Nr. 8.
Marburg, Dienstag, 11. Januar 1881.
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I änjetgen nimmt entgegen: '> Sie Expedition d.Blatte», t- fotcie b Ännoncen-®ureou$ . von LH, Dietrich L Co. in Reffet und Hannover; Th. Di strich in Frankfurt a.M.; Haaieuftein & Bögler in cantfort a >X. Berlin, Lripriz, 65la u. ; Rudolf >-är§e is Zrriiu, Araut- f''t1 c 'n j.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition 6. Blatte» sowie d. Anuoneen-Btlreaux von ®. L- Daube & 6c. in Frankfurt a- M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'fche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidrndank in
Berlin; W. Thienes is
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Bestellungen für das 1. Quart«! 1881 der Merhkssischen Zeitung mit deren Gratisbeilage
IllustrikteS Sonntagsblatt
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KE Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Das neue Berwendungsgesetz.
Dem preußischen Abgeordnetenhause ist vor Weihnachten der Entwurf eines Gesetzes zugegangm, daS einen weiteren schritt bildet auf dem Wege, welchen der Reichskanzler zur Erreichung und Vollendung seiner Steuerreformpläne eingescklagen hat und den Namen „Verwendungsgesetz* erhielt, weil es Bestimmungen enthalt, nach welchen die aus etwaigen Mehreinnahmen des Reiches entstehenden Summen in Preußen verwendet werden sollen. Schon jetzt existiert ein solches „Verwendungsgesetz" — es ist vom 16. Juli 1880 — in welchem bestimmt wird, wie die aus den Erträgen der Tabaksteuer und der Zölle erwachsenden und auf Preußen fallenden Summen verbraucht werden sollen. Das neue Gesetz bestimmt nun in Kürze folgendes: Die Mittel, welche infolge der Einführung neuer oder infolge der Erhöhung bestehender Reichssteueru aufkommen, werden, so weit sie auf Preußen fallen, unverkürzt zu nachfolgenden Zwecken verwendet: Die Klassensteuer wird für die vier untersten Stufen außer Hebung gesetzt und e» werden damit alle, die nur ein Einkommen unter 1200 M. jährlich haben, von der Klasiensteuer befreit; die Klassensteuer der übrigen acht Steuerstufen, so weit sie nicht nach dem Gesetz vom 16. Juli 1880 unerhoben bleibt, soll den Kreisen überwiesen werden; den letzteren soll auch die Hälfte des etatsmäßigen Betrages der Grund- und Gebäudesteuer zufallen. Die spezielle Verwendung soll so geschehen, daß ein Drittel der vurch Bewilligung neuer oder Erhöhung bestehender Steuern für Preußen disponibel werdenden Mittel zunächst dem nach dem Gesetz vom 16. Juli 1880 verfügbaren, auf die vier untersten Stufen der Klassensteuer entfallenden Erlaßbetrag zuzurechnen und mit demselben zum Erlaß der Steuer dieser Stufen bis zu deren vollem Jahresbetrag zu verwenden, der Ueberschnß dieses Drittels aber auf die Kommunalverbände nach dem Verhältnis des Veranlagungssolls an Klassensteuer der 5. bis 12. Steuerstufe (d. h. der Stufen die 1200 bis 3000 M. Einkommen umfasfen) für das betreffende Jahr zu verteilen ist. Die übrigen 2 Drittel der Einnahmen der neuen oder erhöhten
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fNachdruck verboten.s
Freda.
Roman von Emily Cameron.
Deutsch von August Frenzel.
(Autorisirte Uebcrsetzung.)
Kapitel I.
Bellas Plänchen.
Ich, Friederike Clifford — zwanzig Jahre alt, fünf Fuß vier Zoll groß, schlank, von frischer Farbe, mit grauen Augen, Stumpfnase, kastanienbraunem, einfach geflochtenem und zu einem schlichten Knoten geschlungenem Haar, — stehe am Fenster und trommle ungeduldig auf den Scheiben.
Mrs. Thistleby und ich sind den ganzen Nachmittag schon an das Zimmer gebannt und lange ertragen es Frauen, auch die besten Freundinnen, nicht, ohne Abwechselung oder ernste Beschäftigung bei einander zu leben. Unsere — Bellas und meine — Laune ist deshalb auch nicht die beste.
Die Abenddämmerung kommt; es ist nahezu sechs Uhr.
Meine Freundin, die am Klavier Platz genommen hat, spielt sehr resolut einen Walzer von Strauß. Ihr An- schlag ist unsympatisch und hart; das wurde ihr in der Schule schon zum Vorwurf gemacht. Eben hämmert-sie- wütend darauf los!. Ich habe sie im Verdacht, daß ‘ sie * ebenso gerne auf meinem Kops, wie auf dem Instrument' herum pauken würde, drehe ihr daher den Rücken zu und' schaue zum Fenster hinaus. h
Die Aussicht ist keine besonders anmutige. Die witE zigen, mit grünen Fensterladen versehenen Miethäuser deS kleinen Strandortes schauen dämmerhaft und trist durch den strömenden Regen zu mir herüber. Die Badekarren sind sämmtlich in eine Reihe bis dicht unter den Steindamm herausgezogen, die Klippen in der Ferne schimmern
Reichssteuern werden an die Kreise nach dem Verhältnisse des Veranlagungssolls an Grund- und Gebäudesteuer bis aus die Höhe des Sollbetrages der Grund- und Gebäudesteuer verteilt.
Die preußische Regierung hat dies Gesetz deshalb vorgelegt, weil in der vorigen Reichstagssession die damaligen Steuervorlagen hauptsächlich deshalb abgelehnt wurden, weil man Garantieen forderte, daß dieselben auch wirklich zur Ermäßigung der direkten Steuern in den Einzelstaaten und nicht zu neuen Reichsausgaben verwendet wurden. Mit diesem Gesetze will die preußische Regierung ihrerseits solche Garantieen bieten und dem Reichstage also den damaligen Grund, mit welchem man die indirekten Steuervorlagen bekämpft, aus dem Wege räumen. Ferner will die Regierung durch diese Vorlage dem Volke zeigen, daß es der Regierung mit der Steuerreform ernst ist und daß die indirekten Steuern wirklich die Erleichterung der drückenden direkten Steuern bringen sollen. Die Gegner der direkten Steuern haben immer geltend gemacht, daß dieselben vorzugsweise die großen konsumierenden Volksmassen treffen. Bis zu einem gewissen Grade ist daS richtig, obgleich die indirekten Steuern auf der andern Seite auch die Steuerlast wieder vielfach gleichmäßiger verteilen als die direkten Steuern. Der Wirtshausbruder und Tagedieb, welcher sich den direkten Steuern entzieht, und sie wie seine eigene Unterhaltung den Gemeinden überläßt, wird durch die indirekte Steuer, welche auf den Genußmitteln liegt, gezwungen, ebenfalls diese Steuer mitzutragen. Aber immerhin muß manche indirekte Steuer mehr von der mittleren großen Volksmaffe als von den reicheren getragen werden. Als Ausgleich schlägt nun die Regierung die Verminderung bez. Beseitigung der direkten Steuern für die ärmeren und mittleren Volksklaffen vor und diese würden es sicherlich als eine große Wohlthat empfinden, wenn sie nicht mehr vom Steuererheber und Steuerexekutor belästigt würden. Die neuen inoirekten Steuern, welche die Regierung Übrigens vorzuschlagen gedenkt, wie namentlich die Börsensteuer, würden gerade von den reichen Volksklassen zu tragen sein. Gerade bei den direkten Steuern kamen die ärmeren und mittleren Volksklaffen schlechter weg als die reicheren, weil das Einkommen der ersteren, namentlich der Bauern und Handwerker, viel leichter erkennbar ist, als das Einkommen des reichen Mannes namentlich der Kapitalbesitzer. Bei der Steuereinschätzung kommen die ersteren deshalb immer schlechter weg, als die Reichen. Die indirekte Steuer dagegen muß jeder tragen, und sie trifft die, welche von den Dingen Gebrauch machen, auf welche sie gelegt ist. Wer feine Weine trinken und feine Cigarren rauchen will, muß auch die auf diesen Dingen liegende indirekte Steuer zahlen; wer von diesen Dingen keinen oder geringen Gebrauch macht, braucht die Steuer nicht zu zahlen. Deshalb ist die indirekte Steuer an sich viel gerechter und sittlich
als undeutliche, graue Masse durch den Nebel und das ganze weite Meer ist weggewischt. Ein ober zwei Regenschirme bewegen sich langsam durch die Anlagen; aber keiner kommt bis zu unserem Hause, das ganz am Ende des kleinen Badeortes, abgelegen von der Häusergruppe desselben steht. 1 ö
Das viereckige Gärtchen, welches unser Haus vom Strande trennt, gewöhnlich ein lachendes Blumen-Parterre, tft heute ein Platz der Verwüstung: die Kiespfade sind in Gl-sbäche verwandelt; die Petonien und Fuchsien senken ihre beschmutzten Köpfe in den Schlamm; die roten Geranien in den steinernen Vasen auf der Terrasse sind beinahe weggewaschen, und an der Statue der Flora, in der Mitte des Gartens, rieselt unaufhörlich ein Strom von Regen herunter, während von ihrer schmutzigen, steinernen Nase monoton dicke Tropfen herabspritzten.
Bei solchem Wetter ist entschieden von allen trübseligen Plätzen in der Welt Mrs. Thistleby's Sommer-Residenz am Meer der allertrübseligste.
Mit einem kräftigen Schlage endet plötzlich der Walzer und meine Freundin springt mit einer Hast von dem Instrument auf, daß der Klavierstuhl umstürzt.
»Freda", ruft sie, „du wirst mir doch nicht sagen wollen, daß dir auch nur im Geringsten etwas an dem alten Curttus liegt 1"
„Meine liebe Bella", antwortete ich, mit einiger Verwunderung mich umdrehend, „wie meinst du das?"
„Meinen? O es ist eine Sünde und Schande für ein junges Mädchen wie du, sich an einen Mann wegzu- toerfen, der alt genug ist, um ihr Großvater zu fein. Du mit deiner Schönheit könmest jeden haben, Freda — jeden!"
«Meine Schönheit, wie du zu sagen beliebst, könnte
begründeter als die direkte Steuer. Es ist nur dafür Sorge zu tragen, daß sie nicht bloS, wie der Liberalismus will, auf wenige Artikel, welche massenhaft gebraucht werden, sondern daß davon besonders auch die Dinge in ent- sprechend hohen Sätzen betroffen werden, welche vorzugsweise die reichen Volksklaffen in Gebrauch haben. Die Steuerreformpläne des Reichskanzlers, welche darauf hin- ausgehen, die Einnahmen des Staates und Reiches hauptsächlich aus, indirekten Steuern zu beziehen und die direkten besonders für die großen Einkommen der reichen Volksklassen als Ausgleich für die indirekten Steuern bestehen zu lassen, welche vorzugsweise die ärmeren Volksklaffen treffen, verdienen deshalb die Sympathie des Volkes, und wir hoffen, daß trotz der liberalen Agitation diese Erkenntnis immer weitere Volksklassen durchdringen wird
, Deutsches «eich.
. berlru, 8. Januar. Das Dankschreiben des Kaisers auf den Glückwunsch des Magistrats anläßlich des Jahreswechsels lautet; Ans der beim Jahreswechsel Mir vom Magistrate gewidmeten Adresse habe Ich mit Genug- thuung ersehen, wie es dankbare Anerkennung gefunden hat, daß durch Meine und Meiner Regierung Bemühungen der Friede in Europa erhalten worden ist. Unter Gottes gnädigem Beistände werde Ich auch ferner nicht aufhören, auf die Fortdauer der friedlichen Verhältnisse hinzuwirken; Ich werde Mich freuen, wenn sich als Frucht der Segnungen des Friedens die Steigerung der geistigen wie materiellen Wohlfahrt des deutschen Volkes ergiebt. Dem Magistrat für seine Segenswünsche, welche, wie für Mich, so auch für die bevorstehende Vermählung Meines Enkels in herzlicher Weise ausgesprochen wurden, aufrichtig dankend, gebe Ich gerne dem Beifalle Ausdruck, welchen Ich der umsichtigen, das Wohl der Bürger fördernden Leitung und Verwaltung der Hauptstadt Meines Reiches zolle. — Fürst Bismarck ist heute Nachmittag um 5 Uhr hier angekommen. — Ueber da» der Regierung zur gutachtlichen Aeußerung vorliegende Projekt zur organischen Reform der direkten Steuern in Preußen erfährt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", dasselbe sehe von einer radikalen Umgestaltung des bestehenden Steuersystems ab, wolle aber letzteres verbeffern und ergänzen, und gehe von dem Grundsätze aus, daß neben der Besteuerung des persönlichen Einkommens durch die zu einer einheitlichen Steuer umzuge- ftaltenbe Klaffen- und Einkommensteuer, die Erträge von sachlichen Vermögensquellen, des Grundvermögens, des gewerblichen und ZinSkapitals einer dem Maße der Leistungs- ahigkett entsprechenden erhöhten Besteuerung zu unterwerfen seien. Die Reform der Einkommensteuer bezwecke wesentlich die einheitliche Regelung der Personalstener, die schärfere Heranziehung der Einkünfte aus den Mobilien und Kapitalien, sowie ein vereinfachtes, verbessertes Verglich einen hohen Preis auf dem Heiratsmarkte haben vorausgesetzt, daß irgend jemand danach Verlangen trägt. Du vergißt aber Bella, wie sehr beschränkt die Zahl reicher Freier in Sloperton ist. Erlaube mir, diese mißliche Tatsache in dein Gedächtnis zurückzurufen. Für mich giebt es auf der einen Seite nur die Bewerbung Mr. Gibson'S unseres Pfarrers, deffm weltliche Güter jährlich 150 L. und nicht mehr betragen; dazu Wohnung in einem drei- zimmerigen Häuschen auf dem Gemeinde-Anger, vorne hin imS mit der Aussicht auf einen Entenpfuhl und hinten mit der Perspektive auf die im Winde flatternde ober auf bei Bleiche liegende Familien - Wäsche seiner Pfarrkinder. Diese Annehmlichkeiten sind allerdings verlockend; auf der anderen Seite steht meines Vaters ältester Freund, dem ich große Verehrung zolle, Eddington - Hall's, eine der schönsten Besitzungen in der Grafschaft, und seines beträchtlichen Vermögen« nicht zu gedenken I Würde irgend ein
t7en,.fbaS fe.inc fünf Sinne beisammen hat, in der Wahl zwischen diesen beiden Bewerbern auch nur einen Augenblick schwanken?"
„DaS hätte ich nicht von dir gedacht, Freda. Du heiratest also nur des Geldes wegen I"
„DaS thue ich allerdings," lautete meine ruhigeErwiderung.
Ob dieser Antwort verfällt MrS. Thistleby in wahre Wttth. Sie springt auf und schreitet pathetisch, die Nase stolz erhoben, im Zimmer umher. Plötzlich kehrt sie sich mir zu, und ruft ungestüm: „Du wärst im Stande, Kind, die Geduld einer Heiligen auf die Probe zu stellen. Muß man nicht von dir denken, daß du eine berechnende hohlherzige, weltlich gesinnte, verabscheuungswürdige —"
„Bella — Bella l" rufe ich lachend, und halte mir die £^rcn 3U- (Fortsetzung folgt )