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Jliorßurg, Sonnabend, 15. Januar 1881.

XVI. Jahrgang

Laz eigen nimmt rmgcgen: »ieExpedttio» d.Blatte«, sowie d.Ännoncen-Boreaur von Di' tndi &. Co. in Raffe' und y anno Der; Tb. Dietrich in Frantfurt a.M.; Hansenstein & Kogler in jrantfart a M.. Berlin. SeiMt», löiB Rudolf Moste in Berlin, Iranl- f-r* e 1» ,

GMWlt ZitW.

Anzeigen nimmt: entgegen die Spedition d. Blatte« sowie d- Annoncen-Bureaur von G- L- Daube & Eo. in

Frankfurt a.M; JLger'sche Buchhandlung daselbst;; Hermann'sche Suchhaudl. daselbst; Jnsalideudank in Berlin; W LdieueS in -lberfeld: 4. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ...llnftrtrtt» LonutaaSblatt" dnrck hi» B"»druckere.) bezogen 2k «ark, durch die Postämter d-S Deutschen Reiches 2 Mark 50 »eÄrSSK!e Ke LV Ma

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Das Handwerk uud die Mittelschulen.

ES ist viel gesprochen und geschrieben über den Ver­fall des Handwerks in Deutschland, sowie über die Mög­lichkeit seiner Hebung. Freilich sah es im Mittelalter bester mit demselben aus; nicht nur, daß damals eine Unzahl von sozial höher gearteten Berufszweigen, zu denen heute sich alles drängt, was durch Mittel materieller oder intel­lektueller Art sich über den großen Durchschnitt emporar­beiten zu können ; laufet, noch nicht existierten und in Folge dessen das Handwerk überhaupt sozial höher rangierte es war auch der Kastengeist und die mit demselben zu­sammenhängende Litte, daß der Sohn das Gewerbe des Vaters fortführte, ein mächtiger Hebel für die Leistungs­fähigkeit des Handwerkers. War der Lehrling seines Mei­sters leiblicher Lohn, so that der Meister ganz gewiß sein Bestes an dem Lehrlinge; aus mehr als einem Grunde war es Pflicht und Ehrensache für ihn, einen möglichst tüchtigen Fachmann aus seinem Kinde zu machen. Heut­zutage, wo das Prinzip der Ausbeutung alle Adern des gewerblichen Lebens durchdringt, ist daS, wie genugsam be­kannt, anders geworden, und besonders seitdem die Gewerbe­freiheit dem Lernenden ermöglicht, sozusagen jeden Tag, auch noch vor beendeter Lehrzeit, seines bisherigen Prinzi­pals Konkurrent zu werden, mußte naturgemäß der Eifer der Meister in der Ausbildung des Lehrlings bis auf ein unumgängliches Minimum herabsinken. Sticht zum we­nigsten ist dies eine Ursache des Verfalles unserer Hand­werke ; daß aber eine Reihe anderer Ursachen mit im Spiele sind, wer wollte das verkennen?

Auch heute noch hat das Handwerk einen goldenen Boden, aber freilich nicht für Jeden. Wer sie beobachtet, die armseligen Lohnsklaven, wie sie für die Kleidermagazine, für dieFabriken" rc. scharenweise arbeiten, der muß mit einem Gefühle des Bedauerns immer wieder den vielge­nannten Verfall konstatieren. Wer aber die, wenn schon selteneren, so doch immer noch ausreichenden häufigen Fälle ins Auge saßt, in denen Handwerker zu Wohlstand und Ansehen gelangen, dem drängt stch die Frage auf, ob eS denn nicht möglich sein sollte, die Anzahl dieser Fälle zu steigern und das Durchschnittsniveau des Handwerkes bis an die Höhe dieser begünstigteren Existenzen heranzu­bringen. Fast ohne Ausnahme begannen jene bester situierten Handwerker ihre Laufbahn ausgerüstet mit guter Schulbildung und einigen Geldmitteln. Da nun bei uns weder Schulbildung noch kleine Kapitalien selten sind, so scheint es, daß alle Bedingungen vorhanden wären, um die augenscheinlich lohnende Beschäftigung zum Zielpunkte zahlreicherer Bestrebungen zu machen. Dem ist jedoch nicht so, und ein Haupthinderniß bildet die Organisation un­seres Schulwesens.

Wer einmal Griechisch und Latein geschmeckt hat, ist

fürs Handwerk verdorben, und da im Allgemeinen feint andere Möglichkeit existiert, stch eine bessere Bildung anzu­eignen, als der Besuch des Gymnasiums oder der Real­schule, so gehen damit dem Handwerke eine Unzahl geeig­neter Kräfte rettungslos verloren. Die Ansicht, als könne Derjenige, welcher nicht gerade studieren will, in den Mittel­klassen der höheren Lehranstalten eine brauchbare Vorbildung für sein Fach erwerben, ist anerkanntermaßen unzutreffend, weil die auf diesem Wege gewonnenen Kenntniste stch als höchst lückenhaft darstcllen, den Charakter der Unfertigkeit, des Unafegeschlossenen im ausgesprochenen Maße tragen. Wenn demnach schon für den Kaufmann dieser Bildungs­gang kein empfehlenswerter genannt werden darf, so kommt für den künftigen Handwerker noch der besondere Umstand hinzu, daß die Atmosphäre des Gymnasiums ihm die Nei­gung zu seinem Berufe nimmt, ihn mit einer unwidersteh­lichen Gewalt zu den sogenanntenhöheren" Karrisren drängt. Daran kann die Erfahrung, daß diese höheren Karrieren längst aufgehört haben, im Sinne der Versor­gung irgend welche Vorzüge zu bieten, daß dieselben ferner unendlich größere Anstrengungen und Opfer beanspruchen, als die einfach bürgerlichen Berufe, sowie endlich, daß in denselben ein nicht vollauf befriedigender Erfolg, eine ma­teriell ungenügende Existenz weit härter empfunden werden, nichts ändern. ESliegt" einmalso drin", das Gymna­sium erzieht keine Handwerker, und es soll sie auch gar nicht erziehen.

Auß rordentlich schwer straft sich dieser Umstand. Nicht nur, daß dem Handwerke Kräfte entzogen werden; die- selben Überfüllen nunmehr auch die akademischen Fächer und bewirken eine ungebührliche Herabsetzung des Wertes gelehrter Arbeit. Zu keiner Zeit hat es wohl so viel brotlose studierte Leute gegeben, als jetzt, wo der Zudrang zu den Universitäten und technischen Fachschulen ein so enormer ist, zu keiner Zeit aber auch so viele stellenlose Kaufleute, da die thörichte Vorstellung, als müsse der Knabe, der nicht gerade studieren mag, bann doch mindestens Kaufmann" werden, eine erdrückende Konkurrenz auf dem mekantilen Gebiete geschaffen hat. Und weiter: es ist ans diese Weise die Zahl der materiellunproduktiven" Existenzen in ungebührlichem Veihältnisse gewachsen gegen­über der Zahl der eigentlichen Prodncenten, und nicht zum wenigsten heraus erklärt sich die Schwere und Hartnäckig­keit der gegenwärtigen Krisis.

Daß die Vermehrung und Pflege der Mittelschulen hier wesentliche Abhülfe schaffen kann, ist ganz unfraglich. Hat erst einmal eine Reihe verständiger Eltern, die eS vorziehen, ihren Sohn zu einem wohlhabenden Tischler oder Schlosser zu machen, als zu einem darbenden Ge­lehrten oder stellenlosen Bauführer, die Bahn eröffnet, zeigen sich an den Erstlingen dieser Wandlung ihre wohlthätigen Früchte, so ist nicht zu bezweifeln, daß

ein dauernder Umschwung eintreten wird mit allen seinen segensreichen Konsequenzen. Dringend nötig ist es, daß an Stelle der enormen Anzahl von Virtuosen des gelehrten Wissens eine größere von solchen des prakttschen Könnens tritt das wäre ein Segen fürs Allgemeine und für die Betreffenden überdies.

Bereits haben einzelne Mittelschulen, wie z. B. land­wirtschaftliche, ihre Leistungsfähigkeit erwiesen und den Weg gezeigt, der zur Umgestaltung unseres Schulwesens einzuschlagen ist. Es genügt jedoch wie uns scheint, nicht, auf Vermehrung derartiger Anstalten hinzuwirken; es ist vielmehr notwendig, diesem positiven Bestreben durch ein negierendes nach der anderen Seite hin zu Hülfe zu kommen, nämlich dadurch, daß man die Neueinrichtung von Gym­nasien thunlichst beschränkt oder verhindert. Man schreie nicht über Bevormundung, wenn wir dies aussprechen; so lange man städtischen Vertretungen die Wahl frei läßt, ein Gymnasium oder eine Mittelschule zu gründen, wird die Entscheidung in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle für das Gymnasium ausfallen; ein falscher Ehrgeiz einer­seits, der Wunsch einflußreicher Persönlichkeiten, für ihre Kinder eine bequeme Gelegenheit, sich fürs Studium vor- zubereiten, andererseits, sind dabei in der Regel bestimmend. Freilich ist auch die Idee des MittelschulwesenS noch zu neu, als daß dieselbe schon viele Freunde gewonnen haben könnte, und'weiter muß unbedingt die Berechtigung zum Einjährigendienste mit der Schule verbunden werden. Andernfalls bleiben die Mittelschulen Scheinwesen, Schulen ohneBerrechtigungen" haben eben keine Be­rechtigung.

Dieberechttgte" Mittelschule aber ist berufen, in der Zukunft unserer Nation eine große und achtbare Rolle zu spielen, und dämm kann nicht oft und ernstlich genug auf ihre Kultivierung hingewiesen werden. Gymnasien besitzen wir mehr als genug was uns not thut, ist praktische Tüchtigkeit und hohe gewerbliche Leistung; der Weg hierzu führt unzweifelhaft durch die Mittelschule, und in diesem Sinne fassen wir die letzteren auf als wichtigstes Mittel zur Neugestaltung des deutschen Handwerks.

Devtscher Reich.

* Berlin, 13. Jan. Der Kaiser empfängt fortge­setzt in gewohnter Weise Vorträge, hat aber einer leichten Erkältung wegen seit zwei Tagen das Zimmer nicht der- lassen. In der Bundesratssitzung am 20. Dezember wurde, wie schon bekannt geworden, beschloffen, dem Kaiser für die Besetzung der durch das Ausscheiden deö Reichs­gerichtsrats Schüler zur Erledigung kommenden Stelle beim Reichsgericht den königl. sächsischen Landgerichts-Präsidenten vr. Freiesleben vorzuschlagen. Der braunschweigische Be­vollmächtigte knüpfte, wie man nachträglich erfährt, hieran den Wunsch, daß fortan die Vorschläge zur Besetzung der

Fred«.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.)

(Fortsetzung.)

Wie schön hatten sie stch gemacht, Miß Freda!" sagte Bella, als wir zur Ruhe gingen und mit dem Lichte in der Hand beide noch einen Augenblick vor meiner Zimmer- thüre verweilten.Ich konnte kaum meinen Mund halten, so Überrascht war ich, als du hereinkamst. Beinahe hätte ich Mark noch von deinem reizenden Grenadinekleid erzählt, nur fürchtete ich deinen Zorn."

Es ist mir lieb, daß du das nicht gethan hast."

Du hattest dich ohnehin schon außerordeuttich ver­führerisch gemacht, Freda."

Ich versichere dich, das war nicht im Geringsten meine Absicht; das Fichü legte ich ans ganz anderen Gründen an ans einer ganz anderen Ursache, als du vermutest," stammelte ich etwas verwirrt.

Wohl möglich I 9tun, wie gefällt er dir?"

Wer Kapitän Thistleby? Gar nicht?"

Er gefällt dir nicht!" rief Bella mit lebhaftestem Erstaunen und starrte mich befremdet an.

,«Jch halte ihn nun einerlei, was ich von ihm halte. Im Ganzen genommen habe ich keine zwölf Worte mit ihm gesprochen, wie du weist."

DaS ist wahr. Nun er wird dir morgen schon bester gefallen."

Ich zweifelte daran, bezwang mich jedoch es zu sagen, und wir wünschten einander, Gute Nacht!

Am nächsten Morgen, da ich absichtlich später als gewöhnlich herunter kam, war ich sehr überrascht, Bella

in Hut und Mantel zu finden. Handschuhe und Neise- täschchen lagen neben ihr auf dem Tische und in großer Elle nahm sie etwas geröstetes Brod und weichgesottene Eier, während Kapitän Thistleby ihr den Thee einschenkte und sie bei dem Frühstück bediente.

Nun, Bella?" tief ich aus.

O, mein liebes Kind, was wirft du sagen! Ich bin gezwungen, heute nach der Stadt zu fahren gerade heute, an dem letzten Tage, da du hier bist, das thut mir schreck­lich leid."

Für einen Augenblick war ich fast zu dem Verdacht geneigt, daß sie diesen Plan absichtlich ersonnen habe, um mich mit ihrem Schwager allein zu lassen; aber ihr hübsches Antlitz war aufrichtig betrübt, als sie mir einen Brief ihres Anwalts zum Lesen darbot, den sie vor einer Stunde erhalten hatte. Ich blickte flüchtig darauf, ohne viel davon zu verstehen; soviel aber entnahm ich doch daraus, daß der Sachverwalter irgend jemandes sie in der Stadt zu einer Konferenz und Vertragsvollziehung er­wartete, eines schwebenden Verkaufes wegen, von dem ich sie schon hatte sprechen hören.

Es lag also kein falsches Spiel vor.

Eile dich Bella oder wir kommen zu spät," sagte Kapitän Thistleby; und daraus entnahm ich ansathmend, daß er sie begleiten werde. Was sollte er auch sonst thun? dachte ich.

Ich bin recht ärgerlich, liebe Freda! Der letzte Tag den du hier bist, und da kommt nun gerade das. Was wirst du beginnen, um dir die Zeit zu vertreiben?"

O, ich werde mich schon unterhalten. Ich habe noch meine Skizze vom Boothause zu beenden; daS will ich nach dem Frühstück thnn. Uebrigrns ist es ja ein so schöner

Tag heute und da werde ich mich sicher nicht langweilen. Mache dir meinetwegen keine Sorge."

Hier ist >der Wagen komm!" tief Kapitän Thist- levy.

Bella umarmte mich, als reife sie nach Südamerika, stieg ein, ihr Schwager folgte und sie fuhren davon.

, Mir selbst überlassen beendigte ich behaglich mein Früh­stück, nehme dann meinen Gartenhut und meine Zeichnen- materialien und schlendere hinunter nach dem Strand.

Von der Terrasse führt eine steinerne Treppe nach dem Ufer und in dem Schattenstreifen, welchen diese auf den Strand wirft, nehme ich Platz, den Rücken der Garten­mauer zugekehrt. Ein altes Boothaus, weiter unten, bildet das Hauptobjekt meiner Skizze; dahinter erheben sich rote Klippen, davor dehnen sich lange Streifen weißen Sandes und dunkles Steingeröll, das Meer begrenzend. Dieses Bild, wenngleich ein wenig monoton, ist doch ein hübsches Stück englischer Küstenszenerie und gewährt der Phantasie viel freien Spielraum.

Heute finde ich es ganz besonders schön. Die Ferne verschwimmt in sonnigem Duft, der Himmel ist mit zarten weißen Wölkchen gefleckt, die See, in hundert verschiedenen Farben und Schatten, leicht gekräuselt und von den sanften Tönen des Hintergrundes hebt stch klar und scharf das Boothaus ab, in hellstem Braun.

Es war ringsum tiefe Stille, köstlicher Friede und ich begann meiner Einsamkeit mich außerordentlich zu freuen. Die leis anspülenden Wellen und gelegentlich der Schrei eines Seevogels, der auf weitgespannten weißen Schwingen vorbeisegelte, gaben die einzigen Laute, welche das Schweigen unterbrachen.

(Fo-tsctzung folgt.)