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ÄfflTOurj, Sonntag, 9. Januar 1881.

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GrrMchr ZeitW

«erhalten klar und scharf logisch rechtfertigen zu können.

fo sehr, wie nur irgend einer; aber der schweren und ver- annvortungsvollen Sünde, jemals einem Bettler ein Stück Geld gegeben zu haben, weiß ich mich nicht schuldig!" - Run noch ein Wort, mit dem wir denjenigen beizu- mpn ftnftort St» «a r:__ic____ .. P. , ?

ober gar eine Familie ohne die gereichte'Unterstützung zu i kU*«l ^e.^en tourb.c- Um alles weitere kümmert das Ge--

6etme*it'£*e Buch-an-l.' daselbst; Jrrvalrdeadam us Cirüer i3. Xjicne? in Elberfeld; 6. tzchlotrr in

Deutsches Reich.

"krliu, 7. Januar. Es ist schon neulich bemerkt

Karuedal.

Skizze nach dem Leben von Hritz Stahlberg-Lex.

(Schluß).

Verzage nicht, mein geliebtes Weib", flüsterte Richard seiner Gattin zu,heute noch will ich die verlangte Arbeit anfaligen. Wie der Trank der Lethe soll mich Dein Kuß alle Sorgen vergessen machen, und noch im Laufe dieser Woche gedenke ich den Aufsatz an die Redaktion einzusenden, die keinen Anstand nehmen wird, mit auf meinen Wunsch im Voraus Honorar zu zahlen. Voraussichtlich reicht dieses hin, um den Doktor und den Schuhmacher zu br- friedigrn. Also Mut, mein Engel! Hat nicht Fritzchen gerufen?" 0

Hand in Hand eilen beide in das Nebenzimmer wo der Kranke erwacht ist und sich in seinem Bettchen halb aufgerichtet hat. v

Mama! Wasser!" stammelt eine heisere Kinder- stimme.

Hastig greift die Hand der Mutter nach dem Wafler- glase und bringt es dem Kleinen an die heißen Lippen, die das kühlende Naß gierig schlürfen. Matt sinkt dann das Köpfchen in die Kiffen zurück.

Mit besorgten, angstvollen Blicken betrachtet das Eltern- Paar den kranken, vom Fieber geschüttelten Einzigen. Die Wanduhr im Vorderzimmer schlägt neun. Beim ersten Schlage hat die Mutter das Arzneifläschchen ergriffen, füllt mit seinem Inhalt den daneben liegenden Thcelöffel und flößt den Heiltrank dem Patienten ein.

Unruhig wirft sich dieser im Bettchen herum. Die Rote auf dem lieblichen Gesichtchen wird immer intensiver, reichlicherer Schweiß perlt auf der glühenden Stirn und

roeMje sich noch vollständig mit ihrer Hände Arbeit durch- zuschlagen vermögen, gar manche Bedürfniffe, denen ein Menschenfreund zweckmäßig abhelfen mag. ES giebt wahr- lich zum Himmel schreiende Bedürftigkeit, wie solche in den Kreisen der eigentlichen Bettler gar nie zu finden ist, die schwere Menge. Wen wir aber mit alledem noch nicht zu Überzeugen vermochten, dem wollen wir ein hierher ge- horiges Wort eines der edelsten Menschenfreunde/die je gelebt haben, mit auf den Weg geben. Der Bischof Wilber- force, der große Förderer der Sklaven-Emanzipation sagte tn leinem Alter einmal (wir eitleren aus dem Gedächtnis, der Wortlaut wird also etwas anders sein):Ich bin ein

Nun die christliche Wohlthätigkeit. Wir haben den Nachweis geführt, daß die absolute Gefahr des Zugrunde- gehens für keinen Bettler vorhanden ist; wir haben gezeigt daß der Bettel an und für sich eine tiefe Gesunkenheit voraussetzt, und sehr rasch das bischen moralische Kraft zerstört, welches der Bettelnde anfangs vielleicht noch be- seffen hat. Wir haben nur noch kurz darauf hinzuweisen, wie sehr der Bettel fortwährend die besten Absichten der L>taatsregierung und Staatsverwaltung durchkreuzt und in einem verhängnisvollen Zusammenhänge damit steht, wenn die üblen Resultate unserer Sozialgesetzgebung sofort in so freffender, giftiger Weise in die Erscheinung treten. Und unter solchen Umständen soll es christliche Wohl- und Mild- thätigkeit fein, trotzdem frisch darauf los Almosen zu geben? Das scheint uns denn doch eine sehr vage und einseitige Auffassung dessen, was das Evangelium über die den Armeli zu gewährende Hilfe sagt. Verwehren wir es denn irgerw jemandem, wohlthätig zu sein, d. h. hinzugehen in die Hutten der Armut und unter selbstverleugnender Ein­setzung der eigenen Persönlichkeit zu helfen, zu raten und zu bessern? Aber ist das Wohlthätigkeit, dem fremden, jedenfalls indirekt, möglicherweise aber auch ganz direkt ge­meinschädlichen Bettler eilig und mürrisch ein paar Pfennige ober ein Stück Brot zu geben unb sich dann nicht weiter um ihn zu bekümmern? Ist das Wohlthätigkeit, lieber bei ber Demoralisierung ganzer Gesellschaftsklassen unb bei der j Großfütterung der furchtbarsten sittlichen Gefahren für unser ganzes Volk lustig mitzuhelfen, als die kleine Unbe­quemlichkeit auf sich zu nehmen, einen Bettler scheltend von seiner Tbür gehen zu sehen? Wir nennen ein solches lvvtutll VUf. Verfahren Trägbeit unb Mangel an moralischem Mut, Anerkennuna aber nicht christliche Milde! Wer wirklich Barmherzig- 1 ö

feit üben will, ber findet dazu Gelegenheit genug und übergenug; er braucht zu diesem Behufe noch nicht einmal in die Klasse derverschämten Armen" herabzusteigen,

ES ~ " unb zum zweiten Male stürzt er nach

ber ^urejunb jum zweiten Male kehrt er um, von einem schrillen Schrei des Kinbes znrückgeriffen.

Wie von einer Feber wirb ber zarte Körper desselben von einem plötzlichen Krampfanfall in die Höhe geschnellt! wAkI^-fr ? aufeinander gepreßten Zähnen dringt w$aUm ^vor, geisterhaft weit öffnen sich die bunAen Augen, ein zweiter Schmerzensschrei, bet bett Gatten entri"9t ber heftig atmenden Brust, bann fallt schwer em Leichnam auf bas Lager zurück Des kleine Herz hat aufgehört zu schlagen, die gerochenen ÄnmÄrffr ausdruckslos bte Mutter an, bie sich halb ohnmächtig über bett toten Liebling wirft.

~ starren Schmerzes steht bet Vater neben dem Totenbette. Kerne Thrane enströmt dem heißen Auae E ^e blutlosen Lippen, murmeln ein klagendes:Gott,' womit st das verdient?" - Endlich ermannt er sich ?toaI; zücht er bie trostlose Mutter von ber ßetdje, bie sie mit bitteren Thränen benetzt, in seine Pe,on stin wild schlagendes Herz. Jetzt 2 stch auch sein starrer Schmerz in glühende Thränen auf, welche über seine bleichen Wangen auf den üppigen Lockenkopf feiner Gefährtin hinabrollen. ®

ü Richard, warum hat uns Gott dieses gethan!" Melanie, mein armes, süßes Weib, fasse Dich! Gott hat unfern Kleinen lieber noch als wir."

Hier oben schlagen zwei Herzen im namenlosen Schmerz aneinander, wahrend von bet Straße herauf das Schellen­geläute voruberjagenber Schlitten^ tönt, beten Insassen sich m einem Taumel beS Genusses in ben anderen stürzen, und aus dem Nachbarhause mit dem weiten

Armenpflege steht ihr dabei nicht nur nicht im Wege, sou- dern wird es ihr sogar aufs lebhafteste danken, wenn manche beginnende Verarmung aufgehalten, manche er- öschende moralische Kraft neu belebt wird. Aber die öffent- dlrrmnpfl ge kann aus Gründen der Staatsordnung b" Nationalität verlangen, daß man ihr nicht in ihr ©ebiet, dasjenige ber Abhilfe absoluter Not, hineinpfusche. Hier soll von der öffentlichen Armenpflege, und nur von chr, vorgesorgt werden unb bie Verwendung öffentlicher Mittel hierzu, die ja doch unter allen Umständen statt- finden muß, wird um so rationeller sein können, je mehr wirklich dieses ganze Gebiet rein und voll über= M 2tl'° ~ H^"b weg davon, Menschen vor dem Hunger schützen zu wollen, beim das geht den Staat an! Daß der gesamte Bettel in dieses Gebiet hineiufällt, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden.

Anzeigen nimmt entgegen: Me Erpedirion d.vlattes, owu d.Amwncen-Bureaux von Td. Dteteich L Co. in Raffel and Hannover; 32 Dietr-ch in gtantfrirt a.M.. paatenftein & Bögler in Jwnthwt öX, Errim cuieii, 661* t;.; Rudolf öff* 1» r'rcü* <11 «n.

fDjcifcnb entströmt der Atem der keuchenden Brust. Düsteres schweigen herrscht in dem Krankenzimmer. Eine entsetz­liche Angst spiegelt sich auf dem Gesicht ber Mutter, bie sich über ba« Kind beugt unb eine Hand auf bie Stirn beqelben legt, während sie mit der anderen die Rechte deö Men" Umt ammert' besstn Lippen im verhaltenen Schmerze

Mama, liebste Mama! brücke meinen Kopf nicht Kinb ° e$r' snwmert das von Schmerzen gepeinigte

Mein armer, süßer Engel!"

»Fditzchen will ja artig sein, Mama, wird nicht springen nicht auf der Treppe trampeln, nimm nur die Hand fort' O, wie Deine Hand brennt, Mama!" Knirschend schlage« die vom Krampf erfaßten Zähnchen an einander, em verzehrendes Feuer glänzt aus den dunklen Kinder­augen unb bie kleinen Hänbe durchwühlen baö schweiß- feuchte Blondhaar. w B

Ein krampfhaftes Schluchzen erschüttert den schlanken Körper ber Mutter.

Richard, ich glaube das Fieber wirb stärker," wendet st5. stch °n.deu bleichen Vater,steh' nur, wie bas Gesicht glüht. Mochtest Du nicht den Arzt--*

Dieser hat schon ben Ueberrock ergriffen.

M "21.8 ist die Krisis," murmelt er unb will zur Thüre htnaussturzen. Einem neuen Gedanken Raum.'gebend,

Er still-Doktor B. ist, wie ich genau weiß,

Nicht zu Haufe sondern in der Ressource, und bis ich dahin gelange, vergeht eine starke halbe Stunde. Soll ich lieber--?" w

gdjon hat sie ihr Geldtäschchen herausgenommen und reicht s ihm mit den hastigen Worten:Hier - Nacht-

Luzeigen nimmt- entgegen die Expedition d.lvlcvtteS sowie b. Annoncen-Baremir »on 8- Taube &60. in

Ä ?fS u°b. Z AusstellungSkosteii eine Beihülfe von 10,000 Mark zu

^ür tn ^r Skp-d-tion zuercheilende Auskunft ^altene'rf^Jff00'^*

Bestellungen für das 1. Quartal 1881 der

SderheMschen Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JUusitrirte» LonntagSbiatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

___ Die Expeo. S. Oberh. Zeitung.

Ein Wort über -en Vettel.

II.

doch noch zu sehr jede Andeutung, wie bie national- liberale Partei ben Steuerreformplan zu gestalten bezw £u, erlassen gedenkt. Es ist unerwünscht und bedenklich daß bte sezesiionistischen Organe zur Zett in biefer Frage baß Hauptwort führen. Da stößt man balb :oitf btt 61 £ar feine Steuerreform nötig, bald Äußerung, bas Hauptziel bet der Steuerreform muffe die Erweiterung des Budgetrechts des Reichstaas und namentlich des Preußischen Landtags sein; bald wirb auf die Gneist sche Broschüre hingewiesen, balb wirb baS Bedenken laut, ob man nicht bei einer Entlastung bet großer Sünder und 'bebaue?''«0« 'Äerlfeit I mÜen^n^'" ^^ie, als ob die Kom- fo sehr, wie nur iraenx PHlPt* nKsv Ko* tot------ett I Enalauflagen allein von solchen Leuten getragen würden

D m allen gegenüber möchte man wohl wünschen, daß seitens der iiauonal - liberalen Presse etwas geschähe, auch in ihrem Leserkreise das Verständnis zu verbreiten weshalb I -°ch m.», Z

Verhalten klar und scharf logisch rechtfertigen zu können welcher .Anzeichen, hervortreten, auf

Die öffentliche Armenpflege faßt nur einen Punkt ins wirt ^.e Verständigung für möglich gehalten

Auge: bie absolute Bedürftigkeit, den Fall, daß ein Mensch führt hU ? mine Dlskussion zu ber Einsicht ober gar eine Familie ohne die gereichte Unterstützung z? » D-rwendungsgesetz, wie es vorliegt,

gründe gehen würbe. Um alles weitere kümmert das Ge- daß S ekentltie M5ht®6 ^st ja nicht zu verkennen,

setz sich nicht und überläßt das ganze ungeheuere Gebiet Verständigung in den Landtags- und

welches hierdurch frei gelassen wird, der Privat-Wobltbätia' erfolgen muß, aber etwas mehr

kett. Hier also möge letztere sich n^tfaltfn bie ßTÄÄr F anzutreffen ist, scheiM

Armonk- .°^osfenttlche | Nicht nur von Nutzen, sondern fast unentbehrlich zu sein

Die Ankunft des Fürsten Bismarck wird die Enttchei- dung über mancherlei Vorlagen bringen, von denen es bislang ungewiß war, ob sie an den Reichstag gelangen ronrben. _ Es gehört dahin, wie man hört, auch die Vor- lage bezüglich der Einführung zweijähriger Budget- und vte^ahriger Legislaturperioden. Diese Aage wird denn S °uf die Lösung einer damit zusammenhängenden fr roe^c bie Einberufung des Reichs- tages vor dem Landtage, also im Herbst, und bie Zurück- Verlegung des EtatsjahreS auf den 1. Januar betrifft ?eMrU9Cba2tUbai9ffetmil! bCd Rechnungsjahres mit dem niÄnm die Erwartungen einer Erleichterung doch nicht erfüllt und es liegen bereits dem Abgeordnetenbause Anträge aus Rückkehr zu dem früheren Verfahren vor. Dieselben werden bet der dritten Beratung des Etats im «ä es* bie

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