Nr. 17.
JlldüÖUrg, Freitag, 21. Januar 1881.
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patriottschen Berufe, seine Stimme gegen einen Bruch des deutschen Landfriedens erhebe, dessen Schuld wie ein Much auf das Haupt seiner Urheber zurückfallen werde. Der Fluch fängt an sich auf andere Häupter zu entladen und wird diejenigen treffen, die nach einer kurzen Zeit der Begeisterung und fteudigen Aufbaues wieder die Hand bieten Mr Zerstörung des kaum vollendeten Reiches, zur Verschleuderung unserer teuer erkauften nationalen Güter in Kirche und Schule, in Staat und Gesellschaft.
daselbst; 3nMlibe*b«tf in Berlin; &. Thiene» in «derseld; «. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d.vlatteS sowie d- Lnnoncen-Bureaux von S-L-Daube LCo. in
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Kreva.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Slutorifute Uebersetzung.)
< Fortsetzung.)
4. Kapitel.
Eine moderne Andromeda.
In den ersten Augenblicken war ich von Schrecken und Verzweiflung so überwältigt, daß ich mich nur mühevoll aufrecht erhielt. Hatte er mich verlassen, nur um mich zu ängstigen?
Sicher, diese Bosheit, ein armes Mädchen in einer solchen Lage zu verlassen, war noch nie erdacht worden.
Bald kehrte aber meine Vernunft und Geistesgegenwart wieder.
Thorheit! Welche Ursache könnte Kapstän Thistleby haben, mich zu ängstigen, ober gar meinen Tod zu wollen? Er war mir nicht feindlich gesinnt; im Gegenteil, wenn ich mir verschiedene seiner Worte und Blicke während der Tages vergegenwärtige, so finde ich, daß er in dieser Richtung keinen Vorwurf verdient.
Ich stehe ihm auch nicht als Verwandte bei der Erbschaft irgend eines Vermögens im Wege, was hätte ihm also mein frühzeitiger Tod nützen können? Alles erwägend, sah ich ein, daß er irgend einer unergründlichen Ursache halber es nicht vermocht haben mußte, zu mir zurückzukehren und daß er sicher nur gezwungener Weise zurückgerudert sei, um Hülfe zu holen und mit dieser bald zurückzukehren.
Dessen ohngeachkrt'war meine Lage nichts weniger als angenehm. Die See stieg nach und nach fast ganz hinauf
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V Deutsches Natioualbewutztfei«.
Seit dem glorreichen Kriege 1870/71 sind wir Deutschen eine auch staatlich geeinte Nation. Das Verlangen nach Kaiser und Reich ist gestillt, der Traum von des Deutschen Reiches Herrlichkeit in Erfüllung gegangen. Man sollte meinen, nun wäre auch das Nationalbewußtsein neu erstarkt, ein kräftiges Nationalgefühl erwacht und ein edler Nationalstolz im Werden. Dem ist leider nicht so. Wir beherbergen in unserer Mitte viele vaterlandSlose Elemente, die heimlich, wie ein schleichendes Gift, an unserem Volkskörper nagen. Wir haben eine goldene und eine rote Internationale. Ein erheblicher Tell unserer Mitbürger schaut auf den großen unfehlbaren Herrn jenseits der Berge und der unglückselige Kulturkampf hat viel Verstimmung und Herzeleid, Zorn und Erbitterung in deutschen Landen angerichlct. Noch Andere stehen abseits und grollen dem Deutschen Reiche; ihr partikularistischeS Jntresse ist größer als ihr nationale» Bewußtsein. Endlich giebt es noch immer eine ungezählte Menge solcher Gleichgültigen, welche an die bittere Klage eines Lessing gemahnen: Der Charakter der Deutschen bestehe darin, keinen Charakter haben zu wollen. Sie lc6en in dem unklaren HumanitätS- dusel dahin und ihnen verschwimmt die Grenze völlig, jenseits deren Humanität aufhört eine Tugend zu sein. Möchten sie aus der Geschichte doch lernen, welche Wunden uns der Mangel an nationaler Gesinnung geschlagen hat, und welche Mühe es gekostet hat, die Nation als solche vor Vernichtung zu retten.
Wir empfehlen ihnen dazu ein hübsches Buch, das vor Kurzem in der Hahn 'scheu Buchhandlung in Hannover erschienen ist: „Die geschichtliche Entwickelung des deutschen National bewußtseinS." Von Dr. Jul. Tietz, Direktor der Stadttöchterschule I. zu Hannover. Dr. Tietz stellt sich auf die Höhe der nationalen Entwickelung von 1870/71 und blickt von da aus zurück, auf den weiten Weg, der bis zur Erreichung eines solchen Zieles zu durchschreiten war. Zuerst schreiten an unserem geistigen Auge die alten Germanen deS TacitnS vorüber, flüchtig freilich nur und schnell. Länger verweilen wir bei den großen Kaisergestalten deS Mittelalters und verfolgen ihr Ringen mit der herzoglichen Gewalt und den Anmaßungen des römischen Stuhls. WaS Literatur und Kunst, Schönes, Großes und Deutsches geschaffen haben, die aufstrebende Kraft deS deutschen Bürgertums muß uns für den traurigen Verfall deS Reiches am Ende jenes Zeitraums entschädigen. Luther'» geistesgewaltige Persönlichkeit und alle die Streiter, welche sich an diesen großen deutschen Mann anschlossen, werden uns in klaren Umrissen gezeichnet; wir freuen uns an ihrer tiefen, fern- haften und thatkrästigen nationalen Gesinnung. Wie bald sollte auf die Flut die Ebbe folgen! Die Zeit des 30jährigen
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Krieges und das Zeitalter Ludwigs XIV. sind öde, wüste Strecken. Nur einzelne Gestalten ragen aus dem allgemeinen Ruin hervor: ein Friedrich Wilhelm, Brandenburg« großer Kurfürst, ein Friedrich II., Preußens großer König Mit Recht wird auf Leibniz, als einen vereinsamten, zwar erfolglos aber kräftig ringenden Vertreter nationaler Ideen btngeroiefen; mit Recht der Dichter deS friederizianischen Zeitalters gedacht, eines Ramler, Kleist, Gleim u. A. Daß Klopstock ein patriotischer Dichter gewesen sei und die Flamme vaterländischer Begeisterung wieder angefacht habe, weiß man allerdings noch vom Hörensagen. Aber daß auch Lessing ein deutscher Mann war, der die Franzosen mehr als einmal geschlagen und deutsches Wesen, deutsche Gesinnung, deutschen Stolz vor Anderen wieder geweckt habe, das scheint man vergessen zu haben. — Wir können nicht weiter ausführen, was die Dichter und Denker des 18. Jahrhunderts zur Befreiung, Klärung und Stärkung deutschen Geistes geleistet haben, können auch nur flüchtig an Preußens deutsche Thaten in den Freiheitskriegen erinnern; aber was der Freiherr von Stein für Deutschlands Größe gewollt, geplant und gegründet hat, das müssen wir mit Nachdruck hervorheben: „Er hat mehr gearbeitet, denn sie alle", sagt Dr. Tietz mit Recht von ihm. Es stände besser um unS, wenn wir seinen Fußstapfen gefolgt wären ober noch zu folgen vermöchten. Die Zeit ber KarlSbaber Beschlüsse unb Demagogenverfolgnug, auch baS Jahr 1848 unb baS Frankfurter Parlament wären unS erspart geblieben. Genug bavon.
ES folgen die Anfänge beS Königs Wilhelm unb seines Ministerpräsidenten von Bismarck. Wieder und immer wieder muß man die vergeßliche Generation daran erinnern, daß geradeDiejenigen, welche das Wort „national" am lautesten im Munde führten, die nationale Wohlfahrt und Größe unseres Volkes nicht gefördert haben. Der „Nattonalverein" unter dem Präsidium des Herrn von Bennigsen am 16. September 1859 gegründet, dessen Anfänge vielverheißend waren, erkannte die Zeichen der Zeit nicht. Er forderte eine starke Centralgewalt in glänzenden Reden auf Schützen- und anderen Festen und wies auch auf die preußische Spitze hin, aber den König Wilhelm und seine genialen Ratgeber wußte er nicht zu würdigen. ES muß unvergessen bleiben, daß die Nationalliberalen den furchtbaren Konflikt anfangs der 60er Jahre mit heraufbeschworen haben. Man lese die traurige Geschichte einmal wieder in Dr. Ti etz's Buche nach, um die Naturgeschichte des Liberalismus zu verstehen. Noch Ende 1865 glaubte da« liberale Deutschland nicht an die deutschen Gesinnungen und Pläne Bismarcks und seines Königs. Als der Krieg mit Oesterreich auSzubrechen drohte und nach dem ersten Schritt zur Einigung Deutschlands (Wiedergewinnung von Schleswig-Holstein) der zweite gethan werden sollte, da sprach es eben jener Nattonalverein ans, daß er treu seinem ZU mir, so baß ber Wellenschaum in ihrem Auf- und Niederwogen mir in das Gesicht spritzte. In der Gefahr zu ertrinken war ich nicht, aber fast erstarrt war ich unb völlig verzagt; ich wagte nicht, mich einen Zoll breit zu bewegen. Ich verglich mich mit Andromeda und dachte, ob sie wohl ebenso unglücklich sich gefühlt haben mochte, als ich mich. Ich war fast in derselben Lage, wie jenes schicksalverfolgte sagenhafte Mädchen, jedoch — überlegte ich — im Ganzen war ich besser daran, denn ich war gut, wenn auch für meine Situation nicht genügend warm bekleidet; unter mir harrte kein Meerungetüm, mich zu verschlingen und wenn mein PersenS wiederkehrte, erschien er in dem tadellosen Kostüme de» neunzehnt n Jahrhunderts.
Kurz und gut, ich war besser daran, als Miß Andromeda, mag auch der schöne Schluß, mit bem ihre Geschichte endete, beneidenswert fein: sie mit Perseus zu den Sternen emporsteigend und dort zusammen sitzend für alle Zeit, umgeben von dem glänzenden Sternenchor des Himmels.
Beneidenswertes Geschick! dachte ich, zu den Lichtern der Nacht emporblickend, die über mir eines nach dem anderen glitzernd an dem schnell dunkelnden Himmel erschienen.
Beneidenswertes Geschick! Ich möchte wohl wissen, wie das Mark und mir gefallen würde? sann ich.
Und wie ist es mit George Curttus? Würde er ebenfalls unter den Sternen sitzen! rief eine Stimme, bie — wie ich vermute — mein Gewissen war, das mich ermahnt.
George Curttus unter den Sternen! das war eine Jbee, fo komisch, daß ich meine boraufgegangene, ungehörige Betrachtung vergaß unb lachen mußte. H
ES warb sehr dunkel. Ich möchte wissen, wie lange ich hier schon warte; eine Stunde wenigsten«, glaubte ich.
„ Deutsche» Reich.
»erlitt, 19. Januar. Die Genesung deS Kaiser» ist so fortgeschritten, daß er da» Zimmer baldigst verlassen kann. — Dem Vernehmen nach tritt Graf Herbert BiS- marck al« Hilfsarbeiter in die politische Abteilung des au»- wärttgen Amtes ein und wird in Dresden durch den Le- gationssekretärs v. Woldenburg (Athen) ersetzt, an dessen Stelle Legattonssekretär Gusschmidt treten wird. — Die Bubgetkommission deS AbgeorbnetenhanseS nahm mit 13 gegen 4 Stimmen ben Antrag beS Abg. v. Minnigerode (s. benfelben unten) bezüglich des Steuererlasses an. Der Finanzminister hatte erklärt, der Steuererlaß werde nicht durch Ucberoeifung von Reichseinnahmen gedeckt werden. In der Eisenbahnkommisston beantragte der Abgeordnete Hammacher die Ablehnung der Vorlage betreff» der Verstaatlichung ber Rhein-Nahebahn, dagegen bie Annahme zweier Gesetze betreffenb bie Verpflichtung ber Privatbahnen, auf Verlangen ber Regierung jebe Aenderung im Interesse ber Landesverteidigung auszuführen, ferner betreffend die Ermächtigung, die Rhein-Nahebahn mit einem zweiten Ge- lnse zu versehen und mit der Gesellschaft unter Ankauf Zu 12 Prozent pro Stück einen Vertrag zu k 3rae(fe der Herbeiführung der Liquidation
der Gesellschaft unb der Uebernahrne des Eigentums durch k ?taa« ” längerer, „Die katholische Geistlichkeit und die kirchliche Zerrüttung" betitelter Artikel der „Prov.- Korresp. bespricht unter Bezugnahme auf ben Winbthorst- scheu Antrag bie Frage der Verantwortung für den un- zweifelhaft vorhandenen Notstand und weist es entschieden zurück, daß die Verantwortung dem Staate zuzuschreiben und baldige Abhilfe vom Staate zu verlangen sei. Es sei nicht zweifelhaft, an welcher Stelle das unmittelbarste Interesse für das Seelenheil der katholischen Bevölkerung obwalten sollte und wer ein größere» Interesse an der Förderung de» Seelenheil» haben müsse. Warum richte da» Centrum seine Bitten nicht nach Rom, auf daß die bereit» an den Erzbischof Melchers erteilte Erlaubnis der Anzeige der Geistlichen wahr gemacht und damit ein großer Tell ber Malgesetzgebung beseitigt werde? Das angebliche „non Msiiwus , bie Unmöglichkeit beS Nachgebens der katho- '$en Kirche fei längst burch ben Papst selbst für hin- fällig erklärt worden. Wenn Winbthorst bei dem Antrag Ich fror und was schlimmer ist, ich ermüdete; und da» unaufhörliche Kochen deS Wassers unter mir machte mich fchwindlich Der Wind heulte rund um mich in langsamen melancholischen Tönen. Er trug meinen Hut davon und ich wagte nicht, meine Hand auszustrecken, um ihn zu retten. Er tanzte bavon in ber Dunkelheit, ich sah ihn Nicht mehr. Mein leichtes Baumwollkleid und meine Jacke, die hinreichend waren, mich während des sonnigen Nachmittags warm zu halten, schienen mir jetzt so dünne, al» seien sie von Flor gemacht, jeder Windstoß gieng hindurch und uber meine fröstelnden Glieder.
„J* war übermüdet und schläfrig, so daß mein Kopf plötzlich mit einem Nicken nach vorne fiel, da» mich er- weckte und mir neuen Schrecken einjagte; denn schliefe ich ein, würde ich meinen Halt loslassen und von ber schmalen ®tu[e' uuf der ich hing, in die Brandung unter mir hinabstürzen — der Schrecken, den dieser Gedanke mir einjagte, genügte, um mich wach zu halten.
Dann füllte ich, daß meine krampfhaft erstarrten Hände ben Büschel Gras nicht länger mehr zu halten vermochten, daß ich schwindlich war unb nmfinken würde, wenn ich ihn losließe. Ob ich will oder nicht, meine Hände werden nach unb nach machtlos unb ich werde fallen.
ES handelte sich jetzt nicht mehr um die Frage, ob er zurückkehren wird, sondern ob ich fähig bin, mich so lange noch zu halten, bis er kommt.
Dieser Gebanke ist der scheußlichste all der Schrecken, welche Kälte, Sturm und Dunkelheit ix mir erweckt haben.
(Fortsetzung folgt.)
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eigen nimmt entgegen: bie Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in Kassel unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; öaofenftein & Bögler in zranlsurt a W-, Berlin. 8eip$iij, S6ln r..; Rudolf SioSe ix Berlin,
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Erscheint tä^ich außer an den Werlto- nach Sonn- un» Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentliLen Betrat» TT
Buchdruckerer- bezogen 21 Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiche» 2 Mark 50 B ^rch bie Expedition (Koch'sche