Nr. 18.
Marburg, Freitag, 14. Januar 1881.
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In dieser Zeit der Verwirrung wurde nun die Zuversicht ausgesprochen, daß „klärende Ereignisse" nicht ausbleiben würden, welche den inzwischen von den Gegnern verdunkelten Sinn unv Zweck der Steuerreform aufhellen und der zersetzenden Thätigkeit der Gegner den Boden entziehen würden.
Ein solches klärendes Ereignis ist inzwischen in der Vorlegung deö neuen Verwendungsgesetzes im Hause der Abgeordneten erfolgt. Als ein solches ist dieses Gesetz deshalb zu betrachten, weil es über die Ziele der Steuerpolitik der Regierung Klarheit verbreitet und vor Allem den Einwand schlagend widerlegt, daß die weiteren Reformen statt Steuererleichterungen nur Vermehrung der Ausgaben und neue Belastung deö Volks bringen würden. Der Entwurf verbürg! — entsprechend der im vergangenen Sommer in Koburg unter den verbündeten Regierungen erzielten Verständigung — die unverkürzte Verwendung der aus dem Ertrage neuer oder erhöhter Reichssteuern auf Preußen fallenden Geldsummen teils zum Erlaß der Personalsteuern für die ärmeren Klassen, teils zur Entlastung der Kommual- verbände. Zur Erfüllung dieses doppelten Zweckes — eines Erlasses von Steuern und einer Ausstattung der Kreise mit reichen Mitteln — macht sich die Regierung durch ihren Gesetzvorscklag verbindlich. Es soll hiermit dir schon längst angestrebte teilweise Umwandlung des direkten Steuersystems in das indirekte angebahnt werden.
zur Seite standen, und auf deren ausdrückliches Verlangen auch in Bezug auf die Steuerreform der jetzt innegehaltene Weg betreten wurde, werden sie in dieser hochwichtigen Frage den Einfluß wahrm wollen, den sie bis jetzt im Einvernehmen mit der Regierung geübt haben. Sie werden ihre Mitwirkung nicht von den Ereignissen aus anderen, fremden Gebieten abhängig machen, sondern zunächst thun, was gut und für das Volk nützlich ist, wodurch allein sie auch ihre Gesamtstellung und ihren Einfluß auf die nationalen^ Geschicke sichern können.
r "Gärende Ereignisse" abzuwarten, mögen
sie sich selbst durch entschlossenes Handeln, durch thatkräftige Verstanbigung mit der Regierung „klärende Ereignisse" schaffen und hierdurch sich den Dank der Regierung und des Volkes erwerben. (Prov.-Corr.)
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Nnnoncen-Bureaur von LH, Dietrich L Co. io Raffel und Hannover; Tb.
Klärende Ereignisse.
Das vergangene Jahr^ hat das Werk der Steuerreform um keinen thatsächlichcn schritt der Vollendung näher geführt. Es wurden im Frühjahr nur die von der Regierung hierbei verfolgten Ziele im Allgemeinen festgestellt. Der Reichstag glaubte seinerseits die Reform aufschieben zu sollen, vorzüglich um ein klareres Urteil über die.bisherigen Ergebnisse der Zoll- und Steuerreform, soweit sie bis dahin durchgeführt war, sowie über die Bedürfnisse der Einzelstaaten, denen die weitere Reform zu Gute kommen sollte, un> über die Zwecke der Verwendung der durch neue Steuern zu erzielenden Einnahmen zu erhalten.
Die hierdurch in der Reform eingetretene Panse, welche ursprünglich nicht im Sinne der verbündeten Regierungen lag, ist von den grundsätzlichen Gegnern dazu benutzt worden, teils um das Urteil der Bevölkerung über die Wirkungen der neuen Wirtschaftspolitik, soweit sie praktisch geworden war, besonders unter Hinweis auf Naturereignisse, die außerhalb der Berechnung jeder Politik liegen, zu verwirren, teils um die weiteren Pläne der Regierung zu durchkreuzen, daß sie dieselben als auf eine Ueberbür- dung und Mehrbelastung des Volks, vornehmlich der ärmeren Klassen, berechnet, fälschlich hinstellten. Statt einer Klärung schien die Pause einen Rückschlag, der sich namentlich in einigen Wahlergebnissen bemerkbar machte, herbeigeführt zu haben.
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Deutsche» Reich.
n derliv, 12. Januar. Die heute erschienene „Prov.- Corresp. bringt an der Spitze des Blattes die Dank- fchrelben unseres Kaisers auf die Glückwunsch-Adressen der städtischen Behörden von Berlin und knüpft daran die nachfolgenden Worte: „Diese bedeutungsvollen Worte haben offenbar einen tiefen Eindruck gemacht, möge es überall im Sinn und Geist des Kaisers der Fall sein. Es ist jungst die zwanzigste Wiederkehr der Thronbesteigung unseres Fürsten dadurch an dieser Stelle gefeiert worden, daß an alle die Wohlthaten, all das Große, welches seinem ^olke m dieser Zeit zu teil geworden, erinnert und durch den Rückblick auf die Vergangenheit auch da» Vertrauen zu dem König und seinem obersten Ratgeber neu zu be-
, en versucht wurde. Weit entfernt, eine Erörterung über bte feit zwanzig Jahren verfolgten Wege für nötig zu erachten, wurde vielmehr das Jubiläum des Kaisers als eine erwünschte Gelegenheit wahrgenommen, um dem Tagesstreit uoer die Wege der Regierung und der Parteien zu entsagen und aus den erhabenen Erinnerungen jener Reit neue Kraft für die Zukunft zu schöpfen. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, wie die Geschichte unseres Kaisers zur Genüge lehre, daß die wahren Interessen deö Staates und des Volkes nicht immer von denen, welche sich besonders als ihre Verteidiger ausgeben, am besten begriffen werden, und, wenn uns jetzt zugestanden wird, daß sich der Verständigung zwischen Regierung und Volksvertretung in den ersten Jahren der Regierung unseres Königs Hinder- msse entgegengestellt haben, so hoffen wir, daß auch gegenwärtig die Mißverständnisse und Hindernisse der Verstän- mgung überwunden werden und daß das Volk mit dem König die Zuversicht hege, „daß im einträchtigen Zusam- menwirken aller Kräfte des nationalen Ledens das Riet
«l der Wohlfahrt des Ganzen bte Wohlfahrt bcS Einzelnen umfaßt." Wir hoffen dies um so fester, als bas Gesamtbilb bes Kaisers in Wahrheit
„Senfe bit, Fteba!" — sich mir znwendenb — „fünf Francs 1 In London kostete die Reparatur noch 3 L. und dann hatte ich bett schönsten Spitzenvolant, ben ich besitze! — Als bu baS letztemal in Lyon warst, Mark, hast bu ba ben alten Kuriositätenladen dort auch wieder ausge- lucht v °
„Rein, es mangelte mir an Zeit. Doch erinnere ich tnt$ noch sehr gut des ersten Males, als wir da waren. O, wie bos der arme, gute James war, daß wir unser Gelb so verschwenbeten für „unnütze wertlose Scherben " tote er mein herrliches Limoges-Email nannte!" ' c „Und so gieng es weiter uub weiter noch, durch ein halbes Dutzend solcher Reiseerinnerungen.
Ich begann mich dabei sehr überflüssig zu fühlen. Meine spanische Spitze sowohl, wie meine Entrüstung war diesem gleichmütigen Manne gegenüber, der meine Existenz einfach zu ignorieren schien, entschieden umsonst.
gähne und beginne, in dem vergeblichen Ver- such, nur auf eigene Hand Unterhaltung zu verschaffen, die Bilder an den Wänden zu betrachten, trotzdem mir dieselben alle wohlbekannt sind. Mir kommt der Gedanke daß ich meine Verlobung nicht mit solcher Hast hätte zu annoncieren brauchen. Kapitän Thistlcby scheint nicht e nrnal geneigt, mir die gewöhnlichen, gesellschaftlichen Artigkeiten zu erweisen. Vielleicht, sage ich mir, liebt er grofec Mädchen, mit kastanienbraunem Haar und grauen Augen nicht. Vielleicht zieht er pikante, kleine Blondinen, wie Bella, mit roten Wangen und milden blauen Kindet- augen vor. Vielleicht — und hier blsckt er auf und bemerkt, daß ich ihn anschaue. Verwirrt richte ich meine Augen auf meinen Teller und das Blut steigt mir in die Wangen, heiß und verräterisch.
Frei»«.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Autorisirte Uebersetzung.)
(Fortsetzung)
2 Kapitel.
Das Musterbild.
„Miß Cliffvrd Kapitän Thistlcby: — und hier ist das Esten bereit", sagt Bella.
Ich verneige mich steif. Ich bemerke kurzes, braunes Haar, große Figur und flüchtig den Blick dunkler wunderschöner Augen; ferner ein komisches Heben der Brauen Bella's, als sie mein etwas auffallendes Kostüm wahrnimmt.
„Nun, wie sollen wir es anfangen?" überlegte unsere Wirtin. „Zwei Damen und nur ein Herr. Ich denke Freda, da du die jüngere Dame der Gesellschaft bist, daß Mark dich zu Tische führt."
Ich trat kühl zurück.
„O, nein, Liebe! Wenn ein Mädchen verlobt ist, zählt sie nicht mehr", das sagte ich in möglichst verletzendem Ton.
Kapitän Thistleby bot mit größter Ruhe Bella ben Arm unb ich folgte ihnen; ich gestehe es, ein wenig verletzt. Kaum, daß wir bei der Suppe waren, so begann Bella, die schreckliche, ihre Schachzüge.
„Welch' wunderschönes Spitzen-Fichü Kind! Wo hast du das her? Und wie kommt es, daß ich es bis jetzt noch nicht gesehen habe? Wahrhaftig die schönste spanffche Spitze, die ich je gesehen! Mark, du bist ja ein Kenner von Spitzen, besieh nur einmal Miß Clifford's Tuch."
Frankfurt c M., Bertis Leipzig ääta tu; Rudolf Ließt in Berkin, AruM-
Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & Co. in
Diese Ziele haben schon vor Jahren des Oefteren in Kundgebungen und Programmen der konservativen wie nattonalllberalen Partei im Allgemeinen feierlich Billigung erhalten ; fetzt sind sie zum ersten Male in bestimmter Weise festgestellt worden; zugleich werden von der Regierung in diesem Gesetz Bürgschaften geboten, wie fßnuen Ct verfassungsmäßiger nicht gedacht werden
Gleichwohl hat ein Teil der liberalen Presse, vornehmlich freilich die secessionistische und fortschrittliche, dem Gesetzvorschlag gegenüber eine verneinende und ablehnende Haltung eingenommen und das Wort zur Empfehlung einer dilatorischen (hinausschiebenden) Behandlung desselben er- gnsfen, indem sie einwendete, daß erst neue Steuern be- Egt werden müßten, ehe man über ihre Verwendung Beschluß fassen könne. Da dieselben Stimmen im Früh- Ur des vergangenen Jahres erklärten, man müsse erst Bürgschaft für die Zwecke der Verwendung haben, ehe man neue Steuern bewilligen könne, so ist ersichtlich, daß von dieser Seite die Ablehnung der Steuerreform überhaupt befürwortet und also die Steuererleichterung unb Entlastung ber Kvmmunalverbände von der Hanb gewiesen wirb.
Doch scheint uns der Schluß übereilt, daß auch die Mehrheit deö Abgeordnetenhauses sich auf diesen Stand- f“1™ Hellen wird. Es liegt nichts vor, was zu dieser An- stcht berechtigt, und am allerwenigsten kann aus Bemerkungen einiger Blatter, welche ben Anschauungen ber Sccessionisten
ju nähern suchen, ein Rückschluß auf die zukünftige Haltung der gemäßigten Parteien zu dem Verwendungsge- fetz im Besonderen, wie zu der Steuerreform und zur Re- giemng im Allgemeinen gezogen werden. Nach dm früher von den Führern der Mehrheit anfgeftellten Wünschen unb Bedingungen ist viel eher auf eine zustimmende Haltung Mn dieser Seite aus jetzt zu rechnen. Freilich liegen hier- fur bisher noch ebensowenig bestimmte Zeichen unb Anhalispunkte vor, wie für bas Gegenteil.
Die gegenwärtige politische Lage ist also noch nicht ganz geklart. Es bebarf noch ,ines anberen „klärenden Ereignisses . Die Regierung hat ihrerseits ihre Ziele in aus weitere Steuern durch das Verwendungsgesetz bestimmt, Hetztest die Reihe an den einzelnen Parteien auch ihrerseits Stellung zu nehmen und keinerlei Rweifel mehr aufkommen zu lassen über ihre Bereitwilligkeit die von ihnen früher gebilligten Grundsätze der Steuerreform gu bringen“10"1'^111611 "" b” ^gierung zur Ausführung
Möge dieses „klärende Ereignis" bald eintreten. Die 45011« des Wartens, des Dingens unb der Zugeständnisse suh" nur zu weiterer Verwirrung, zu Mißverständnissen unb zu lahmendem Mißtrauen.
Die Parteien insbesondere, welche ber Regierung bei ber Cnttoicfelung der nationalen Einrichtungen vorzugsweise
In bieser Weise aufgefordert, geruht Kapitän Thistleby seine Augen nut zuzuwenben; das heißt eigentlich nut meiner Schultet, während mit diese Inspektion das Blut nach und nach in die Wangen treibt.
„Eine sehr gute Sorte," sagt er, als seine Musterung beendet ist, zu Bella, ohne auch nur einen Blick nach meinem Gesichte zu richten; eine Mißachtung, die mich sehr unangenehm berührt. ’
„Sie erinnert mich lebhaft an jenes Stück, Bella, bas wir damals in ber kleinen, schmutzigen Straße, hinter ber Via babunu, in Rom kauften. Erinnerst bu bich, wie verlesfen bu darauf warst? Du warft gleich bei ber Hand, ,. »rs- dafür zu geben, während ich fünfundsiebzig und kernen Sou mehr bot."
"iJa, als du mich, beinahe in Thränen, aus dem Laben zogst, m ber guten Absicht, daß ich nicht betrogen würbe und die Alte uns nachher, wir waten fast schon am Ende der Straße, mit dem Ruse nachgelaufen kam: „Prendete lo, bignora , unv mir die Spitze, in ein altes Stück Papier gewickelt, fast nachwarf."
„Das war aber doch nichts gegen den Handel zu «erona tn jenem elenden Krämerladen, wo wir in der eines Erkers den ganzen Haufen alter, kostbarer Spitzen entdeckten!"
„Richtig, du fragtest nach Lichtern, Kaffee, Tabak und der Himmel weiß nach welchen anderen Dingen, um nicht gu verraten, woraus wir es eigentlich abgesehen hatten. Ich glaubte immer, du würdest bei all' deinem Umschweifen nie auf die eigentliche Sache kommen!"
„Und hast schließlich doch das Ganze für fünf Francs erhalten, undankbare Frau!" '
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