Einzelbild herunterladen
 

Mr. 13.

Marburg, Mittwoch, 19. Januar 1881.

xvi. »rgaig

OIicWschk ZritW

I

Eotts tz-ung frl5f)

V« st S

bann auch wieder feurig voll Energie aufflammten. Die schön geschnittene Nase, das scharf geformte Kinn verrieten Kraft und Geist; und der Mund, obgleich durch den langen, rotbraunen Schnurrbart verdeckt, zeigte in seinen Linien Festigkeit und Charakter. Bella hatte entschieden Necht, als sie ihren Schwager einen schönen Mann nannte. ".Wir gleiten rasch über das Wasser dahin, ein^oldeneS Licht schimmert auf den Wellen, das Boot bahnt sich seinen Weg mit frisch klingendem Zischen bei jedem Streich deS Kuders, gefolgt von sanftem Gurgeln nach jedem Ruck. Große, weiße Segel — einige nah, einige ferner — kommen und gehen zwischen uns und den blauen Linien des Hori­zontes; und hie und da berichtet UNS ein breiter Rauch­strelfen von Dampfern, welche nach fernen Ländern gehen und den Kanal passieren.

Ich lehne mich zurück und fühle mich im Frieden mit mir selber und mit der ganzen Welt. Ich wundere mich, was .es ist, das mich heute so außerordentlich glücklich macht. Der Lufthauch verwirrt mein Haar und färbt meine Wangen. Ich hänge die eine Hand über den Rand des Bootes und laste daS Master lästig durch meine Fmger rieseln. O! köstlicher Tag, warum währtest du nicht ewig?

Endlich erreichen wir die kleine Bai, nach der wir wollten. Ich hatte ihre Vorzüge nicht übertrieben. Sie

™ Felsen tief eingeschnitten und an drei Seiten fast senkrecht von ihnen umgeben. Ihr zerrissenes Aus- sehen verlieh ihnen eine düstere, malerische Färbung und wntrastrerte entzückend mit dem gelben Sande, den braunen Klippen und den kleinen blauen Wellen zu ihren Füßen.

„Nun zu den Schätzen des Landes," rief Mark Tbist- leby fröhlich, als wir das Ufer erreichten.

Freva.

Roman von Emily Cameron.

° Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.)

z (Fortsetzung.)^

, „Man beurteilt Frauen überhaupt nach einem höheren Maßstabe als Mädchen,"-sagte er erklärend.

„Ist denn die Heirat das Portal zu jener höheren Stufe, von der die armen Mädchen ausgeschlossen sind?"

„In der Regel ja, jedoch nicht immer. Bitte zum Beispiel — zählt in geistiger Hinsicht vollständig zu den Mädchen; Sie zu klassifizieren bin ich nicht ganz sicher."

„Nun, ich werde, wie Sie wisten, sehr bald verhei­ratet sein und das wird dann vielleicht über mich ent­scheiden," antwortete ich lustig.

„Ja; übrigens brauchen Sie mich nicht so oft daran zu erinnern," sagte er etwas mürrisch.

Dieser plötzliche Wechsel in seinem Ton überraschte mich und ich schwieg.

Kapitän Thistleby hatte die Ruder zur Hand genommen und brachte uns tüchtig vorwärts.

Ein schön gewachsener Mann kann wohl kaum vortell- hafter aussehen, als wenn er rudert.

Da ich die breite Brust, die kräftige und leichte Be- wegung der starken Arme meines Begleiters und seinen wohlgeformten, mit dichtem Haar bedeckien Kopf betrachtete der mit der Grazie und Stärke eines Apoll auf seinen S-bultern saß, lachte ich, daß Kapitän Thistleby doch der vollendete Ausdruck männlicher Schönheit sei. Verstohlen blickte ich unter meinem Hute hervor nach ibm hin. Bis dahin hatte ich noch nicht bemerkt, welche schöne Augen er hatte — Augen, die manchmal schmachtend und schläfrig unter langen, verschleiernden Wimpern hervorsahen und

Huldigung dar, «ober Se. Majestät Höchstdenselben um­armte. Eine Defilier-Cour bildete den Schluß der Feier­lichkeit.

~ »Karlsr. Ztg." veröffentlichte folgendes Schreiben Sr. Majestät des Königs an den Großherzog von Baden: Durchlauchtigster Fürst! Freundlich lieber Vater, Bruder und Schwiegersohn! Nachdem Ew. Königliche Hoheit in Gemeinschaft mit der Gesamtheit der deutschen Fürsten und freien Städte die Aufforderung zur Herstellung der beut* Wen Kalserwürde Mir haben zugehen lassen, banke Ich I Luret Kömgl. Hoheit für biesen Beweis Ihres Vertrauens und halte es für eine Mir gegen bas gemeinsame Vater- lanb obliegende Pflicht, dem an Mich ergangenen Ruf.Folge zu leisten. Ich nehme die deutsche Kaiserwürde an nicht im Sinne der Machtansprüche, für deren Verwirklichung m den ruhmvollsten Zeiten unserer Geschichte die Macht Deutschlands zum Schaden seiner inneren Entwickelung ein- gesetzt wurde, sondern mit dem festen Vorsatze — sowett Gott Gnade flieht — als deutscher Fürst der treue Schirm­herr aller Rechte zu sein und das Schwert Deutschlands ium Schutze desselben zu führen. Deutschland, stark durch die Einheit seiner Fürsten und Völker, hat seine Stellung m, Rate der Nationen wieder gewonnen und da« deutsche Volk hat weder das Bedürfnis noch die Neigung, über seine Grenzen hinaus etwas Anderes als den auf gegen­seitiger Achtung der Selbstständigkeit und gemeinsamer Forderung der Wohlfahrt begründeten Verkehr der Völker zu erstreben. Sicher und befriedigt in sich selbst und in seiner eigenen Kraft, wird das deutsche Reich — wie Ich vertraue — nach siegreicher Beendigung deS Krieges, in welchen ein unberechtigter Angriff uns verwickett hat, und nach Ttcherstellung seiner Grenzen gegen Frankreich, ein R«ch des Friedens und des Segens sein, in welchem da« deutsche Volk finden und genießm wird, was es seit Jahr­hunderten gesucht und erstrebt. Mit der Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung und wahren Freundschaft der- bleibe Ich Euer Königlicher Hoheit freundwilliger Vetter, Bruder und Schwiegervater, gez. W i l h e l m. Versailles 14. Januar 1871. '

” Deutsche« «eich. "

•• ^rlln, 17. Jan. Dem Bundesrat find zwei im Reichs - Elsenbahnamt aufgestellte Denkschriften, betreff« aienberung und Ergänzung des § 4 Absatz 3 und des l• 0 ^"satz 7. des Bahnpolizei-Reglements und der Be­stimmungen über die Befähigung von Bahnpolizeibeamten und Lokomotivführern vom 12. Juni 1878, vorgelegt worden, damit derselbe über die vom Reichs-Eisenbahnamt formuleirten Vorschläge Beschluß fasse. Die erste Denkschrift behandelt die Drehkreuze bei Niveau - Uebergängen die zweite die Dauer der Probezeit zur Ausbildung für ben

Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d.vlatte« sowie b. Amwncen-Bureanr von L- Daube &6o. in Aankfurt a.»; JSgerffch« Buchhandlung daselbsttz Hermannffche «uchhandL ♦ daselbst; Jnvalidendant in

Berlin; B. Thienes in Elberfeld' L. Schlotte in

»uchdrucke?«?)"f"* «TfBitten (Koch'sche

Binder Expedition zu erthLe * bte ^'"-"e Z-lle 10 Pf«.

Lor zehn Zähren.

hm.3ur Erinnerung an bte Aufrichtung deS Deutschen v. Reiches und die Annahme der Deutschen Kaiserwürde durch J König Wilhelm, teilen wir nachstehend die hierauf bezüg­lichen Depeschen und Nachrichten aus dem Jahre 1871 mit.

! Berlin, 18 Januar. Beiden Häusern des Landtags teilt der Minister Jtzenplitz eine Königliche Reklamation ij an das deutsche Volk mit, besagend, daß der König auf den einmütigen Ruf ter deutschen Fürsten und freien Städte -j., fortan die deutsche Kaiserwüroe annehme im Bewußtsein .jber Pflicht, in deutscher Treue das Recht, den Frieden und ce.bte Unabhängigkeit deS deutschen Reichs zu wahren. Gott Zwolle dem deutschen Kaiser verleihen, allezeit Mehrer des —Reiches zu fein, nicht in kriegerischen Eroberungen, sondern ro?nrch Güter und Gaben deS Friedens auf dem Gebiete tetfer nationalen Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.

__

Die Proklamation lautete:

An das deutsche Volk

Wir Wilhelm,

von Gottes Gnaden König von Preußen, nachdem die Deutschen Fürsten und freien Städte den ein» ^mnttaen Ruf an Uns gerichtet haben, mit Herstellung deS stlvben Reiches die seit mehr denn 60 Jahren ruhende jibe Kr Kaiserwürde zu erneuern und zu übernehmen, und

>n der Verfassung des Deutschen Bundes die ent- P£U Bestimmungen vorgesehen sind, bekunden hier-

'Wir es als eine Pflicht gegen das gemeinsame I wen. .."^auvbetrachtet haben, diesem Rufe der verbündeten die ärztliche Cd Städte Folge zu leisten und die Deutsche Amstutz auf d. anzunehmen. Demgemäß werden Wir und Arbeit den Vehsolger an der Krone Preußen fortan den Emführung d Titel in allen Unseren Beziehungen und An- Vervollstandten des Deutschen Reiches führen, und hoffen zu stellten Na^ er der Deutschen Nation gegeben sein werde, man allerdm Wahrzeichen ihrer alten Herrlichkeit das Bater- nicht bloS ner segensreichen Zukunft entgegenzuführen. Wir Hiernach qmen die Kaiserliche Würde in dem Bewußtsein der Aerzte nt, in deutscher Treue die Rechte deS Reichs und hergchey Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Un- '""lkMngigkeit Deutschlands, gestützt auf die vereinte Kraft seines Volkes, zu verteidigen. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß dem Deutschen Volke vergönnt sein wird, den Lohn feiner heißen und opfermütigm Kämpfe in dauern­dem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte I Sicherung gegen erneute Angriffe Frankreichs gewähren. Uns aber und Unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer deS Deutschen Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den I

. hatte seine Schwierigkeit, einen geeigneten Lande­platz und noch mehr, einen sicheren Hasen für unser Boot zu finden, denn ringsum befinden sich zahlreiche kleine, scharfe, halb vom Waffer verdeckte, halb drüber hinaus ragende Klippen. Endlich gelang es uns, dasselbe an einer FelSspttze zu befestigen und wir begannen unseren Strerszug.

Natürlich fanden wir keine Seeanemonen — nicht eine einzige!

Kapitän Thistleby erklärte, ich habe ihn unter falschen Vorspiegelungen hicher gelockt, doch gestand er offen, daß er im Grunde genommen froh darüber fei, denn er habe

®$rt?en. ,bataiL gevacht, daß er die Seeanemonen 'Beßlich in seinem Hute werde nach Hause tragen müssen.

Wir klettern über die schlüpfrigen Felsen, verweilen an den seichten, von rot gefiederten Seenesseln eingefaßten Laachen, um die komischen Bewegungen und Eigenthüm- lichketten kleiner Seekrebse und halbdurchsichtigen Garnelm bn ihren Spielen zu beobachten. Ich habe mich immer » gewandt und sicher im Klettern gehalten, aber 'Kapitän Thistleby schätzte mich offenbar für sehr ungeschickt unb schwach darin, denn er bestand fest darauf, mich an der Hano zu führen.

„Sie tonnten fallen, unb sich ben Fuß vertreten " sagte er; unb ba dies ja nichts Unmögliches ist unb ich leinen triftigen Gnmb Dagegen sehe, so fügte ich mich seiner Anorbnung. Ich gewöhnte mich auch so batan bafj ich seine Hand sogar loSzulaffm vergaß, unb er auch bie meine, als das Klettern auf ben Felsen zu Ende war und so wanderten wir Hand in Hand auf dem gelben Sande weiter. °

.•* Inj eigen nimmt entgegen: ■ti rie Expedinon d.vlattes, sowie d Attnoncen-Hureaux von Th. Dietrich & So. in staffel und Hannover; Th Dietrich in Kankfurt a.M.; Haafentzein L Bögler in z-antlart e M., Berlin. L-ipzi>. 68ln is,; Rudolf Aiopc ik Berlin, Iranl- b-r . ..

®utcrn unb Gaben beö Frieben« auf bent Gebiete natio- iialer Wohlfahrt, Freiheit unb Gesittung.

Gegeben, Hauptquartier

Versailles, ben 17. Januar 1871.

_________ Wilhelm.

Der , Staats-Anzeiger" schrieb: Bei ber feierlichen Proklamierung Sr. Majestät des Königs zum deutschen Kaiser, welche am 18. Januar, dem Tage des KrönungS- und OrdensfesteS, in der Galerie des Glaces deö Schlosses von Versailles stattfand, waren um Se. Majestät die königl. Prinzen und sämtliche in Versailles anwesmde deutsche Fürsten, so wie die Generale, Stabsofflzicre und Deputationen der verschiedenen vor Paris lagernden Trup­penteile mit den Fahnen und Standarten der einzelnen Regimenter versammelt. Am Morgen des 18. erfolgte da« Elnrucken der Fahnen und Standarten aus den Cantonne- mentS der 3. Armee und der beiden baierischcn Armee- Corps. Um halb 12 Uhr fand die Versammlung in ber ®a.knf Glaces statt. Auf ber Gartenseite in ber | Ekte stanb ber Altar, umgeben von ber Militärgeistlichkeit ber 3. Armee; am Ende des Saales war eine Estrade erbaut, auf welcher die genannten Fahnen und Standarten standen. Die Mannschaften, welche sie eskortiert und die Deputationen der Regimenter standen links, die Militär­musik rechts neben dem Altar. Die Offiziercorps, regi- menter- und bataillonSweise geordnet, standen an den bei­den Langseilen deS Saales. In den Borsälen, Fluren und auf den Treppen befand sich Infanterie- und Cavallerie- Slabswache, als Repräsentant aller Regimenter der Armee. I ®eim Eintritt Sr. Majestät deS Königs intonierte der Sangcrchor: „Jauchzet dem Herrn alle Well." Seine Maiestat, der Kronprinz, die übrigen Prinzen des königlichen Hauses, sowie die deutschen Fürsten, welche sämtlich das Band des Schwarzen Adlerordens trugen, nahmen, dem Altar gegenüber, auf ber Langseite nach ber Cour b Honneur hin Platz. Nachdem ber Choral: „Sei 8ob uno Ehr', dem höchsten Gott" gesungen war, folgte me Liturgie und die Festrede, welche der Divisionsprediger | Rogge hielt. Der Choral: „Nun danket Alle Gott", und der Segen bilbeten ben Schluß ber religiösen Feier. Se. Majestät ber König begaben sich barauf nach der Estrade aus welcher die Fahnen standen; hinter Allerhöchstdem- selben stellten sich die Fürsten in einem Halbkreise auf. ®e. Majestät hielten alsdann eine Ansprache, an welche sich die Verlesung einer bezüglichen Urkunde durch den Bundes­kanzler Grafen von Bismarck und die Verkündigung ber Proklamation über die Annahme des Kaisertitels anschloß. Der Großherzoz von Baden begrüßte hierauf den Kaiser Wilhelm mit einem Hoch, in welches die Versammelten unter den Klängen der Volkshymne dreimal begeistert ein« ftimmten. Der Kronprinz brachte dem Kaiser zuerst die I