Allen Verehrung und Bewunderung abzwingt und als die | Erkenntnis auch jetzt nicht erloschen ist, daß wir in ihm einen Mann der Vorsehung grüßen und ehren. — Der Volkswirtschaftsrat, dessen Zusammensetzung unverweilt veröffentlicht werden soll, wird einige Tage später als beabsichtigt war, einberusen werden. — Der Tod hat in den letzten Tagen der konservativen Partei manchen treuen Genoffen entriffen. Aus Hannover kommt die Trauerkunde von dem am 6. d. Mts. erfolgten Ableben des Buchdruckereibesitzers Theodor Schäfer, Verlegers sder „Hannoverschen Post", deutschkonservative Zeitung für Niedersachsen. Der Entschlafene war ein gesinnungstreuer, opferwilliger Parteigenoffe, der sich der allgemeinen Liebe seiner Mitbürger erfreute und hochgeachtet im Kreise derselben dastand.
Mainz, 12. Januar. Infolge des Umstandes, daß der hohe BundeSrat beabsichtigt, in der nächsten ReichS- tagssesston einen Gesetzentwurf wegen Erhöhung der Brausteuer dem Reichstage zur Beratung und Beschlußfassung vorzulegen, werden sich auch die hiesigen Brauer mit einer Petition an den Reichstag mit der Bitte wenden, einem Gesetz wegen Erhöhung der Braumalzsteuer die Zustim- mung versagen zu wollen. In der Petition wird hervorgehoben, daß in einem Zeitraum von 12 Jahren in dem Reichstage bereits 5 mal der Gesetzentwurf, die Erhöhung der Brausteuer betreffend, zur Beratung gelangt, aber fünf mal mit großer Majorität abgelehnt worden sei. Ferner wird auf die Petition hingewiesen, welche die deutsche Brauer-Versammlung zu Berlin am 30. April 1879 an den Reichstag gerichtet hat, in welcher in schlagender Weise die Gründe auseinander gesetzt worden sind, welche gegen eine Erhöhung der Brausteucr sprechen. „Wir erblicken", heißt es in der Petition weiter, „in dem deutschen Nationalgetränke, dem billigen und guten Biere, ein mächtiges Mittel zur Hebung der Sittlichkeit des Volkes, dagegen in der beabsichtigten Steigerung der Brausteuer eine große Gefahr für die Untergrabung derselben." „Denn Bier" — so habe sich vor kurzem noch ein Vertreter des ReichS- gesundheitsamteS geäuß rt — „ist der Feind des übermäßigen Branntweingenusses und ihm fällt die nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, die es in manchen Teilen unseres Vaterlandes schon ausgeführt hat, den Branntwein zu verdrängen, der die Gesundheit des Körpers untergräbt und den Geist umnachtet."
Karlsruhe, 9. Januar. Der „31. A. Z." wird geschrieben: Unser Erbgroßherzog, welcher zum Fest aus seiner Garnison Potsdam hierher gekommen war, ist am 4. Januar zurückgereisi. In der ersten Januarwoche verweilte auch der Großherzog von Hessen mit seinen Kindern einige Tage am hiesigen Hof. Auswärtige Blätter bringen damit das Gerücht von der beabsichtigten Verlobung des Erbgroßherzogs mit der ältesten hessischen Prinzessin in Verbindung. Unsere großherzogliche Familie wird Ende Februar zur Vermählung deS Prinzen Wilhelm nach Berlin abreisen. Dagegen wird die durch die Blätter gegangene Notiz, daß unser Hof einen Teil des Winlers an der Riviera zubringen werde, als jedes Grundes entbehrend, amtlich dementiert.
Stratzburg, 6. Januar. Von verschiedenen Blättern war die Mitteilung verbreitet worden, daß der Gouverneur von Straßburg, General-Lieutenant von Schkop, und der Kommandant, General-Major Bauer, ihren Abschied eingereicht und daß gleichzeitig der Polizeidirektor v. Saldern
Nach dem Essen bleibt die Situation ziemlich dieselbe- Ich gehe auf Bclla's Wunsch an das Piano, und sie bittet ihren Schwager, mir die Notenblätter umzuwenden.
Er entschuldigt sich.
„Ich bi« sehr ungeschickt zu solcher Arbeit," sagt er; ohne ein Zeichen, daß er sich aus dem komfortablen Armstuhl in den er sich versenkt hat, auch nur erheben will. „Ich bin sicher, daß ich meine Sache nicht gut machen würde. Miß Clifford wird wohl besser ohne mich 'fertig werden."
Das denke ich auch; aber da es unhöflich sein würde, dies zu sagen, so bemerke ich nur, daß ich nie jemand nötig habe, um mir die Blätter umzuwenven.
„Was willst du singen, Freda?" fragt Bella. „Welche Lieder liebst du, Mark?"
„Lieder sind nicht meine Sache," antwortete dieser höchst unangenehme Mensch. „Du weißt, daß ich nie sentimental war und Musik nicht verstehe. Lieder junger Damen — und gar verlobter junger Damen — sind zudem alle sehr süß, — nicht war, Miß Clifford?"
„Nicht Alle," antwortete ich innerlich erboßt unv setzte mich, um ohne Weiteres ein alteö, schottisches Lied zu beginnen. Allen Ausdruck, dessen ich fähig bin, lege ich in seine Worte, dir von Liebe und Haß, Untreue und Verachtung berichten.
Die Bitterkeit, mit der ich die letzte Strophe singe: „Ich verschmähe Dich!" überraschte mich selbst.
Das sang ich beinahe wütend.
Hinter mir höre ich leises Lachen und finde, daß Kapitän Thistleby an dem Piano steht.
„Ich habe Ihnen Unrecht gethan. Sie verstehen die Passion zu hassen offenbar vortrefflich, — Miß Clifford," sagte er mit moquanter Verbeugung.
Schweigend, aber sehr gedemütigt, nehme ich ein Buch, und überlasse Bella allein die Unterhaltung ihres Gastes für den Rest des Abends.
(Fortsetzung folgt.)
sich auf einen vierwöchentlichen Urlaub begeben habe und nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren dürste. Dem gegenüber erklärt die „Neue Preußische Zeitung": „Der Gouverneur, General-Lieutenant von Schkopp, dem die Zeitungen schon einmal fälschlicherweise die Absicht unterschoben, aus dem aktiven Dienste scheiden zu wollen, ist nicht um seinen Abschied eingekommen. Der Kommandant, General-Major Bauer, hat allerdings, dem Vernehmen nach, kürzlich um den Abschied gebeten, aber vermutlich nur aus dem einfachen Grunde, weil er in den Ruhestand treten möchte; alle anderen hieran geknüpften Konjekturen dürften haltlos sein."
Avslaud.
Wie«, 11. Januar. Nach einer Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel hat der Sultan die auf die Lösung der Arab-Tabia-Frage bezüglichen Protokolle ratifiziert und ferner ein Jrade unterzeichnet betreffend die Verbindung des österreichisch-ungarischen Eisenbahnnetzes mit dem türkischen Eisenbahnnetze.
Rom, 12. Januar. Der „Diritto" reproduziert das von der „Agence Havas" veröffentlichte Schreiben aus Algier und fügt Erklärungen hinzu, die jede mögliche Zweideutigkeit zu beseitigen bezwecken. Wenn in Konstantinopel Jntriguen geschmiedet würden, um den Sultan zu einer Intervention in Tunis zu veranlaffen, so sei die italienische Regierung denselben vollständig fremd. Ihr Ideal sei heute wie im Jahre 1865 die Aufrechterhaltung des politischen Status quo in Tunis. Die öffentliche Meinung in Italien weise die Idee eines ausschließlichen Einflusses von Italien in Tunis als excessiv gefährlich zurück, könne jedoch auch nicht den ausschließlichen Einfluß, noch weniger das wirkliche Protektorat Frankreichs zulassen. Die Entsendung einer Mission des Beys von Tunis nach Palermo sei nur ein Akt der Höflichkeit, der keineswegs berechtigte Empfindlichkeiten wachrufen könne. — Das „Stefanische Telegraphenbüreau" meldet: Auf die Initiative Frankreichs hin erhielten die Vertreter der Mächte in Athen die Ordre, Kollektivschritte zu machen, um Griechenland zur Annahme deS Schiedsgerichts zu bewegen. — Der Senator Arri- vabenne ist gestorben. — Am 9. d. M. war der Todestag Victor Emanuels. Den ganzen Morgen über wallfahrteten die Römer zu seinem Grabe im Pantheon und legten Kränze auf demselben nieder. Die Zeitungen bringen fast ausnahmslos warme Nachrufe; die wenigen Ausnahmen sind radical, und es ist vielleicht bemerkenswert, daß unter diesen sich die Capitale, dasjenige römische Blatt, welches Garibaldi am nächsten steht, befindet. Sie übergeht den Tag mit Schweigen. Die Stadt Rom hat eine Condolenz- depesche an König Humbert nach Palermo erlassen. — Aus Affab wird gemeldet, daß die italienische Colonie daselbst Fortschritte macht. Mit Wohnungen und Comfort scheint eS freilich noch schlecht auSzusehen, aber die Regierung schickt einen Beamten hin, der unter dem Titel Consul bestimmt sein soll, als Gouverneur der Bai zu fungieien. — Die Commission für Abschaffung deS ZwangscurseS hat ihre Generaldebatte beendigt. Es hat sich dabei bestätigt, daß die Mitglieder aller Parteien grundsätzlich für die Vorlage sind; doch bleiben einzelne V<rbesseru»gsan- träge zu erwarten. Insbesondere scheint die Mehrheit des Ausschusses dafür zu sein, daß von den 600 Mill, der Anleihe nicht blos 400, sondern mehr in Gold ausgenommen und eine kleinere Summe in Silber eingeführt werden soll. Ferner wünscht man, daß das neue Pensionsgesetz nicht erst in 15, sondern schon in 3 Jahren zur Beratung gebracht werde. — Es verlautet, daß der neue Unterrichlsminister Baccelli die vielen Reformen, welche in seinem Ressort gewünscht werden, im allgemeinen erst nach längerm Studium in Gang setzen, daß er aber in betreff der Lehrkörper an den Universitäten sehr bald mit einem Vorschlag vor die Kammern zu treten gedenke. Und zwar formuliert das „Diritto" seine Absicht dahin, daß er „offizielle" und „nicht offizielle" Professoren einsctzen wolle. Letztere dürften mit den deutschen Privatdocenlen ziemlich übereinstimmen. — Der Kaffalionshof hat vor kurzem ein Urteil gefällt, welches auch deutsche Leser interessieren mag. Nach demselben ist als Steuerdefraudant zu bestrafen, wer vom Ausland aus Pretiosen oder andere steuerpflichtige Gegenstände in Briefen nach Italien schickt. Wenn verdächtige Briefe ankommen, hat die Postbehörde der Touane Mitteilung zu machen, sodaß diese den Adressaten zwingen kann, den Brief in ihrer Gegenwart zu öffnen.
Paris, 11. Januar. Das Ergebnis der Gemeinderatswahlen hübet heule wie gestern den Hauplgegenstand aller politischen Erörterungen, und wie es in dem Lolks- liete vom gallischen Hahn heißt, jeder kräht Triumph, mag er geschlagen oder besiegt sein. Zu betonen ist gestern wie heute nur die völlige Uebereinstimmung aller Parteien über ten Zusammensturz der Kommunarden und besonder» das Fiasco Louise MichelS. Es scheint, als ob ganz Paris aufalme. Und nicht am wenigsten sind.die Radikalen vom Schlage ClemenceauS und Henri Marets erfreut. Henri Maret spricht heute in der Berits über die Anhänger Louise Michels sein Pereat aus; Louise wird unzweifelhaft antworten und den früheren Bundesbruder in einen Sack mit oen Opportunisten stecken. Im Citoyen veröffentlicht sie heute ein Schreiben, worin sie denen dankt, welche sie gegen die Angriffe der anticommunardistischen Presse verteidigt haben, und dann fortfährt: Nochmals Dank, treue Freunee; aber ihr seht wohl, daß in der Mitte eines Volkes, welches von dem opportunistischen Aussatz befallen ist, jeder Fortschritt, jede Reform lächerlich ist; es gibt nur
noch die Revolution. Und wenn diese Revolution durch daö Volk nicht mehr möglich ist, so habe ich noch Grund, euch zu sagen: Ich bin mit denen von euch, die vorwärts gehen, aber ich gehöre keiner eurer Gruppen an, ich gehe voraus, ruhig und kalt, unter dem eisige« Hauch des Nordens, indem ich weder Haß noch Mitleid für die Menschen oder Dinge habe, welche die Revolution behindern, und indem ich sie als Hinderniffe betrachte, welche verschwinden müsien. — Die gestern von der „Agence HavaS" gebrachte offizielle Note über Tunis hat heute in der hiesigen Preffe nur ein schwaches Echo gefunden. Die öffentliche Meinung ist ersichtlich noch nicht reif für ein akttves Vorgehen Frankreichs.
Loado«, 12. Januar. (Unterhaus.) Die Adreß- debatle wird fortgesetzt und schließlich abermals vertagt. Lord Hartington verteidigte die Regierung und wies auf den durch die kleine Bande von Bösewichtern geschaffenen Terrorismus in Irland hin. Die beabsichtigte Landbill sei eine gerechte, allein jetzt sei die Substanz für die Freiheit in Irland verloren gegangen, daher sei eS erforderlich, die freiheitlichen Formen zeitweilig dort zu suspendieren. — Offizielle Nachrichten aus Potschefstroom vom 1. Januar besagen: Die britischen Truppen find im Fort cerniert und hatten sich gegen die Angriffe der BoerS. Sie sind noch für einen Monat verproviantiert; die Frauen und Kinder der britischen Residenten befinden sich im Fort; die Boers beschießen daS Fort ohne Erfolg aus einer alten SchiffS- kanone. — Der „Daily Telegraph" erfährt, die Regierung bereite eine im versöhnlichen Tone gehaltene Proklamation an die Boers im Transvaallande vor.
Petersburg, 12. Jan. Das Gerücht, nach welchem an Stelle deS Großfürsten Konstanttn Großfürst Michael zu Neujahr das Präsidium des Reichsrats übernehmen werde, ist der „Agence Russe" zufolge, unbegründet. Es trete überhaupt kein Wechsel im Reichsratsprästdium ein. — Die Meldungen der britischen Blätter über die Operationen in Centralasien sind unrichtig. General Skobeleff blieb nach dem letzten erbitterten Kampfe mit den Teketurkmenen Herr deS Schlachtfeldes. — Die „Agence Russe" erklärt, den von den deutschen Zeitungen hervorgehobenen angeblichen Zusammenhang zwischen der Abwesenheit Saburoffs von Berlin am Neujahrstage und der zehn- procentigen Zollerhöhung für eine reine Phantasie und betont, Saburoff sei bereits 12 Tage vor der Publikation der Maßregel abgereist Die „Agence Rüste" hebt ferner besonders hervor, daß jene Maßregel einzig und allein ergriffen worden sei, um den durch die Aufhebung der Salzsteuer verursachten Ausfalls des Staatsschatzes zu decken. — Der Staatssecretär Braune wird zum Gehülsen des Ministers für Finnland ernannt werden.
Athea, 11. Jan. Infolge eines Königlichen Dekrets wird der Bestand der Armee 72,350 Mann betragen, un- eingcrcchnet die GenSdarmerie. — Der Regierung nahestehende Kreise erklären daS Gerücht über das Mißlingen der Aufnahme einer Anleihe von 120 Millionen Drachmen für unbegründet. — Wie verlautet, führten die Türken in der Umgegend von Domoco Befestigungen auf; auch mehrere neue Batterieen türkischer Artillerie sind in Thessalien und Epirus eingetroffen. — Gestern Abend fand ein längerer Ministerrat beim Ministerpräsidenten statt. Die griechischen Journale halten Krieg nur für eine Frage der Zeit, selbst nach einer Entscheidung deS Schiedsgerichts für unvermeidlich.
Hessen-Nassau.
Marburg, 12 Januar. (Strafkammersitzung) Es kamen folgende Fälle zur Verhandlung: 1) Der Kaufmann Gg. Matthäi dahier war beschuldigt und geständig, nach seiner Entlassung als Direktor der Hessen-Nassauischen Viehverstcherungs-Gesellschast einem Versicherten zwei während seiner Amtöthätigkeit noch ausgefertigte Versicherungs-Dokumente ausgeliefert und dafür M. 1,80* eingenommen zu zu haben und wurde deshalb vom Schöffengericht dahier wegen Betrug zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt, wogegen derselbe Berufung eingelegt hatte. In der heutigen Verhandlung wies nun der Angeklagte durch Vorlage des KassabucheS nach, daß er die fraglichen M. 1,80 sogleich in dasselbe eingetragen und dagegen nach seiner Entlassung noch über M. 60 für die Gesellschaft ausbezahlt habe, führte bann ferner aus, daß feine Entlastung eine statut- und rechtswidrige sei und er dagegen den ihm zustehenden Rechtsweg beschritten habe, und daß in der erhobenen Be- schuldigung auch nicht eins, der zu einem Betmg erforderlichen vier Kriterien zu finden sei. Dieser Verteidigung deS Angeklagten gegenüber bemühte sich die Staatsanwaltschaft vergebens, die Anklage aufrecht zu erhalten, denn der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Angeklagten an und sprach denselben kostenlos frei. — 2) Der Bergmann Conrad Heuser von EbSdorf, besten Frau und dessen Bruder, der Wagner Michael Heuser von da, stehen unter der Anklage deS strafbaren Eigennutzes. Geladen und erschienen sind 13 Zeugen. Als Verteidiger fungiert Herr Dr. AppeliuS. Aus der Anklage und den amtlichen Feststellungen ergiebt sich, daß der Angeklagte Heuser, der in 1878 ein Kaufmannsg schäft in Ebsdorf betrieb, in Gemeinschaft mit seiner Frau und seinem Bruder in Zeit von 4 Monaten eine dreimalige Verwözensverschiebung, sowohl der Mobilien wie Jmmobllien, vorgenommen und zwar, wie sich auS den ganz bestimmten Zeugenaussagen ergicbt, nur um die Gläubiger, die ihn verklagt hatten, um ihr Geld zu bringen. (Die Schulden betrugen mehrere tausend SDiarf.) Die Staatsanwaltschaft geht be» Näheren
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