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Str. Sl.

Marburg, Mittwoch, 26. Januar 1881.

XVI Ichrgiig

Anzeigen nimmt entgegen: die TxpedMo» d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Ld, Dietrich & Co. in Raffel snd Hannover; Xb Dietrick in Krankftirt a.M.; Haa'ensteiu & Bögler in Jeantfiirt a M., Berlin, Leipzig, Cöln :u; Rudolf r-wöe ie Berlin, gtani»

GkkWhk Jfitunfl.

Anzeigen nimmt? entgegen die Expedition d. Blatte! sowie d.Annoncen-Bureaux von <8. L Daube k (So. In Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhandlung daseloüj; Hermaun'sche Bnchbandl. daselbst; Jnsalidendank in Berlin; W ThienrS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

«K-cheim täglich außer an den Werktagen nach Soun- und §e ernten- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageIlnstrirte» EonutagSblNtt" durch die Expedition (Roch'fche Buchdrutkerei) bezogen 2) Mark, durch die Postäuttet be» Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expel ition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

Deutsches Reich.

Berlin, 23. Januar. General-Feldmarschall v. Man­teuffel folgte gestern nachmittag» einer Einladung de» Fürsten Bismarck zum Diner und reifte heute früh nach Straßburg zurück. Bismarck empfing gestern nachmittag den Besuch des Großherzogs von Sachfen und de» Kron­prinzen und begab sich heute Vormittag um 11 Uhr zum Grafen Moltke. DieGermania" [bringt eine Zusammen­stellung über den Umfang der Pensionierung von Post­beamten seit dem Jahre 1872. Daraus erzieht sich, daß die Zahl der in den Ruhestand Versetzten, so wie auch die Ausgaben an Ruhegehältern erheblich gewachsen ist. Eine Erklärung für diese, übrigen» bei allen Verwaltungen zu Tage tretende Thatsache fügt die Germania ihrer Berechnung nicht bei, obgleich eine solche nötig erscheint, wenn unrich­tige Auffassungen fern gehallen werden sollen. .Bereits bei Beratung deS letzten Etats im Reichstage sind auf die Anfrage eines Abgeordneten die Gründe, auf welche die Erhöhung des ElatSansatzeS zurückzuführen ist, von dem Kvmmissarius deS Bundesrats erörtert worden. Darnach hat das Gesamtpersonal der Reichs-Post- und Telegraphen- Verwaltung der mächtigen Steigerung deS Post- und Tele- graphenverkehr» folgend, ganz erheblich sich vermehrt, von 54,167 im Jahre 1872, auf 62,431 im Jahre 1879. In noch höherem Grade aber hat die Zahl deS pensions­berechtigten Personals zugenommen. Früher waren nur die unwiderruflich angestellten Beamten und Unterbeamten penstonsberechlig. Seit Erlaß des Reichsbeamten-Ges.tzeS vom 31. März 1873 haben nun aber auch die auf Kün­digung angestellten Beamten und Unterbeamten Anspruch auf Pension erlangt. Die Zahl letzterer betrug in Summa 25,249. Die zahlreichen hinzugetretenen Beamtenklassen ziehen natürlich eine beträchtliche Vermehrung der Penstons- sälle nach sich. Dazu kommen die stattgehabten Erhöhungen der Besoldungen, sowie der Hinzutritt de» Wohnungsgeld- ZuschusseS, wodurch die PensionSbeträge selbstverständlich erhöht werden. Endlich sind für die Beteiligten wesentlich günstiger als früher auch die gesetzlichen Pensionssätze selbst. Andere Umstände, wie der Fall der doppelten Anrechnung der Kriegsjahre, der frühere Eintritt der Dienstunfähigkeit bei denjenigen in großer Zahl vorhandenen Angehörigen der Post- und Telegraphenverwaltung, welche im letzten Kriege unter der Waffe o:er als Feldpost- und als Feld- Telegraphenbeamte gedient haben, sowie derjenigen nach 1866 und nach 1871 in den Post- und den Telegraphen- Dienst ausgenommenen 9 iilitärS, welche in den letzten Kriegen invalide geworden waren, ingleichem die viel ach höheren Pensions-Ansprüche der auS anderen Verwaltungen, z. B. aus der früheren Fürstlich Thurn und TaxiS'schen Postver- waltung übernommenen Beamten mögen hier nur nebenher er­wähnt sein. Wenn auf ein von dem Verfasser jener Notiz gebil-

Freda.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.) ! Fortsetzung.)

Welche Schande für Mark, nicht zu rechter Zeit hinunterzukommen"; bemerkte Bella gelangweilt.Aber er wird sicher fertig werden, um dir noch Adieu zu sagen, Freda. Noch ein Ei, Liebe? dochl Du hast eine lange Reise vor Dir."

Das Frühstück ward so viel wie möglich gedehnt, trotzdem der Wagen mit meinem Koffer obenauf, lange schon vor der Thüre stand und wir warteten bis zum letzten Moment.

Keine von uns sprach darüber, aber das Motiv Bellas war mir ganz klar und ich war schwach genug, in ihre Taktik stillschweigend einzugehen. Alles war jedoch umsonst und Marks Zimmer blieb hermetisch verschlossen, trotzdem Bella, unter dem Vorwande, etwas auS ihrem Zimmer zu holen, zuletzt noch hinauf rannte und, ich glaube eS, gegen feine Thüre hämmerte, um ihn anzutreiben.

Diesem Manöver gegenüber war ich kluger Weise taub und blind. ES war demütigend und hatte ebensowenig Erfolg.

Bellas hübsches Gesichtchen sah denn auch entschieden übellaunig aus, als sie nach diesem erfolglosen Versuch wieder herunter kam.

Liebe Bella, ich muß fort," sagte ich endlich.

Ja, Kind, ich glaube, du mußt"; und als sie mich zum Abschied küßte, flüsterte sie:WaS soll ich ihm von dir sagen?"

bete« Verhältnis zwischen der Zahl der Pensionierungen und der Zahl der früher und der jetzt vorhandenen Sekretäre hin­gewiesen wird, so ist auch hierbei Verschiedene» außer Be­tracht gelassen worden, beispielsweise, daß in Folge der Neu-Organisatton der Postbeamten-Verhältnisse in den Jahren 1871 und 1872 allein 1730 Post-Expedienten zu Post Sekretären befördert worden sind, größtenteils ältere Beamte, von denen viele schon damals eine Dienstzeit von 30 und mehr Jahren zurückgelegt hatten und von den schon mehr als 80 in den Ruhestand übergetreten sind. Die Steigerung der Zahl der in den Ruhestand getretenen Post- und Telegraphen-Beamten und daö Wachsen der Ausgabe an Ruhegehältern erklärt sich hiernach auS sehr einfachen und natürlichen Gründen. Gegen den Artikel der Kreuz-Zeitung in ihrer Sonnabend-Nummer, in welchem sie von Steuern Andeutungen über die Möglichkeit deS Rücktritts des Finanzminister« Bitter macht, richtet sich folgende Erklärung derKons. Korresp.", welche von der konservativen Fraktion auszugehen scheint.Die konserva­tive Fraktion deS Abgeordnetenhauses hat dem zeitigen Finanzminister gegenüber bisher stets eine so bestimmte Stellung eingenommen, daß dieselbe vor Mißdeutung ge­schützt sein sollte. Um aber jedes Mißverständnis auszu­schließen, so ist zu erklären, daß der Artikel, welchen die Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung in der heutigen Sonn­abend-Nummer (18) unter der Uebcrschrift:Die Stellung des Finanzministers" enthält, einen geistigen Zu ammen- hang mit den in der konservativen Fraktion des Abgeord­netenhauses herrschenden Anschauungen für sich nicht geltend machen kann.

Halle a.S., 20. Jan. Die gestrige Generalversamm­lung deS konservativen Verein» für Halle und Umgegend leitete der Herr Vorsitzende Dr. Frick, Direktor der Frankeschen Stiftungen, mit zündenden, die Erinnerung an die glor­reiche Aufrichtung des deutschen Kaisertums vor 10 Jahren gewidmeten Worten ein und schloß mit einem Hoch auf unseren deutschen Heldenkaiser, in welches die zahlreiche Versammlung begeistert einstimmte. Sodann hielt Herr Gymnasiallehrer Dr. Ulrich einen höchst interessanten Vor­trag überEnglischen Liberalismus", wobei er die Partei­bildung der Whigs von Tory» historisch erklärte, ihre gegenseitig und mit der Krone geführten Kämpfe schilderte und aufzeigte, daß diese beiden Parteien sich keineswegs mit unseren Liberalen und Konservativen gänzlich deckten. Nachdem der Vorsitzende im Namen de» Vereins für den lehrreichen Vortrag gedankt, und Herr Fabrikbesitzer Benne- mann auS Sennewitz kurz gezeigt hatte, daß unsere Libe­ralen ihren Namen auS Spanien entlehnt haben, daher uns so vieles bet ihnen spanisch vorkomme, wurde der Jahresbericht erstattet, welcher die hocherfreuliche Thatsache konstatierte, daß unser Verein im letzten Jahre kräftig emporgewachscn ist. Dieses äußere und innere Wachstum

Wem? Kapitän Thistleby?" antwortete ich sehr kühl.O, du kannst ihm Adieu sagen statt meiner; sage ihm, eS habe mich gefreut, daß er so gut geschlafen hat und daß ich hoffte, feine nächste Bootfahrt werde weniger anstrengend für ihn sein."

Und mit dem stolzesten und unbeugsamsten Aussehen umarmte ich MrS. Thistleby zum letzten Male und bestieg das Fuhrwerk den alten, wackeligen Wagen des Ochsen- wirtS von Seacliff und fuhr nach der Station.

Spät am Nachmittage war ich zu Hause; war ich wieder bei meinem armen, alten Vater, mit seinem schmalen, bleichen Gesicht und seinem abgenutzten, fadenscheinigen Rock und wieder bei meinem Verlobten, der nach Slop­perton gekommen war, mich zu bewillkommnen. Freundlich stand er an meine» Vater» Seite, an der Thür unseres Hauses, da ich vorfuhr.

Mr. CurttuS sieht ganz anders auS als mein Vater, obgleich er in Wirklichkeit beinahe dasselbe Alter hat, bedeutend jünger als dieser. Glück und gute« Leben sind wohl die Ursache davon und die Zeit, welche den einen zu einem hinfälligen, sorgenvollen, hageren Greis machte, hat den anderen wohl gepflegt, munter und frisch erhallen.

George CurtiuS bat ein rundes, roteS Angesicht und runde blaue Augen, schlichtes sorgfälttg gebürstetes graues Haar und einen kleinen, dichten grauen Bart. Er trägt eine goldene Brille und ist sehr reinlich in seinen Kleidern. Der Ausdruck seines Gesichtes ist gütig und angenehm und ist er der treuherzigste Gentteman, der je lebte.

Ich bin sehr erfreut, daß du wieder da bist, meine Liebe," sagte er vergnügt und drückte mir gelegentlich einer Umarmung einen Kuß auf die Stirne.

verdankt derselbe hauptsächlich seinem unermüdlichen Vor­stände, eine Ueberzeugung, welcher nicht nur mit Worten, auch mit der That dadurch Ausdruck gegeben wurde, daß die statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder ein­stimmig wiedergewählt wurden. Dem Rendanten des Vereins wurde Decharge erteilt, derselbe wurde außerdem für die freudige Uebernahme seines zeitraubenden, mühe­vollen Amtes durch Erheben von den Sitzen geehrt. Nach­dem noch einige Interna des Vereins besprochen waren, welche sich auf Gründung eines Korrespondenzblattes, Abgeordnetenwahl und dergleichen bezogen, wurde die erste Sitzung im neuen Jahre geschloffen. Der Vortrag des Herrn Realschuldirektors Dr. Schrader überdie korpora­tive Organisation de« Handwerks", welcher in der Oktober­sitzung des konservativen Vereins gehalten und in der November- und Dezembersitzung unter lebhafter Beteiligung der hiesigen Handwerksmeister durchberaten wurde, ist jetzt im Druck erschienen (Halle, Frickescher Verlag).Goldene Worte", nannte ein hiesiger Meister die Thesen, welche der Verfasser ans seinem Vortrage gezogen hatte. Eine aus echt konservativem Geiste geborene und durchaus praktisch angelegte Arbeit, wie diese Lösung der Hand­werkerfrage, verdiente in den allerweitesten Kreisen ver­breitet zu werden.

Dortmund, 19. Jan. In der verflvffenen Nacht starb hier im Atter von beinahe 72 Jahren Herr Karl Metzmacher, in weiteren Kreisen bekannt als langjähriger Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Bochum-Dortmund. Er gehörte als solcher in den 50 er Jahren der Fraktion Vincke an und beteiligte sich nach Auslösung derselben an der Bildung der Fraktion Böckum-Dolff», der er auch während der Konfliktsperiode treu blieb.

München, 22. Januar. Das Pariser UniverS bringt folgende Mitteilung aus Rom: Unter Vorbehalt spricht man von einer Bewegung im diplomattschen Corp« deS heiligen Stuhle», Roncetti, Nuntius in München würde nach Paris, Pallotti, gegenwärtig Substitut, nach Madrid, Czacki von. Paris nach Petersburg versetzt werden. Bianchi, Nuntius in Madrid soll den Cardinalshut erhallen, und Panici, Jnternuntiu« im Haag, nach München gehen und durch Mogenni ersetzt werden. Für den Poften Pallottis spricht man von Galimberti oder Capri. Vor Wochen wurde mitgeteilt, daß man in Rom beabsichtige, Panici an Stelle Roncetti» nach München zu versetzen. Damals hieß eS, Roncetti solle nach Madrid gehen, und von einer Be­setzung deS Petersburger Posten« durch Czacki war damals noch nichts bekannt. Uebrigen» glaubt man auch jetzt noch nicht, daß die Bedenken, welche man in München gegen Herrn Panici hegte inzwischen beseitigt worden sind. Hatte doch die BerlinerGermania" damals nicht» eiligere« zu thun als zu versichern, eS seiunrichtig", daß Panici nach München versetzt wurde.

Nun, komme herein," sagte mein Vater,und erzähle un», wie e« dir ergangen ist, wie du dich amüsiert hast."

Und so begaben wir unS alle in das Bibliothekzimmer hinten im Hause, wo die beiden Herren iudeß meine Exi­stenz baldigst vergessen und zu ihren Studien über seltenen, alten Folianten zurückkehrten, in denen meine Ankunft sie für einige Augenblicke unterbrochen hatte.

Die Bibliothek war der einzige hübsche und gemütliche Platz in unserem Heinen Hause. Jedes andere Zimmer war ärmlich und unbehaglich. Bücherschätze alle in soliden, dunklen Kalbleder - Einbänden überdeckten die Wälde; große staubige Bände, deren vergoldete Namen die Zeit nach und nach verlöscht hatte, vergriffen durch beständigen Gebrauch, und auf den Blatträndern grau von Bleistiftnotizen, lagen umher. Sie hatten alle jenen eigen» tümlich dumpsigen Geruch, den Bücher haben, die schon ein Jahrhundert alt sind und den ich im Geiste immer mit Lernen, Gelehrsamkeit und den Gedanken an meinen alten Vater verbinde.

Außer seinen Büchern enthielt da» Zimmer nur weniges Mobiliar nur einen großen, dunkelbraunen Nußbaum- Schreibtisch, ein paar niedrige, verblaßte Lederstühle und meinen eigenen kleinen Rohrsessel und Arbeitstisch.

Die Fenster gehen nach der Rückseite des Hauses. Davor liegt ein schmaler Streifen schlecht gepflegten Garten», eine niedrige, moosbedeckte Mauer und ein Obst­garten mit knorrigen alten Aepselbäumen; weiterhin sind Meilen schöner, sonniger Felder und lange Baumreihen, welche sich südwärts bi» in die blaue Ferne hinziehen, wo sic in einer Kette von Kreidehügcln verschwinden.

(Forts-Yung folgt.)