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ttarburg, Mittwoch, 12. Januar 1881.
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Die «xped. 6. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
A Berlin, 10. Januar. Der LandwirtschaftSrat wird unter Anderem verhandeln über die Handels - Verträge Deutschlands in ihrer Beziehung zur deutschen Landwirtschaft, über die Eisenbahn-Tariffrage, die Versicherungs- Gesetzgebung für das Reich, insbesondere die Arbeiter- Versicherungskassen, die Vorschläge für Abhülfe der Nachteile deS Freizügigkeitsgefetzes und über die Erhöhung der Branntweinsteuer. — Der Minister der Landwirtschaft hat gegenwärtig genaue Berichte über die ländlichen Fortbildungs-Anstalten und deren Gedeihen eingeforvert, welchen ein weiterer Fortgang gegeben werden soll. Die Schwierigkeiten, welche sich von vornherein entgegenstellten, waren in einzelnen Landesteilen schneller als in anderen zu überwinden, wobei denn auch auf die landwirtschaftlichen Vereine gerechnet worden. — Ucber Bremen« Stellung zu den beabsichtigten preußischen Eisenbahnräten war die dortige Handelskammer mit dem Minister der öffentlichen Arbeiten in Verhandlung getreten, weil, wie aus der ersteren Jahresbericht erhellt, die Verwaltung der bremisches Gebiet berührenden Bahnen, wie auch seines eigenen Eisenbahnbesitzes in den Händen preußischer Staatsbahndirektionen liegt und Bremen ohne Sitz und Stimme in jenen Eisenbahnräten hätte bleiben sollen. Der Minister hat die bereiteste Berücksichtigung allerdings nur in den Bezirksräten zugesagt, dagegen die Teilnahme der Gesuchsteller an dem Landesrat abgelehnt, weil letzterer über das preußische Finanzinterlsse berührende Fragen befinde, hierbei aber nur preußischen Vertretern eine Stimme bewilligt werden könnte. Ob unter dies n Umständen nicht wenigstens eine beratende Vertretung der bremischen Interessen im Landcseisenbahnrate zu er" reichen sein wird, ist noch nicht entschieden. — Mit dem 1. d. M. ist ein neuer Gütertarif (Teil II, die besonderen Bestimmungen sowie Kilometer-Entfernungen und Frachtsätze enthaltend) in Kraft getreten, und zwar für den direkten Verkehr zwischen sämtlichen Stationen der Ostbahn einerund Stationen des Eisenbahndirektionsbezirks Frankfurt am Main und der zum Eisenbahndirektionsbezirk Hannover gehörigen Main-Weserbahn andererseits, demnächst zwischen
Frcva.
Roman von Emily Cameron. Deutsch von August Frenzel. (Auiorisirte Uebersctzung.) (Fortsetzung)
„Ja, das ist meine Meinung I Und ein kleiner Einfaltspinsel bist du noch außer dem! Als ob nur jene beiden Männer in der Welt wären, Kind, daß du dich in solcher Eile wegwerfen mußt! Mit zwanzig Jahren wirst du doch nicht schon befürchten, alte Jungfer zu werden? Und du gedenkst doch auch nicht dein ganzes Leben in1 Slopperton zuzubringen, vermute ich. Zum Kukuk, kannst du nicht warten?" '
„Gerade das kann ich nicht", antwortete ich, in meiner guten Laune durch ihren Ungestüm ein wenig verletzt. „Ich kann nicht warten. Papa ist ein alter Mann, und alle Bequemlichkeit, alles Glück seines Lebens hängen von meiner Heirat ab. Er ist sein ganzes Leben lang von Geldnöten geplagt worden und im Alter bekommt die Armut schlecht. Es ist meine Pflicht, ihm etwas Bequem- lichkeit und Ruhe für seine alten Tage zu schaffen. Wenn du sagst, daß ich Mr. Curtis seines Geldes halber heirate, so hast du ganz Recht, — aber du weist auch sehr aut, für wen ich daS thue."
Danach ging ich wieder zu meiner alten Liebhaberei über, gegen bie, Fensterscheiben zu trommeln.
Bella empfand augenscheinlich Reue. Sie stellte sich zu mir, hätschelte mich, als wolle sie das Gesagte wieder gut machen, nahm meinen Arm und nannte mich ihren kleinen Liebling; als sei ich ein Kind, statt einen Kopf größer wie sie selber.
Dann sagte sie mit einem tiefen Seufzer, über den ich
den Hauptstationen der Ostbahn und Stationen der lothringisch-luxemburgischen Bahnen. Durch diesen Tarif werden teils Ermäßigungen, teils Erhöhungen der seitherigen Frachtsätze eingeführt und verschiedene Gütertarife aufgehoben, so unter anderem der Teil II des Staatsbahn- Gütertarifs, der Teil II des mitteldeutschen Verband- Gütertarifs, soweit der Verkehr zwischen Ostbahnstationen und Stationen der Saarbrücker, Rhein-Nahe-, Lothringisch- Luxemburgischen, Main-Weser-, 'Frankfurt-Bebraer und Nassauischen Lahnen in Betracht kommt. Ebenmäßig ist mit dem 1. d. M., unter Aufhebung des bisherigen mitteldeutschen Verbandtarifs, ein neuer Tarif in Kraft getreten, welcher den Verkehr zwischen den Hauptstationen der Ostbahn und Stationen der Oberhessischen, Main-Neckar-, Hessischen, Ludwigs-Pfälzischen, Elsaß-Lothringisch-Lnxem- burgischen und badischen Staatsbahn enthält. Außerdem kommen im Rahmen des mitteldeutschen Verbandes Ausnahmesätze für die Eisenartikel des Specialtarifs II von Stationen westlichen Verbandes nach Ostbahnstationen zur Einführung. Auch durch diese neuen Tarife werden teils Ermäßigungen, teils Erhöhungen der bisherigen Frachtsätze eingeführt, sowie auch direkte Verkehrbeziehungen mehrfach aufgehoben und andere eingeführt. Ausgeschlossen von der Aufhebung im mitteldeutschen Verbände bleiben vorläufig noch die Sätze für den Verkehr von und nach den würt- tembergischen Staatsbahnen, den Bodenseeplätzen, badischen Bahnen, der Deutz-Gießener Bahn u. s. w.
— Der am 17. Januar in Berlin zusammentretende Deutsche LandwirtschastSrat wird über folgende Gegenstände verhandeln. 1. lieber Handelsverträge des Deutschen Reiches mit anderen Nationen und zwar in ihren Beziehungen zur deutschen Landwirtschaft; 2. Stand der Eisenbahntariffrage; 3. Einrichtung von Zuchtvieh- Prüfungsstationen durch die landwirtschaftlichen Centralstellen; 4. Bericht der Kommission für die Reichsversicherungsgesetzgebung, insbesondere über die Verstcherungskassen der Arbeiter; 5. das Untechützungswohnsitzgesetz vom 6. Juni 1870 und Vorschläge für die Abhülfe der aus dem Freizügigkeitsgesetz entstandenen Nachteile; 6. Errichtung eines Volkswirtschastsrats; 7. nach den Verhandlungen im preußischen Landtage in Aussicht genommene Erhöhung der Branntweinsteuer; 8. das Abdcckereiwesen und seine Regelung; 9. die Erhaltung der städtischen Fäkalstoffe für die Landwirtschaft; 10. die Emanation eines Reichsgesetzes zum Schutze nützlicher Vögel; 11. die Frage einer von der Reichsregierung zu veranlassenden Untersuchung über die Entwickelung der landwirtschaftlichen Produktion der Vereinigten Staaten Amerikas und ihrer Konkurrenz für die deutsche Landwirtschaft; 12. Antrag des landwirtschaftlichen Hauptvereins Pofen; die Sammlung, Zusammenstellung und Veröffentlichung von Monatsberichten über den Saatstand Deutschlands durch den Ge neralsekretär betreffend.
lachen mußte, da unsere Angelegenheit gar nicht zum Seufzen angethan war: „Gewiß bist du gut und aufopfernd, aber du kannst noch leichten Herzens so sprechen. Würdest du dich in irgend einen Mann verlieben, so würdest du Mr. Curtis nicht heiraten; nicht einem Dutzend alter Väter zu lieb!"
„Ich bin aber in Niemand verliebt und — wahrhaftig, Bella — habe auch bis jetzt noch keinen Mann gesehen, den ich lieber hätte, als George Cnrtius. Ich ziehe ihn wirklich jedem anderen Manne, den ich noch gesehen habe, vor; — das genügt doch sicher."
„Warte nur bis du Mark gesehen hast."
„Aha! das ist also das Ziel, all' deiner Reden, Frau Heiratsstifterin!" rief ich amüsiert; mich vieler kleinen Pläne ähnlicher Art erinnernd, die meine Freundin zu meinen Gunsten schon gemacht hatte. „So hast du diesen fesselnden Schwager also wohl nur meinetwegen hieher eingeladen?"
„Du wirst in ihn noch arg verliebt werden;" antwortete sie mit einer Feierlichkeit, die mich laut und anhaltend lachen machte.
„Erinnere dich Bella, daß mein Besuch bei dir übermorgen zu Ende geht. Ein einziger Tag in Kapitän Thistleby's bezaubernder Gesellschaft wird aber doch kaum hinreichen, gleich den verzweifelten Schritt zu wagen, mit ihm drrchzugehen."
Ohne sich durch meinen Spott beirren zu lassen, sagte Bella eruü: „Du wärst grade die richtige Frau für ihn." „Aber er ist nicht der richtige Mann für mich. Ueber- dies, wenn er es wäre, so bin ich doch mit einem Anderen verlobt und o.aS mach: alle weiteren Pläne zu Schanden."
Nun ändert die kleine böse Frau plötzlich den Ton.
— Dem Volkswirtschaf tsrat wird eine Vorlage über anderweitige Regelung des JnnungSwesens zugehen, welche sich ziemlich eng an die Beschlüsse des Reichstags über den Antrag v. Seydewitz und Genossen anschließen soll. Es wird über die Grundgedanken des Entwurfes, welcher auf der Basis der fakultativen Innung beruht, folgendes berichtet:. Diejenigen, welche gleiche oder verwandte Gewerbe selbstständig betreiben, können zu einer Innung zusammentreten, ein Zwang zum Eintritt in die Innung finbet nicht statt. Die Teilnahme an ber Innung kann von statutarisch festzustellenden Voraussetzungen abhängig gemacht, insbesondere kann die Zurücklegung einer bestimmten Lehrlings- und Gesellenzeit, sowie die Ablegung von Gesellen- und Meisterprüfungen, sowie die Zahlung eines Eintrittsgeldes gefordert werden. Wo Meisterpruffmqen gefordert werden, dürfen sich dieselben nur auf den Nachweis ber Befähigung zur selbstständigen Ausführung der gewöhnlichen Arbeiten deS Gewerbes beziehen. Nach Maßgabe des Statuts kann sich die Thätigkeit der Innung erstrecken auf die Leitung und Aufsicht über ihre Fachschulen, die Abnahme von Gesellen- und Meisterprüfungen und Ausstellung ber desfallstgen Zeugnisse, bie Aussicht über die Lehrlinge ber Jnnungsmeister, insbesonbcre die Entscheibung über bie Aushebung ober Dauer bes Lehrverhältnisses, die Aufsicht über die Gesellen der Jnnnngsineister, insbesondere über die von Gesellen zu führenden Legitimationen, die Verwaltung der Kranken-, Hilfs-, Spar- und Jnvalidenkassen der Innung, die Fürsorge für die invaliden Gesellen, sowie für die Wittwen und Waisen der Jnnungsmitglieber, die Vermittelung zwischen Jnnungsgenossen bei gewerblichen Streitigkeiten. Durch die höhere Verwaltungsbehörde kann nach Anhörung der Gemeindebehörde Innungen die Aufsicht über das gesamte Lehrlings- und Gesellenwesen ihres Gewerbes übertragen werden. Den Innungen steht die Wahl für die Schiedsgerichte, sowse die Mitwirkung bei der Leitung öffentlicher Fachschulen zu: die Landesbehörden erlassen die Normativbestimmungen für die Bildung neuer oder die Umwandlung schon bestehender Innungen.
10. Jan. Wie die „Kieler Zeitung" meldet, ist ber Kontreadmiral Kinderling auf sein Ansuchen zur Disposition gestellt und der Viceadmiral Bätsch zum Chef der Marinestation der Ostsee ernannt worden. Interimistisch führt der Kontre-Admiral Mac-Lean die Geschäfte des «Ltationschefs. — Der Kronprinz von Schweden passierte gestern, von Amsterdam kommend, Kiel und begab sich mit dem deutschen Post-Dampfer nach Korsör. — Der deutsche Post-Dampfer „Kronprinz Friedrich Wilhelm" ist glücklich hier erngebracht worden.
. t Essen, 10. Jan. Wie die „Essener Zeitung" erfährt, hat sich auf ber Zeche Graf Schwerin bei Castrop durch das Reißen der Feuerplatte eines Dampfkessels ein be- dauernswerter Unfall ereignet. Das heftig ausströmende
„Liebling, Freda," sagte sie einschmeichelnd, „heute zu Tisch wirst du dich recht schön machen, nicht wahr? Du ziehst dein hübsches blaues Grenadine-Kleid an, welches dir so gut steht; nicht wahr mein Schatz?"
„Was? Weil dieser junge Herr kommt? Ganz gewiß nicht! Mein altes, schwarzes Seidenkleid, das ich , schon ewig trage, genügt für ihn vollkommen. Nichts mehr, nichts weniger!" und das bestätigte ich mit einem entschiedenen Schlag der Hand auf den Tisch vor mir um Bella zu beweisen, daß keine Macht der Erde mich dazu bringen würde, von meinem Ultimatum auch nur eilten Zoll abzugehen. Mrs. Thistleby fügte sich mit Seufzen.
«Er wird in einer halben Stunde hier sein,1 sagt sie. „nach der Uhr sehend." 1 U ' '
„Dann will ich in mein Zimmer gehen."
Noch die halbe Treppe hinaus bestürmt Bella mich mit erneuten Bitten, wenigstens ein farbiges Band anzulegen, und mich doch ein Bischen schön zu machen! Aber ich schüttele mit verstockter Hartherzigkeit den Kops und schließe mich ein, um ihr zu entgehen.
Wir standen damals zu einander wie Spielkameraden gleichen Alters; denn Bella, obgleich sie sechs Jahre älter war als ich, glich diese Altersdifferenz durch ihre kleine, zierliche Figur und anmutige, jugendfrische Art völlig aus.
Vor Jahren waren wir zusammen in der Schule gewesen , konnten, unserer Verschiedenheit nach, damals aber kaum Freundinnen genannt werden.
Fast unmittelbar nachdem Isabella Morris die Schule verlassen hatte, heiratete sie Mr. James Thistleby und dadurch verlor ich sie für einige Jahre aus den Augen.
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