Leitung deS Refforts deS Auswärtigen. Rach diesem Zeitpunkte ist dann aber wohl spätestens die Ernennung eines neuen Staatssekretärs zu erwarten. Man wollte sogar wissen, daß nicht einmal bis dahin das jetzige Pro­visorium fortgeführt werden würde. Geh. LegationSrat Busch, welcher für den neu zu schaffenden Posten eines UnterstaatssekretärS ausersehen ist, sowie Graf Limburg- Stirum stehen dem Fürsten Bismarck jetzt bei der Führung der Geschäfte zur Seite und eS trifft insofern zu, daß Geh. Rat Busch schon jetzt die Stelle eines UnterstaatssekretärS versieht. Die Nachricht, daß der Direktor im Auswärtigen Amt, Geh. Rat v. Philippsborn, an feinen Rücktritt aus dem Reichsdienst denke, erhält sich; sie würde sich bestätigen, wenn in rer That demselben nur freiftände, daS Amt eines Gesandte» bei den Hansestädten zu übernehme». — Der Zweifel über die Stellung deS Finanzministers ist nun zur Ruhe gekommen und alle Welt hat sich überzeugt, daß diese Stellung nicht erschüttert ist. Auch in dem Ver­hältnis deS Fürsten Bismarck zu den übrigen Ministern scheint die vermeintliche Trübung in den letzten Wochen nicht bestanden zu haben. Die bevorstehenden Steuerde­batten werden jedenfalls zeigen, daß der Finanzminister sich in den wesentlichsten seiner Bestrebungen auf die Unter­stützung einer großen Partei im Abgeordnetenhause berufen kann, und daß er auch innerhalb der Regierung Schwierig­keiten bei Durchführung derselben nicht zu befürchten hat.— Es wird lebhaft der Ansicht widersprochen, daß bei dem

Mrs. Featherstone, so würde ich mein schönstes Kleid an- gezogen haben, ich versichere Sie," erwiderte ich etwas sar­kastisch. Sie aber nahm das unbeirrt mit süßem Lächeln hin:

„Das wäre zu gütig von Ihnen gewesen, liebe Freda." „Papas Bücher hätte ich freilich nicht abstauben können, wenn dasselbe auch nicht so stattlich, nicht annähernd so schön ist, wie das Kleid, welches Sie tragen."

„Ich würde das Abstauben den Hausmädchen über­lassen, Liebe, wenn ich an Ihrer Stelle wäre."

„Würden Sie die Wichtigkeit dieser Bücher kennen, so würden Sie das nicht thun, glaube ich," bemerftc ich doppelsinnig und ironisch, denn ich fühlte mich schon wieder, mein erster Schrecken war vorüber.

„Aber dann, ich weiß nicht, ich glaube —"

„Das kann ich mir denken." Etwas verächtlich sagte ich das.

Unterdessen stehen die beiden alten Herren gemütlich plaudernd bei einander, ohne daß auch nur einer von ihnen ahnt, wie unter ihren Augen der Krieg entbrennt. Es ist eigentlich wunderbar, welchen Gleichmut und welches geringe Verständnis Männer bei solchen weiblichen Mei­nungsverschiedenheiten haben. Mein Vater und Mr. CurtiuS sind offenbar der Meinung, daß wir beide uns in der allerschwesterlichsten Weise miteinander unterhalten.

„Können wir MrS. Featherstone nicht ein Frühstück anbieten, Freda?" fragte mein Vater in bester Laune, „daS heißt, wenn Sie die Güte haben will, dazu hier zu bleiben. Ich hoffe das, nachdem Sie nun doch einmal hier sind, um uns kennen zu lernen," wendete er sich an Mrs. Featherstone, welche sich ihm mit einer bezaubernden Grazie zuwendete. Sie versteht es, die Männer sympathisch zu

Steuererlaß vorzugsweise Rücksichten auf die nächsten Wahlen tür die Regierung maßgebend gewesen seien. AuS der vor­liegenden Erfahrung läßt sich dagegen bestätigen, daß kaum jemals irgend eine Frage das Parlament beschäftigt hat, bei welcher gerade seitens der liberalen Parteien die Wahl­gesichtspunkte mit solcher Dreistigkeit in den Vordergrund gedrängt worden wären. — Man spricht in der Presse sehr viel von einem Bündnis der Konservativen mit dem Centrum, bei welchem auch der Fürst Bismarck beteiligt fein solle. Ein fortschrittliches Blatt gefällt sich sogar in der Versicherung, daß der Fürst sich bei einem solchen Bündnisse „nicht vorspannen lassen" werde. Wir glauben, daß die Liberalen in dieser Sache auS Erfahrung, sprechen, denn Fürst Bismarck hat stets gezeigt, daß er als „Vor­spann" sich nicht benutzen läßt. Aber auch den Parteien wird nur die innere Kraft eine nachhaltige Bedeutung sichern.

Saugerhause«, 26. Jan. Die Abgeordneten von Wedell (PieSdorf), konservativ, und Schmidt (Oberröb­lingen), freikonservativ, bereit Wahl das Abgeordnetenhaus als ungiltig kassiert hatte, wurden zu Landtagsabgeordneten mit je 181 Stimmen wiedergewählt. Gegenkandidaten waren Prediger Richter (Mariendorf) unb Rentier Siebe (Artern), beide nationalliberal; sie erhielten 166 resp. 165 Stimmen.

Asslüvd.

Wie«, 27. Jan. Der Kardinal-Erzbischof von Wien, Kntschker, ist heute Vormittag gestorben.

Loudo«, 26. Jan. Der „Daily-Telegraph" schreibt: „Wir bedauern, zu hören, daß der Physische Zustand deS Premierministers seinen nächsten Freunden, sowie feinem Arzte Anlaß zu einiger Besorgnis giebt. So energisch, unermüdlich und eifrig sich auch Herr Gladstone in der Erfüllung seiner hohen Pflichten stets zeigt, so scheint er roch mit weniger Widerstandskraft als bisher die Re­gierungslasten zu tragen, sowie den Wechselfällen der Wit­terung Trotz zu bieten unb bie Wünsche seiner unzähligen Freunbe gehen bahin, daß er sich mehr schone. ES ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß Dr. Andrew Clark mit einigem Kummer den Aufregungen und Arbeiten ent­gegensteht, die dem Premier im Hause der Gemeinen im Zusammenhänge mit der irischen Frage bevorstehen, unb die Gerüchte, bie in Bezug auf bie mögliche Erhebung des Premiers in den PeerSstand mit einem verhältnismäßig ruhigen Sitze im Oberhause in Umlauf geraten sind, finden ihre Erklärung in diesen häuslichen Sorgen., Es braucht indes nicht hervorgehoben zu werden, daß dringliche Staats- bedürfniffe, abgesehen von irgend welchen persönlichen Rück­sichten, einer ernstlichen Durchführung der erwähnte» Idem hinreichend entgegen treten dürsten." — Die „London- Gazette" veröffentlicht eine Kundgebung des Administrators

feffeln und hat für alle, jung oder alt, eine reizende, ein­schmeichelnde Art unb Weise.

. »Lieber Mr. Clifford, wie sehr gütig Sie sind! Es wäre mir nichts angenehmer — ich bin sehr erfreut."

»Ich befürchte freilich, baß wir nichts besonberes anzu­bieten haben, aber wenn Sie mit unserer einfachen Küche vorlieb nehmen wollen — ein wenig kaltes Fleisch, Aepfel- pudding von Aepfeln auS unserem eigenen Gärtchen" — sagte mein Vater bescheiden.

Mrs. Featherstone unterbricht ihn eifrig. Kaltes Fleisch, versicherte sie, sei ihre Lieblingsspeise, und von allem Obst wäi en Aepfel für sie immer das Erwünschteste in der Welt. Ein Aepfelpudbing, um nach ihrer Art zu sprechen, sei daS Delikateste, was man nur Herstellen könne.

Mit einer Entschuldigung wegen der Zubereitung dieser Leckerbissen eile ich hinauf, um zunächst meine staubigen Kleider zu wechseln — nicht gegen ein seidenes Gewand, sondern gegen ein braunes Kleid von quäkerischer Ein­fachheit, daS aber so sauber ist, wie nur Seife und Wasser es machen können. Einer übermäßig geputzten Frau gegen­über mache ich eS mir überhaupt stets zur Aufgabe, als bie Einfachheit selbst zu erscheinen. Nachbem ich so die Spuren meiner Arbeit in der Bibliothek vollständig besei- tigt, mein Haar frisch gebürstet und zu neuem Glanz ge­bracht hatte, wie Sarahs kupfeme Kanbirpfanne, verlaffe ich mein Zimmer, gebe Ordre für das Frühstück unb bin in der besten Laune, Mrs. Featherstone und all ihrem Glanze Trotz zu bieten. Unsere Gäste hatten unterdes eine Promenade durch den Garten gemacht; ich suchte sie auf und wir gingen nun alle hinein.

Mrs. Featherstone trat wahrhaft enthusiasmiert in das Zimmer; von dem Garten, den Obstbäumen, den Kies-