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JltutBurg, Dienstag, 18. Januar 1881.

XVI. Mgaiz

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ängeigen nimmt entgegen: btt Grprdtriox d.vlattet, sowie d-Ännoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Raffet und Hannover; Tb- Dietrich in Frankfurt a.M.; HsafenKein L Bögler in Krantturt s M., Berlin, StiMtg, Söls Audvif Moffe ix Berlin. ü'rsni.

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AttlfkWt Zckm.

Anzeigen nimmt entgegen btt@xvebittox b. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureour von ®. L. Daube & Co. in Kmnkfurta.M; JSger'schi Buchhandlung bofettfti; Herrnsmt'sche !? uchhaudl. daselbst; Rxoaßbenbmtf ix Berlin; L Thienes in Elberfeld: S. Echlotre ix Bremen.

V Das Bettel» -er Kruder.

Wie ost auch schon das Wort gegen die Kinderbettelei erhoben worden ist, so vermißt man doch noch immer ernste und durchgreifende Maßregeln gegen diese höchst traurige Erscheinung unserer Tage und es kann daher nicht genug dazu aufgefordert werden, die Maßnahmen der Behörden Seitens des Publikums zu unterstützen, um endlich dem \ Treiben gewissenloser Eltern ein Ziel zu setzen und nicht : mehr durch Verabreichung von Gaben an bettelnde Kinder fernerhin eine Verbrecherwelt groß zu ziehen. ES mag „ manchem schwer werden, ein bettelndes Kind zurückzuwei­sen; Vielen wird cs herzlos erscheinen, daS vor Kälte zit­ternde Kind ohne eine Gabe seines Weges ziehen zu lassen, aber wenn man erwägt, daß man durch eine einzige der­artige Gabe vielleicht den letzten guten Keim, der noch im Kindcrherzen schlummert, erstickt und daS arme Wesen durch übel angebrachte Mildthätigkeit auf den Weg des Verbrechens treibt, so sollte man doch zurückschrccken vor ber Verantwortlichkeit, welche man in dieser Beziehung un­bedingt auf sich laden würde.

In erster Linie wird und muß eS natürlich Sache der Behörde sein, durch genaue Überwachung der gewissen­losen Eltern der Kinderbcttelei zu steuern. Die Unter« beamtet der Polizei sind hierzu hinreichend in der Lage : und sie werden dieser Pflicht um so bester genügen, je ''Her sie gegen die bettelnden Kinder und je schärfer sie jibeten Eltern auftreten. Wenn man für ein mildes to-ii den bettelnden Kindern gegenüber seine Stimme stl dabei das leicht erregbare und geängstete kind- ^Aüt ins Auge zu fassen. In den meisten Fällen Wie Kinder von gewissenlosen Eltern oder Pflegern ^trieben zur Straßenbettelei; gern möchten die Klei- Meim bleiben, anstatt bei R^gen, Schnee und Kälte -'äßen Betteln zu gehen, aber ost genug werden ihnen 3 je angedroht und sie folgen in ihrer Angst der un- einen Weisung. Werden sie nun beim Betteln betroffen, ) scharf von dem betreffenden Polizeibeamten angefahren t gar, statt sie zur elterlichen Wohnung zu führen und . ffrt die Eltern oder Pfleger ernstlich zu vermahnen, mit rd '»ufs Polizeibüreau genommen, so bemächtigt sich der Kleinen Schrecken und Angst, oder es werden bei öfteren Wieder- Holungen einer derartigen Arretierung die Kinder nach und nach so abgestumpft, daß sie schließlich in derselben nichts Ungewöhnliches mehr erblicken nnd das Gefängnis für einen berechtigten und bald angenehmen Aufenthaltsort betrachten, den sie dann später durch Vergehen und Verbrechen wieder und immer wieder zu erlangen suchen.

' Scharf gegen die gewissenlosen Eltern und Pfleger, ja, mit unnachsichtlicher Strenge gegen dieselben einzuschreiten, ist aber eine besondere Pflicht der Beamten und nur durch eine solche Strenge wird es möglich sein, eines der großen m-- --------

Frcsta.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.) (Fortsetzung.)

„Sehen Sie, Miß Clifford, wir wollen gar nicht mehr über gestern Abend sprechen; wir wollen ganz von vorne beginnen. Doch wir müssen einander zunächst verstehen, uns unsere Stellung zunächst klar machen. Da sitzen wir nun, zwei Leute, für einen ganzen, langen Tag auf ein- ander angewiesen, und mögen sehen, wie wir denselben auf .Has Beste vollbringen; sollen wir ihn mit Zürnen und ichtnurren, wie ein paar Dachse, oder in angenehmer hernterhaltung, wie eö vernünftigen Wesen geziemt, mit- '.smander verleben?"

'k „Wie Sie wollen," antwortete ich milder und ein wenig amüsiert durch das Komische der Situation.

„Nun," fuhr er fort, „lasten Sie uns damit beginnen, Bella's kleine Pläne einfach zu vergesten. Sie misten zweifellos so gut wie ich, welche begierige Heiratsstifterin meine liebe, kleine Schwägerin ist. Sie sind ihre liebste Freundin, und mich hat sie sehr gerne; welcher Gedanke liegt daher näher für sie, als daß wir Beide für einander geschaffen sind? Nun ist daS ja aber Unsinn und bereitet nur Verlegenheiten. Sie sind, wie Sie mir sagten, bereits verlobt und brauchen mich deshalb nicht im Geringsten und ich andererseits bedars keiner Frau. Das ist klar, nicht wahr?" '

Ich stimmte bei, war aber doch nicht recht zufrieden- gestellt, denn ein Mädchen verlangt natürlich nicht, daß jeder Mann sie begehrt, wenn aber ein Mann offen be- . kennt, daß er überhaupt keinen Heiratsantrag machen

Hebet unserer Zeit, die Kinderbettelei, endlich auszurotten. Dabei muß das Publikum der Behörde und ihren Organen in der oben angedeuteten Weise hülfreiche Hand leisten. Siebt man den bettelnden Kindern kein Almosen mehr, so können .diese den Eltern daheim auch keine Gaben mehr überbringen und schließlich wird eS den gewissenlosen Eltern dann überhaupt nicht mehr lohnend erscheinen, ihre Kinder auf die Bettelei auszuschicken, denn kein Geld zu erhalten, wohl aber in Strafe zu verfallen, das wird selbst den hart­gesottensten Sündern ihr trauriges Handwerk daheim legen.

Deutsches «eich.

Berlin, 15. Januar. Der Kaiser hatte eine gute Nacht, die Besterung im Befinden schreitet in jeder Be­ziehung fort. Nachmittag« 4 Uhr fand eine Konferenz des Kaisers mit Fürst Bismarck statt. Die Abhaltung des Kapitels des schwarzen Adlerordens behufs Investitur neuer Ritter ist wegen des Unwohlseins deS Kaisers auf den 22. Januar verschoben. — In bezug auf die Vermählung ®r. K. Hoheit des Prinzen Wilhelm von Preußen ver­lautet der „N. Pr. Ztg." zufolge, daß am 2. März, abends das junge Ehepaar in das K. Sladtfchloß zu Potsdam Übersiedeln und daselbst bis über den Geburtstag des Kai­sers hinaus residieren wird. Von einer Hierherkunft der Königin von Großbritannien zu dem Hochzeitsfeste war niemals die Rede. Der Prinz von Wales wird die eng­lische Königsfamilie vertreten. Ueber den Kreis der ein­zuladenden fürstlichen Gäste ist noch keine definitive Ent­scheidung getroffen. — Soweit man es hat in Erfahrung bringen können, hat sich die konservative Fraktion mit dem Anträge Windthorst bis jetzt noch nicht beschäftigt, in der Allgemeinheit, in welcher er vorliegt, dürfte er ohnehin kaum annehmbar fein, ganz abgesehen davon, daß gerade in dieser hochpolitischen Materie des Kirchenkampfcs die zeitige Stellungnahme der Staatsregierung von entschei­dender Bedeutung sein muß. — Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses beendigte in ihrer gestrigen Abend- sttzung die Beratung der Denkschrift über die Erweiterung des StaatseisenbahnbesttzeS. Es kamen die Abschnitte über die Beamtenverhältnisse, die Pensionskasse, den Einfluß auf den Verkehr und auf den Betriebsdienst, sowie endlich über die finanziellen Ergebnisse zur Erörterung. Ans den über die letzteren in der Denkschrift gegebenen Nachweisungen sei hier erwähnt, daß sich der gesammte Reingewinn, wel­chen der Staat durch den Erwerb der 6 großen Privat­bahnen in den beiden ersten Jahren 1879/80 erzielt, auf nicht weniger als 16,311,817 Mark berechnet. Verschiedene aus der Mitte der Kommission gestellten Anfragen wurden von den Vertretern der König!. Staatsregierung in zuvor­kommendster und die Fragesteller meist vollständig befrie­digender Weise beantwortet und die Kommission beschloß, die sehr umfang- und inhaltreiche Denkschrift für erledigt

zu erklären. Dabei kündigte der Referent, ohne von irgend einer Seite — auch nicht von Seiten derjenigen Mitglieder der Kommission, welche prinzipielle Gegner des Staats­bahnsystems sind — Widerspruch zu erfahren, die Absicht an, sein Referat im Plenum des Hauses mit dem Aus­drucke der Anerkennung der Thätigkeit der Staatseisenbahu- verwaltung in der Durchführung der, den Erwerb der Privatbahnen betreffenden Gesetze zu schließen. — Weiter beschäftigte sich die Kommission mit zahlreichen von Eisen­bahnbeamten eingereichten Petittonen, von denen sich die­jenigen der Eisenbahnsekretäre um Verbefferung ihrer Ge­halte durch die entgegenkommende Erklärung des Regie­rungskommissars erledigte, daß die Staatsregierung den Wünschen der Bittsteller durchaus wohlwollend gegenüber« skfhe und die Absicht habe, sobald dieses die allgemeine Finanzlage gestatten werde, die Eisenbahnsekretäre in ihren Gehaltssätzen den Regierungssekretären gleichzustellen. Eine auf die Pensionskasse sich beziehende Petition soll der Staatsregierung zur Erwägung, bczw. als Material für die in Aussicht gestellte Vorlage über den Stand der Pen­sionskasse, Petitionen der Betriebssekretäre und Büreau- diätare sollen als Material für die Beurteilung der in denselben erörterten Verhältnisse überwiesen werden. Sämt­liche übrigen Petitionen wurden zum Vortrag im Plenum nicht geeignet befunden.

DreSdt», 13. Januar. Gestern und heute tagte hier die internationale Konferenz zur Beratung deS nächsten Sommerfahrplans der deutschen, österreichisch-ungarischen und anschließenden Eisenbahnen. Der Vorsitzende der Ver­kehrsabteilung der Generaldirektton der sächsischen Staats­bahnen, Herr Finanzrat v. d. Planitz, begrüßte die Dele­gierten, insbesondere die vom Reichseisenbahn-Amt in Berlin und den Generalinspektionen in Wien und Pest gekommenen Vertreter (Geh. Regierungsrat Wiebe-Berlin, General-Jn- spektionS-Kommissar Wächtler-Wien und Inspektor Bravits- Pcst). Die Beratungen erfolgten gruppenweise, zur Fest­stellung der gegenseitigen Anschlußzeiten. Vertreten waren außer den oben genannten 40 deutsche, 25 österreichisch- ungarische und folgende fremdländische Eisenbahnverwal­tungen : Belgische Staatsbahn, Belgische Centralbahn, Fran­zösische Ostbahn, Great Eastern Railway, Holländische Eisenbahn, Niederländische Rheinbahn,Niederländische Staats­bahn, Schweizerische Centralbahn, Schweizerische Nordost­bahn und Rumänische Eisenbahn. Nach Schluß der Be­ratung vereinigte die Delegierten ein gemeinsames Mahl. §cute Vormittag wurden die Beratungen fortgeführt und bis Mittag zu Ende gebracht. Den heutigen Nachmittag benutzten die Delegierten zu einem Ausflug nach Meißen zur Besichtigung der Albrechtsburg und nach der Rückkehr von dort werden die Herren nach ihrer Heimat abreifen.

Darmstu-t, 12. Januar. In der heutigen Sitzung der Ersten Kammer wurde Prinz Heinrich eingeführt und

wurde, so beweist er zur Genüge, daß er sie nicht mag — und die« so umständlich erörtert zu hören, ist nicht an­genehm.

„Wenn mir Jemandes Lob, den ich nicht kenne, be­ständig in die Ohren geblasen wird, so Haffe ich ihn fast; Sie auch, nicht wahr? Wollen wir uns nun von allen Vorurteilen, die Bella's unverständige Lobsprüche in unserem Geiste erregt haben, frei machen, und — da die Heirats- srage^ beseitigt ist — Übereinkommen gute Freunde zu fein?

„Von Herzen gerne," antwortete ich offen.

„Geben Sie mir die Hand drauf;" damit hält er mir die {einige hin. Es ist eine große und starke, sonnen- gebräunte, männliche Hand, die ich gewiß ergreifen und festhalten würde, wenn ich in Not wäre. Ich lege meine Hand hinein und er drückt sie fest, für eine Sekunde.

„Nun lassen Sie mich Ihre Skizze sehen, ja? Sie haben Ihr Booihaus ein klein wenig schief gestellt; soll ich es zurecht rücken? Geben Sie mir den Pinsel — so sitzt ist es besser. Die Farbgebung ist vortrefflich; in der Perspektive ist Poesie und Gefühl; tönen Sie aber den Vordergrund noch etwas mehr ab: legen Sie etwas Kobalt darüber, das genügt."

Mit einem Dutzend Pinselstriche, brachte er eine Ab- runbung und Schönheit in meine kleine Skizze, wie ich es in einer Stunde nicht vermocht hätte.

„Sie verstehen die Malerei bester als die Musik," sagte ich lachend.

„Viel bester; und Sir auch, glaube ich I" erwiderte er.

Unb durch diese in der That gleiche Liebhaberei werben wir gute Freunde.

Als bie Glocke zum großen Frühstück vom Hause

hinter uns ertönt, bin ich ganz überrascht, baß ber Morgen fo schnell unb angenehm verlaufen ist.

3. Kapitel.

DaS Steigen ber Flut.

„Was werben wir diesen Nachmittag mit uns beginnen, Miß Clifford?" fragte Kapitän Thistleby, nachdem wir das Frühstück beendet hatten. „Einen Spaziergang machen?"

„Nein, zum Spazierengehen ist es zu heiß", antwortete ich, durch die Altanthür ins Freie schreitend.

„Eine Ausfahrt?" schlug er vor.

„O, von allen üblen Dingen wäre eine Spazierfahrt das allerübelste. IleberdieS giebt eS hier kein Ziel, wohin man fahren könnte; die Landstraßen sind heiß, staubig und schattenlos; die Gegend an der See ist, wie überall, auch hier abscheulich; rechtes, eigentliches Grün trifft man erst zehn Meilen landeinwärts".

„Was sagen Sie zu einer Bootfahrt?"

„Das klingt bester; jedoch wohin?"

„Giebt eS keinen intereffanten Punkt längs der Küste zu dem ich Sie hinrudern könnte?"

„Ja, — ich weiß eine Bucht —" begann ich zögernd.

„Wo der wilde Thymian wächst!" — Lasten Sie uns dorthin gehen." ,

„Haben Sie Seeanemonen gerne?" fragte ich zweifelnd.

„Ganz außerordentlich, leidenschaftlich, meilenweit würde ich danach gehen I"

. „Das gibt bett Ausschlag," entgegnete ich lachend. „In I-ner Bucht wachsen die schönsten Seeanemonen auf den Felsen und sind so prächtige Muscheln! Sie mag etwa drei Meilen von hier entfernt ffin.„ Es nt di- hü'-sch -ste