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Der Anzeigen nimmt entgegen: den edle Expedition d.vlatte«, sowie b.Snnonten-guüeaui

7. ' von Ld, Dietrich & Eo. in toa/T Raffel un6 Hannover; Th. habe Dietrich in Frankfurt a.M.; teidi Haafenstein L Bögler in Hranlfurt a- M., Berlin.

»PA Se'PLis. Wln Rudolf Stoß« in SfeUm, Arast-

v fiat e. 3)1. ic.

jHarÖurg, Freitag, 7. Januar 1881.

XVI. Mj

(DlicrliÄic Leitung

Anzeigen nimmt' entge^ die Expedition d. Blatte sowie d.Aanoncea-Bureaur von E. 8- Daube L So. in Frankfurt a- M; JLger'sche Buchhandlung Laselbß,: Hermanrrfchr Buchhandl. daselbst; Jnvalidendauk in Berlin; W ThieneS i» Slderfeld; S. Schlotte in

Arenen

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJluftrtrtrS Lontttagdblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'r Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Ps,. Für in der Expedition zu ertdeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet

Bestellungen für das L Quartal 1881 der Merhessischen Zeitung mit deren Gratisbeilage

JüustrirteS Sonntagsblatt

bitten wir baldigst machen zu wollen.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Zur Geschichte der Steuerreform.

Die Gegner der Finanz- und Steuerpolitik stellen den auf die Verwirklichung und Durchführung derselben gerich­teten, von der Regierung vorgeschlagenen gesetzgeberischen Maßnahmen teils den Einwand entgegen, daß die Ziele dieser Politik nicht klar genug daliegen und daß deshalb die Regierung Klarheit hierüber verbreiten muffe, teils er­heben sie den Vorwurf, daß die an die Bewilligung der indirekten Steuern und Zölle geknüpften Versprechungen von der Negierung nicht erfüllt seien und daß auch weitere Reformen statt Steuererleichterungen nur Vermehrung der Ausgaben und neue Belastung des Volkes bringen würden.

Weder jener Einwand noch der letztere Vorwurf sind begründet. Die Regierung hat darüber nie einen Zweifel gelassen, daß die Reform teils für daö Reich und die Einzelstaaten durch Vermehrung bezw. weitere Ausbildung und Erhöhung der indirekten Steuern die Mittel zur Be­streitung der etatsmäßigen Bedürfnisie beschaffen, teils die Einzelstaaten in den Stand fetzen sollte, eine Ermäßigung und, soweit möglich, Beseitigung der drückendsten direkten Abgaben, sowie eine Erleichterung der Steuerlast der Kom­munen eintteten zu lassen. Man war sich aber von An­fang an bewußt, daß die Aufgabe, welche sich das Reform­werk stellte, nicht auf einmal zu erreichen sei und daß die hierzu erforderlichen Erträge aus indirekten Steuern sich nur allmählig würden flüssig machen lasten. Wenn man die Reform nut nach und nach durchführen wollte, so lag es also nicht im Plane der Regierung, den einen oder den anderen der angegebenen Zwecke zunächst und vorzugsweise ins Auge zu fasten, vielmehr beabsichtigte man, bei der Verfolgung dieser Ziele gleichmäßig und stufenweise vorzu­gehen. Daß die preußische Regierung von vornherein von diesen Anschauungen ansgegangen ist und stets daran fest- gehalten hat, ergibt sich aus nachstehenden amtlichen Aktenstücken und Kundgebungen, welche die dem neuen Verwendungsgesetz beigegebene Denkschrift zusammenge- stelll hat.

(Nachdruck verboten^

Karneval.

Skizze nach dem Leben von Fritz Stahlberg-Lex.

Karneval! Welch' reizender berauschender Klang liegt in diesem einzigen Worte. Die Lippen sprechen eS aus, und wie durch die Wünschelrute hervorgezaubert, öffnen sich unserem geistigen Auge glänzende, im Prunke des un­sinnigsten Aufwands strahlende Säle, durchflutet von den blendenden Lichtwellen zahlloser Gasflammen, die sich in dem Edelmetall der Lüstres, den deckenhohen Trümeaus und den Brillanten der mit raffiniertestem Geschmack ge­wählten Damentoiletten voll sinnverwirrender Pracht wie­derspiegeln ; schlagen an unser Ohr die httzbestrickenden Melodiken ^wollüstiger Tanzweisen, nach deren Takte sich die üppigen Töchter Eva's in den Armen ihrer Kavaliere in taumelnder Lust wiegen und schaukeln, daS fiöhliche Lachen übermütiger Heiterkeit, sekundiert von dem Klirren der Kristallgläser, die, gefüllt mit dem brausenden Schaum­wein der kreidigen Champagne oder dem dunkeln Reben­blut von Bordeaux, immer und immer wieder an die heißen nach Wein und Liebe dürstenden Lippe« gefühlt werden, der verzehrenden Glut geweckter Leidenschaft neue Nahrung reichend und sie bis zur unbezähmbaren Flamme anfachend dringen zu uns aus lauschigen Boudoirs, in deren matterleuchteten, von dem betäubenden Aroma tropischer Blumen und den Odeurs köstlicher Essenzen geschwängerten Räumen die prickelnde Musik Strauß'scher Walzer ge­dämpft wiederklingt, das Geflüster leidenschaftlicher Liebes­schwüre, hervorzaubern undcherschwinden läßt. Zwischen der Doppelreihe oer flackernden Straßenlaternen gleiten luxuriös ausgeftattete Schlitten mit harmonischem Schellengeläute

Die Motive der dem Reichstage unter dem 9. Februar 1878 gemachten Tabaksteuervorlage, welche das zwischen den verbündeten Regierungen vereinbarte eigentliche Re­formprogramm enthalten, geben in Betreff der Aufgaben der Finanzpolitik des Reiches folgende allgemeine Gesichts­punkte :

Die seitherige Entwickelung des Steuersystems in Deutschland, welche die Staaten und die kommunalen Korporationen und Verbände vorzugsweise auf die Ver­mögens- und Einkommensteuern anweist, bereitet nicht nur den Landesregierungen Schwierigkeiten gegenüber den steigenden Anforderungen an die finanzielle Kraft der Staaten, sondern sie hat auch namentlich dazu geführt, daß die kommunale Selbstverwaltung, um den ihr durch höhere Interessen gestellten Ausgaben genügen zu können, die direkte Besteuerung auf eine Höhe zu steigern genötigt ge­wesen ist, welche dieselben sehr beschwerlich macht und auf die Fortentwickelung der Staatssteuern nachteilig zurück- wirkr. Gegenüber dieser von Jahr zu Jahr schwieriger werdenden Lage erscheint es geboten, die Ausgabe der Finanzpolitik des Reiches dahin zu stellen, daß durch Ver­mehrung der eigenen Einnahmen desselben aus den ihm zur Verfügung stehenden Verbrauchssteuern nicht nur sein gegenwärtiger Mehrbedarf gedeckt, sondem auch eine Ent­wickelung eingeleitet werde, welche eine Entlastung der Budgets der Einzelstaaten auf die Dauer herbeiführt, so daß es den letzteren dadurch ermöglicht wird, drückende Steuern zu beseitigen, beziehungsweise zu ermäßigen, oder wenn sie dies für angezeigt halten, einzelne dazu geeignete Steuern den Provinzen oder Gemeinden ganz oder teil­weise zu überlasten."

Unter Bezugnahme auf dieses Reformprogramm, welches schon in den ersten Entwickelungsstadien die gesammte jetzige Reformfrage in sich schließt, äußert sich ein Votum deS preußischen Finanzministers vom 5. Juni 1878 in Betreff der für Preußen in Aussicht genommenen Reformziele wie folgt:

Der Betrag, bis zu welchem die Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reichs anzustreben ist, wird hier­nach nicht etwa durch die gegenwärtige Höhe der Matriku- latumlagen des Reichs, sondern durch den Umfang be­zeichnet , in welchem für die Einzelstaaten ba< Bedürfniß vorliegt, zur Durchführung einer Reform der Landessteuern Deckung vom Reiche zu erhalten. Dabei sind für Preußen folgende Reformen des Steuerfystems in Aussicht zu nehmen:

1) Ueberweisung der Hälfte der Grund- und Gebäude­steuer an die Kommunalverbände;

2) Beseitigung der vier untersten Stufen der Klasten- steuer als Staatssteuer; Erleichterung der Kommunen in der Besteuerung der solchergestalt vom Staate freigegebenen

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über den glitzernden Schnee; neue Gäste schreiten durch das breite Portal die mit «eichen Teppichen belegte Treppe hinauf, in die mit feenhafter Pracht geschmückten Gesell­schaftsräume hinein, um das Gewirr reicher Toiletten, blitz nder Uniformen und besternter Fräcke zu vergrößern. Selbst die Straßen sind der Schauplatz auSgelastenster Lust und Fröhlichkeit. Bunte Masken beleben die sonst öden Trottoirs, neckende Lieder und launige Scherzworte fliegen hin- und herüber und entlocken selbst dem schlüssel- klirrenden Beamten nächtlichnüchtemer Ordnung ein ver­gnügtes Schmunzeln. Es ist ja Karneval! Ueberall tritt uns Freude und Heiterkeit, überall zwangloses Schwelgen im Meere der Lust entgegen.

Ueberall?

Sieh' neben dem Haus mit dem breitem Portal steht ein anderes und die Gaslaternen spenden Licht genug, um erkennen zu lassen, daß es ein viel bescheideneres, viel ein­facheres Exterieur besitzt als jenes, durch dessen Räume ich Dich soeben geführt. Trotzdem sind auch seine Fenster fast durchweg festlich erleuchtet, und auch hier scheint Prinz Karneval seinen Einzug gehalten zu haben. Doch folge mir!

Wir treten durch die halboffene HauSthür in den spär­lich erleuchteten Flur und steigen die knarrende, mit weißem Sande bestreute Holztreppe hinauf. Sei nur nicht unge­duldig ; wir sind erst im zweiten Stock. Nur noch eine Treppe und wir sind am Ziele. Ja, das Treppensteigen ist etwas anstrengend, wie Du siehst; Du atmest schwer und Deine Brust arbeitet heftig. Nicht wahr, eine Woh­nung in der Bel-Etage ist bequemer. Erhole Dich und bann tritt mit mir leise in das Zimmer hinein vor dessen Thüre wir stehen.

Censiten und Verschmelzung der oberen Stufen der Klassen­steuer mit der Einkommensteuer;

3) Verbesserung der Gewerbesteuer-Gesetzgebung haupt­sächlich zum Vorthcil des kleineren Gewerbebetriebes."

Man wird hiernach mit Ueberzeugung sagen können, daß die neue Vorlage sich im Wesentlichen auf der Basis dieser Erklärungen bewegt und nur in dem einen Punkte über dieselbe hinausgeht, daß sie die weitere Ueberweisung der verbleibenden 8 Klaffensteuerstufen an die Kreise zu Reformzwecken in das Auge faßt.

Dasselbe Schriftstück fährt dann fort:

Die aus Reichsmitteln zu schaffende Deckung für die hiernach in den Staatseinnahmen zu erwartenden Ausfälle ist berechnet: zu 1 auf ungefähr 35,000,000 Mark, zu 2 auf ungefähr 21,000,000 Mark, zu 3 auf ungefähr 2,500,000 Mark, in Summa 58,500,000 Mark ober runb 60,000,000 Mark. Außerdem wird zur Deckung derjenigen Staatsausgaben, für welche die regelmäßigen Einnahmen, auch abgesehen von der geplanten Steuerreform, nicht ausreichen, die gleiche Summe von 60 Mill. Mark als Bedarf bezeichnet, so daß der Gesarnrntbetrag, auf welchen Preußen als auf feinen Anteil an den Mehr­einnahmen des Reichs rechnen müßte, stch auf 120 Mill. Mark belaufen würde. Zu den eigentlichen Matrikular- umlagen trägt Preußen ungefähr 60 pCt. bei. Nach diesem Maßstab würde die Vermehrung der eigenen Ein­nahmen des Reichs ungefähr 200 Mill. Mark betragen tnüffeu, um der preußischen Staatskasse die oben berechnete Deckung von 120 Millionen Mark zu gewähren. Wenn ferner, wie dies nur gerechtfertigt erscheint, wegen des mutmaßlichen ferneren Steigen« der Ausgaben des Reichs auf eine ähnliche Reserve für die Reichskaffe Bedacht genommen werden soll, wie sie für die preußische Staats­kasse ins Auge gefaßt ist, so würde sich die Summe van ungefähr 245 Millionen Mark als der erforderliche Mehr­betrag der eigenen Einnahmen des Reichs darstellen. Dieser Betrag kann als Ziel gelten, welches bei der Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reichs zu erstreben fft."

(Schluß folgt)

Deutsche» Reich.

Berlin, 5. Januar. Vor einiger Zeit, als aus der Altenburger Wahl der Ausfall der gesamten Reichs- tagSwahlen dieses Jahres prognostiziert werden sollte, wurde dieser Prognose gegenüber ausgesprochen, daß die Alten­burger Wahlen in der Verwirrung der Parteien, welche jetzt herrscht, ihren Grund gehabt habe und daß bis zu den allgemeinen Wahlen klärende Ereignisse diese Ver­wirrung heben würden. Als daS erste solcher Ereignisse muß die noch im vorigen Jahre erfolgte Vorlage des Ver­wendungsgesetzes betrachtet werden, denn von der Stellung, welche die Parteien zu diesem Gesetz einnehmen, hängt es

In dem enge« Stübchen, besten ärmliche aber in schön­ster Ordnung aufgestellte Möbel bei dem schwachen Schein einer Petroleumlampe viel besser erscheinen, als sie es in Wirklichkeit find, sitzt ein bleicher, hagerer Mann am Tische und seine Hand führt die Feder gewandt über den eben angefangenen Bogen. Jetzt hebt er den Kopf und starrt nachdenkend vor sich hin. Es ist ein interessanter Kopf, der, von dem vollen Licht der Arbeitslampe getroffen, Deine Betrachtung herausfordert. Die hohe weiße Stirn, die dunklen, träumerischen Augen, die wohlgeformte Nase und der festgeschlossene Mund sind von tadelloser, klassischer Antike, aber die Jahre schweren Kummers, nagender Sorge und zahlreicher Entbehrungen haben die Züge mit ihrem ehernen Griffel durchfurcht, und ich sehe Deine ungläubige Miene vorher, wenn Du hören wirst, daß der Mann, besten schwarzes, welliges Haar von zahlreichen Silberfäden durchzogen ist, im besten ManneSalter steht. Und doch ist es so. Freilich wurde ihm seine jetzige Lebensstellung nicht an oer Wiege gesungen. Durch deS Schicksals tückisches Walten mitten aus seiner Carriere herausgeristen, von tteulosen Freunden schnöde verlassen, durch die Perfidie ehrloser Menschen ins Elend gestürzt, hatte er, wie ein Ertrinkender den Strohhalm, die erste beste sich ihm bie­tende Gelegenheit ergriffen und war Telegraphist an einer kleinen Privatbahn geworden, um sich und die zwei Wesen, die ihm das Theuerste auf Erden sind, fein geliebtes Weib und fein herziges Kind vor dem Elend des Hungers zu bewahren. Der Sonne erste Strahlen fanden ihn, der eine Fülle geistiger und körperlicher Vorzüge in sich ver­einigte, die ihn zu den hochfliegendsten Hoffnungen und Plänen berechtigten, zwischen den klappernden Apparaten des düsteren Bureaus. (Fortsetzung folgt)