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Marburg, Dienstag, 25. Januar 1881.

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tag sehr ungehalten über dieProvinzial-Correspondenz",! Wahrscheinlich hat dazu der Leitartikel der jüngsten Nummer > des halbamtlichen Blattes die Veranlassung gegeben. Die [ geringe Befriedigung, welche derselbe auf katholischer Seite hervorgerufen hat, ist begreiflich, cS muß aber bevonvortct werden, daß jedenfalls der Inhalt, nicht dir Haltung und der Ton des Artikels, Grund des Mißvergnügens ist. ES wird von der ultramontanen Presse abermals bestritten,

Kretza.

Roman von Emily Gamet«». Deutsch von August Frenze l. (Autorifirte Uebirsetzung.) «Fortsetzung.)

Deutsches »eich.

Berlill, 22. Januar. Der Kaiser konferierte vormit­tags mit dem Finanzminister. Die gestrige Ausfahrt ist dem Kaiser recht gut bekommen. Fürst Bismarck wohnte dem heutigen Kapitel des Schwarzen AdlerordenS nicht bei und litß sich auch zum Diner entschuldigen. Die Ge­rüchte von dem Nücktritt des Finanzministers bestätigen sich nicht; jedenfalls sind sie verfrüht und gründen sich wohl auf eine Acußerung des Finanzminister« in der Bud­get-Kommission des Abgeordnetenhauses, wo er von Maß­regeln sprach, die er oder sein Nachfolger im Laufe dcS Jahres ausführen werde. Bei der gestrigen Abendge­sellschaft der Oberhofmeisterin Gräfin Perponcher waren die Botschafter und mehrere andere Mitglieder des diplo- matischen Korps anwesend. AuS den Gesprächen ging her­vor, daß die Hoffnung auf Erhaltung deS Friedens im Orient noch immer festgehalten wird. Man glaubt an die Fortsetzung von Versuchen in diesem Sinne, gleichviel in welcher Form. Die Unterhandlungen zwischen den Mächten über den bekannten Vorschlag der Pforte find noch in der Schwebe. Bis gestern schien ein Abschluß derselben in dem einen oder anderen Sinne noch nicht erfolgt. Die kon­servative Fraktion wird dieser Tage ihren Steuerreform- Plan feststellen. Die Nationalliberalen beschloffen heute einstimmig, den Antrag von Minnigerode bezüglich des > Steuererlasses abzulehnen.

« Berlin, 21. Jan. Es wird UN« mitgeteilt, daß die Art, wie der zehnjährige Gedenktag der Wiederauf­richtung des Deutschen Reichs in zahlreichen Kreisen der Nation, namentlich auch in akademischen Kreisen gefeiert worden ist, das Gemüt unseres Kaiser« sehr wohlthuend berührt Hal. Die freudige Begeisterung, welche sich in den Festakten der Studierenden kundgegeben, welche in zahl­reichen telegraphischen Zurufen an Se. Majestät einen be­redten Ausdruck gefunden hat, die Begrüßungen und Be­glückwünschungen, welche schriftlich wie telegraphisch, sogar in bildlichen Darstellungen und in patriotischer Form dem Kaiser dargebracht worden sind, Alles das hat Zeugnis von einer tiefen Bewegung abgelegt, welche zu der Hoffnung ( berechtigt, daß das hohe Gut, welches der deutschen Nation '- in jener denkwürdigen Zeit zu teil geworden, nach seinem 'ganzen Werte fortdauernd geschützt und heilig gehalten Pird. Auf ultramontaner Seite war man am DonnerS-

daß der Papst das Non possumus in Bezug auf den Punkt, auf den es ankommt, selbst al« hinfällig erklärt habe. ES Wirb behauptet, der Papst habe ein Zugeständ­nis erst in Aussicht gestellt, wenn die Regierung ihrerseits «ne prinzipielle Revision der Maigesetzgebung zugestehe. Das ist jedoch nicht richtig. Die jetzige offiziöse Aus­führung konzentriert sich, namentlich in derProv.-Corresp." auf die Frage der Anzeigepflicht der Geistlichen. In dieser Beziehung aber hat das Breve vom 24. Februar v. I. das Non possumus einfach zurückgenommen. Daß hinter­her noch Vorbedingungen gestellt werden für die Erfüllung dieser Zusage, hat offenbar den Nuntius in Wien ebenso sehr überrascht, wie den Kultusminister von Puttkamer, besten einleitende Rede bei der vorjährigen Diskussion dar­über nachzusehen ist. E» ist auch nicht richtig, wie die Germania" behauptet, daß die offiziöse Presse zugestanden habe, daß in den betreffenden Gesetzen ein Eingriff in die inneren Angelegenheiten der katholischen Kirche enthalten sei. Vielmehr behauptet sie noch jetzt, daß die katholische Kirche einer Forderung widerstrebe, welche nicht das ge­ringste mit den inneren Angelegenheiten der Kirche zu thun habe und die der Papst nicht blo« in anderen Staaten, sondern durch das genannte Breve auch für Preußen be­reits zugestanden habe. Welche Gründe die Zurücknahme herbeigeführt, darüber ist nichts bekannt. Da« Kaiserl. Gesundheitsamt beabsichtigt, eine fortlaufende öffentliche Be­richterstattung für da« Deutsche Reich über das Auftreten derjenigen gemeingefährlichen Krankheiten herbeizuführen, welche der Anzeigepflicht unterliegen. DaS Kaiserl. Ge­sundheitsamt verkennt die Schwierigkeiten nicht, welche dieser Arbeit gegenwärtig entgegenstehen, und ist auch darüber n Zweifel, daß eine solche Berichterstattung in der ersten Zeit nur einen geringen Anspruch auf Verwertbar- kett würde machen können. Gleichwohl glaubt dasselbe bei den mehrfachen Anregungen zur Inangriffnahme einer solchen von einer centralen Stelle au« geleiteten Bericht­erstattung erwarten zu dürfen, daß dieselbe eine rege Mit­arbeit von Seiten der Medizinalbeamten und Fachmänner, insbesondere der Regierungö-Medicinalräte und Medizinal- Referenten wachrufen und durch diese Arbeit sich allmählich zu einem wertvollen VerglcichungSobjekte ausbilden wird. Bei der großen Wichtigkeit, welcher einer nach überein­stimmenden Grundsätzen zu bearbeitenden Erkrankung«-und Sterblichkeitsstatistik der Menschenseu pen für das deutsche Reich und speciell auch für Preußen zuerkannt werden muß, sowie bei der Bedeutung eines auf die Gegenwart sich beziehenden fortlaufenden SanitätSbcrichtS, besten die Intensität, Ausdehnung und Wanderung der ansteckenden Krankheiten kennzeichnende Resultate unmittelbar für die Zwecke der Medizinalverwaltung verwendbar gemacht wer­den können, hat der Kultusminister auf Ersuchen des Reichskanzlers an die Oberpräsidenten den Wunsch gerich- und traurig. Ich lehnte meine Arme auf den Kaminsims und starrte in die Flamme. Ich fühlte mich enttäuscht ohne zu wissen warum und war deßhalb unzufrieden mit mir selbst. Diese« kalte, gleichgültigeGute Nacht" und die höflichen Gemeinplätze über meine Gesundheit, schien mir zu gering und erbärmlich selbst in der gewöhn­lichen Prosa des täglichen Leben«.

Ich fühlte mich unvernünftig ärgerlich. Ich weiß nicht, was ich eigentlich erwartet hatte; nicht«, natürlich, und doch war ich enttäuscht.

Plötzlich weckte mich ein leise« Klopfen an meiner Thüre und eine Stimme außerhalb nannte leise meinen Namen:

Miß Clifford!"

Ja."

Können Sie mit mir einen Augenblick sprechen?"

Es war Mark! Was sollte ich thun? Ich habe bereits bekannt, daß ich ein sehr schlecht erzogenes junge« Mädchen bin. Von meiner frühesten Kindheit an war ich gewohnt, immer dem ersten Antriebe meiner Natur zu folgen und die konventionellen Rücksichten sehr außer Acht zu lasten. Und nun gar bei dieser Gelegenheit habe ich gewiß die strengen Regeln weiblichen Anstandes schwer verletzt, denn kaum nach minutenlangem Zögern und mese Minute damit man es weiß, wurde nicht einmal mit Gewsisensbedenken, sondern lediglich mit schnellem Ordnen meines Haares vor dem Kaminspiegel ausgefüllt öffnete ich die Thure.

Ja, Kapitän Thistleby stand draußen und ich lehnte gegen den Thürpfosten, um mit ihm zu sprechen.

Seit unserem formellenGute Nacht", fünf oder zehn Minuten zuvor, hatte er seinen Gesellschaftsrock mit einem

5. Kapitel.

Von Seacliff nach Slopperton.

Schlaf kam und damit da« Ende, ich kann es ehrlich sagen, trotz seiner Schrecken, von dem glücklichsten Tage . meines Lebens.

Bella und ihr Schwager wünschten mir an meiner

tet, die Bestrebungen de« Kaiserl. Gesundheitsamts nach die,er Richtung hin thunlicht zu fördern. ES wird daher erwartet, daß die Medizinalbeamten, insbesondere die Re- grerungs-Medizinalräte, über die in ihrem BeobachtungS- krerse vorgekommenen Erkrankungsfälle an Cholera, Pocken Unterleibstyphus, Flecktyphus, Masern, Scharlach und even­tuell auch an Diphtheritis und Kindbettfieber dem Kaiserl Gesundheitsamt eine allwöchenlliche Mitteilung machen.

Stuttgart, 18. Januar. Unsere gesammte Presse gedentt heute des zehnjährigen Jahrestages der Wiederauf- nchtung des Deutschen Reiche«. Wollen di- Folgen des Jahre« 1873 mit seinem wirtschaftlichen Zusammenbruch sich auch noch immer nicht verwischeil lasten, so darf man doch mit innerer Genugthuung auf die idealen Errnngen- chaften de« Dezenniums zurückschauen. Was nicht ganz w war, wie man wohl wünschen möchte, das soll diesen Tag, besten Wiederkehr mit Stolz und Freude erfüllt nicht verbittern. Dem jungen Reiche blieben aber die FruhlingSstürme nicht erspart. Man schaut mit Mut und Hoffnung in die Zukunft. Das zweite Dezennium deS lungen Reiche« wird das erfüllen, was das erste zu reali­sieren unterlasten hat. - In unserer Kammer wollen die Beratungen nicht recht vorwärts gehen. Der Etat pro 1881/83 nimmt viel, sehr viel Zeit in Anspruch. In der Ftnanzkommisston wie im Plenum gtebt man sich alle Muhe, Positionen heraus zu finden, an welchen gespart werden kann. Man berät lange über einzelne Puntte hin her, um sich schließlich zu sagen, daß c« nichts ist mit dem Sparen. Man kann doch dem Staat keine ab­solut notwendigen Ausgaben verweigern. Das sehen auch die Demokraten ein, so gewaltig sie auch bei den letzten Wahlen ms Zeug gingen und die Leute damit zu kirren suchten, daß sie meinten, sie wollten der Regierung schon sagen, wo sie sparen müste. Jetzt hört man von diesen Herren gar nichts mehr. Der Eine stimmt mit ja l der Andere mit nein! bei den Exigenzen der Regierung, aber sein Versprechen hat noch Niemand eingelöst, Mittel und Wege zum Sparen anzugeben. Die Wähler sehen ein, daß es mit dem demokratischen Großthun vor den Wahlen eitel Spiegelfechterei war. Schimpfen ist nun einmal die ganze Wissenschaft der Demokratte, da« Rezept zum Bester- machen haben sie nicht und werden t« auch nie heraus-

-^eue zu Tage getretene Nichtigkeit suchen sie durch allerlei Brimborium zu bemänteln. Sie thun gar stolz in Beziehung auf die nächsten Reichstags­wahlen und haben beschlossen, in allen Wahlkreisen, mit Ausnahme der oberschwäbischen Kandidaten aufzustellen. Jedenfall« wird der Kampf an der Wahlurne ein heftiger werden, und wenn man auch nicht die Befürchtung zu hegen hat, daß die Demokraten den gemäßigten Parteien gar viel zu schaffen machen werden, so ist es doch wohl gethan, ihnen energisch entgegenzutreten. In der letzten leichteren Hausrock vertauscht, wahrscheinlich in der Absicht, seine Abendpfnfe zu rauchen.

Feine goldene Schnüre und' Knöpfe schmückten den au« bunM6Iauem Satin geschnittenen, eleganten HauSrock und diese Pracht verwirrte mich fast, denn er sah sehr schön dann aus.

J<h sah das mit schnellem Blick und dann, da ich mich nicht gewachsen fühlte, seinen Augen zu begegnen, schaue ich zu Boden.

Nun?"

Ich kann nicht zur Ruhe gehen, ohne Sie um Ver­gebung zu bitten, Miß Clifford!"

Warum?" fragte ich heftig errötend.

Sie wissen sehr gut, warum? Ich konnte nicht anders. Es thut mir sehr leid nein, da« meine ich eigentlich nicht, denn leid thut e« mir durchaus nicht; aber Sie dürfen nicht glauben, daß ich Sie hätte beleidigen wollen Um die Welt nicht! Ich wäre der letzte auf Erden, der das thun würde ; aber die Versuchung war sehr stark, und wir Männer widerstehen nie einer Versuchung dieser Art wissen Sie, nie wenn sie zu groß ist. Sie sind mir nicht böse, nicht?"

Er sprach rasch und mit einer Leidenschaft, welche seine halb scherzenden Worte nicht verbergen konnten.

Ich blickte auf und er sah mich an mit einem ernsten beteuernden Ausdruck, den ich nicht ganz verstand. ' Ein Teilchen Koquetterie ist affen Frauen, wie mir dünkt ein Schutzmittel gegen ihre natürlichen Feinde. In snnem Antlitze, bemerke ich einen Zug, ein Etwas das mich vor seinen nächsten Worten zaghaft und beklommen macht und daher will ich sie verhüten.

Knallt und adressiert, erinnerte er mich unangenehmer weife an meine bevorstehende Abreise, auch die offene, ,lb gefüllte Reisetasche auf dem niedrigen, weichen, mit inem französischen Kattun überzogenen Sopha beeinträch« ächtigte mein hübsches, freundliches Schlafzimmer.

i Dies und wohl auch die Nachwirkung meiner Erleb- zse während deS Nachmittags machte mich niedergeschlagen

20.

s Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Armoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Go. in Raffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaienstein & Vogler in Frankfurt eSL, Berlin. L-ipM, Köln tu; Rudolf Most- tx Berlin, Kraul- lt k.

Zimmerthür Gute Nacht! Bella mit den überschwenglicben Umarmungen, welche stets die Liebesbezeugungen der kleinen Freundin begleiteten und Kapitän Thislleby, der uns die Lichter trug, mit absichtlicher Gemestenheit und der kurzen Bemerkung: er hoffe, ich werde gut schlafen und morgen früh von den Anstrengungen deS Tages völlig erholt sein. Dann wurde meine Zimmerthüre geschlossen und sie giengen i weiter je nach ihrem Zimmer.

' Bella, welche das Ideal einer aufmerksamen Wirtin ^st, hatte in meinem Zimmer ein Feuer anzünden lasten, n s- essen Wärme, obgleich eS August war, mir, die ich so lange nutzt Winde und den Wellen autgesetzt war, sehr behagte. bie Ihr Kammermädchen hatte meinen Koffer gepackt. Zuge-

Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d. Annoncen-Bureauk von E. L- Daube & Go. in jfranlfurt a. JSgerstche Buchhandlung daselbst; SmnannW knchhandl. daselbst; Jnvallrendani ix Lettin: W Thiene« w Elberfelds 4. Schlotte tx