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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von Tb. Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Kankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Kranlsurt c M., Berlin, Lripzis, LA»Rudolf Mosst in Berlin. Arant» fitf <4 l,< r

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Anzeigen nimmt! entgegen die Expedition d. Blatte« sowie d- Annoncen-Bureanr von @. 8- Daube & Co. in

Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst«; Hermanu'sche Buchhandl. daselbst; Jnoalidendant in Berlin: W LhieneS in Elberfeld: 4. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageZlustrirteS LonntngSdlatt" durch die Expedition CK och'fche Suchtruckeret) bezogen S; Mark, durch die Postämter des Deutschen Reichs 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet- *

V 68 fortschrittliche Abäaderuugs-An träge.

Es ist bereits mitgeteilt worden, daß aus den Kreisen der Fortschrittspartei von nationalliberaler Seite sind jetzt auch 5 derartige Anträge eingegangen bis heute bereits 68 Abänoerungs-Anträge für die zweite Beratung des Zuständigkeitsgesetzes gestellt worden sind und es wurde gleichzeitig betont, daß die Motivierung und Beratung dieser Anträge die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses in hohem Grade vct schleppen müßten.

Wenn man berücksichtigt, daß das Zuständigkeitsgesetz in erster Beratung einer Kommission überwiesen und in dieser einer gründlichen Erwägung unterzogen wurde, so sollte es eigentlich Wunder nehmen, an dem Entwürfe, wie er aus der Kommisstou wieder an das HauS gelangt ist, nun von den in ver Kommission in der Minorität Gebliebenen in kleinlicher Weise herum,efeilt zu sehen, wo­bei man sich durch eine so große Zahl von Abänderungs- Anträgen dem Verdachte aussetzt, als wollte man durch Verschleppung der Verhandlungen die Erledigung sowohl dieses als auch noch vorliegender anderer Stoffe nach bester Kraft unmöglich machen. Im Allgemeinen hat die Kom­missionsberatung doch nur den Zweck, die spätere Beratung im Plenum abzuküizen, nicht aber daS Ziel im Auge, nachdem die Kommission wochenlang einen Gesetzentwurf durchberaten und denselben nach den Ansichten der Majo­rität so gestaltet hat, wie diese ihn für des Landes Wohl am Besten hält, nunmehr denselben in der Plenarberatung in den einzelnen Paragraphen umstoßen zu wollen und dadurch den Beschlüssen der zu seiner Beratung niederge­setzten Kommission gewissermaßen gar keine Bedeutung beizulegen.

Sollte dies eigentümliche Verfahren der Fortschritts­partei feststehender Gebrauch in den Parlamenten werden, so wären künftig alle Kommissionsberatungen überflüssig und man würde besser thun, über die einzelnen Gesetzent­würfe nur noch im Plenum zu verhandeln.

Der fortschrittliche Akt, welcher sich durch die Einbrin­gung von 68 Abänderungs-Anträgen Seitens der Herren Hänel und Dirichlet deutlich mattiert, wird hoffentlich das Seiuige dazu beitragen, in weiten Kreisen auf eine, wie es scheint,berechtigte Eigentümlichkeit" der Fortschritts­partei aufmerksam zu machen, eine Eigentümlichkeit, die sich dadurch besonders kennzeichnet, daß es den Herren des sogenannten Fortschritts weniger um Erzielung praktischer und greifbarer Resultate, sondern vielmehr nur darum zu thun ist, ihre wenig einflußreiche Stellung, welche sie im Hause der Abgeordneten einnehmen, dahin auszubeuten, daß sie durch recht viel bedeutungslose Reden, Jnterpella- ttonen und Anträge in der Bevölkerung den Glauben zu verbreiten suchen, als wären sie besonders beflissen, das Wohl des Landes zu vertreten, während sie in Wahrheit

1 . . 1 1*1 .1.....

Freda.

Roman von Emily Cameron.

Deutsch von August Frenzel.

(Autorisirte Uebersetzung.) (Fortsetzung)

Diese Heirat war lediglich eine Liebesheirat. Sie lebten sehr glücklich zusammen, bis zu der traurigen Zeit, da Mr. Thistleby, während einer Reise durch Italien, in Turin von einem typhösen Fieber ergriffen ward und starb.

Während des ersten Jahres ihres Witwenstandes sah ich meine frühere Mitschülerin wieder. Damals war sie sehr niederg schlagen und kränklich. Ich that mein Bestes sie zu trösten und aufzuheitern unv nach einiger Zeit erholte sie sich; sie erhielt ihre volle Gesundheit und damtt ihren Frostnn und ihre natürliche Lebhaftigkeit wieder. Sie ward mir sehr zugethan, und nun waren wir seit mehr als drei Jahren schon intime Freundinnen. Bella meinte es sehr gut mit mir. Sie war eine angenehme, und sehr vermögende Frau, hatte ein schönes Haus in der Stadt, außerdem diese Villa zu Seaclifft, und größefte Freude daran, ihre arme Freundin mit Geschenken und Güte zu überhäufen. Jedes Jahr brachte ich so viel Zeit, als ich in dem Haushalt meines alten Vaters erübrigen konnte, bei ihr in London ober in Seaclifft zu; mitunter besuchte sie uns auch, was bei den mannigfachen Be- schränkungen unseres Haushaltes, im Vergleiche zu dem luxuriösen Uebetfluß ihres eigenen, gewiß sehr freundlich von ihr war.

Eigentümlicherweise hatte ich, während der ganzen Zeit unserer Freundschaft, ihres Gatten jüngsten Bruder, Mark Thistleby, nie gesehen. Er befand sich größesten Teils mtt feinem Regimente auswärts, und war er in Urlaub zu

dies Wohl durch eine derartige Verschleppung der Ver­handlungen erheblich schädigen.

Die Bevölkerung das bleibt zuversichtlich zu hoffen wird bald zur Erkenntnis kommen, daß ihre Wohlfahrt durch die Fortschrittspartei und bereit Auftreten unmöglich gefördert werden kann und daß sie sich von dieser Partei der steten Verneinung gänzlich lossagen muß.

Dealsches Strich.

* Berti«, 10. Januar. Der Reichstag hatte be­schlossen, eine Anzahl von Petitionen wegen Versetzung einzelner Ortschaften in höhere Seivisklafsen dem Reichs­kanzler zur Erwägung zu empfehlen. Dieser hat sich nun mit den bezüglichen Bundesregierungen ins Vernehmen gesetzt, in Folge dessen jetzt dem Bundesrat eine Verord­nung vorgelegt worden ist, derzufolge die Orte Belgard, Bremerhaven, Detmold, GohliS bei Leipzig, Mühlhausen in Thüringen, Mühlheim am Rhein, Weißenfels, Weitmer (Reg.-Bez. ArnSberg), Wipperfürth und Zeitz in höhere Servisklassen aufrücken sollen. Rach demBerliner Tageblatt" soll der Volkswirtschaftsrat am 20. Januar zusammentreten. Diese Mitteilung ist, wie ich höre, un­richtig. Ein Termin für die Einberufung ist schon des­halb noch nicht anzugeben, da die Ernennungen der Mit­glieder des Volkswirtschaftsrats noch nicht vollzogen sind. Bekanntlich hatte vor mehreren Jahren tie hiesige Staatsanwaltschaft es abgelehnt, die Aufstellung des Totali­sators bei den Rennen zu verfolgen. In neuerer Zeit hat die Ausdehnung feiner Benutzung, besonders bei den Rennen in Weißensee bei Berlin zu einer anderweitigen Prüfung ber Frage veranlaßt, ob bie Errichtung und Benutzung des Totalisators eine strafbare Handlung enthalte. Der Staatsanwalt bei dem hiesigen Landgericht II hat nun, wie man weiß, in Uebereinstimmung mit dem Oberstaatsan­walt zunächst die Inhaber von Rennplätzen davon in Kenntnis gesetzt, daß allerdings bei der Benutzung des Totalisators eine strafbare Handlung vorliege und deshalb die strafrechtliche Verfolgung in Aussicht stehe. Das Mi­nisterium des Innern hat nun Anlaß genommen, abgesehen von jener Verfügung, direkt sämtliche Polizeibehörden dahin anzuweisen, daß sie daö Spielen am Totalisator fernerhin nicht zulasten, bezw. polizeilich verhindern. Außer dem Totalisator selbst haben sich noch andere Gewerbebetriebe im Anschluß an denselben eingeschlichen, namentlich der Betrieb des sog. Bookmakers, welche sich in der Nähe des Totalisators mit Erlaubnis des Vereins etablierte und dem Publikum Wetten in beliebiger Höhe offerierte, und zwar so, daß sie sich erboten, die Höhe eines gemachten Einsatzes mehrfach zurückzuzahlen für den Fall, daß ein bestimmtes Pferd gewinne. Noch andere Geschäftsleute wußten das Publikum durch anderweitige Operationen im Anschluß an den Totalisator auszubeuten. Man wird

London oder zu Seaclifft, so war dies stets zu einer Zeit gewesen, in der ich nicht dort war. So hatte sich ein Zusammentreffen nie gefügt, obgleich Bella davon und von ihm beständig sprach. Jetzt sollte er aber zu seiner Schwägerin nach Seaclifft kommen und ich dieses Muster­bild heute Abend noch sehen.

Ich liebe im Ganzen so vielgerühmte und tadellose Menschen nicht. In der Regel entsprechen sie unseren Erwartungen und den enthusiastischen Beschreibungen ihrer Freunde nicht im Geringsten. Meistens sind sie gewöhnlich und uninteressant und man fragt erstaunt, was an ihnen denn eigentlich so Bewundernswertes ist.

Bei Bella's Schwager erwartete ich keine Ausnahme meiner Erfahrung; und doch war ich mir einer gewissen Neugierde bewußt, als ich mit der Toilette beschäftigt war und mein altes schwarzes Seidenkleid anlegte, welches ich boshafter Weife diesen Abend tragen wollte^ Ich malte mir aus, wie Kapitän Thistleby wohl auösehen möge.

Ich wußte das voraus. Ein Kavallerie - Offizier I Kannte ich diese besondere Art nicht gut genug sehr gut?

Ziert sie nicht alle ein langer Schnurrbart, haben nicht alle leichte Manieren, mäßigen Verstand und prah­lendes Auftreten? Setzen sie alle nicht Alles daran, bei jedem Mädchen mehr ober weniger lockere Eroberungen zu machen? Flattern sie nicht von Einer zur Anderen in der Einbildung Jede schmachte nach ihnen? Warum sollte dieser Eine anders sein, als alle Uebrigen? Bella, die liebe Seele! ist gerade eine Fran, die an solchen Männern Gefallen hat und für sie schwärmt.

Inzwischen höre ich all den Wirrwarr, den gewöhnlich eine Ankunft im Hause verursacht. Die Thürschelle er­klingt, man vernimmt Hin- und Hergehen.

daher das Aufheben desselben mit Freuden begrüßen. Den Eisenbahndirektionen ist bei Aufstellung der Fahrpläne wiederholt eine sorgfältige Berücksichtigung auch der lokalen Interessen zur Pflicht gemacht worden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat neuerdings die Direktionen, nament­lich diejenigen der Staatsbahnen darauf hingewiesen, baß dieselben bei aller pflichtmäßigen Oekonomie es doch ganz besonders als ihre Aufgabe zu betrachten haben, den Ver- kehrSintereflen zu nützen und daß sie deshalb die Pflege des Lokalverkehrs sich besonders angelegen sein lassen. Die Betriebsämter sollen ihre bezügliche Wahrnehmungen den Direktionen Mitteilen und diese sich über die in Betracht kommenden Interessen sorgfältig informieren. Schon bei der nächsten Fahrplanaufstellung soll diese Anordnung die gebührende Berücksichtigung finden.

Der gewählten Subkommission der Unterrichts- Kommission des Abgeordnetenhauses war ein auf Vereini­gung sämtlicher Kassen zielender Gesetzentwurf, den der Regierungskommiffar privatim ausgearbeitet hatte, vorgelegt worden. Mit diesem hat sich in den letzten beiden Sitzun- gen die Kommission eingehendst beschäftigt. Die Mehrheit war zwar zunächst der Ansicht, in ber Beratung ber Re­gierungsvorlage fortzufahren, da es unmöglich anginge, eine reine Privatarbeit des Regierungskommissars zur Grund­lage der Kommissionsverhandlungen zu machen. Da aber der Abg. Dr. Schläger diesen Verschmelzungs-Gesetzentwurf als seinen Antrag aufnahm, so mußte die Kommission dieser Frage doch näher treten. In der gestrigen Sitzung der Unterrichts-Kommission gab ber Referent eine genaue Darlegung der Gründe für und gegen solche Verschmehung, und seinen Bedenken, die vor Allem rechtlicher Natur waren, schlossen sich sämtliche Redner mit weiteren Ausführungen an, so daß bei der Abstimmung Niemand sich für bie projektierte Vereinigung erhob, weder der Antragsteller, noch die zwei Herren, die in früherer Sitzung derselben das Wort geredet hatten. Wir hoffen, daß man in weiten Kreisen der Beteiligten diesen Beschluß, bei dem Festhalten an 250 Mark als Minimalsatz der Pension, mit Freude begrüßen wird.

Darmstadt, 9. Januar. Gestern fand im Beisein des Großherzogs, der fürstlichen Kinder, der Prinzessin Karl und des Prinzen Alexander die feierliche Einweihung des für dieAliceschule" errichteten Gebäudes statt. Wie die verstorbene Großherzogin Alice durch Förderung und Aus­bildung des sogenannten MauerhospitalS und durch Grün­dung eines WaisenvereinS den Kranken und Waisen ihre Fürsorge zugewandt hatte, so war sie auch durch die Grün­dung einer Industrieschule bestrebt gewesen, Mädchen durch methodischen Unterricht im Nähen, Zuschneiden u. f. w. die Möglichkeit lüchtiger Ausbildung in diesen Fächern und damit einen etwa erwünschten Erwerbszweig zu sichern. Schon bei Lebzeiten der hohen Gründerin hatte diese An-

Bella läuft aus ihrem Zimmer, den Korridor entlang nach dem Flur. Es wird gelacht und gesprochen, Gepäck abgeladen und in das Hans gebracht. Darauf höre ich Bella mit ihrem Gaste herauf kommen. Sie zeigt ihm anscheinend fein Zimmer. Beide gehen dicht an meiner Zimmerthüre vorbei, beide zu gleicher Zeit schwätzend unb dann werden mehrere Thüre zugeworfen. Schweigen folgt dieser Bewegung im Hause. Ich weiß, der Erwartete ist glücklich in seinem Zimmer, um sich zum Essen anzukleiden.

Nachdem ich nach und nach meine Toilette beendet ha' e, ^ffne ich die Thüre und schaue hinaus. Es herrscht tiefe Sttlle. Ich bedenke, daß es doch sehr unangenehm sein würde, von Kapitän Thistleby im Saale allein ge­funden zu werden, ohne Jemand, uns gegenseitig vorzu­stellen. Deßhalb ziehe ich mich zurück und beschließe zu warten, bis ich sicher bin, daß Bella ihr Zimmer verlaffen hat. Nach einigen Minuten höre ich ihre Thüre öffnen und gehe nun der Treppe zu.

Sie giengen vor mir zusammen bie Treppe hinunter unb über das Geländer blickend, sah ich auf ihre Köpfe hinab, welche von ber Hängelampe hell beleuchtet waren.

Grade wie ich mir's gedacht hatte; kurzes Haar, Schnurrbart, Gang und Haltung prätentiös natürlich! Und Bella spricht und in dem Schrecken, welcher mich bei dem Klange ihrer Worte erfüllt, vergesse ich es ganz und gar, noch weitere Betrachtungen über Kapitän Thistleby's Person zu machen.

Ich bin so froh, daß du sie endlich sehen wirft! Lange habe ich das gewünscht; sie ist bie richtige Frau für dich, Mark", sagte die abscheuliche, verschmitzte, ränke­volle, böse Frau.

Liebes Kind, erwartet sie, daß ich ihr'den Hof mache?