Re. 18.
3Höt6urg, Sonntag, 16. Januar 1881.
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Die Wehrstemr.
lieber den Inhalt der Wehrsteuervorlage, welche jetzt von den Bundesratsausschüssen an den BundeSrat zurückgegangen ist, wird folgendes berichtet:
Es haben danach Wehrpflichtige, soweit sie der gesetzlichen Dienstpflicht im stehenden Heere, in der Flotte, der Landwehr oder der Seewehr 1. Klasse nicht genügen, eine Steuer nach den Vorschriften des Gesetzes zu entrichten. Der Steuer sind unterworfen insbesondere Wehrpflichtige, die vom Dienst im Heer oder der Marine ausgeschlossen oder ausgemustert sind, der Ersatzreserve 1. oder 2. Klasse ober der Seewehr 2. Klasse überwiesen werden, vor erfüllter Dienstpflicht aus jedem Militärverhältnisse ausscheiden; die Lteuerpflicht dauert längstens 12 Jahre. Der Steuer sind nicht unterworfen Wehrpflichtige, die vor dem 1. Januar 1872 militärpflichtig geworden sind; die durch eine Dienstbeschädigung zum ferneren Militärdienst unbrauchbar geworden sind, oder abgesehen von dem Falle einer Dienstbeschädigung einen gesetzlichen Anspruch auf Jnvaliden-Bersorgung haben; Wehrpflichtige, Die infolge geistiger ober körperlicher Gebrechen erwerbsunfähig sind unb kein hinreichendes Einkommen besitzen, um sich und biejenigen Angehörigen zu unterhalten, bereit Alimentation ihuen gesetzlich obliegt. Für jedes Steuerjahr wird eine feste Steuer von 4 M- erhoben. Außer der festen Steuer haben Steuerpflichtige, deren steuerpflichtiges Einkommen den Betrag von 6000 M. übersteigt, eine Jahressteuer von 3pCt. zu entrichten, die bei einem Jahreseinkommen von mehr als 6—7000 M. 180 M., und von mehr als 7—8000 M. 210 M. und so fort für jedes weitere Einkommen von 1000 M. 30 M. Steuer mehr beträgt; deren steuerpflichtiges Einkommen den Betrag von 6000 M. nicht übersteigt, eine Jahressteuer bei einem Jahreseinkommen von mehr als 5400 M. bis 6000 M. incl. gleich 148 M., von 4800 M. bis 5400 M. = 120 M., von 4200 bis 4800 M. = 96 M, von 3600 bis 4200 M. = 72 M., von 3000 bis 3600 M = 52 M., von 2400 bis 3000 M. = 36 M, von 1800 bis 2400 M. = 24 M., von 1500 bis 1800 M. — 18 M-, von von 1200 M. bis 1500 M- — 12 M., von 1000 M. bis 1200 M. — 10 M. Zur Zahlung der Steuer sind außerdem die Eltern bezw. Adoptiveltern der betreffenden Wehrpflichtigen für die Zeit verpflichtet, in welcher sie dieselben auf Grund rechtlicher Verpflichtung ganz oder teilweise unterhalten; das Einkommen dieser Steuerpflichtigen wird indes bei der Steuerveranlagung nur mit der Hälfte in Ansatz gebracht, welche, wenn mehrere Kinder vorhan- bcn sind, noch durch die Kopfzahl der Kinder geteilt wird.
In der Schlußbestimmung beantragen die Ausschüsse für §. 17 eine bemerkenswerte Veränderung. Dieselbe lautet in seinem ersten Absatz:
«Die Ermittelung der Steuerpflichtigen und die Festsetzung bez. Veranlagung, sowie die Erhebung und Verwaltung der Steuer erfolgt durch die Steuerbehörden und Beamten der einzelnen Bundesstaaten." Dazu beantragen die Ausschüsse folgenden Zusatz: „Welche dieser Behörden uno Beamten, die in dem Gesetz als zuständig bezeichnet NI bestimmen, sofern das Gesetz nicht anders verfügt, die Landesregierungen. Den letzteren liegt auch die Kontrolle über die betreffenden Behörden und Beamten ab."
Ferner beantragen die Ausschüsse eine Verjährung der Strafverfolgung der Zuwiderhandlungen in 5 Jahren und den Fortfall des §. 19, welcher bezüglich der lleberwachung der Erhebung und Verwaltung der Steuer die Anwendung des Art. 36 der Reichsverfaffung (lleberwachung des Verehrens durch den Kaiser vermöge Beiordnung von Reichsbeamten bei den Steuerbehörde« ic.) anordnet. Das Gesetz tritt mit dem 1. Oktober d. I. und die erste Festsetzung bez- Veranlagung der Steuer für den Zeitraum vom 1. Oktober 1881 bis zum 31. März 1882 in Kraft.
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Hann in Berlin, Stadrat Kosmack in Danzig, Spediteur Friedrich Kroos in Harburg, Gutsbesitzer Krüger in Ellerwalde, Zimmerpolier KruszinSki in Marienwerder, von Landsderg-Steinfurt in Drensteinfurt, Leuschner in EiS- leben, Leyendecker in Köln, Kaufmann Lobeck in Stralsund, Rittergutsbesitzer Lösewitz in Lentschow, Mevissen in Köln, Meyer in Celle, v. Rathusius in Althaldensleben, Neubauer in Magdeburg, de Neufvi lle in Frankfurt am Main, Theodor Pätsch in Frankfurt a. d. Oder, v. Rath in Lauersforst, Malermeister Richter in Berlin, Eduard Riemann in Nordhausen, v. Risselmann in Crussow, Kaufmann Rosenbaum in Breslau, v. Ruffer in Breslau, Schlossermeister Wilhelm Rust in Königsberg, Kaufmann Sartori in Kiel, v. Schenck in Kawentschin, Schimmel- Pfennig in Königshütte, Kommerzienrat Schöpplenberg in Berlin, Werkmeister Sprengler in Mettlach, Springmann in Hagen, von Thiele-Winckler in Michowitz, Arbeiter August Wilhelm Trieloff in Stettin, Gutsbesitzer Daupel in Niederhohne, Bergrat v. Velsen in Dortmund, Bautischlermeister Vorderbrügge in Bielefeld, Gutsbesitzer Wegwann in Albrechtsau, Wesenfeld in Barmen, Fritz Wolff in München-Gladbach, Fabrikmeister Friedrich Wilhelm Zimmermann in Osnabrück. — Die „Nordd. Allg. Ztg." weist aus die immer wiederkehrenden Versuche deutscher Exportgeschäfte, sich durch Umgehungen der Zollgesetze des Auslandes unerlaubte Vorteile zu verschaffen, und den daraus dem deutschen Ausfuhrhandel erwachsenden Schaden bin. Namentlich bei der Zollverwaltung der amerikanischen Vereinigten Staaten herrsche ein besonders tiefes Mißtrauen gegen die deutschen Importeure. Für den gesamten deutschen Ausfuhrhandel fei es eine Pflicht der Selbsterhaltung, überall energisch darauf hinzuwirken, daß solchem Mißtrauen jede tatsächliche Begründung entzogen werde. —„In einem anderen Artikel macht die „Nordd. Allgem. Z " auf das vielfach unüberlegte Verfahren aufmerksam welches Fabrikanten uud Kaufleute bei Warensendungen nach Australien beobachteten, wodurch die leistungsfähige deutsche Industrie von der Einführung ihrer Artikel auf australischen Märkten abgeschreckt werden könne. Bei aller Bereitwilligkeit, den deutschen Industriellen sich nützlich zu erweisen und in gewissen, durch ihre amtliche Stellung gebotenen Grenzen auch über bestimmte Kommissionshäuser Auskunft zu erteilen, könne dm Cosuln die Verantwortung für etwaige Versehen bei der Auswahl des KommisstonS- Hauses oder für die Transaktion mit fremden Zollhäusern nicht zugemutet werden.
m •• Berlin, 14. Jan. Der Termin, zu welchem der VolkSwirtschaftsrat einberufen werden wird, ist noch nicht bestimmt, jedoch für diesen Monat in bestimmte Aussicht genommen.-In Betreff der Bestellung von Telegrammen außerhalb des Ortsbestellungsbezirks werden die BerkehrS- anstalten Seitens des Reichspostamts in einer Verfügung werde in der That eine schlechte Gesellschaft für Sie sein und muß Sie wirklich bitten, zu gehen, um anderswo Unterhaltung zu suchen. Jrn Ort ist ein Billard, unb — ein Lesezimmer, glaube ich; genug, Alles wirb besser sein, als em „Gänschen", welches vielleicht erwartet, daß man ihm den Hof macht."
»Aha! Endlich ist'« heraus!"
D'efer Ausbruch triumphierenden Vergnügens, schnellte m«b thatsächlich empor. Er schleuderte seine Cigarre fort, stützte fein Kinn in die Hände und blickte unter meinen Hut, mir geradewegs in das Gesicht.
»J<h wußte, daß ich es herausbringen würde! Da haben Sie also meine unvorsichtige Rede auf der Treppe gehört? Ich erriet es in dem Augenblick, als Sie gestern Abend zur Thüre hereintraten."
Seine Augen sprühten im Triumph und sein Antlitz seine Stimme waren voller Leben. Diese totale Umwandelung in seiner Art und Manier erstaunte und verwirrte mich fast mehr als seine Worte.
Ich stammelte und wurde rot.
„Wie wußten Sie? Was ließ Sie erraten?
„Run, um damit zu beginnen, die spanische Spitze." Mit äußerstem Erstaunen blickte ich auf.
„Ich hatte Sie vorher gesehen. Miß Cilfford. Wenn Sie sich erinnern wollen: Sie kamen zehn Minuten vorher schon ans Ihrem Zimmer. Ich stand am anderen Ende des Ganges, denn ich hatte gerade in demselben Augenblick mein Zimmer ebenfalls verlassen."
„Ich bemerkte Sie nicht."
„Rein, ich weiß es, Sie konnten es nicht; ich hatte mein Licht ausgelöscht und auf meiner Seite war der Korridor ganz dunkel; aber bas Litt her Treppenlampe
Frcva.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Aukorisirte Uebersetzung.)
(Fortsetzung.)
Etwa zwanzig Minuten mochte ich an meiner Skizze gearbeitet haben, als ich plötzlich durch jemand, der die Treppe hinter mir herabkam, unterbrochen wurde.
Es war Kapitän Thistleby.
„Nun, Bella ist glücklich expediert," sagte er in vergnügtem Tone; „war das eine Fahrt! Ich glaubte bestimmt, daß sie den Zug verfehlen würde — im Abgehen war er bereits — sie hatte nicht einmal mehr die »leit, ein Billet zu lösen."
„Aber ich dachte, Sie giengen auch mit!" rief ich, mit großer Enttäuschung in Stimme und Antlitz aus.
„Was, nach London im August, und an einem Tage wie dieser heute zu Seacliff? Danke, ich nicht!" Aber es thut mit herzlich leid, Sie enttäuscht zu haben, Miß Clifford," fügte er sehr amüsiert hinzu.
Ich erhob hiergegen etwas unklaren Widerspruch und fuhr mit meiner Zeichnung fort.
„Stört es Sie, wenn ich meine Cigarre hier beende?"
„O, durchaus nicht," erwiderte ich mit gesuchter Höflichkeit. „Ich bin den Tabakrauch gewöhnt."
„Was, fröhnt bas Ideal Ihrer Träume auch dem Tabak?"
„Wer?" rief ich verblüfft aus. „Wen meinen Sie?"
„Sie haben mir den Namen noch nicht genannt; den Herrn, mit dem Sie verlobt sind."
Vor meinem geistigen Auge stand die Gestalt George Curtius' — behäbig, mittleren Alters, graubärtig, mit
Anzeige» nimmt' entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & Eo. in Aankfurt a-M; Jügerffche Buchhandlung daselofl; Hermannstch« kuchhandl. ♦ daselbst; Auvalidendaui iu
Berlin: W ThieneS in
Elberfeld: 4. Schlotte in
Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bureauk von LH, Dietrich & So. in Kastel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.äJL; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Cölu re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- hir a. r>
Deutsche- Reich.
Berlin, 14. Jan. Der Kaiser hat Nachts gut geschlafen ; der Katarrh löst sich, auch die Heiserkeit ist ge= ringer. — Der Kronprinz wohnte gestern der dreistündigen Sitzung des Landesökonomie-Kollegiums bei. — Der Abz. Windthorst, von allen Centrumsmitgliedern und den Polen unterstützt, brachte heute folgenden Antrag ein: „Den Strafbestimmungen der Gesetze vom 11. und 12. Mai 1873, tzvom 20. und 21. Mai 1874 und 1875 unterliegt bas Spenden der Sakramente und das Lesen von Messen ni$t." — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Liste der Mitglieder des Volkswirtschaflsrats: Rittergutsbesitzer Albrecht in Suzemin, Louis Baare in Bochum, von Below-SaleSke, Maurermeister Heinrich Beyerle in Coblenz, Tischlermeister Bittmann in Pofen, Björnfen in Altona, Wilhelm von Born in Dortmund, Brockhoff in Duisburg, Stadtrat Burghardt in Lauban, Forstinspektor Clauditz in Meppen, Gutsbesitzer Gramer in Wiesbaden, Delius in Bielefeld, Amtsrat Dietze in Barby, Albert Ernst in Halle, v- Frankenberg-LudwigSdorf auf Tiltowitz, Frentzel-Beyme in Memel, Stellmacher Fritsche in Hildesheim, Albert Hamm in Königsberg, Schriftsetzer v. Gebhardi in Kassel, Schuhmachermeister Glodny in Neustadt, Franz Hagen in Königsberg, v. Hammerstein in Lotten, Heimeu- dahl in, Crefeld, v. Donnersmark in Neudeck, v. Herford in Tauchet, Wilhelm Herz in Berlin, Webermeister Ehren- ftieb Hessel in Berlin, Jaffö in Posen, Dr. Janssen in Dülken, Kade in Soran, Fabrikoesitzer Heinrich Kähding in Itzehoe, Hofbesitzer Kahlke in Friedrichsgahekoch, Fritz Kalle in Biebrich, Eifenformer Emanuel Hugo Kamien in Berlin, Fabrikbesitzer Kaufmann in Tannhausen, Kennemann in Klenka, Kiepert in Marienfelde, Kaufmann Koch- Schnupftabaksdose, goldgefaßter Brille, wie er war, und bie Iber ihn! „bas Ideal meiner Träume" zu nennen, war so komisch, daß ich lachen mußte.
„Du lieber Himmel, wie seltsam 1" rief ich. „Er heißt Mr. CuriiuS unb wäre er Ihnen bekannt — boch ich dachte nicht an ihn, fonbetn an meinen Vater"'
„O!" unb bamit blies mein Gesellschafter ben Dampf feiner Cigarre ruhig weiter in bie Luft.
Er hatte sich, bet Länge nach auf ben Rücken, neben mich auf ben Straub gelegt, jedoch so, daß ich fein Gesicht nicht sehen konnte; die Arme hatte er unter den Kopf gesteckt unb ben Hut über die Nase gezogen, um feine Augen zu beschatten. Er schien große Neigung zu haben, einzuschlafen und ich hoffte sehr, daß er eö lhun werde.
„Ja so," sagte er bald darauf, indem et die Cigarre aus dem Munde nahm und das glühende Ende derselben mit großer Aufmerksamkeit betrachtete — unsere Freundin, Bella, befürchtete, Sie möchten sich sehr langweilen und hat mir daher die reizende Ausgabe gestellt, Sie bi« heute Abend acht Uhr zu unterhalten."
„D! da thut es mir außerordentlich leib, baß Sie für nötig gehalten haben, meinetwegen hier zu verweilen," sagte ich kalt.
Er lächelte, aber antwortete nicht.
„Ich langweile mich nie, ich versichere Sie; unb kann mich sehr gut allein unterhalten."
Immer noch keine Antwort. Sein Schweigen ärgerte mich mehr als feine Worte, benn nichts ärgert eine Frau so sehr, als ein Widersacher der nicht sprechen will. Ich wollte streiten unb mein Gegner nahm sich nicht einmal die Mühe, ben Schild aufzunehmen. Einige Minuten vergehen unb bann breche ich angreifenb heraus: „Ich