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Marburg, Donnerstag, 20. Januar 1881.

durch die Expedition (Ä o ch'sche

V'

daselbst; Jnvalidcndaut in

Berlin: W Thiene« in «derfeld: L. Schlotte in

Kredo.

Roman von Tmily Cameron. Deutsch von August Frenzel. lAutorisirte Uebersetzung.) «Fortsetzung.)

,Welch em Platz für ein Picknick, Miß CliffordI" Warum gehen Sie auch morgen weg? Wir könnten herrlich hier einen ganzen Tag verbringen!

Einen ganzen Tag? Nein! Bei der Mut steigt die See bis zu den Felsen."

Wirklich? Wenn unser Boot nur sicher genug unter­gebracht ist;" er sah ängstlich zurück.Die Flut nabt bereits."

O I wir haben noch Zeit genug. Wir müssen unbe­dingt noch die Höhle in Augenschein nehmen. Lasten Sie unS gehen!"

Am Fuße der Felsen vor unö lag eine niedrige Oeff- nung. Mark mußte sich bücken, um hinein zu können; aber nach einigen Schritten erweiterte sich dieselbe und wir standen in einem hohen gewölbten Raum, welcher durch einen Felsenspalt von oben erhellt war. Der rote Sandstein zeigte sich hier in so regelmäßigen Abschnitten, als seien Gewölbabschnitte einer Kathedrale, zu unseren Füßen lag ein Teppich von weißestem Silbersande, bedeckt mit Myriaden von Muscheln jeder Gestalt und Farbe, wie ich sie hier nie zuvor gesehen hatte.

Wie wundervoll!" rief ich entzückt au«.BiSber habe ich hier noch niemals Muscheln gefunden. Woher mögen sie in solchen Masten gekommm sein? Der gestrige Sturm muß sie gebracht haben."

Ich bücke mich nieder und beginne eifrig, sie aufou«

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Januar. Der Kaiser hat in der ver­gangenen Nacht recht gut geschlafen und auch die Besterung schreitet in erfreulicher Weise fort. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin trifft am Sonnabend früh 5 Uhr 58 Minuten aus Schwerin hier ein, während der Erb- großherzog bereits tags zuvor hier erwartet wird. Der österreichische Gesandte am sächsischen Hofe, Graf Wolken­stein, ist aus Dresden hier eingetroffen. Der militä­rische Bevollmächtigte Baron von Bietinghof ist gestern Abend von hier nach London zurückgekehrt. In hiesigen politischen Kreisen glaubt man, daß das Cirkular der Pforte den Mächten Raum läßt für vielfache BermittlungSvor- schläge und der Ausgangspunkt für eine prakttsche Der- ständigung werden könne, somit also die ersprießliche Wir­kung der Verhandlungen an sich nicht verhindere. Die Seccssionisten des Abgeordnetenhauses beschlossen heute, den Windthorst'schen Antrag bezüglich deS MestelesenS und Sakramentespendens pure abzulehnen und keine Amende­ments zu stellen. Die CenttumSfraktion beschloß heute den Steuererlaß anzunehmen. Der neueste, dem Bundesrat vorgelegte Gesetzentwurf betreffend die Versicherung der in gewissen Betrieben beschäftigten Arbeiter muß al« ein neue« klärendes Ereignis, und zwar ersten Ranges angesehen » werden. Niemand wird meinen, daß der Entwurf imstande V sein werde, die so lange verhetzten und mit phantastischen -ar Vorstellungen erfüllten Masten deS Arbeiterstande« mit V' einem Male in andere Bahnen zu lenken. Die reifsten \ Elemente des Arbeiterstandes werden sich aber der Einsicht >mcht verschließen, daß seit vierzig Jahren seit der Zeit also, als die soziale Frage in Deutschland in die Arbeiter­masse geworfen wurde einer unfruchtbaren Agitation und schwärmerischen Theoreme der erste durchdachte prak­tische Versuch der Lösung eines Teiles der sozialen Frage vorliegt. Die Hebung der Verhältnisse deS Lohnarbeiter­standes ist ein Teil der sozialen Frage, und von diesem Teil ist die Sicherung der Arbeiter gegen Nachteile, von welchen sie bei ihrem Geschäftsbetrieb heimgesucht werden, wiederum ein Teil. Aber alle Arbeit aus Erden wird nur stückweise geraten, und man sollte meinen, daß diese alte Wahrheit auch bei stark verblendeten Gemütern in ihr volles Recht treten wird angesichts dieses ersten großen Schrittes. Denn es muß sofort einleuchten, daß wirklich Gehen etwa« andere« ist, al« blo« Ziele aufstellen, welche man erreichen will. Man darf aber erwarten, daß neben dieser Wirkung des Entwurfs auf die Arbeiter auch die politischen Parteien von derselben nicht unberührt blei­ben werden. Eine unbefangene Betrachtung muß an diesem Schritt inne werden, wie groß die Aufgabe ist, welche die Regierung zu lösen hat, um in der so ausgesetzten Lage Deutschland« die Harmonie der Gesellschaft und den Be-

englischen Markte; selbst nach England macht sie erhebliche Fortschritte. Die mechanischen Baumwollen- und Halb- wollenwaren-Fabriken hatten bisher vollauf zu thun; ebenso geht die Seiden-Industrie, namentlich die Schirmstoff- Fabrikation gut. Dagegen hat die gänzlich dem Plüsch zugewandte Mode da« Sammetgeschäft total über den Hau­fen geworfen, so daß viele Sammetweber feiern, und zwar nut solche, die für Crefeld arbeiten. Die Crefelder Häuser pflegen bei jeder Geschäftsverflauung ihre auswärtigen Weber abzustoßen, selbst Famllien, die mit vier Stühlen arbeiten. Diesen Leuten, die statt einer stabilen Beschäf­tigung mit angemessenen Durchschnittslöhnen, freiwillig der Ebbe und Flut sich hingeben, ist nicht zu helfen.

Durch einen Teil der liberalen Presse geht der Wortlaut eines Antrages auf dauernde Gestaltung der Verhältnisse im Anschluß an den Entwurf der Königlichen Staatsregierung, welcher einen einmaligen Steuererlaß von 14 Millionen in« Auge faßt. Da der erwähnte Antrag zunächst der Beratung der Budgetkommisflon unterliegt, so finb wir zur Zeit noch nicht in der Lage, denselben dem Wortlaute nach mitteilen zu können. E« ist ein Miß­brauch, der in einem Teil der Presse sich eingebürgert hat, wenn Angelegenheiten, welche die nicht öffentlichen Korn- mtsfionSberatungen betreffen, vor der Zeit in die Oeffent- "chkett gebracht werden. Derartige, in einer Kommission gestellten Anträge sind, wenn sie dort Annahme finden, der Natur der Sache nach für die Oeffentlichkeit und für die Beratung tm Plenum des Hause« nicht Anträge eines Einzelnen oder einer Partei, sondern der Kommission. Sobald die bezüglichen Beratungen der Budgetkommission ihren Abschluß erreicht haben werden, sind auch wir in ber Lage, von dem Ergebnis derselben Kenntnis zu geben. 8

Leipzig, 14. Januar. DerFranks. Ztg. schreibt man: Der Reichstagsabgeordnete Fritzsche und der aus Berlin ausgewiesene ehemalige KammergerichtS-Referendar Viereck sind gestern von hier nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika abgereift, um, wie es heißt, die dortigen Arberterverhältnisse zu studieren. °

, 17. Jan. Die gesamte Studentenschaft

beschloß, das zehnjährige Gedächtnis der Kaiserprokiamatton morgen mit einem FestkommerS zu feiern.

Station».

Wien, 15. Jan. In der türkisch-griechischen Streit- frage dauern zwar die Verhandlungen noch fort, aber es fäetnt, daß man so ziemlich allgemein daran verzweifelt, daß st- etn günstiges Resultat liefern werden.ES wäre em Wunder zu nennen, sagte jüngst beim EmpfangSabende befl päpstlichen Nuntius ein hervorragendes Mitglied des diplomatischen Corps,wenn es gelingen sollte, jetzt noch erne friedliche Lösung herbeizuführen. Was man au«

stand de« Staates zu sichern. Von dieser Ausgabe wird zwar viel gesprochen, aber der erste Akt der Arbeit ließ den vollen Ernst erkennen, und es ist wohl nicht zu viel erwartet, wenn man hofft, daß ein großer Teil von Män­nern in allen Parteien erkennen werde, daß eine Aufgabe wie die vorliegende nur im Verein der Regierung mit den besten Kräften der Nation gelöst werden kann. Zugleich wird man begreifen, daß eine Regierung, welche sich eine solche Aufgabe gestellt hat und mit solchen Mitteln wie den vorgeschlagenen lösen will, unmöglich mit dem Stempel der Reaktion versehen werden kann.

Berlin, 18. Jan. Wie lange es bisweilen währt, bevor nützliche Einrichtungen bei unserem Publikum allge­mein Eingang finden, erhellt aus Folgendem. Bekanntlich sind bisher häufig Beschwerden über die Höhe des Bestell­geldes für Telegramme nach Landorten erhoben worden. Nun besteht aber bereits seit dem 1. Juli v. I. für daS ganze Reichs-Postgebiet die Einrichtung, daß die Bestell­gebühr für Telegramme nach Landorten ohne Unterschied der Entfernung mit 80 Pf. vom Absender vorausbezahlt werden kann. Da die wirklich erwachsenden Botenlöhne meistens höher find, so wird durch die Vorausbezahlung fast immer eine Ersparnis erzielt. Gleichwohl wird von der Vorausbezahlung jenes festen Satze« wegen Unbe- kanntschaft mit der neuen Einrichtung bi« jetzt nur in beschränktem Umfange Gebrauch gemacht. DieTribüne kann die ihr widerfahrene Abfertigung in Betreff der Sage ber Snbuftrie, speziell die der Textilindustrie im RegierungS- bezirk Düsseldorf, nicht verschmerzen. DaS Blatt kommt immer wieder auf diesen Gegenstand zurück, indem es meint, daß ihre Angabe über die schlechte Lage der Jn- dustrie in jenem Bezirk trotz de« offiziösen Dementis die richttgen seien. Dem gegenüber ist auf einen von zu­ständiger Seite herrührenden Bericht, der in den ersten Tagen des gegenwärtigen Monats abgefaßt ist, hinzuweisen. Derselbe bemerkt: die Baumwollenspinnerei befindet sich schon seit einiger Zeit in einer von Tag zu Tag sich bessernden Lage und floriert augenblicklich. Alle Spinne­reien haben vollauf zu thun. Ein vor Monatsfrist in berTribüne erschienener Artikel entsprach bezüglich der Gladbacher Industrie nicht der Wahrheit und wurde von Woche zu Woche durch die Börsenberichte aus Gladbach Lugen gestraft. Die Flachsspinnerei in Viersen mit 900 Arbeiter geht vortrefflich. Nicht nur daß im Jahre 1880 die Geschäftsverluste früherer Zeit ausgeglichen sind, es ist auch eine Dividende von 6 pCt. gezahlt worden. Dabei liefert dieses Etabliffement, nachdem es nunmehr einen festen Stamm geschulter, von der Sammet- und Seide-Industrie abhängiger Arbeiter erzielt hat, den Beweis, der vollen Konkurrenzfähigkeit deutscher Industrie auf dem Wollmarkt. Auf Schritt und Tritt gewinnt die Virsener Flachsspinnerei mit ihren Garnen Terrain auf dem bisher unbestrittenen lesen; ich füllte mein Taschentuch und da« von Kapitän Thiftlebh und alle unsere Taschen.

Was in aller Welt wollen Sie mit ihnen anfangen?" fragte er lachend, half mir aber emsig sammeln.

Ich weiß wirklich nicht. Ich werde sie wahrscheinlich wegwerfen, ehe wir nach Hause kommen; aber haben muß ich sie!" p

Lassen Sie uns damit nach jenem Büschel Seegras da oben werfen," sagte mein Begleiter.

Kaum ausgesprochen, so führten wir diesen glücklichen Gedanken auch schon aus. Wir standen Seit' an Seite, je mit einem Taschentuch voll Muscheln undrieten", wie Mark sich ausdrückte.

Meine Würfe gingen fast alle weit vom Ziele ab; mein Begleiter dagegen traf fortgesetzt mit größester Prä­zision. Wir wetteten des Amüsements wegen. Ich stand dabei dem Ziele fünf Schritte näher und überdies gab er mir dreißig Würfe vor. Das Spiel sollte bi« zu Hundert gehen und der, welcher verlor, den Rest der Muscheln nach Hause tragen. Der Raum hallte wieder von unserem fröhlichen Lachen.

Mie kalt es geworden ist!" rief ich, plötzlich fröstelnd.

Mari sah auf seine Uhr.Alle Teufel! Wir sind bereits erne halbe Stunde hier, kommen Sie!" Er nahm meme Hand und wir eilten aus der Höhle.

Die Flut kam schnell heran. Ein schmaler, kaum ein Dutzend Meter breiter Landstreifen war Alles, was jetzt zwischen den Felsen und der See lag und unser Boot war wo?

Anscheinend immer noch da, wo wir eS gelaffen, aber vollständig umringt von den Wellen. Don ihnen gehoben,

wurde es fortwährend gegen die FelSspitze geschleudert, an der e« befestigt war.

, sind ganz sicher," sagte mein Begleiter beruhigend; ich kann eS leicht erreichen da« Waffer wird mir noch nicht höher al« bis zu den Knieen gehen. Ein Glück, daß ich das Tau sicher befestigte, sonst würden wir in einer schlimmen Lage fein. Aber wo soll ich Sie lassen? Hier »erben Sie naß werden!"

Ich Zwecke, daß unsere Lage ihm unangenehmer war, al« er gestehen mochte. Und in der That, der Stand ber ®inge war auch kein besonders angenehmer. Die leichte Br>'se, welche vorhin geweht, hatte sich bedeutend verstärkt und beträchtliche von der Brandung schäumende Wellen rollten bis zu unseren Füßen.

Ich wußte, daß das Wasser bei hoher Flut bis an ben Felsen drang und bei nicht mehr langem Verweilen an der Stelle, wo wir standen, wären die Wellen über un« frmoeg gegangen. Nach der Landseite zu war kein tzntnnnen möglich, denn die umgebenden Felsen warm völlig unbefteigbar.

ZA kann Sie hier nicht laflm," sagte Mark in offen« barer Not. Ich suchte in der Verzweiflung an der Sand« stemwand hinter un« umher und erblickte bann einen kleinen Felsvorsprung, etwa vier ober fünf Fuß in der Höhe des Felsens.

Schneller, als sich dies fagen läßt, hatte Mark mich dort hinauf gehobm. Der Raum war kaum mehr, als einen Fuß breit; aber er lag sicher über ber Wasserlinie unb ein Büschel von dickem Grase, welche« etwa« höher au« einer Spalte wuchs, gewährte mit festen Anhalt, um mich vor dem Hinunterfallen zu bewahrm

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Anzeigen nimmt! entgegen Mr «rpeditton >. Blatte« |o»u d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube L Co.in Sranffutt a. 3W; JLgerftche Buchhandlung baf eötte

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Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.!DL; Haaienffein & Kogler in IraukfLrl a M., Berlin, 2-iPift, S6ln Rudolf Rosse in Berlin, Fraut- frret e. M k.